Die Dorfkirche

Inhaltsverzeichnis

 

Erinnerungen

Die Kirche war früher einer der Mittelpunkte des Dorflebens. Der Pfarrer als Respektsperson, gehörte zu jeder größeren Familienfeier, wie Taufe, Konfirmation, Hochzeit und Beerdigung – nun ja, auch die Beerdigung als Totenfeier endete oft ausgelassen, es wurde getrunken (das Fell des Toten versoffen), danach kamen die lustigen Anektoden aus dessen Leben und zum Schluss auch Witze – obwohl den nächsten Angehörigen selten zum Lachen war… Wie gesagt, der Besuch des Pfarrers war für die Familien vor allem als Wertschätzung wichtig – und fast jede Familienfeier war ja auch eine religiöse Feier.
Und als Konfirmand war man stolz, dass man nun auch in die Kirche gehen konnte (musste) – endlich zählte man fast zu den Erwachsenen. Die Konfirmation war dann die öffentliche Bekundung: ich bin kein Kind mehr – obwohl das in den seltensten Fällen biologisch noch geistig wahr war. Doch inzwischen bin ich wieder dankbar, dass ich nach fünfzig Jahre und der Feier der Goldenen Konfirmation noch immer so kindischen Vergnügungen wie Basteln von Websites anhängen kann.
So habe ich nach der Konfirmation mit Schusters Günther (Günther Gerstung) meine erste Zigarre auf dem Galgen, nach Oechsen hin gelegen, geraucht. Und so fühlte ich mich dann auch – wie am Galgen, ich war für Jahre vom Drang zum Rauchen geheilt. Angesichts der Jammergestalt, die zu Hause grün im Gesicht ankam, war die Reaktion der Eltern äußerst verhalten. Mein Vater war wohl mit der selbst erteilten Lektion sehr d’accord: Wozu noch Moral predigen, meine Strafe hatte ich mir ja bereits selbst verpasst.


 

Über die Frömmigkeit

Die Frömmigkeit der Rhöner Bauern war eine sehr diesseitige. Der Glaube äußerte sich in der Einhaltung bestimmter religiöser Regeln und Bräuche, die ein Dorf zusammenhielten. Auch wenn in der DDR-Periode die Bedeutung der Kirche stark zurückging, in meiner Jugend hatte sie für uns noch eine wichtige integrierende Funktion. Sie war jedoch mehr Hüter der Gewohnheiten als ein Ort religiöser Erbauung. Wesentlicher Antrieb für den Willen nach Einhaltung kirchlichen Brauchtums war die Scheu, sich außerhalb der Gemeinschaft zu stellen. Religiöser Übereifer jedoch wurde eher belächelt, wenn nicht gar als ein Überhebenwollen über die Gemeinschaft missbilligt. Gott war der Allmächtige über das Leben der Menschen, der Tiere und der Saaten. Er machte das Wetter, teilte das Schicksal zu, belohnte die Guten und bestrafte die Bösen. Er tat das nicht aus Willkür sondern man erwarb sich durch Erfüllung seiner irdischen und religiösen Pflichten ein Recht auf Gottes Unterstützung – „Hilf die selbst, so hilft dir Gott.“ Blieb allerdings Gottes Hilfe aus, so glaubte man das selbst verschuldet zu haben und fand meist auch irgendeinen Grund dafür, denn natürlich wurde nicht immer jede Pflicht buchstabengetreu erfüllt.
Bei dieser Einstellung war ein Dorf ohne Kirche undenkbar. Auf dem Schlussstein des Hauptportals der Kirche von 1765 ist die Inschrift (Lukas12. Vers.32) zu lesen :

„fürchte dich nicht du kleine heerte
CI BH DOS fOX Anno 1765“
»Sei ohne Angst, du kleine Herde!
Euer Vater will euch seine neue Welt schenken!«

Zu dieser Zeit hatte dieser Spruch ganz sicher seine Berechtigung: das Gemeindeleben begann sich nach dem dreißigjährigem Krieg und dem darauf folgenden Jahrhundert seelischer Verwahrlosung (wie an den Hexenprozessen und dem Räuberunwesen zu ersehen ist) endlich zu stabilisieren. Die Herde der Engagierten und Furchtlosen, die eine neue geordnete Welt aufbauen wollten, dürfte wahrlich noch nicht allzugroß gewesen sein.
Die erbauliche Geschichte vom schurkischen Schulzen und dem armen Anton, dem von einem pfiffigen Pfarrer aus der Maleste geholfen ward, ein Märchen aus der Vorderrhön, soll als Beispiel für den pragmatischen Glauben des Rhönbauern in folgender PDF-Datei stehen:

Die erbauliche Geschichte vom schurkischen Schulzen und dem armen Anton, dem von einem pfiffigen Pfarrer aus der Maleste geholfen ward


Kirche als religiöser Mittelpunkt

Eine Kirche als religiösen Mittelpunkt hat es wahrscheinlich schon früh in unserem Dorf gegeben. Dafür spricht auch der in der Kirchenchronik überlieferte, das Jahr 1506 betreffende Hinweis, wonach Ludwig von Boineburg nach Inbesitznahme der Wüstung Gehowes (dem heutigen Gehaus) und später seine Söhne „… Land gerottet und Kirche und Pfarrhaus erbauten“.
Nach Knips‘ „Amtsgeschichte“ ist die heutige Kirche auf dem Boden einer bis dahin bereits bestehenden und eigens für den vorgesehenen Kirchenneubau abgerissenen „Filialkapelle“ erbaut worden. Wenn das stimmt, so dürfte es sich bei dieser Filialkapelle mit aller Wahrscheinlichkeit um den in der Kirchenchronik o. a., vermutlich um die Mitte des 16. Jh. entstandenen ersten Gehauser Kirchenbau handeln und bei dem heute im Altarraum aufgestellten Taufstein aus dem Jahr 1577 möglicherweise um den ältesten Taufstein der Gehauser christlichen Gemeinde .
Dem Ausbruch des 30-jährigen Krieges war sicher die Ursache, dass der geplante Kirchenneubau, wegen der rasch wachsenden Bevölkerung inzwischen dringend notwendig geworden, vorerst nicht zustande kommt.
Mehr als 100 Jahre noch müssen ins Land gehen, bevor am 22. Mai 1765 der Grundstein für das neue Gotteshaus gelegt wird. Die Jahreszahl ist in den Schlussstein am Ostportal eingemeißelt. Wie überliefert, predigt der damalige Pfarrer Christian Borchardt vor einer großen festlichen Gemeinde über den Bibeltext 1. Moses, Kap. 28, Vers 18 – 22:

Früh am Morgen stand Jakob auf. Den Stein, auf dem er gelegen hatte, stellte er als Steinmal auf und goß Öl darüber, um ihn zu weihen. Er nannte die Stätte Bet-El, d.h. Haus Gottes; vorher hieß der Ort Lus. Dann legte Jakob ein Gelübde ab: »Wenn der Herr mir beisteht«, sagte er, »und mich bewahrt auf der Reise, die ich jetzt antrete, wenn er mir Nahrung und Kleidung gibt und mich wohlbehalten wieder nach Hause zurückbringt, dann soll er alleine mein Gott sein. Hier an dieser Stelle, wo ich den Stein aufgestellt habe, soll dann ein Heiligtum für ihn errichtet werden. Von allem Besitz, den er mir schenken wird, werde ich ihm den zehnten Teil geben.«

Für Pfarrer Borchardt sicherlich ein guter Anlass und eine fromme Begründung, die Gehauser an die notwendige Abgabe des Kirchenzehnten zu erinnern!
Das Baumaterial, die Sandsteinblöcke also, entnimmt man der Region des an den alten Friedhof angrenzenden hinteren Schlossgartens. Was sonst an Steinen noch fehlt, wird aus der Feldflur herangeschafft.
Bauleiter ist Valentin Nordheim aus dem Dorf. Die Fenster stammen aus einer Glaserei in Weilar, die Zimmerleute sind Wölferbütter und die Dachziegeln „… sind in einer Hütten in Völkershausen gemacht“. Das neue evangelische Pfarrhaus, etwa zur gleichen Zeit wie die Kirche errichtet und gegenüber dem Standort der alten Pfarrei zum Park hin versetzt, wird von einem Zimmermann Gabert aus Geisa gebaut.
Als die Gehauser 1767 ihre neue Kirche einweihen, haben sie sich selbst damit ein Denkmal gesetzt. Die Jahreszahl der Einweihung ist in dem kupfernen Wetterhahn auf der Turmspitze verewigt.
Erstmals im Herbst 1777 begleitet die von Thielemann Müller in Bad Salzungen gebaute Orgel den Gesang der Kirchgemeinde.


 

Baudenkmal Kirche

Als Baudenkmal ist die Kirche mit ihren festungsartigen Mauern, dem mächtigen, 27 Meter hohen Turm und dessen 8-eckiger Schweifkuppel ein einfaches, in romanischem Stil errichtetes Bauwerk, mit dem Hauptportal an der Ostseite als einzigem Schmuck.
Fast schmucklos auch das in schlichtem Barockstil gestaltete Kircheninnere, mit seinen 2-geschossigen Emporen, der Orgelempore und dem Altarraum. In der Einfachheit des braun gebeizten Gestühls und der Emporenbrüstung, ohne künstlerisches Beiwerk und architektonische Besonderheit, ist sie auch heute noch die schlichte Dorfkirche von einst.
Die Glockenstube mit dem mächtigen Balkenwerk und den vier gotischen Lichtöffnungen beherbergt ein Trio von Glocken: die kleine, inzwischen ausgediente Klängelglocke, die älteste und größte aus dem Jahr 1634 sowie deren seit 1939 über unseren Dächern dröhnende jüngere Schwester. Seit 1934 sorgt ein Elektromotor für den nötigen Schwung und auch dafür, dass der von vielen Gehauser Generationen traktierte Blasebalg endgültig ausgedient hat.
1934 wird erstmals (?) die unter dem Altarraum befindliche Gruft geöffnet. Sie enthält Reste menschlicher Skelette, den Schädel eines Hundes, einen Kerzenhalter, Porzellanscherben sowie die mysteriöse „blaue Perle“, die sich später jedoch als weniger kostbare Bernsteinperle herausstellt. Die Gruft, mit hoher Wahrscheinlichkeit bereits unter der alten Filialkapelle angelegt, ist Ruhestätte und zugleich Erbbegräbnis der ersten in Gehaus ansässigen Boineburgs.


Aus der Geschichte der evangelischen Kirche zu Gehaus

Beginnen wir heute mit einem der markantesten Gebäuden unserer Gemeinde. Es handelt sich hier um das evangelische Gotteshaus. Wie wir alle wissen, wurde diese Kirche in den Jahren 1765 – 1767 errichtet. Über deren Vorläufer, wahrscheinlich eine kleine Kapelle gibt es nichts zu berichten, außer, dass die hiesige Kirche dem jetzigen Standort der Kapelle entsprach. In einer Karte, welche sich im Hessischen Staatsarchiv zu Marburg befindet, ist im Jahre 1721 diese Kapelle am heutigen Standort der Kirche eingezeichnet. Gleichzeitig die gesamte Ortschaft Gehaus, mit dem Standort der verschiedenen Wohnstätten und dem Straßenverlauf, der sich teilweise vom heutigen unterscheidet. Der Ort Mariengart ist in dieser Zeit ebenfalls als Vorwerk bezeichnet und noch zu Gehaus dazugehörig. Aber kommen wir zu unserem heutigen Gotteshaus zurück. Die Pläne zum Bau einer neuen Kirche wurden bereits um 1600 vorgelegt, aber mit Beginn des 30-jährigen Krieges kam es nicht mehr zu deren Ausführung. Die Gründe braucht man nicht weit zu suchen. Not und Elend herrschte, die Bevölkerung wurde durch Krieg, Seuchen und Hungersnöte dahingerafft. Teilweise starben ganze Orte aus. Man hatte andere Ziele vorerst, ging es doch um das nackte Überleben in dieser Zeit. Erst im Jahre 1641 beginnen in Gehaus wieder die Eintragungen in den Kirchenbüchern. Später werden wir auf diese Eintragungen nochmals zurückkommen.

