Hans, Freiherr von Boineburg-Lengsfeld

Hans wurde im Jahre 1889 als Sohn des Konrad (Curt) Emil Moritz Rudolf, großherzoglich sächsischer Kammerherr, Rittmeister des zweiten hessischen Husarenregiments, Herr auf Weilar, Altenburg und Herda, und der Helene, geb. von Hopffgarten, in Eisenach geboren. Er ging in Kassel und Weimar zur Schule, die er mit dem Abitur abschloss. Im Jahre 1910 trat er im Alter von 21 Jahren als Fahnenjunker in das königlich-preußische Jägerregiment zu Pferde in Erfurt ein, in welchem er auch im Ersten Weltkrieg kämpfte.
Ab 1915 war er in Russland stationiert, und zu Kriegsende nahm er an Kämpfen in Frankreich teil. Nach dem Zusammenbruch des Wilhelminischen Kaiserreiches im November 1918 kehrte er mit seiner Einheit nach Berlin zurück. Einen Monat später kämpfte er mit dem verbliebenen Rest seiner Division gegen die Kommunistische Volksmarinedivision im Verlauf des so genannten „Spartakus“-Aufstandes (1919), bei dem die Kommunisten versuchten die Herrschaft der jungen „Weimarer Republik“ zu stürzen und die Macht im Staat zu übernehmen. In Form von Straßenschlachten wurde diese Erhebung allerdings niedergeschlagen.
Hans wurde danach als Oberleutnant in die neu gegründete Reichswehr aufgenommen. Im Jahre 1920 vermählte er sich mit der finnischen Reederstochter Gunnel Töttermann. Nachdem er zwei Jahre als Rittmeister in Brandenburg gedient hatte, ließ er sich zum Reiterregiment 16 nach Thüringen versetzen, um seiner Familie nahe zu sein, wo er bis 1932 blieb. Danach war er vorübergehend in Kassel und für ein Jahr in Dresden als Adjutant des Kavalleriekommandos stationiert.
Nachdem im Sommer 1934 die Kavallerie aufgelöst und motorisiert (Einsatz von Panzerfahrzeugen statt Pferden) worden war, gründete General Guderian mit einer Reihe von ehemaligen Kavallerieoffizieren – darunter auch Hans von Boineburg-Lengsfeld – in Bad Filsen eine Panzerdivision, die mit ihrer völlig neuartigen Kampftechnik für die folgenden Jahre von entscheidender militärischer Bedeutung war. Hans von Boineburg berichtet darüber auf einer Tonbandkassette: „Vier Wochen haben wir in dem sehr schönen Schlosshotel von Bad Filsen gesessen, und man kann sagen, dass die ganze, noch heutige gültige Panzertaktik dort in diesen vier Wochen geboren wurde. In 30 Jahren hat sich an ihr nichts geändert. Die Taktik der Panzerdivision beruht ganz und gar auf der Taktik der alten Kavalleriedivision. Eine Panzerdivision zu leiten, war für uns Kavalleristen sehr leicht, da wir sie nach unseren alten taktischen, strategischen und operativen Überlegungen zu führen hatten. Heute wird sie unter Anpassung an die Verhältnisse des Atomzeitalters noch immer in der gleichen Weise geführt. Eine geschlossene Panzerdivision allerdings kommt heute nicht mehr zum Einsatz, das ist seit dem Zweiten Weltkrieg zu Ende. Doch hat sich, wie gesagt, die Theorie von 1934 nicht geändert.“
Von Oktober 1935 bis Oktober 1938 war Hans Batallionskommandant im Ersten Panzergrenadierregiment der Ersten Panzerdivision in Weimar. Als Oberst führte er dieses Regiment auch im Polenfeldzug (Codewort „Fall Weiß“, 1939) und war somit aktiv am Ausbruch des Zweiten Weltkrieges beteiligt. 