Richard Rorty und der Pragmatismus

schon wieder Albert Camus

Und damit stehen wir wieder vor dem Problem, das Albert Camus in „L’Homme révolté“ auf Seite 22 (in meinem Beitrag „Albert Camus und das Absurde“ zitiert) genannt hat:

„Ich rufe, daß ich an nichts glaube und daß alles absurd ist, aber ich kann an meinem Ausruf nicht zweifeln, und zum mindesten muß ich an meinen Protest glauben. Die erste und einzige Gewißheit, die mir so im Innern der absurden Erfahrung gegeben ist, ist die Revolte. Bar alles sicheren Wissens, gedrängt, zu töten oder einem Totschlag beizustimmen, besitze ich nur diese Gewißheit, die sich noch verstärkt durch die Zerrissenheit, in der ich lebe.“
Auf Seite 394 von „L’Homme révolté“ kommt Camus zu dem Schluß:
„Es gibt also für den Menschen eine Tat und ein Denken, das auf der mittleren Ebene, der seinigen, möglich ist. Jedes ehrgeizige Unternehmen erweist sich als widerspruchsvoll. Das Absolute wird nicht erreicht und vor allem nicht geschaffen durch die Geschichte. Die Politik ist nicht die Religion, oder dann die Inquisition. Wie würde die Gesellschaft ein Absolutes definieren? Jeder sucht vielleicht für alle dieses Absolute. Aber die Gesellschaft und die Politik haben nur die Aufgabe, die Angelegenheiten aller zu regeln, damit jeder Muße und Freiheit habe für diese gemeinsame Suche. Die Geschichte kann dann nicht mehr zum Gegenstand des Kults erhoben werden. Sie ist nur eine Gelegenheit, die es gilt, durch eine wachsame Revolte fruchtbar zu machen.“
Wenn man das liest, so meint man, er habe die Theorie komplexer dynamischer Systeme bereits gekannt – aber nein, er war ein aufmerksamer Beobachter menschlicher Gesellschaften und so konnte ihm das nicht verborgen bleiben.

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