Erst 1765 kam man auf die Pläne zum Neubau zurück. Am 22. Mai 1765 wurde hierzu der Grundstein gelegt. Die Eintragungen im Kirchenbuch der Gemeinde Gehaus sagen dazu Folgendes aus:

„Mit gnädiger Erlaubnis von Hochwohlgeborenen Herrn von Boineburg und Herrn von Müller ist der Gemeinde Gehaus auf ihr untertänniges Suppticieren vergönnt wurden die Kirche zu bauen, dafür ist am 22. Mai 1765 der Grundstein mit den entsprechenden Maßen 28 cap. 18. Ellen… gelegt wurden… dann teilweise nicht mehr lesbar.“

Unterschrift des Pastor Burkhardt vom 22. Mai 1765

Als Bauleiter war ein Valentin Nordheim eingesetzt. Vergleicht man die Abmaße der Kirche nach dem Hinweis der Grundsteinlegung vom 22. Mai 1765 mit den heutigen Maßeinheiten, so besteht Übereinstimmung. Die Länge beträgt 21,70 m, die Breite 12,80 und die Höhe des Turmes ist 27,00 m. Das Baumaterial wurde zum größten Teil der Felda entnommen, aber auch hiesige Steinbrüche wurden genutzt. Es ist auch anzunehmen, dass Teile der alten Kapelle wieder verwendet wurden. Ob die Gruft bereits unter dem alten Gotteshaus existierte oder erst mit dem Bau des neuen Gotteshauses entstand, ist im Moment nicht nachweisbar. Es ist anzunehmen, dass sie allerdings älteren Datums ist, also bereits existent war. Es deuten zumindest verschiedene Merkmale darauf hin. Die Fenster kamen aus einer Glaserei in Weilar, die Dacharbeiter aus Wölferbütt und die Ziegeln dazu wurden in Völkershausen gebrannt. Hierzu existierte noch bis in das Jahr 1966 ein alter Ziegel mit folgenden eingebrannten Worten:

„Im Jahr 1765 ist die Kirch gebautt wortten und die Zigel in Völkershausen in der Hütten gemach worden.“

Ein Kupferschmied fertigte den Wetterhahn an. Das evangelische Haus wurde vom Zimmermann Gubert aus Geisa gefertigt. Als es am 28. Juni 1818 zu einem großen Unwetter kam, wurde auch die Kirche arg in Mitleidenschaft gezogen. Der gesamte Kostenaufwand an Reparaturen betrug damals 85 Reichstaler, 5 Groschen und 8 Pfennige. 1893 kam es dann erneut zu weiteren Werterhaltungsmaßnahmen, das Gleiche nochmals 1934. In diesem Jahr bekam die Orgel einen Elektromotor. Im Zusammenhang mit der Renovierung 1938 wurde erstmalig die Gruft geöffnet. Man fand die Gebeine einiger Bestatteten, eine blaue Perle, die sich später als nicht so wertvoll herausstellte, wie man es gerne gehabt hätte und den Schädel eines Hundes. Wie bereits erwähnt, sind die Namen derer nicht bekannt. Im Zuge von weiteren Forschungsmaßnahmen könnte aber auch hier Licht ins Dunkle kommen. In den Jahren 1950 und 1960 werden weitere Werterhaltungsmaßnahmen durchgeführt, ebenfalls zur 200-Jahrfeier. Nach dem Gebirgsschlag von 1989 mussten erneut Sicherungsmaßnahmen durchgeführt werden, um dieses Haus der Gemeinde Gehaus erhalten zu können, was auch mit Erfolg geschah. Der Baustil der Kirche ist romanisch ausgerichtet und entspricht den Verhältnissen der damaligen Zeit. Sie ist schlicht und einfach, was gerade ihren besonderen Reiz ausmacht. Durch die Holzarbeiten strahlt sie Schlichtheit und Wärme aus. Das Innere ist Barock mit jeweils 2 Emporen, die von toscanischen Säulenelementen getragen werden. Im Jahre 1920 wurde die Kugel an der Kirchturmspitze erstmalig geöffnet. Man fand darin mehrerer Urkunden und andere geschichtliche Dokumente. Ich möchte darauf verzichten, den Inhalt hier wiederzugeben, da dies bereits in der Festschrift zur 650. Ersterwähnung von Gehaus erfolgt ist. Hinter der Kirche befindet sich noch die älteste bekannte Begräbnisstätte von Gehaus, die heute ebenfalls unter Denkmalschutz steht. Hier wurden bereits Maßnahmen unternommen, um ein gesamtes Ensemble entstehen zu lassen, was es lohnenswert ist, auch für nachfolgende Generationen zu erhalten. In diesem Zusammenhang danke ich Herrn Pfarrer Thomas Göhring, dem Kirchenvorstand und seinen Mitgliedern sowie der Krichgemeinde Gehaus für das Bereitstellen der entsprechenden historischen Quellen aus den Kirchenbüchern von Gehaus.

Im Namen des Heimatpflegeverein e. V. Gehaus
Reinhold Lotz†
Vorsitzender

Zitiert aus Baier Bote 4(2006)03 vom 31. März 2006


Aufstellung über die bisher bekannten Pfarrer in unserer Gemeinde Gehaus.

Sollten Leser Kenntnis über weitere Informationen hierzu haben, dann wäre es schön, wenn man sich mit dem Administrator dieses Weblogs in Verbindung setzen würde.