1939 wurde er auf Wunsch von General Reinhardt zum Brigadekommandanten in dessen Division ernannt und nahm als solcher am Frankreichfeldzug (Codewort „Fall Gelb“, 1940) teil, wo er für die Eroberung einer stark befestigten und besetzten gegnerischen Schlüsselstellung in Belgien, die für den weiteren Vormarsch nach Frankreich von strategisch immenser Bedeutung war, das „Ritterkreuz“ überreicht bekam. „Eines Tages rief General von Manstein an. dass er mich gerne sprechen möchte. Damals hatte ich. obwohl ich eine Division kommandierte, nur den Rang eines Obersten. Mannstein kam und wir gingen vor dem Schloss spazieren. ‚Boineburg, ich möchte ihnen gerne etwas geben.‘ Er griff in seine Hosentasche und zog ein Etui heraus. ‚ Hier haben Sie das Ritterkreuz.‘ Das war die feierliche Überreichung des Ritterkreuzes an mich.“
Nach siegreichem Abschluss des Frankreichfeldzuges und des damit verbundenen Einmarsches der deutschen Truppen in Paris wurde eine Reihe von Offizieren zu Generälen befördert, nur Hans von Boineburg nicht. Daraufhin war er so verärgert, dass er sich infolge einer alten schweren Beckenverletzung durch einen Panzerunfall, deretwegen er noch immer unter ärztlicher Behandlung stand, krankmeldete. Verbittert äußerte er sich gegenüber seinem Freund General Linnertz wegen dieser sichtlichen Ungerechtigkeit: „Linnertz. seit Ihr verrückt geworden? Ich mach‘ nicht mehr mit, macht Euch Euren Dreck alleine. Ich lasse mich nicht übergehen! Ich habe keine silbernen Löffel gestohlen und bin genauso schlau wie die anderen, die Ihr zu Generälen gemacht habt. Außerdem war ich der erste, der das Ritterkreuz bekommen hat. Auf Wiedersehen.“ Hans zog sich vorübergehend auf sein Gut in Weilar zurück und ging dort auf die Jagd. Im Oktober 1940 kam er wieder zur Armee und meldete sich als Brigadekommandant bei General Erwin Rommel, dem Kommandanten des zur Legende gewordenen „Afrikakorps“, der ihn schon zuvor in der 7. Panzerdivision einsetzen wollte. Während eines Frühstücks mit Rommel, der damals noch Adolf Hitler bedingungslos ergeben war, entwickelte sich eine lang anhaltende Freundschaft zwischen den beiden Männern.
Nach dem Scheitern des Afrikafeldzuges (Krieg in Nordafrika, 1940 – 1942) kam es zu einem neuerlichen Zusammentreffen der beiden, bei dem sich Rommel nunmehr sehr kritisch Über Hitler äußerte. „ ‚Das ist der haarsträubendste Mann und ein Verräter‘, sagte er und fuhr fort mit den schlimmsten Beschimpfungen. Er hatte vollkommen mit Hitler gebrochen. Dann sagte er mir noch: ‚Sie wissen ja, ich bin jetzt hier, um die ganze Panzerwaffe für die Abwehr des kommenden Großangriffs in die Hand zu nehmen und zu führen. Ich kann Ihnen sagen, Boineburg, eine Verteidigung Frankreichs ist unmöglich. Wir können nicht 3500 km verteidigen. Dazu haben wir gar nicht die Kräfte. Der Krieg ist verloren.‘ Dass der Krieg verloren war, wusste ich schon lange, aber ich fuhr doch mit einem etwas betrübten Gefühl nach Paris zurück und sagte mir:‘ Aus einem Saulus ist ein Paulus geworden.’“
Durch diese innere Wandlung Rommels beeinflusst, kann auch das regimekritische Verhalten von Hans erklärt werden. Trotzdem war er zunächst mit der 7. Panzerdivision im Raum um Bonn stationiert und wurde dann im Laufe des Sommers 1941 nach Russland verlegt. Denn am 22.6.1941 war trotz des Hitler-Stalin Paktes der völlig überraschende Überfall der Deutschen Wehrmacht auf die UdSSR erfolgt, der zum Russlandfeldzug (Codewort „Unternehmen Barbarossa“, 1941-1942) führte. Stalin unternahm zunächst nichts gegen den Feind, weil er sichtlich auf einen Angriff nicht vorbereitet gewesen war. Erst einige Tage nach dem Überfall fand die erste bedeutende Panzerschlacht auf russischem Boden statt, als die Deutschen in den Raum von Smolensk vorstießen.
