Lebensverhältnisse im 19. Jh.

Inhalt

 

Die Gehauser Klöpfer

Als Besitzlose, die sie anfangs sind, bleibt unseren Gehausern kein anderer Ausweg, als sich in die Abhängigkeit der Boineburgs zu begeben, denen rundherum alles Land gehört. Als Tagelöhner und bessere Leibeigene, von denen es durch ständige Zuwanderung allmählich viel zu viele im Dorf gibt, sind sie für die Grafen billige Arbeitskräfte, die sie redlich ausnutzen, die aber nur wenig für sie tun können, um ihr armseliges Leben zu verbessern. So begleiten Armut, Not und soziales Elend die Gehauser über eine lange Wegstrecke ihrer Geschichte.
Es zeigt sich, dass das Dorf mit zunehmendem Wachstum immer weniger in der Lage ist, alle seine Menschen zu ernähren und für sie bezahlte Beschäftigung zu beschaffen. Auf der Suche nach Arbeit und Brot verlassen viele das Dorf, um als Wanderarbeiter irgendwo im Lande ein Unterkommen zu finden. Die Auswahl ist zu dieser Zeit nicht groß, man muss sie jede Arbeit annehmen, die sich bietet. Mancher hat Glück und findet beim Festungsbau eine Beschäftigung. Mit dürftigem Lohn in der Tasche kehren sie ins Dorf zurück, wenn sie es nicht vorziehen, in der Fremde zu bleiben.

Ihr Weggenosse auf den Straßen ist jener Gehauser „Weltbürger“, der bettelnd und vagabundierend im Land umherzieht und sich als „Gehauser Klöpfer“ einen Namen macht. Er kehrt ebenfalls dem Dorf den Rücken, hat es aber gelernt, dass die Bettelei, als Broterwerb betrieben, auch ein Weg ist, sich durchs Leben zu schlagen. In seiner Lage ist er vermutlich auch Sympathisant des „Krummfinger Balthasar“, Boss einer Räuberbande, dem wir auf der Seite „Schwartzer Frieder“ begegnen können.
Die Berichteschreiber jener Zeit gehen dabei wenig zimperlich mit uns Gehausern um. Da heißt es:

„… die Einwohner von Gehaus und Völkershausen sind wegen ihrer Bettelei besonders verrufen“.

Und an anderer Stelle ist vermerkt:

„… Arbeitsscheues Gesindel, vornehmlich von Gehaus und Wölferbütt wandert nach Bayern und Württemberg, erschleicht sich dort, unter dem Vorwand die heimatliche Reisebescheinigung verloren zu haben, eine neue und nutzt diese verbotswidrig für ihre Bettelei“.