1602 – 1620 Kestnar, Hartung
1625 – 1627 Müller, Conrad
1627 Gerlach, Andreas Sibelius
1628 – 1632 von einem katholischen Pfarrer verwaltet
1632 – 1640 Heller, Hermann
1643 – 1653 durch Tobias Wallich, Stadtlengsfeld, verwaltet
165. Gastler, Johann
1675 – 1691 Nagler, Johann Reinhard (Reichardt)
1692 – 1717 Rubner, Johann Friedrich
  1715 – 1718 Müller, Justinus, Substitut
1718 – 1729 Müller, Justinus
1729 – 1753 Weber, Johann Friedrich
  1751 – 1718 Burckhardt, Christoph Immanuel, Pfarradjunkt
1753 – 1771 Burckhardt, Christoph Immanuel
1771 – 1776 Heuse, Johann Christian Michael
1777 – 1786 Fischer, Johann Friedrich
1786 – 1787 Usbek, Johann Georg
1787 – 1801 Müller, Carl Ludwig
1802 – 1809 Grobe, Johann Salomon
1809 – 1811 Büff, Georg Franz
1812 – 1816 Fuckel, Johann Andreas
1818 – 1826 Heuer, Johann Sebastian Jakob
1826 – 1875 Friderici, Esajas Wilhelm Christian
  1870 1871 Schunke, August Friederich Wilhelm Emil, Kollaborator
 1875 – 1888 Vakanz, Verwaltung durch Oechsen und Stadtlengsfeld
 1888 – 1901 Zitter, August Carl
 1901 – 1906 Schlegel, Friedrich Wilhelm Otto Gustav
 1907 – 1913 Krieg, Ernst Johannes Bernhard
 1913 – 1919 Vakanz, Verwaltung durch Oechsen
 1919 – 1926 Hermann, Eduard
 1926 – 1933 Vertretung durch Pfarrer Kirmse, Oechsen
 1933 – 1937 Pfarrer Otto
 1937 – 1952 Pfarrer Säckel
 1952 – 1963 Pfarrer Phieler
 1963 Margarete Spigath und Pfarrer Kirmse
 1963 – 1964 Wilhelm Schubert und Johannes Dreißig
 1964 – 1965 Bähring, Peter und Dreißig, Johannes 1966
 1966 – 1973 Kautzsch, Günther
 1973 – 1974 Dr. Gerhard, Stadtlengsfeld
 1974- 1993 Kister, Kurt
 1993 – 2001 Vertretung durch Pfarrer Rohmer und Dreßler
 seit 2001 Göhring, Thomas  Gehaus/Oechsen

Quelle:
Thüringer Pfarrerbuch, Bd. 3: Großherzogt. Sachsen (-Weimar-Eisenach) – Landesteil Eisenach – hrsg. von der Gesellschaft für Thüringische Kirchengeschichte, 2000, Verl. Degener & Co. Neustadt an der Aisch, bearbeitet von Möller, Bernhard.

Diese Quelle wurde mir als Zitat von Dr. Jürgen Coch, Halle, zugesandt. Die Urgroßmutter von Herrn Dr. Coch war das 9. und zugleich  jüngste Kind des Pfarrers Wilhelm Friderici, der  die Pfarre mit der längsten Amtszeit aller Gehauser Pfarrer innehatte (49 Jahre) .
Der Ehemann der genannten Caroline, Ferdinand Jacobi, war zeitweise Gutspächter bzw. -verwalter in Gehaus und später in Leibolz.
Zu Wilhem Friderici teilte mir Herr Dr. Coch folgende Daten mit:

Friderici, Esaias Wilhelm Christian * Fischbach/Rhön 10.3.1797, † Gehaus 16.9.1875
Vater: Johann Christoph, Pf., Mutter: Johanna Wilhelmina Fischer, Bischofroda
Schule Fischbach, 1810 Schleusingen; Uni 1816 Jena, Urburschenschaftler; bis 1821 Hauslehrer Bochum, 1821 Privatlehrer Neustädt, ord. Eisenach 13.4.1826 Pf. Gehaus, verh. Kaltennordheim 29.10.1826 Henriette Straßburg(er), * Schwallungen 28.1.1808, † Leibolz, 28.11.1890, To. v. Johann Wilhelm Christian, Förster Schwallungen, u. Eva Magdalena Lünzer,
Kinder: geb. in Gehaus, er hinterließ 5 Sö., 2 Tö.

  1. Friedrich Wilhelm, * 4.10.1827, konfirm. 1842, † New York, USA 12.07.1877
  2. Carl Theodor, * 3.4.1829, konfirm. 1843, † St.Louis, USA, 14.08.1895
  3. Wilhelm Christian, * 13.12.1830, konfirm. 1845, † Neumark, 07.06.1852
  4. Carl Christian, * 25.8.1832, Justizbeamter Dermbach, verh. ebd. 1.9.1864 Bertha Briegleb, Dermbach, † Jena, 05.05.1915
  5. Christian Heinrich Carl, * 29.1.1835, Rechnungsamtsassistent, verh. Vacha 8.7.1862 Malwine Henriette Therese Elise Müller, ebd., Weimar, 08.09.1917
  6. Johanna Henriette, * 27.7.1837, † Gehaus, 02.08.1837
  7. Carolina Malwina Sophia Minna, * 8.7.1838, Patin 1869 Weilar, konfirm. 1852, Eisenach, 21.10.1911
  8. Ernst Theodosius Constantin, * 13.8.1840, † Eisenach 20.02.1914, ♦ Pf. Weilar
  9. Dorothea Carolina, * 25.1.1845, verh. Gehaus 24.2.1870 Ferdinand Herrmann Carl Heinrich Jacobi, Rittergutspächter ebd., † Eisenach, 16.08.1914

Analog hierzu  müssten zu allen genannten Pfarrern ebenfalls weitere Angaben im Thüringer Pfarrerbuch zu finden sein.


