J. S. Bach: „Nun danket alle Gott“ BWV 657 (18 Leipziger Choräle)

Der bis heute beliebte Choral „Nun danket alle Gott“ BWV 657 vertritt in der Sammlung der 18 Leipziger Choräle die Gattung der Choralfuge. Die erste Strophe lautet:

Nun danket alle Gott
mit Herzen, Mund und Händen,
der große Dinge tut
an uns und allen Enden,
der uns von Mutterleib
und Kindesbeinen an
unzählig viel zugut
und noch jetzund getan.

(Martin Rinckart 1636)

Wie in einer Orgelchoralmotette Pachelbels leitet Bach jede der acht Cantus firmus-Zeilen im Sopran durch eine Vorimitation der Unterstimmen ein. Dabei wechselt er jedoch einfallsreich und, im Vergleich zu Pachelbel sehr viel origineller, zwischen unterschiedlichen Typen der Vorimitation.

Ich habe dieses Orgelwerk mit Samples der Rieger-Orgel im Konzerthaus Wien eingespielt.

 

César Franck: Finale B-Dur op. 21

Das Finale hat Franck um 1859 komponiert und es Ludwig-James-Alfred Lefébure-Wély gewidmet, einem der größten französischen Orgelvirtuosen. Cavaillé-Coll bewunderte Lefébure-Wély und lud ihn ein, die Vorzüge seiner Orgeln bei vielen Einweihungskonzerten zur Geltung bringen. Wegen der erstaunlichen Pedaltechnik von Lefébure-Wély wurde ihm nicht nur Franck’s Final, sondern auch die Douze Études d’Orgue pour les pieds seulement von Charles-Valentin Alkan. Weiterlesen

César Franck: Prière (Gebet) cis-moll op. 20

César Franck hat Prière seinem Lehrer François Benoist gewidmet. Prière ist keine etablierte Musikform, aber einige französische Komponisten des 19. Jahrhunderts wie Saint-Saëns und Jacques Lemmens benutzten dies als Bezeichnung von Stücken eines ähnlichen, meist meditativen Charakters. Francks Prière wird aber oft als musikalische Darstellung eines seelischen Kampfes verstanden. Dieses tiefgründige Stück baut auf zwei Themen auf, die einer komplexen Verarbeitung mit sowohl improvisatorischen Elementen als auch enharmonischen Modulationen unterzogen werden.

Man erkennt eine dreiteilige Struktur: Weiterlesen

César Franck: Pastorale E-Dur op. 19

Das Manuskript der Pastorale hat César Franck am 29. September 1863 fertiggestellt und Aristide Cavaillé-Coll gewidmet.
Pastorale wird ein musikalisches Genre genannt, das den Hörer in eine ländliche Stimmung versetzen soll und das vor allem in Oratorien, Kantaten und Weihnachtsmusiken verwendet wurde. Pastorale Musik für Orgel war vor allem als Weinachtmusik verbreitet. Ein Pastorale wird gewöhnlich in Taktmaßen wie 6/8, 9/8 und 12/8 und mit einem Bordunbass komponiert.
Franck’s Pastorale hat eine dreiteilige Liedform ABA.  Teil A (Andantino) beginnt mit zwei Vier-Takt-Themen die modulatorisch erweitert werden. Der B-Abschnitt, eine Fughetta (Quasi allegretto), steht durch wechselndes Taktmaß und Tempo in scharfem Kontrast dazu. Im letzten A-Abschnitt (Andantino) erscheinen die beiden Vier-Takt-Themen wieder.

Ich habe dieses Orgelwerk mit Samples der Rieger-Orgel im Konzerthaus Wiens eingespielt.

César Franck: Grande pièce symphonique, op.17

Mit dem Grande Pièce Symphonique beweist César Frank dem Hörer, dass eine Orgel auch an Stelle eines Orchesters in Musikstücken mit sinfonischem Anspruch verwendet werden kann. Vorher hatte bereits Charles-Valentin Alkan (1813-1888) eine Sinfonie für Klavier in seinen Douze Études dans tous les tons mineurs, op. 39  geschrieben; dessen Stücke Nr 4 bis 7 hat er unter der Bezeichnung Symphony pour piano seul zusammengefasst. Und wahrscheinlich deshalb hat César Franck sein Grande Pièce Symphonique diesem französischen Komponisten und Klaviervirtuosen gewidmet. Weiterlesen

Alexander Borodin: Petite Suite für Klavier (1884/85)

Borodin schrieb eine viersätzige »Kleine Suite« für die belgische Gräfin de Mercy-Argenteau, die sich um die Verbreitung der russischen Musik hohe Verdienste erworben hatte, die ihn aber anscheinend nicht voll zufriedenstellte, weshalb er noch 3 Kompositionen der 70er Jahre hervorsucht und sie dem Zyklus anfügt. Das endgültige Werk, zu dem sich übrigens Liszt begeistert äußerte, besteht nun aus 7 farbigen Miniaturen (die Anfangszeiten in min:sec der einzelnen Stücke im Video sind vorangestellt) : Weiterlesen