Wenn alles stimmt, was da berichtet wird, sind unsere Gehauser Vagabunden und Kosmopoliten in der Tat kleinere oder größere Ganoven. So erweisen sich manche als versierte Urkundenfälscher, die es verstehen, sich selbst gefertigter, aus Ton bestehender Amtssiegel zu bedienen. Andere sind Münzfälscher, die es fertig bringen, aus billigem Kupfergeld mit Hilfe von Quecksilber und Scheidewasser Silbermünzen zu fabrizieren.
Wie es heißt, bringen sie von diesen Geschäften bei ihrer Heimkehr im Herbst, mit 40, 50 und mehr Gulden in der Tasche oft sehr viel Geld mit nach Hause. Grund genug für andere, sich ebenfalls dieses lukrativen Gewerbes anzunehmen.
In unserem Dorf, wo das Klöpferwesen besonders stark ausgeprägt ist, soll es Vertreter dieses „Berufsstandes“ gegeben haben, die sich auf diese Weise ein kleines Vermögen zusammenergaunert haben.
1831 werden alleine in Gehaus und den dazugehörigen Höfen 136 Personen als Heimatlose, Vagabunden und Herumtreiber gezählt. Einweisung in Arbeitshäuser, verschärfte Strafbestimmungen im Zusammenhang mit den 1832 erlassenen Vagabunden- und Passgesetzen bewirken, dass sich, wie es heißt, „namentlich in Gehaus die Zahl der Klöpfer bis zum Jahr 1840 auf die Hälfte verringert und viele mehr und mehr sich an Arbeit und redlichen Erwerb gewöhnen“. Nichtsdestoweniger werden zwischen 1840 und 1844 im Amtsbereich Stadtlengsfeld noch immer über 100 Delinquenten wegen Vagabundierens bestraft.
Die neue Vagabunden-Verordnung von 1850, speziell für die Gerichte in Stadtlengsfeld und Vacha erlassen, die alle diejenigen mit Strafe bedroht, die für das vergangene Jahr kein Arbeitszeugnis beibringen und alle jenen die Reisebescheinigung verweigert, die keinen erlaubten Reisezweck nachweisen können, bringt weitere Erfolge mit sich. Auch für unser Dorf. 1854 gibt es da unter den vielen Vagabunden, die in der Wollkämmerei und -spinnerei der Firma Eichel in Stadtlengsfeld arbeiten, eine ganze Reihe dieser ehemaligen Zunftbrüder auch aus Gehaus.
Freilich, die Experten der „Zunft“ betreiben ihr Handwerk weiter. Ihre Umsicht wächst mit der Schärfe der gesetzlichen Maßregeln. Trotz Verbotes sind Gehauser Klöpfer noch Jahrzehnte lang auf Betteltour unterwegs, handeln sich dabei Haftstrafen ein und stehen wegen Landstreicherei, Obdachlosigkeit und Herumtreibens vor dem Richter, ebenso in Vacha, Eisenach und Meiningen wie auch in Hamburg, Frankfurt, Lübeck und anderswo.
Sie sind noch immer vagabundierend auf den Straßen unterwegs, denn für viele unserer Nachbarn sind wir bis heute die Gehauser Klöpfer geblieben.


Die Geschichte des Bettlers Johannes Bischoff aus Gehaus

Durch Zufall konnte ich im Monat Mai 2007 an einer Buchlesung des Herrn Diethart Lemke in Vacha teilnehmen. Wie wichtig ein derartiges Ereignis für die eigene Heimatgeschichte ist, soll hier einmal an Hand eines uns bis dahin unbekannten Gerichtsfalles aus dem Jahre 1844 dargestellt werden. Hier wird deutlich, wie fruchtbar eine Zusammenarbeit mit Bürgern gleichen Interesse sein kann. Dafür nochmals herzlichen Dank an Herrn Lemke.
Gehaus im Jahre 1844 (gekürzt):

Zu dieser Zeit gab es in Gehaus wohl kaum wohlhabende Bürger, dafür aber eine breite Schicht der Dorfarmut, die aus Tagelöhnern, Handwerkern und anderen besitzlosen Mitbürgern bestand. Es gab Bewohner ohne irgendwelche Einkommen, die nur auf die Gnade der Gemeindeoberen angewiesen waren. So ist es nicht verwunderlich, dass viele auf die schiefe Bahn gerieten und sich nur durch „Betteln” oder anderen Dingen über Wasser halten konnten. Dass dies der Obrigkeit ein Dorn im Auge war versteht sich von selbst. Also wurden immer neue Maßnahmen erfunden, um dieses Vagabundentum einzuschränken oder gänzlich auszumerzen. Zu diesem Zwecke wirkte in Lengsfeld das Patrimonalgericht, in Dermbach das Kriminalgericht und in Eisenach die Strafjustiz.

Einer aus der Schar dieser Bettler und Vagabunden war ein Johannes Bischoff aus Gehaus. 1835 wurde er zum ersten Mal bettelnd aufgegriffen und für 4 Monate in ein Arbeitshaus gesteckt. 1838, er war knapp 50 Jahre, bat er in Lengsfeld um Essen. Er wurde ergriffen und am 15. Juli 1838 zu 4 Jahren Zuchthaus zweiten Grades verurteilt. Da ohne Vermögen bekam er unentgeltlich einen Amtsadvokaten zur Verfügung gestellt (heute wie ein Pflichtverteidiger). Der Gerichtspräsident war gnädig und schlug vor ihn zu begnadigen, da Bischoff keine größeren Verbrechen o. ä. sich zu Schulden hat kommen lassen. Der Herzog seinerseits ging soweit mit, dass er Bischoff nicht in das Zuchthaus, sondern in ein Zwangsarbeitshaus nach Eisenach einliefern ließ.