Kirchliche Tätigkeit in der DDR-Gesellschaft

Rechtliche Stellung

Der durch Honecker bestätigten Anerkennung einer eigenständigen gesellschaftlichen Funktion der K. im Sozialismus, die im Einzelnen allerdings nicht genau definiert ist, entspricht ihre rechtliche Stellung. Sie sind nicht mehr Körperschaften öffentlichen Rechts, aber auch nicht sozialistische Organisationen oder Privatvereine, sondern Rechtsgemeinschaften eigener Art. Entsprechend wird in der DDR jetzt zwischen staatlichem, gesellschaftlichem, privatem und kirchlichem Eigentum unterschieden. Weder die Rechtsform der K. noch das kirchliche Eigentum sind formal eindeutig beschrieben bzw. festgelegt worden. Der überkommene Zustand, wie er sich bis in die 70er Jahre erhalten bzw. verändert hat, gilt als Norm. Das von beiden Seiten grundsätzlich befürwortete Prinzip einer Trennung von Staat und K. ist nicht vollständig durchgeführt; einige frühere Privilegien blieben erhalten, so die staatliche Theologenausbildung an den Universitäten und das kirchliche Mitgliedschaftsrecht. Kirchen -Mitglied auch im Rechtssinn wird man durch Taufe; der Kirchen-Austritt wird nicht gegenüber der Kirchen, sondern gegenüber dem staatlichen Notariat erklärt.
Hauptfeld staatlich anerkannter und eingeplanter gesellschaftlicher Arbeit der K. sind die evangelische Diakonie und die katholische Caritas, die eine innerhalb des sowjetischen Einflussbereiches einzigartige, von christlichen Prinzipien getragene soziale Tätigkeit entfalten können.

Religiöse Erziehung – kirchliche Jugend- und Erwachsenenarbeit

Eine wirkungsvolle Tätigkeit der K. in der Öffentlichkeit begegnet noch immer erheblichen Einschränkungen. Besonders betroffen ist davon der kirchliche Unterricht, die Christenlehre. Die Politik der SED-Führung verfolgt das Ziel, neben der sozialistischen Schule und anderen Bildungseinrichtungen möglichst wenig erzieherische Beeinflussung von Kindern und Jugendlichen durch die K. zu ermöglichen. Kirchlich erteilter Religionsunterricht ist gestattet, jedoch sind die Beteiligungszahlen stark zurückgegangen. Eine Ursache dafür ist, offiziellen Darstellungen von Kirchen -Leitungen zufolge, eine Atmosphäre in den Schulen, die es den Eltern nicht opportun erscheinen lässt, die Kinder zur Christenlehre zu schicken. Konkreten Beschwerden wegen Diskriminierung aus religiösen Gründen wird zwar meist nachgegeben. Ein Nachweis, dass alle Kinder mit christlicher Bindung nicht zu Abitur und Studium zugelassen werden, ist bisher nicht erbracht worden. Andererseits beschwerte sich der evangelische Kirchen -Bund 1977 öffentlich, dass Christen der jüngeren Generation keine Chance für die Übernahme selbst kleinerer leitender Positionen hätten. Das Gespräch mit Honecker am 6.3.1978 verfolgte auch das Ziel, diese Missstände abzustellen; jedoch haben kirchliche Sprecher deutlich gemacht, dass sie dafür nur eine Chance sehen, wenn die betroffenen Christen ihre Rechte konkret einfordern. Mit einer »freiwilligen Toleranz« seitens der zuständigen Staatsorgane sei nicht zu rechnen.
Für Erwachsene und Jugendliche spielen u.a. die Kirchentage in der DDR eine Rolle, die in jedem Sommer für bestimmte Regionen veranstaltet werden und Fragen des christlichen Lebens in der sozialistischen Gesellschaft behandeln. 1978 kamen bei den Kirchen -Tagen in Leipzig, Erfurt und Stralsund fast 100000 Christen zusammen – mit organisatorischer Unterstützung staatlicher Organe. In Koordination mit dem staatlichen Lutherkomitee der DDR bereitete das kirchliche Lutherkomitee für das Lutherjahr 1983 (500. Geburtstag des Reformators) 7 evangelische Kirchen -Tage vor.
Seit den 70er Jahren sind auch Ansätze zu einer offenen Jugendarbeit der K. mit »problematischen Jugendlichen« zu beobachten, die von den örtlichen Behörden toleriert wird.
Aufgaben kirchlicher Erwachsenenbildung übernehmen weiter die Evangelischen Akademien z.B. in Berlin (Ost) und Meißen und die vom Kirchen -Bund zentral vorbereiteten Gemeindeseminare.

Kirchen und Medien

Eine begrenzte Öffentlichkeit wird durch die konfessionelle Presse hergestellt. Es gibt neben einem Evangelischen Nachrichtendienst (ena) in der DDR 5 evangelische Wochenblätter. Im Bereich der katholischen K. erscheinen 2 solcher Blätter, mehrere Frei- Kirchen haben Monatsblätter. Wichtigste evangelische Monatsschrift ist »Die Zeichen der Zeit«. Die der CDU nahe stehende evangelische Monatsschrift »Standpunkt« erscheint mit deutlich politischer Ausrichtung. Katholisches Pendant zum »Standpunkt« ist die »Begegnung«. Die konfessionellen Buchverlage (vor allem die Evangelische Verlagsanstalt Berlin [Ost] und der katholische St.-Benno-Verlag Leipzig) legen jährlich ein umfangreiches Titelangebot vor.
Der staatliche Rundfunk sendet seit je sonntäglich eine kirchliche Morgenfeier. Zusätzlich zu der in kirchlicher Verantwortung laufenden Gottesdienstsendung wurden dem evangelischen Kirchen -Bund durch Honecker ab Frühjahr 1978 monatlich eine 15-Minuten- Sendung mit kirchlichen Informationen über den Sender »Stimme der DDR« (jeden letzten Samstag im Monat um 7.45 Uhr) sowie 6 Sendetermine im Zweiten Fernsehprogramm eingeräumt, für deren inhaltliche Ausgestaltung ebenfalls kirchliche Beauftragte verantwortlich sind. Im Lutherjahr 1983 kam es erstmals zu Live-Übertragungen kirchlicher Veranstaltungen in Fernsehen und Hörfunk der DDR.
Eigene, von denen der Politik der SED-Führung deutlich abweichende oder sie kritisierende Standpunkte können die K. in der DDR in diesen Sendungen jedoch nicht und in der kircheneigenen Presse nicht immer vortragen. Dies ist sonst nur auf kircheninternen Informationswegen sowie durch Dokumentationen von öffentlichen Synoden und in Mitteilungen in den Gottesdiensten möglich.
Das Publikationsinstrument der Kanzelabkündigung ist zumal in den Auseinandersetzungen um die Friedensarbeit seit dem Kirchenprotest gegen die obligatorische Wehrerziehung 1978 wieder stärker genutzt worden.

