Die Elektrifizierung

Du kannst es dir heute sicherlich nur schwer vorstellen, wie ein Leben ohne Elektrizität funktionieren sollte. Und doch war es für die Bewohner von Gehaus eine Mischung aus Angst vor dem Neuen und von Hoffnung auf etwas Komfort, mit der sie dem „Licht“ entgegen sahen. Zu unserer Zeit machten noch die Kuriosa die Runde, wie dieser und jener bekannter Älterer die Glühlampen ausblasen wollte, weil er es mit der Petroleumfunzel so gewohnt war.
Viele Elektrohaushaltsgeräte gab es zu unserer Kinderzeit noch nicht: keine Waschmaschine, keinen Kühlschrank, der Kaffee wurde mit der Hand gemahlen. Für Wasser gab es jedoch den Tauchsieder, zumeist wurde das Wasser auf dem Herd zum Kochen gebracht, so sparte man, da der Herd fast immer befeuert war – im Winter wegen der Wärme, na ja und zum Essen kochen stand der Herd sowieso fast immer „unter Dampf“. Nur in der Scheune trieben Elektromotoren die Kreissäge, die Schrotmühle und – verbotenerweise – die Ölpresse an. Wir Kinder verkrochen uns auf dem Schuppenboden zu diesem ungesetzlichen Tun, wobei wir beständig auf der Hut sein mussten, das Pforrs Edwin, der Dorfpolizist, das auftaucht. Einmal muss er wohl doch mal was mitbekommen haben, es geschah wohl weiter nichts, außer dass Edwin abends eine Flasche Speiseöl holte. So jedenfalls fing der Sozialismus an – auch dieser war nur zu ertragen nach dem Motto: leben und leben lassen.

Man möchte es nicht glauben, dass es um die Jahrhundertwende noch den Kienspan bei uns gibt, das Leinöllicht sein trübes Licht verbreitet, die Talgkerze flackert und bis gegen Ende des 1. Weltkrieges noch immer die Petroleumsfunzel die modernste Beleuchtung in den Gehauser Stuben ist.

Kerze
Kienspan
Kienspanhobel
Petroleumlampe
kerze
kienspan
kienspanhobel
petroleumlampe

Erstmals mit dem Beginn des Kali-Bergbaues in Oechsen im Jahre 1909 (siehe in dieser Website „Gehaus im 19. & Anfang des 20. Jh.“) erreicht der elektrische Strom auch unser Territorium. Diese neue Licht- und Energiequelle ist etwas Faszinierendes und besitzt auch für die Menschen unseres Dorfes ihre unbestreitbare Anziehungskraft.
Für den Betrieb der Förderanlagen wurde nämlich elektrischer Strom benötigt, den seit 1904 ein Wasserkraftwerk bei Hattorf an der Werra lieferte. Ich zitiere aus der Geschichte der K+S Aktiengesellschaft:

Die Geburtsstunde des Werra-Fulda-Reviers
Auch in anderen Regionen förderte der private Unternehmungsgeist die Entdeckung weiterer Kalivorkommen. Auf weimarischem Gebiet hatte beispielsweise die Berliner Bankiersfamilie Hadra Grubenfelder erworben und führte auf der Saline Kaiseroda bei Bad Salzungen seit 1876 Bohrungen nach Steinsalz durch. Im Sommer 1893 gelangten erste Nachrichten über Kalifunde an die Öffentlichkeit. Die Behörden des Großherzogtums Sachsen-Weimar-Eisenach drängten nun darauf, weiterzubohren. Als ein Carnallitfund in 368 Meter Tiefe im Oktober 1893 offiziell bestätigt wurde, regte sich innerhalb kürzester Zeit lebhaftes Interesse. Nur eine Woche später erschien Adolph Frank, der Kalipionier aus Staßfurt, um die Bohrung zu besichtigen. Mit sicherem Gespür erkannte er das Potenzial der Kalifunde rund um Kaiseroda. 1893 schlug hier die Geburtsstunde für das Kalirevier an Werra, Ulster und Fulda.
Nur ein Jahr später standen bereits zehn Bohrtürme im Werratal, um das begehrte Salz zu erschließen. Erste Bohrungen im benachbarten Herzogtum Sachsen-Meiningen zu Beginn des 20. Jahrhunderts erbrachten ebenfalls gute Ergebnisse. Als die Suche nach Kali auch auf das westlich gelegene Hessen-Nassau ausgedehnt wurde, setzte der unaufhaltsame Aufstieg des Kalireviers an Werra und Fulda ein.

