Steinerner Hof

Der „Steinerne Hof“ (bei Knips auch als „Steinernes Haus“ bezeichnet) entsteht etwa zur gleichen Zeit wie das Unterschloss. Das Wohngebäude mit seinem Fachwerk, dem eigenwillig geformten Dach und der quadratischen Bauweise hebt sich auffallend aus seiner Umgebung heraus und ist immer noch ein kleines Schmuckstück unseres Dorfes.
Die ehemals zum Hof gehörenden Wirtschaftsgebäude verschwinden nach 1945. Wie uns schon bekannt, beherbergt das Anwesen in der Vergangenheit zeitweise eine Schankgaststätte und vermutlich auch eine Schnapsbrennerei.
Von seiner Zweckbestimmung her ist der „Steinerne Hof“ von Anfang an offensichtlich aber Wohnung für die gräflichen Forstaufseher und nur vorübergehend Pachtgut, für das in unseren Dorfannalen aus dem Jahr 1733 ein Pächter namens Lückert nachgewiesen wird.
Die gräflichen Forstbeamten gehören zum engeren Bedienstetenkreis der Boineburgs und bewirtschaften das kleine Gut als Nebenerwerbsquelle.
Lassen wir hierbei die „Dynastie“ der Borchards und ihre besondere Verbindung zu den Boineburgs nicht ganz unerwähnt.
Auf welchem Weg auch immer, noch vor der Jahrhundertwende kommt ihr Begründer aus seiner angestammten Heimat mit einem Boineburg nach Gehaus. Als herrschaftlicher Förster bezieht er den „Steinernen Hof. Und nicht gerade alltäglich, gleich vier seiner Söhne werden später zu unentbehrlichen Helfern der Boineburgs. Wie viele von uns noch wissen: der eine als Schmied, der andere als Kutscher, der dritte als Gärtner und schließlich der Karl, wieder ein Förster der Dorfherrn.
Die Boinburgs, sie haben manches für das Dorf bewirkt. Die Kirche, ebenso die Fürsorgeeinrichtungen des Ortes (Schwesternstation, Badeanstalt pp.) leben zu einem guten Teil von ihren Zuwendungen, die Gemeinde von den Abgaben aus deren Grundbesitz.
Die ehemaligen Konfirmanden erinnern sich des Neuen Testamentes und die ehemaligen Hochzeiter der Bibel als Geschenk der gräflichen Familie.
Im Bewusstsein vieler Gehauser lebt die Gräfin (Frau des „alten Grafen“) als Wohltäterin fort. Sie wendet sich den Armen im Dorf zu, veranstaltet an Sonntagen im Park Kinderspielstunden mit den Kindern des Dorfes und ist sich nicht zu schade, dem „Pudels Dräs“ den Schmutz vom Leib zu waschen.
Was immer die Boineburgs in der über 400-jährigen gemeinsamen Geschichte auch für unseren Ort getan haben, so war es doch zu wenig, um das Dorf und seine Menschen aus der Umstrickung einer Jahrhunderte andauernden Armut und Rückständigkeit zu befreien.


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