Mitte September 1941 erhielt Hans vom OKW (= Oberkommando der Wehrmacht) den Befehl, Russland vorübergehend zu verlassen und im Raum von Paris die 23. Panzerdivision aufzustellen. Als er diese schwierige Aufgabe zur Zufriedenheit der Wehrmacht gelöst hatte, kehrte er mit seiner Division an die Ostfront zurück, wo sich seine Truppen gegen die mittlerweile einsetzende russische Offensive im Raum Charkow großartig geschlagen und dabei schwere Verluste erlitten hatten. Nachdem er Menschen und Material wieder entsprechend aufgestockt hatte, bereitete er bei ungünstigsten Wetterverhältnissen den Vorstoß nach Stalingrad vor. Bei einem Erkundungsflug über das Feindesland wurde Boineburgs Adjutant, Major Reichel, abgeschossen und die von ihm unerlaubterweise mitgenommenen Geheimbefehle des Führers von den Russen gefunden. Damit war der gesamte Angriffsplan der Deutschen aufgedeckt. Aufgrund dieses unerfreulichen Vorfalles, für den Hans die volle Verantwortung trug, wurde er abgelöst und flog in Begleitung von General Stumme und Oberst Franz zur „Wolfsschanze“ bei Königsberg in Ostpreußen, wo er im Sonderzug des Generalfeldmarschalls Keitel (= Chef der Wehrmacht) als Untersuchungs-Gefangener des Führers inhaftiert und wegen der verloren gegangenen Papiere angeklagt wurde.
Nach zehn Tagen entließ man ihn jedoch auf Ehrenwort, und es wurde ihm gestattet, die Heimreise anzutreten. In Berlin fand dann die Verhandlung gegen die drei Angeklagten statt, die Reichsfeldmarschall Hermann Göring (= Chef der Luftwaffe) leitete. Auch diesen Eindruck hielt Hans auf der Tonbandaufnahme fest: „Er war prächtig anzusehen in seiner wunderbaren Uniform, mit einem dicken Ring am Finger. Um ihn herum saßen die Oberkriegsgerichtsräte. Diese haben nicht einmal den Mund aufgemacht, sondern Göring hat ganz allein die Verhandlung geführt und hat es ganz ausgezeichnet gemacht. Es war ein Rededuell zwischen dem sehr redegewandten Panzergeneral Stumme und Göring.“ Nach einer sehr fairen und sachlichen Verhandlung kam es schließlich zum Freispruch für Boineburg, während die beiden anderen Angeklagten degradiert wurden. Boineburg forderte vom Reichsmarschall, wiederum in seiner alten Division eingesetzt zu werden, was man ihm auch bewilligte. Nach einer Kur in Bad Gastein machte man ihn zum Kommandanten der 23. Panzerdivision, und er begab sich abermals nach Russland, wo er mit seiner Division den letzten großen Vorstoß in Richtung Kaukasus unternahm.
Nach dem gelungenen Durchbruch der Russen durch die Kampflinien der Deutschen Wehrmacht wurden die deutschen Truppen in der Stadt im sogenannten „Kessel von Stalingrad“ von den Russen eingekreist. Hitler verbot ihnen den Ausbruch aus dieser ausweglosen Lage, und es kam daraufhin zur Spaltung der eingeschlossenen Armeen in einen „Süd“- und „Nordkessel“ und zu deren gewaltsamen Einnahme. Am 31.1.1943 kam es unter Generalfeldmarschall Paulus zur Kapitulation des „Südkessels“ und am 2.2.1943 zur Kapitulation des Nordkessels. Nicht weniger als 90.000 deutsche Soldaten gerieten dadurch in russische Kriegsgefangenschaft, von denen lediglich 3000 ihre Heimat nach Kriegsende wieder sahen.