 

 

Die Gewerkschaft

 

 

Wintershall in Heringen
In den 1890er Jahren entstand an der Werra ein Unternehmen, das sich schnell zum größten Kaliwerk Deutschlands entwickelte: die Gewerkschaft Wintershall in Heringen. Wintershall wurde zu Beginn des Jahres 1894 von dem Kamener Maschinenhersteller und Bohrunternehmer Carl Julius Winter sowie dem Bochumer Industriellen Heinrich Grimberg als Bohrgesellschaft gegründet. Aus ihr ging 1899 die Gewerkschaft Wintershall hervor. Die Schachtbauten, die im Jahr 1900 begannen, leitete der junge Ingenieur August Rosterg. Im Gegensatz zu den leichter abbaubaren Kalilagern bei Hannover galt das Werra-Gebiet damals als besondere Herausforderung, denn Plattendolomit und Wasserzuflüsse erschwerten das Teufen der Schächte. Die Anstrengungen beim Teufen zahlten sich aus, denn die aufgeschlossenen Kalisalzlager waren von höchster Qualität. Entsprechend selbstbewusst traten die Betreiber der Gewerkschaft Wintershall im Kalisyndikat auf. Sie sahen sich in der Lage, große Mengen Kalirohsalze zu niedrigeren Preisen anzubieten. Der ambitionierte Betriebsleiter August Rosterg verbesserte die technische Ausstattung des Werkes. Zu den von ihm veranlassten Innovationen gehörte der Bau einer Wasserkraftanlage an der nahe gelegenen Werra, die seit 1904 die elektrische Energie für die bisher mit Dampf betriebene Fördermaschine lieferte. Im selben Jahr wurde auch der Eisenbahnanschluss an die Strecke Gerstungen-Vacha fertig gestellt, so dass der Transport mit Pferdegespannen der Vergangenheit angehörte.

Mit dem Anschluß des Schachtes „Heiligenmühle“ (Oechsen) an dieses Wasserkraftwerk wurde den umliegenden Gemeinden ein Lieferangebot für Elektrizität von der Gewerkschaft Hattorf unterbreitet. Aber die Entscheidung des Rates auf das Lieferangebot läßt vorerst auf sich warten. Wieder einmal ist das liebe Geld im Spiel. 1916 will der Rat über ein im Dorf zirkulierendes Schreiben in Erfahrung bringen, wer für und wer gegen das „Neue“ Licht ist. 1917 erfolgen wiederholt Gemeindeversammlungen.
Die Aprilausgabe 1917 der „Heimatglocken für Gehaus“ verkündete dann:

„Am 25. März 1917 beschloß eine Gemeindeversammlung fast einstimmig den Beitritt der Gemeinde zum Zweckverband wegen Versorgung mit elektrischer Kraft und elektrischem Licht. Die Genossenschaft kommt aber nur zustande, wenn zwei Drittel aller beteiligten Orte sich anschließen. Es gibt immer ängstliche Gemüter, wenn etwas gegründet werden soll; mancher macht aber auch andere durch seine Zaghaftigkeit mit ängstlich, was einer guten Sache durchaus nicht dienen kann. Wir können uns doch wohl darauf verlassen, daß die Verwaltungsbehörde, von deren Zustimmung im letzten Grunde alles abhängen wird, nur aus das Wohl der Gemeinden des vierten Bezirkes bedacht ist. Hoffentlich kann ich im Mai bestimmt mitteilen, was aus der Angelegenheit geworden ist.“

Einem Vertragsabschluß will man aber nur zustimmen, wenn Hattorf neben den Kosten für den Fernleitungsbau auch die Installation des Dorfnetzes finanziert. Und im November des gleichen Jahres, als infolge des Krieges und der Blockaden der Engländer die Petroleumversorgung für die Lampen immer schwieriger wurde, klagten die „Heimatglocken“:

„Die meisten haben sich mit Holz und Briketts versorgt; bei der nötigen Sparsamkeit, die wir in diesem Winter zum ersten Male anwenden müssen, kann jeder auskommen. Auch Petroleum ist gekommen; die Lampe ist aber manchmal ein recht „dunkler“ Punkt in der Stube. Was gäbe man drum, wenn es aus dem elektrischen Licht etwas geworden wäre! Jetzt werden auch die früheren Gegner zu einer anderen Aussicht belehrt sein. Die Satzungen sind ja fix und fertig; sie mögen vortrefflich sein – aber das Licht hat man nicht, das selbst die besten Erzeugnisse der Feder nicht ersetzen können. Die Verhandlungen dauerten über ein Jahr; als sie zu Ende waren, hatte die Behörde das Material beschlagnahmt. Jetzt soll die Anlage auch so teuer sein, daß sie sich nicht lohnt. Die Gemeinden haben den Vogel abgeschossen, die sofort ohne Bedenken zugegriffen haben, als es noch Zeit war.“