Dies war zwar auch eine geschlossene Anstalt, war aber nicht Strafarrest und wurde mit „Detention“ (Einbehaltung) umschrieben. Nach Beendigung dieser 4 Jahre bat Bischoff in der Anstalt bleiben zu dürfen, da er krank und nicht arbeitsfähig sei und somit seiner Gemeinde Gehaus wieder zur Last fallen würde. Doch der Anstaltsleiter war froh ihn wieder los zu werden. Dies war für ihn eine Frage der Kosten und in Gehaus würde man ihm das Nötigste schon geben. Am 12. September 1842 kam Bischoff wieder in Gehaus an. Doch ihn der Gemeinde Gehaus gab man ihm weder ein Nachtlager noch Bettstroh. Es blieb ihm nichts anderes übrig, als wieder zum „Betteln“ zu gehen. In Mosa erbettelte er 2 Stück Brot. Dabei wurde er erneut gestellt und festgenommen. Jetzt wurde J. Bischoff zu 1 Jahr Arbeitshaus – Strafe verurteilt. Später wird diese Strafe in Zwangsarbeitshaus Aufenthalt (Detention) umgewandelt. Jetzt wird Kritik an der Verfahrensweise der Gehauser Gemeindevertreter und auch dem Boyneburgschen Patrimonialamt gegenüber laut. Bischoff wollte, wie bereits beim ersten Mal in Eisenach bleiben. Die oben genannten Gremien wiesen die Kritik der Vernachlässigung gegenüber. Bischoff natürlich ab, unterstützten aber gerne das Gesuch des Bischoffs zum Verbleib in Eisenach. Als Gründe wurden angegeben, dass Johannes Bischoff nicht arbeitsfähig sei und in der Zwangsarbeitsanstalt besser aufgehoben wäre, da für ihn dort gesorgt wird. Die Landesdirektion schlug daraufhin dem Herzog vor, dass Bischoff solange dort verbleiben solle, bis er eventuell wieder arbeitsfähig sein wird. Was danach kam entzieht sich dem bisherigen Erkenntnisstand. Wahrscheinlich musste Gehaus ihm wohl noch einmal ein paar Schütten Stroh für das Endlager gewähren.

Quellen:

  • Diethard Lemke „Mord und Totschlag in der Rhön: Ein Rhöner Pitaval. Vergehen und Verbrechen und Ihre Ahndung in der Thüringischen Rhön vom 16. bis zum 20. Jahrhundert“ 2007, S. 357- 363
  • Staatsarchiv Marburg, Boineburgisches Familienarchiv Dep. 340
  • Archiv HPV e. V. Gehaus

Im Auftrag des Heimatpflegeverein e. V. Gehaus/Rhön
Reinhold Lotz†,
Vors.

Zitiert aus Baier Bote 5(2007)06 vom 29. Juni 2007


Alltag in der 2. Hälfte des 19. Jh.