Hans von Boineburg wurde nach dem Durchbruch der Russen und der Einkesselung von Stalingrad mit der 23.Panzerdivision vom Kaukasus zurückbeordert und sollte gemeinsam mit zwei weiteren Divisionen die in Stalingrad eingeschlossenen Soldaten ersetzen. Da die Russen aber zahlenmäßig fünf- bis sechsfach überlegen waren, konnte Boineburg die Frontlinie nicht halten, musste sich bei extrem harten winterlichen Verhältnissen immer weiter zurückziehen und verlor schließlich fast die gesamte 23. Division, wonach er krank und frustriert nach Berlin zurückkehrte und um seinen Abschied bat.
Dieser wurde ihm jedoch aufgrund der immer bedrohlicher werdenden Kriegssituation nicht gewährt, sondern man machte ihn trotz seines Protestes ab 1. April 1943 zum Kommandanten von „Groß-Paris“ (= Paris und Umgebung), um die Verteidigung der Stadt vorzubereiten und als ernannter Oberbürgermeister Ruhe und Ordnung aufrechtzuerhalten. Die Tatsache, dass Paris trotz Hitlers Absicht, die Metropole in Schutt und Asche zu legen, praktisch unversehrt blieb, ist sicherlich auf günstige Umstände, aber auch auf die Verdienste von Hans von Boineburg zurückzuführen, der fünfzehn Kilometer nördlich von Paris eine Verteidigungslinie ausbauen ließ („Boineburg-Linie“), wodurch es in der Stadt selbst zu keinerlei Kampfhandlungen kam. Aus der Tonbandaufnahme geht hervor, dass Hans nicht nur bei der Pariser Zivilbevölkerung beliebt gewesen sein musste, sondern dass bei ihm auch immer wieder Prominenz aus Kunst und Politik von Großdeutschland verkehrt hatte. So zählten unter anderem der japanische Botschafter und die Dirigenten Knappertsbusch, Furtwängler und Karajan zu seinen Gästen.
Gegen Kriegsende wurde Boineburg noch einmal in ein Ereignis von ungeheurer Tragweite verwickelt, das ihn fast das Leben gekostet hätte. Schon seit dem Jahre 1943 hatte er sich nämlich jener Widerstandsgruppe von Offizieren der Deutschen Wehrmacht angeschlossen, die nach der entscheidenden Kriegswende infolge des verlorenen Russlandfeldzuges an eine Beseitigung des Führers dachten. Nun war der Augenblick gekommen, in dem das Vorhaben in die Tat umgesetzt und damit der Zweite Weltkrieg beendet werden sollte. Hans berichtet dazu auf der Tonbandkassette: „Am 13. Juli 1944 ließ mich der Militärbefehlshaber mit meinem Stabschef, Oberst von Unger, zu sich kommen und eröffnete mir folgendes: ‚Boineburg, Sie müssen damit rechnen, dass in den nächsten acht Tagen etwas geschieht. Es hätte schon früher etwas geschehen sollen, aber aus verschiedenen Gründen musste es verschoben werden. Sie wissen schon, was ich meine: es handelt sich um die Beseitigung Hitlers.’“
An der Spitze der Verschwörung stand der konservativ-katholische Offizier und Widerstandskämpfer Claus Graf Schenk von Stauffenberg, der im Zweiten Weltkrieg als Stabsoffizier und dann im OKH (= Oberkommando des Heeres) tätig war. Am 1.07.1944 wurde er als Oberst i.G. (= im Generalstab) zum Stabschef beim Befehlshaber des Ersatzheeres ernannt und gewann dadurch unmittelbaren Zugang zu Adolf Hitler. Anlässlich einer militärischen Lagebesprechung brachte er am 20. Juli 1944 in der „Wolfsschanze“, dem Hauptquartier des Führers bei Rastenburg, eine Bombe zur Explosion, die Hitler töten sollte, ihn aber durch einen Zufall nur leicht verletzte. In der Annahme, dass das Bombenattentat geglückt sei, flog Stauffenberg nach Berlin zurück und löste mit seinen Mitverschworenen, General Hopper, General Beck und dem Oberbürgermeister von Leipzig Goerdeler, einen Staatsstreich aus, der jedoch noch am selben Nachmittag misslang, da schon sehr früh bekannt wurde, dass Hitler das Attentat überlebt hatte. Nach dem Scheitern der Aktion ließ General Oberst Fromm, der Befehlshaber des Ersatzheeres, Stauffenberg und die drei Mitverschworenen standrechtlich erschießen.