Schließlich wird das Projekt im August 1918 dennoch in Angriff genommen:

„Nachdem die Arbeiten zur Versorgung von Oechsen mit Elektrizität begonnen worden waren, hatten auch die hiesigen Einwohner Lust, den Ort anschließen zu lassen. So fand am 18. August eine Gemeindeversammlung statt, in der die Mehrheit für den Plan stimmte. Schon am folgenden Tage unterschrieb der Gemeinderat den Vertrag, den die Firma Bogenhard und Co. zu Meiningen im Auftrage der Kaliwerke zu Hattorf vorlegte. Die letzte Entscheidung, die beim Aufsichtsrat des Kaliwerkes liegt, welches den Strom liefert, ist noch nicht bekannt. Es ist aber doch wahrscheinlich, daß auch Gehaus angeschlossen wird. Alle Hausbesitzer mit Ausnahme von 37 wollen sich elektrisches Licht legen lassen; etwa 700 Lichtpunkte und sechs Motoren zum Betrieb landwirtschaftlicher Maschinen sind angemeldet, weitere Anmeldungen folgen sicher, wenn der Plan ausgeführt wird. Zur Deckung der Kosten gibt das Kaliwerk Anteilscheine zu je 500 M. aus, die mit 4½ % verzinst werden, und auf die man Rabatt beim Stromverbrauch bekommt“,

schreibt die Septemberausgabe der „Heimatglocken. Die Gemeinde hat Anteilscheine im Werte von 3.000 Mark erworben. Über den Fortgang der Arbeiten berichten die „Heimatglocken“ im November 1918

„Die Verträge wegen Versorgung von Gehaus mit elektrischem Licht und elektrischer Kraft sind genehmigt worden. Die Einwohner zeichneten 80 Anteilscheine zu je 500 Mark. Die Arbeiten sollen begonnen werden. wenn die Oechsener Leitung etwas weiter gediehen ist; es geht eben im Krieg alles sehr langsam.“

Von Erfolgen trotz Schwierigkeiten beim Materialtransport durch die Eisenbahn für die Masten berichten die „Heimtaglocken“ im Dezember 1918:

„Die Masten zur elektrischen Leitung, die bei dem Schacht „Mariengart“ abzweigt, sind zum größten Teil aufgestellt; bis zum Orte sind es eiserne 13 m hohe Gittermasten, im Orte selbst Holzmasten von verschiedener Länge und Stärke. Das Umformerhaus steht an der Obergasse in dem der Kirche gehörigen Gartengrundstück neben dem Friedhof. Mit dem Legen der Hausleitungen und Fertigstellung des Ortsnetzes dürfte in aller Kürze begonnen werden, da die Arbeiten in Oechsen ihrem Ende entgegengehen. Die Schwierigkeiten bei der Beförderung von Frachtgut auf der Bahn mehren sich in ungeahnter Weise; darunter leidet jedes Geschäft, das auf Sendungen von auswärts angewiesen ist.“

Aber auch die Kirchgemeinde will von den Vorteilen des elektrischen Lichtes profitieren und so kann Vikar Floß im März 1919 schreiben:

„Am 25. Febr. beschloß der Kirchgemeindevorstand die Kirche mit 10 Lampen und die Pfarrei mit 15 Lampen elektrisch beleuchten zu lassen. Die Anlage in der Kirche ist bis auf die Lampen fast fertig. Die Hochspannungsleitung ist in Arbeit, das Ortsnetz aber noch nicht. Zuletzt hängt es, wie in Oechsen, immer am Transformator. Es werden also noch Wochen vergehen, ehe die Anlage benutzt werden kann.“

Denn für den endlich erhofften eigenen Pfarrer für Gehaus wird auch das leerstehende Pfarrhaus elektrifiziert im April 1919 schreibt Vikar Floß in den Heimatglocken:

„Die elektrische Anlage im Pfarrhause ist nahezu vollendet. Es fehlt nur noch der Pfarrer. Aus verschiedenen Gründen konnte Herr Vikar Haustein leider nicht hierher kommen; die Patrone hoffen jedoch, bald einen anderen geeigneten Pfarrer präsentieren zu können. Wir müssen nur, so gern wir auch recht bald einen Pfarrer hatten, noch etwas Geduld an den Tag legen. Mir persönlich wäre es ja nur lieb, wenn Gehaus wieder besetzt würde; ich tue im Verein mit dem Kirchgemeindevorstand alles, um mitzuhelfen, wo es möglich ist.“