Mitarbeit in der Ökumene – Verbindung zu den Kirchen in der Bundesrepublik

Von bewusstseinsbildender Bedeutung ist auch die ökumenische Wirksamkeit der K. in der DDR. Es bestehen zahlreiche evangelisch-katholische Arbeitskreise bis hin zu gemeinsamen Pfarrkonferenzen. Mit staatlicher Förderung konnte der evangelische K.- Bund seine internationalen Beziehungen ausweiten. Er nimmt die Mitgliedschaftsrechte der Landes- Kirchen u.a. im Ökumenischen Rat der K. wahr und ist bemüht, die Themen der Weltchristenheit in das Bewusstsein der Gemeinden in der DDR zu tragen und umgekehrt. Gleichzeitig konnten die bilateralen Beziehungen zu K. im östlichen wie im westlichen Europa ausgebaut werden. Die ökumenische Beteiligung ermöglicht es den K. in der DDR, sich z.B. mit Fragen der Menschenrechte auf breiterer Grundlage zu beschäftigen, als es allein innerstaatlich möglich wäre. Weil er das Anti-Rassismus-Programm des Weltkirchenrats als beispielhaftes Eintreten für Menschenrechte ansieht, hat sich der K.-Bund der DDR hinter diese Aktivität gestellt. Freiwillige Spenden von mehr als 1,5 Mill. Mark wurden dafür aufgebracht. Große Summen werden außerdem über die Sammlung »Brot für die Welt« und die entsprechende katholische Sammlungsaktion »Not in der Welt« für Hilfsmaßnahmen in der Dritten Welt aufgebracht. Großen Widerhall fand 1976 auch ein kirchlicher Aufruf zu Spenden für das Gesundheitszentrum des Kindes in Warschau (1,4 Mill. Mark Spenden). Solche Sammlungen werden, wo es irgend möglich ist, mit Informationsprogrammen und Gemeindeseminaren gekoppelt.
Zu einer Normalisierung ist es auch im Verhältnis zu den in der EKD zusammengeschlossenen K. in der Bundesrepublik Deutschland gekommen. Anlässlich von Synoden finden wechselseitig offizielle Besuche statt. Seit einem gemeinsamen Friedenswort von EKD und Kirchen -Bund 1979 finden jährlich im November gemeinsam vorbereitete Friedensgottesdienste in den Gemeinden beider K. statt. Im August 1982 wurde ein erster Arbeitsbericht über gemeinsame Konsultationen zur Friedensverantwortung veröffentlicht.

Finanzierung der Kirchen

Die evangelischen Landes- Kirchen und die katholische K. in der DDR erheben von ihren Mitgliedern Kirchen-Steuern. Staatliche Unterlagen für die Besteuerung stehen nicht zur Verfügung, die Zahlung ist freiwillig. Die Steuern werden nach dem Einkommen berechnet. Veröffentlichte Statistiken über das Gesamtaufkommen gibt es nicht. Das Kirchen -Steueraufkommen dürfte, bezogen auf die Mitgliederzahl, weniger als 5 % des Aufkommens in der Bundesrepublik Deutschland erreichen. Weitere Einnahmequellen sind gottesdienstliche Kollekten sowie zweimal jährlich stattfindende Straßensammlungen, eine für den kirchlichen Wiederaufbau, die andere für die Diakonie. Die Leistungen der Krankenhäuser und Heime werden großenteils über die staatlich allgemein festgesetzten Pflegesätze finanziert. Die Investitionen müssen jedoch von den K. aufgebracht werden. Die K. in der DDR erhalten dafür und für andere Aufgaben beträchtliche Hilfe von den K. in der Bundesrepublik, deren Gesamthöhe jedoch niemals öffentlich beziffert worden ist. Die DDR zahlt den K. in Fortsetzung früherer Staatsleistungen jährlich 12 Mill. Mark als Zuschuss zur Pfarrerbesoldung, jedoch ohne Anerkennung eines Rechtsanspruchs. Die Gehälter der Pfarrer, Katecheten und anderen kirchlichen Mitarbeiter in der DDR liegen erheblich unter denen in der Bundesrepublik Deutschland und auch unter denen vergleichbarer Berufe in der DDR.

Verfasser

  • Reinhard Henkys (I., II., IV.-VII.)
  • Ernst-Alfred Jauch (III.)