So tritt das Dorf in die 2. Hälfte des 19. Jh. ein. Nach wie vor ein armes Dorf, geprägt von jener Schicht kleiner Leute, die sich mühsam genug als Tagelöhner, Magd und Knecht, als landarmer Bauer und landloser Arbeiter, als Viehtreiber, Holzfäller und Wollkämmerer, als Korbmacher, Schafknecht und Steinklopfer, als Besenbinder und Knochensammler oder wie auch immer mühsam genug durchs Leben schlagen.
Wie und auf welche Weise erfahren wir aus dem Bericht eines Fritz Rollberg über diese Zeit, der uneingeschränkt auch für unser Dorf von damals zutreffend sein dürfte.
Was die Wohnverhältnisse angeht, so ist die Behausung ein kleines, primitives, mit Schindeln bedecktes Bauwerk, in welchem die meist kinderreiche Familie, oft noch Großeltern und unverheiratete Verwandte in drangvoll fürchterlicher Enge zusammenleben.
Bei uns in Gehaus sind es jene armseligen Katen mit der einen und einzigen Stube, der winzigen Kammer daneben, dem rußgeschwärzten, oft fensterlosen „Küchenloch“ sowie der kleinen Bodenkammer mit dem nackten Dach als Decke. Eine Heimstatt von Menschen, in der diese mehr hausen als wohnen .
Wie anders war es da bei unseren Nachbarn in Oechsen: Dort das reiche hessische Bauerndorf mit den stattlichen, mit Fachwerk geschmückten Häusern, Wohnsitz eines Jahrhunderte alten, bodenständigen, wohlhabenden und selbstbewussten Bauernstandes, hier vor allem in elenden Hütten lebende, besitzlose, von der Dorfherrschaft abhängige Tagelöhner.
Schlimm ergeht es den Menschen im Winter. Das Holz aus gräflichen Forsten ist teuer und deshalb nicht ausreichend vorhanden. In vielen Häusern gibt es nur einen einzigen Raum, der heizbar ist. Und dieser ist neben Wohn- und Schlafstube zugleich Werkstatt, Asyl für Jungvieh und kranke Tiere. Trockenboden zum Aufhängen der nassen Kleidung und notfalls auch Leichenstube .
Überall in den engen Räumen schwelt die Öl- und Petroleumslampe, atmet man stickigen Ofenrauch, unterlässt es aber der Wärme wegen die Fenster zu öffnen.
Nur wenige Menschen haben ein Bett für sich alleine. In manchen Fällen teilen sich drei und mehr in die primitive, aus rohen Brettern zusammen gezimmerte Lagerstätte, mit der dicken Strohunterlage und dem schweren Federbett, dessen Leinenbezug nur selten gewaschen wird.
Einrichtungen zur Verrichtung der Notdurft sind damals noch Luxus, Erdgruben sind selten, gemauerte fast gar nicht vorhanden. Man zieht sich diskret in den Stall oder auf den Mist im Hof zurück.
Der Küchenzettel ist einfach. Wo Mehl-, Graupen-, Hirse- und Kohlrübensuppe, Kraut, der Topf Ziegenmilch und das Stück Handkäse nicht hinreichen, machen Kartoffeln und Salz (oft fehlt auch dieses) die dürftige Mahlzeit aus. Davon gibt es in armen Haushalten nur zwei am Tag und nur 3 bis 6 Pf. lässt der Haushaltsplan an Ausgaben für Fett und Schmalz je Mahlzeit zu. Fleisch kommt selten auf den Tisch, wenn ja, ist es wirklich ein Festtagsessen. Das Gefühl, satt zu sein, kennt man wohl nur selten.
Der Rhöner ist vorzugsweise Vegetarier, aber nicht aus freier Wahl. Die Kartoffel und Milch ist Hauptnahrung. Solange es „Ka’touffel“ gibt leidet der Bauer keine Not. Am Morgen sind gesottene Kartoffeln die Zuspeise zur „Breh“, am Mittag bilden sie als Klöße die Hauptmahlzeit und abends gibt es nichts Pikanteres als gestoßene „Zammete“ zur kalten Milch. Kartoffeldaitscher und gebackene Klöße sind schon seltene Speisen für bessere Leute, sie werden in Leinöl gebacken, das sie selbst gewinnen. Die zweite Hauptnahrung ist das Kraut (Kruht), aber meist ohne die dazugehörigen Saupfote, ohne Schinken und Fleisch. Butter oder Bucheöl muss Fleisch ersetzen. „Flaisch und Wuorscht“ kommen nur selten, in wohlhabenden Häusern auch nur wöchentlich einmal auf den Tisch. Einen eigentümlichen Namen hat man auch für den Schwartenmagen er wurde „Schwoartegounder“ genannt. Als Backwerk kommen Kräppel oder Koche, Ploaz in allen Abarten als Brot-, Zwiebel-, Speck- oder Käseploaz auf den Tisch. Es gibt auch noch Isekoche oder Daitscher. Sie kommen meist nach einer einfachen Vorspeise auf den Tisch und können mit Hutzeln zu einer vollständigen guten Mahlzeit werden. Der Kaffee als Frühstück hat sich in den Jahren allgemein eingebürgert. In den besseren Häusern ist er selbst nachmittags gebräuchlich. Die ärmeren Leute begnügen sich mit Runkelrübenkaffee. Kommt Besuch ins Haus, so steht die harte geräucherte Rhönwurst, ziemlich fett und scharf auf dem Tisch, zugleich mit dem „Kaännche“ Schnaps. Das ist das Nationalgetränk des Rhöners, das ihm zugleich den üblen Ruf eines „Schnapssüffers“ eingebracht hat.