Im Juni 1919 fehlt nur noch der Transformator:

„Das Ortsnetz für die elektrische Leitung ist nun fertig, auch die über den Straßen und Plätzen hängenden Lampen in Kugelform warten nur noch auf den Strom. Der Transformator soll in der allernächsten Zeit eintreffen und der Lichtnot ein Ende bereiten.“

Aber im Juli ist es endlich so weit und im August 1919 melden die Heimatglocken:

„Ein bedeutungsvoller Tag für Gehaus war der 13. Juli. An diesem Sonntag brannte abends zum ersten Mal das elektrische Licht im Ort. Von der Oechsener Straße aus war es ein schönes Bild, die kräftigen Straßenlampen ihr 100kerzig Licht ins Nachtdunkel hineinwerfen zu sehen. Dazu die hellerleuchteten Fenster! Kinderkrankheiten fehlen der neuen Anlage natürlich nicht; das Straßenbild ist durch Masten u. Leitungsdrähte auch nicht verschönert; manche hübsche Baumkrone ist durch Entfernung von Ästen für die Freistellung der Drähte sehr verunstaltet; aber trotzdem ist der 13te ein Freudentag für unser Dorf: Petroleumnot spüren wir in Zukunft nicht mehr. Wir haben schönes Licht und Triebkraft für Motore, die dem Landwirt u. Handwerker viel Arbeit abnehmen werden. Möge es aber nicht nur Licht in den Häusern u. Gassen, sondern auch in den Köpfen u. Herzen geben! Es ist mit der Zufuhr von Speck u. Fett u. Mehl u. Heringen denn doch nicht allein getan. Es muß vor allem innerer Friede in unser armes Land einziehen. Der wohnt nur im Herzen, der im Evangelium Jesu ihr Licht gefunden u. als Träger seiner echten Liebe Friede in die Welt tragen können.“

Wie bei der ersten Frei-Haus-Lieferung des Wassers ist auch das erste Aufleuchten des neuen Lichtes für das Dorf ein ganz großes Ereignis. Die himmlisch erzeugte Elektrizität scheint aber zunächst mit der irdisch erzeugten im Clinch zu liegen, zumal wenn es von Allerhöchster Instanz Feste der „Roten“ zu stören gilt:

„Am 17. August 1919 feierten unsre Sozialdemokraten ihr erstes Jahresfest mit Umzug durch den Ort einem Kinderfest und Abendtanz. Die Beteiligung war eine rege. Um 5 Uhr wurde das Fest durch ein Gewitter gestört, dabei schlug ein Blitz in die elektrische Leitung im Haus der Witwe Elisabeth Gebauer, ohne weiteren Schaden anzurichten. Ein zweiter Strahl zerfetzte eine Tanne an der Straße nach Lengsfeld.“

Aber ab September wurde auch diesem Fingerzeig Gottes Folge geleistet indem endlich auch die Religion elektrifiziert wurde:

„Elektrisch Licht ist nun auch in die Kirche am 8. u. 9. September. 1919 eingezogen. Das wird bei Abendgottesdiensten sehr willkommen sein und deren Vermehrung ermöglichen.“

Und in der Novemberausgabe der „Heimatglocken“ konnte Vikar Floß dann freudig verkünden:

„Bußtag und Totenfest wurden am 19. u. 23. November in der üblichen Weise gefeiert. Zum heiligen. Abendmahl kamen an den Abenden beider Feste 30 Teilnehmer. Das elektrische Licht brannte dabei zum ersten Mal.“

 

 

„Der 11. Januar brachte uns schweren Sturm und das 1. Gewitter mit starkem Platzregen. Die Wasser drangen in der Untergasse in Hof und Stall und stifteten manchen Schaden. Ein Blitz. zerschmetterte eine kräftige Buche am Dietrichsberg. 9 Uhr erlosch das elektrische Licht, weil das Hochwasser der Werra die Turbine still legte. So saßen wir im Finstern, wie am 9. Januar auch. Zum Glück war tags vorher etwas Erdöl ausgeteilt worden.“

Doch das elektrische Licht unterstützt nicht nur die Frömmigkeit sondern leistet auch der Sittenlosigkeit Vorschub wie die die Heimatglocken für die Nachkriegszeit beklagen:

„Mit der Passionszeit 1920 haben auch die Passionsandachten an den Freitag Abenden um ½8 Uhr wieder begonnen. Der Besuch seitens der Frauenwelt ist erfreulich. Das elektrische Licht leistet bei diesen Abendstunden willkommene Dienste. Leider finden seit der Revolution auch in dieser Zeit Tanzvergnügungen statt. Ernste Seelen nehmen daran Anstoß.“

Oder bang fragend ob der noch unabsehbaren Folgen des Krieges für den Verlierer

„Trüb und stürmisch war am 18. Januar 1921 das Wetter hier oben. 5:20 Abends geschah ein einziger Blitzschlag. Der Sturm schwieg plötzlich, das elektrische Licht ging aus. Nach einiger Zeit strahlte es wieder auf. Ist’s ein Sinnbild für die Zukunft?“

Im März 1921:

„Auch beim Elektrizitätswerke Hattorf wurde gestreikt, doch blieb es nur bei einer lichtlosen Nacht am 1. März. Wann wird für unser armes Deutschland das Licht einer erträglichen Zukunft wieder aufleuchten? Einstweilen spüren wir nur die grimmen Folgen der voreiligen Entwaffnung vor dem Friedensschluß.“

Im Januar 1921:

„Unangenehme Störungen gab es im elektrischen Licht. Den 17. und 18. Dez. setzte es aus, zu Weihnachten versagte es bis 12 Uhr. Er ist so unbeständig wie der Schnee und die Politik. Wir hoffen, daß es im neuen Jahr besser damit wird.“

Aber im Mai 1922 liest man dann die folgende Erkenntnis über die moderne Technik:

„Unser elektrisch Licht streikte je 3 Tage vom 30. April und 14. Mai ab. Störungen in der Überlandleitung sollen Schuld gewesen sein. Auch solch ein Werk hat seine Launen wie das Wetter!“

Aber diese Launen scheinen zuweilen durch pure Dummheit (viel hilft viel!) derjenigen bedingt zu sein, die mit dieser Technik laienhaft umgehen:

„Es werden zur Zeit Masten aufgestellt, um unsere Lichtleitung von Hattorf her mit dem Elektrizitätswerk Weilar zu verbinden. Am Abend des 16. August 1922 wurde hinter den Gänseteichen ein Mastloch ausgesprengt mit nicht weniger als 7 Patronen. Die Wirkung war größer, als man gewollt. Steinbrocken flogen bis zu den Anwesen Christian Hill und Wilhelm Mannel. Auf dem Dach des Hauses Gröninger wurde eine Ziegel durchschlagen. Vor einer Frau, die vom Felde heimging, fuhr ein Steinstück in den Weg am Zipfel. Die Erschütterung der Häuser war stark. Da man die Umwohner vom Sprengen nicht benachrichtigt hatte, die Aufregung ebenfalls.“

Der Anschluss der Hohenwart an das Stromnetz muss 1923 auf dem Höhepunkt der Inflation wegen der Projektsumme von 800 Mio. Mark zwangsläufig hinausgeschoben werden. Das ist offensichtlich auch der Grund dafür, dass die streitbaren Hohenwärter ihre Ausgliederung aus Gehaus und den Anschluss an Stadtlengsfeld beantragen, wie wir heute wissen, allerdings ohne Erfolg. Nach Stabilisierung der Währung kommen die Hohenwärter dann schon 1924/25, d.h. überraschend schnell, zu ihrem Strom.
Wenn wir Ratsprotokollen folgen, leuchtet bei ihnen weniger hell als das neue Licht allerdings das finanzielle Gewissen. Bis in die 30er Jahre hinein dauert es nämlich noch, bevor sie die der Gemeinde gegenüber im Zusammenhang mit dem Stromanschluss übernommenen Schuldverschreibungen endlich ablösen.


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2 Kommentare

  • Hallo,
    mit Interesse habe ich den Artikel zur Elektrifizierung gelesen. Ich arbeite schon länger an einem Artikel über das Laufwasserkraftwerk an der Werra in Vacha.
    Die Familie Hermes aus Vacha hat schon wesentlich geholfen.
    Ich würde mich freuen, wenn ich Informationen zum Wasserkraftwerk erhalten könnte.
    Dabei geht es mir um Bilder und insbesondere darum, wann das Kraftwerk außer Betrieb ging.

    Würde mich freuen wenn ich eine Rückantwort erhalten würde.

    Mit freundlichen Grüssen

    P. Jonke

    • Leider weiß ich auch nicht mehr als das, was ich aus der Historie der K&S zitierte. Sie wenden sich am besten direkt an K&S, von der diese Information stammt.
      Mit freundlichen Grüßen
      H. Hehl

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