(Zitiert aus: DDR-Handbuch: Kirchen. Enzyklopädie der DDR, S. 3682 vgl. DDR-HB, S. 726 ff.) (c) Bundesministerium des Innern http://www.digitale-bibliothek.de/band32.htm)


Das Innere des Turmknopfs

Bereits 1920 schon einmal geöffnet, wird das Innere des Turmknopfs 1972 anlässlich einer Dachreparatur nochmals ans Licht des Tages gebracht. Was man wieder vorfindet, sind die wenigen alten Münzen aus den Jahren 1760 bis 1868 daneben jene Urkunde aus dem Jahr 1818, in der man den Versuch einer Deutung unseres Ortsnamens macht.
Da wird zunächst Gehaus von dem Wort „Kuhhaus“ abgeleitet, eine sicherlich unzutreffende Interpretation. Verständlicher dagegen eine Auslegung, die in der Vorsilbe „Ge“ eine Sammelbezeichnung sehen will, in der sich eine Mehrzahl von Gegenständen ausdrückt. So wie nämlich aus den Worten „Busch“ Gebüsch und aus „Wasser“ Gewässer geworden sind, So könnte vielleicht nicht zu Unrecht, als Sammelbezeichnung für eine Vielzahl von Häusern aus „Haus“ auch Gehaus entstanden sein. Woher tatsächlich aber unser Name stammt und wie aus den urkundlich überlieferten Namen Gehusen, Gohhusa, Gehowes, Gehäuß schließlich Gehaus geworden ist, darüber müssen sich die Namensforscher schon den Kopf zerbrechen.
Zwei weitere im Turmknopf deponierte Urkunden aus den Jahren 1920 und 1950 sind Zeitdokumente aus den Jahren nach dem 1. und 2. Weltkrieg. Sie werden uns an anderer Stelle noch begegnen.
Am 28.6.1818 während des Nachmittag-Gottesdienstes zerstört ein schweres Gewitter die Westseite des Turmes und beschädigt Kirchendach und Kirchturmsuhr. Schiefer und übriges Material müssen unter schwierigen Umständen herangeschafft und die Reparatur des Schadens mit 85 Reichstalern von der Kirchgemeinde zudem teuer bezahlt werden.
Nach einer Innenrenovierung im Jahr 1893 und wiederholten Reparaturen am Turm, geht man 1967 daran, das Kircheninnere unter Mitwirkung eines Restaurators aus Halle auf eigene Kosten gründlich zu überholen. Nach Abschluss wird die neu renovierte Kirche am 8.9.1968 unter Teilnahme des Landesbischofs Mietzenheim in einem festlichen Gottesdienst eingeweiht.


Gemeindeleben

Noch als zahlenmäßig kleine Gemeinde erlebt unser Dorf die Zeit Martin Luthers und die Reformationszeit. Die Boineburgs, die lutherischer Glaubenslehre und dem Geist der Reformation eng verbunden sind, bewirken, dass sich ab 1528, und das heißt lange schon vor der Reformation, die Tore evangelischer Glaubens- und Religionsausübung öffnen.
Wann Gehaus reformiert worden ist, weiß man nicht genau zu sagen, wohl aber, dass die Reformation von den Hennebergern zu uns gekommen ist. Dort ist es Georg Ernst von Henneberg, der 1544 die Augsburger Konfession (grundlegende lutherische Bekenntnisschrift, von Melanchthon verfasst und 1530 auf dem Augsburger Reichstag Kaiser Karl V. überreicht), annimmt, bereits 1543 aber schon damit beginnt, zusammen mit Dr. Johann Forster die Henneberger Grafschaft zu reformieren. Das heißt, Kirchen mit evangelischen Pfarrern und Schulen mit evangelischen Lehrern zu besetzen.
Für Gehaus ist der Zeitraum der Reformation von 1545 bis 1550 wahrscheinlich. Die Bezugnahme in einer Weilarer Kirchenurkunde aus dem Jahr 1558 auf einen Pfarrer in Gehaus (leider ohne Angabe des Namens) dürfte dagegen mit der Einführung kaum etwas zu tun haben.
1570 leitet Fürstabt Balthasar von Dermbach auf dem Thron der Fuldaer Äbte unter Assistenz von 24 Jesuiten die Gegenreformation ein. Die reformierte Ritterschaft, darunter die Boineburgs, die Ritter v. d. Tann, v. Mansbach, v. Gersfeld u. a. m. nehmen dessen gewaltsamen Erneuerungsversuche nicht stillschweigend hin. Sie erzwingen vielmehr seine Abdankung und Verbannung in ein 17-jähriges Exil, aus welchem er durch kaiserliches Dekret erst 1602 wieder auf seinen fürstlichen Stuhl zurückkehrt.
Sein Ziel, die Reformation rückgängig zu machen, setzt er innerhalb seines Herrschaftsbereichs mit unversöhnlicher Härte durch. Er kann sich dabei auf Reichsrecht, den s. g. Augsburger Religionsfrieden von 1555 berufen, demzufolge der Landesfürst die Religionszugehörigkeit seiner Untertanen bestimmt. Manch eine der ihres evangelischen Glaubens wegen von Haus und Hof vertriebenen Familien aus dem Geisaer Amt mag damals auch im Amt Lengsfeld Zuflucht und unter den Boineburgs Schutz vor religiöser Verfolgung gefunden haben.
Fuldaschem Befehl zufolge werden Tanz- und Jahrmarktsveranstaltungen an Sonn- und Feiertagen verboten.
Am 10.3.1628 erscheinen fuldasche Abgesandte und zeigen den Boineburgs an, dass die katholische Religion wieder einzuführen sei, die evangelischen Prädikanten die Wohnungen zu räumen und die sie begleitenden Pfarrherrn, Kirchendiener und Schulmeister aus Lengsfeld, Weilar und Gehaus wieder den katholischen Gottesdienst zu versehen hätten.
Die Boineburgs protestieren und machen die angeordneten Maßnahmen später wieder rückgängig. Aber erst ab 1630 bleibt auch Gehaus, nachdem durch kaiserlichen Erlass die Gegenreformation in den reichsritterschaftlichen Ämtern untersagt ist, wie die anderen Orte des Amtes endgültig lutherisch. Aus der Zeit der Gegenreformation sind uns aus unserem Dorf als Pfarrer die Namen Hartung Kessler (1602 -1620) und Konrad Mylius (1621 – 1628) überliefert.
Aus Anlass der 300-jährigen Wiederkehr der Reformation und entsprechend einer Order des Weimarer Großherzogs Carl-August feiert das Dorf, wie alle Gemeinden des Großherzogtums, 1817 (31.10.) das 3-tägige Reformations-Jubelfest mit Kirchen- und Schulfeiern sowie einen großen Festumzug. Da die Pfarrstelle verwaist ist, formiert sich der Umzug zur festlich geschmückten Kirche vor dem Haus des Schultheißen Georg Adam Hoßfeld. Jedes Schulkind erhält zur Erinnerung das „Jubelbüchlein für die liebe Schuljugend“.
Den 400-jährigen Geburtstag des Reformators begeht das Dorf 1883 mit der Einweihung des „Luthergartens“ (Luthereiche). Das Gedenken an den Reformator im Lutherjahr 1983 soll die „Luther-Linde“ bewahren, die der Gärtner Paul Hermann am 10.11.l983 im Beisein von Pfarrer Kister und einer kleinen Gemeinde am Friedhof als jungen Stamm in die Erde pflanzt.
Von Anfang an sind die Boineburgs die Patronatsherren der Kirche, die in wichtigen kirchlichen Angelegenheiten (z.B. Berufung u. Abberufung von Pfarrern) ein entscheidendes Wort mitreden. Ihr wirtschaftliches Engagement für die Kirche scheint sich dagegen in Grenzen zu halten. So muss die Gehauser Kirchgemeinde wohl auch die 1820 von den Grafen geliehenen 400 Gulden auf Heller und Pfennig wieder zurückzahlen. Die Kirchenchronik vermerkt eine Spende der Boineburgs von 50 Mark anlässlich des 100-jährigen Kirchenjubiläums 1867 für die Anschaffung einer neuen Altar-, Kanzel- und Taufsteinbekleidung.
1967 wird der für die gräfliche Familie ehemals an der Nordseite gelegene Zugang zur Kirche zugemauert sowie die zu dessen Eingangstür führende Steintreppe beseitigt. Ebenso verschwindet das hölzerne Kreuzgitter am Patronatsstand, diesem der Kanzel benachbarten, einmal mit Polstersesseln ausgestattetem Refugium der Boineburgs und vom übrigen Kirchenvolk getrennt, über Jahrhunderte Ort eigener und höchstpersönlicher gottesdienstlicher Erbauung. Wie ja auch ihr Kirchenweg, isoliert von der übrigen Gemeinde, durch Mauerpforten hindurch direkt vom Schloss zur Kirche führt.