Vom lieben Branntewein

Eine Vorliebe gehört dem Branntewein. Fünf bis sechs Kännchen trinkt ein Bursche in der Schänke leicht, kostet das Kännchen doch nur zwei Kreuzer und das Seidel Bier vier Kreuzer. Die Männer im Wirtshaus begehrten übrigens nie einen Schnaps sondern nur „a hall Kännje“, oder „a Wörfje“, oder „n Kuorze“. Den Rhöner Müttern wird sogar die barbarische Sitte nachgeredet, sie tauchten sogar den Schnuller mit dem sie ihre Kinder beschwichtigten, in dieses Nationalgetränk. Auch sagt man den Wöchnerinnen nach, sie hätten stets die Schnapsflasche neben dem Fenster stehen. In alter Zeit haben die Wöchnerinnen nicht Schnaps, sondern Wein für das Wochenbett eingelegt. Wer einmal einen kalten Winter oder einen heißen Sommer in der Rhön durchgemacht hat, der wird bald die Wirkung eines guten Schlückchens an sich selbst erfahren haben.
Wie vielerorts werden auch bei uns in Gehaus Schnaps gebrannt, Bier gebraut und deren Ausschank betrieben. Herstellung und Verkauf sind seit alters her als s. g. „Gerechtigkeiten oder Gerechtsame“ grundherrliche Rechte, die seine Inhaber selbst wahrnehmen oder aber gegen Lehnsgeld an andere „verleihen“. Der so gewonnene köstliche Tropfen kam dann auf den Tisch, wenn es etwas zu feiern gab. Dazu wurde noch ein witziger Spruch zum Besten gegeben, der wie folgt lautet:

O Branntewein, du edler Geist,
Daß du mir in den Kopf nicht steigst!
Steigst du hinein und schlägst mich nieder,
So steh‘ ich auf und sauf dich wieder.
Und das soll deine Strafe sein:
Marschier zu diesem Loch hinein.

Dieser feierlichen Verkündigung folgte natürlich sofort die Vollstreckung des Urteils. Bei all dieser Armut können wir sehen, daß es auch noch fröhliche Stunden bei den Rhönbewohnern gab.
Mit dem Privileg des Schnapsbrennens ausgestattet, machen auch die Boineburgs ihre Geschäfte. Die Brennerei im Unterschloss (jetzt Haus Göcking, mit dem dort ehemals untergebrachten Brennofen noch manchem Gehauser bekannt) sowie jene zweite, im Steineren Hof vermutlich einmal vorhandene Brennerei dürften auf diese Weise lukrative Einnahmequellen für sie gewesen sein.
Andererseits ist der Schnaps damals ein echtes soziales Problem. Schon 1802 weiß man zu berichten, dass die Rhöner „immer einen starken Teil davon vertragen können“. Wenn wir Rollberg glauben, so liegt das Fass mit dem besagten Inhalt im Schlafzimmer auf einem Stuhl direkt neben dem Bett. Viele Leute kaufen das Elixier fassweise auf Kredit. Und so seine Meinung deshalb auch, „dass die Kost täglich um 10 bis 15 Pfennige hätte besser sein können, wenn der Branntweinteufel die Menschen nicht so fest gepackt hätte“.
Der aber ist auch in Gehaus zuhause. Die Kirchenchronik überliefert uns hierzu den wörtlich zitierten Ausspruch eines jenes Schnapsbruders, der freimütig bekennt, als er einen mit einem großen Fass beladenen Wagen durch die Untergasse fahren sieht: „Zweimal dieses Fass mit Branntwein habe ich in meinem Leben leer gemacht!“.
Der Branntwein, wer weiß, vielleicht für manchen auch nur ein letzter Ausweg, um einem elenden und freudlosen Alltag für kurze Zeit den Rücken zu drehen.


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