César Franck: Fantaisie C-Dur op. 16

Die Fantaisie C-Dur ist das erste Stück von César Francks 6 Pieces pour Grande Orgue, Op. 16-21 (M.28-33) und wurde dem Organisten und Komponisten Alexis Chauvet (1837-1871) gewidmet, der bei François Benoist am Pariser Konservatorium studierte. Chauvet war ein Freund von Franck, und schrieb von Johann Sebastian Bach beeinflusste polyphone Werke im Barockstil. Franck bewunderte ebenfalls Bach und spielte auch Bachs Musik in öffentlichen Konzerten. Die Fantaisie in C-Dur offenbart durch ihren kontrapunktischen und kanonischen Kompositionsstil Bach’sche Einflüsse. Außerdem kennzeichnen die Fantaisie Chromatik, einfache melodische Linien und Imitationen. Weiterlesen

Camille Saint-Saëns: Cyprès op. 156 Nr. 1

Dreiundzwanzig Jahre nach der Komposition der sehr bekannten und erfolgreichen dritten Symphonie c-Moll, op. 78 für Orgel und Orchester schrieb Saint-Saëns im März 1919 in Algerien nochmals ein Werk für diese Besetzung. Das Ende des Ersten Weltkriegs war der Anlass dieses zweiteilige musikalischen Fresko zu komponieren, dessen erster Teil (Cyprès) Saint-Saëns für Orgel Solo bestimmte.
Die mediterrane Zypresse ist das traditionelle Symbol der Trauer, was den elegischen Charakter des ersten Teils dieser Programmmusik erklärt. Dagegen ist der zweite Satz, Lauriers (Lorbeeren), für Orgel und Orchester eine Ode an die Freiheit.
Dieses Werk hat Saint-Saëns Raymond Poincaré, dem damaligen Präsidenten  der République Française, gewidmet Weiterlesen

Camille Saint-Saëns: Drei Präludien und Fugen op. 109

Die Trois Préludes et Fugues op 109 hat Saint-Saëns im Februar 1898 in Las Palmas fertiggestellt. Ebenso wie die Präludien und Fugen der ersten Sammlung sind es Werke unterschiedlichen Charakters und  auch hier enthält sich Saint-Saëns jeglicher Angaben zur Registrierung.
Saint-Saëns war bekannt für seine improvisierten Fugen und op, 109 demonstriert auch die „sauberen, klaren, prägnanten Themen und deren überraschend geniale Gegenthemen, die exquisit und erfindungsreich verarbeitet werden“, wie Huré schrieb. Saint-Saëns selbst erzählte die Anekdote von der Braut, die ihn mit der Bitte schockierte, keine Fugen bei ihrer Hochzeit zu spielen, weil sie zu ernst seien; und während op. 150 eine Reihe von improvisatorischen Möglichkeiten aufzeigt, beweist op. 109 auch die kompositorische Vielfalt seiner Fugen. Die erste und die dritte aus op 109, in d-Moll bzw. C-Dur,  sind im dem großen Stil entworfen. Die Fuge G-Dur ist jedoch voller Charme, Anmut und Balance wie man man sie oft  in von seiner Musik findet. Vierne lobt die Trois Préludes et Fugues wegen ihrer Form und Klangfarbe und behauptet, dass sie „… im Repertoire jedes Organisten, der wirklich diesen Namen verdient, wegen ihres hervorragenden Stils als auch deren Anforderungen an die Virtuosität “ zu finden sein sein sollten.

Es folgen die Einzelbesprechungen der drei Werke und die eingebetteten YouTube-Videos:

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Camille Saint-Saëns: Drei Präludien und Fugen op. 99

Die Trois Préludes et Fugues, op. 99 wurden 1894 geschrieben und sind Saint-Saëns’ erste groß angelegte Orgelstücke seit der Komposition der Trois Rhapsodies Bretons op. 7 im Jahr 1866, also seit nahezu dreißig Jahren. Sie sollten nach der Ansicht von Louis Vierne wegen ihres Stils und ihrer Virtuosität zum Repertoire jedes seriösen Organisten gehören. Sie kombinieren charaktervolle Präludien mit fein gearbeiteten Fugen, die Saint-Saëns nur zögernd schrieb. Er war offensichtlich mit den Resultaten zufrieden, denn er nahm sie 1899 in sein Recital für die Akademiker am Trinity College, Cambridge auf.

Es folgen die Einzelbesprechungen der drei Werke und die eingebetteten YouTube-Videos: Weiterlesen

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