Boineburgs Aufgabe bei diesem Unternehmen bestand darin, in Paris die Machtübernahme entsprechend vorzubereiten und die SS (= Schutzstaffel), den SD (= Sicherheitsdienst), den höheren Polizeiführer Frankreichs, Oberst Knochen, und andere wichtige Persönlichkeiten des Naziregimes im besetzten Frankreich ohne Blutvergießen festzunehmen. Voll Nervosität, aber auch Euphorie über den vermeintlichen Erfolg forderte Hans Oberst von Linsdow auf: „Wir wollen ins ‚Raffael‘ hinuntergehen und eine Flasche Champagner trinken, das brauche ich jetzt.‘ Wir taten dies auch und trafen einige Leute, die sich vor lauter Freude darüber, dass Hitler schon tot sei, bereits betrunken hatten.“
Nachdem durch die Rundfunkansprachen Hitlers und des Reichspropagandaministers Josef Göbbels bekannt geworden war, dass der Anschlag missglückt sei, wurden die gefangenen SS-Leute alle wieder freigelassen, die getroffenen Maßnahmen in Paris als „Übung“ getarnt, und Boineburg sollte die an dem Unternehmen beteiligten Truppen davon in Kenntnis setzten. Seine gefährliche Aufgabe kommentierte er mit den Worten: „Es gibt nichts, was so dumm ist, dass man es nicht erzählen kann!“
Auch ein Zeitzeuge berichtet in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ über Boineburgs Verhalten: „(…) Ich hatte einen Regimentskommandeur, Oberst von Boineburg, der ja in Paris am 10. Juli 1944 die gesamte SS gefangen gesetzt hat. Als dann die Sache (das Attentat) auf Hitler scheiterte, hat er sie wieder herausgelassen. Da gab es dann ein Diner, wo also wirklich die Generalität mit ihren Henkern zusammen gesessen und ihr Abendmahl eingenommen hat. Eine tragische Situation. Es zeigt, wie einfach es gewesen wäre von Paris aus die Dinge weiterzuführen, die in Berlin gescheitert waren,(…)“
Für Hitler war ein weiterer Verbleib Boineburgs unerträglich, weil dieser maßgebliche SS-Leute verhaften hatte lassen. So wurde wenig später General von Choltitz zu seinem Nachfolger bestimmt. Boineburg verließ im August 1944 Paris und wurde Militäroberbefehlshaber in Dijon. Nur durch ein Wunder war er dem furchtbaren Blutgericht entgangen, das Hitler gegen alle an dem Attentat Beteiligten durchführen ließ. Er begründete sein Überleben folgendermaßen: „Dass ich die Ereignisse des 20Juli überlebt habe, verdanke ich vor allem General Speidel, der mich gedeckt hatte; dann der Tatsache, dass General von Stülpnagel geschwiegen hat und schließlich der kameradschaftlichen Haltung Obergs. der die Sache nicht verschärft hat. Bei der 20-Jahr-Feier, am 20. Juli 1964, hat mir auch Speidel gesagt, dass er mir damals das Leben gerettet hätte. Aber er hat sich nicht weiter dazu geäußert. Er hat nur gesagt: ‚Boineburg, Sie können mich als Ihren Lebensretter betrachten.’“
Boineburg war zuletzt als Kommandant im Elsass, am Oberrhein und am Truppenübungsplatz in Bergen Belsen tätig und begab sich freiwillig nach Kriegsende in amerikanische Gefangenschaft, aus der er allerdings aufgrund seiner Beteiligung am Hitler-Attentat bald wieder entlassen wurde. Der pensionierte General lebte nach dem Verlust der Familienbesitzungen durch Enteignung zurückgezogen als Land- und Forstwirt auf dem Rittergut Altenburg in die Nähe von Kassel. Er verbrachte dort noch 20 Jahre und nahm weiterhin regen Anteil am politischen wie auch öffentlichen Leben. Er starb am 20.11.1980 auf dem unserer Familie verbliebenen Rittergut in Hessen.

[Auschnitt aus Kapitel VII der „Familienchronik des Hauses Boyneburg“ von Désirée Boyneburg]


 

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