Ärger mit dem Kirchenpatron 1686

Dass es auch Widerstand gegen den Kirchenpatron gibt, zeigt die Klage des Christian v. Boineburg aus dem Jahr 1686 gegen den in Lengsfeld amtierenden Pfarrer Tobias Wellich, der es auf sich nimmt, seinem Kirchenherrn das Heilige Abendmahl zu verweigern und dafür auch in einem uns überliefertem Schriftzeugnis die ausführliche Begründung liefert.
Überhaupt scheint man es mit seinen Pflichten als Kirchenherr nicht immer so genau zu nehmen.
Im Aug. 1700 wendet sich der damalige Pfarrer Johann Friedr. Rübner wegen des schlechten Besuchs der Katechismusstunden an das Boineburgsche Konsistorialamt in Lengsfeld und empfiehlt in seinem Schreiben die Androhung strenger Strafen gegen die Säumigen. Weil keine Antwort erfolgt, sieht er sich veranlasst, jetzt mit dem dringlichen Hinweis auf die Gefahr des die Jugend bedrohenden „Satans“, 1703 seine Eingabe zu wiederholen. Ob sich die „Wohlerwürdigen und Großachtbaren“ nach dreijährigem Schweigen dieses Mal seiner Sorgen annehmen, ist leider nicht überliefert.
Ihres besonderen Gegenstandes wegen wollen wir uns eine andere Art Eingabe an die hohen Patronis in Lengsfeld aus dem Jahr 1742 nicht vorenthalten. Sie richtet sich, erstaunlich genug, gegen die Person des Pfarrers Johann Friedr. Weber, dem wir später noch einmal in einer etwas außergewöhnlichen Situation begegnen werden.
Da missfällt offenbar einigen ehrbaren Gehausern nicht die Art, wie er sein Predigeramt wahrnimmt. Man wirft ihm „ungeistliches Verhalten“ vor, seine Gottesdienste seien wegen der dort herrschenden Zustände (vermutlich durch jugendliche provozierte Unruhe) ein „Ärgernis“ für die Gemeinde und überhaupt habe er ein „bös und rachgierig Gemüt“. Was weiterhin nicht entschuldbar sei, dass er sich auf Hochzeiten seines Wamses entledige.
Das vom Konsistorialamt angeforderte Protokoll, das schließlich auch noch Anschuldigungen wegen

  • „in der Kinderlehr gebrauchten ohngebührlichen Reden und Expressiones“

enthält, ist von den Zeugen Johann Bischof, Heinrich Walther, Nikolaus Müller, Christian Huhnstadt und Johann Wiegand unterschrieben.
Wie man mit der Anklage verfahren ist, darüber schweigen sich die Marburger Archivalien aus.


Kirchenbesitz

Hinter der Kirche, vom Pfarrgarten über eine kleine Steintreppe erreichbar und zum Schloss hin durch eine Mauer getrennt, liegt der alte Friedhof unseres Dorfes, von der Zeit längst eingeebnet, mit namenlos zurückgebliebenen, zerbrochenen und halbverwitterten Grabsteinen als Zeugen, aus längst vergangenen Tagen. Einer davon gibt gerade noch den Namen des Just Heinrich Baumbach frei, gestorben 1807, von Beruf Ackermann und Weber. Das Grab liegt als eines der letzten unmittelbar an der Kirchenmauer. Ein sicherer Hinweis darauf, dass anstelle des alten, für das Dorf zu klein gewordenen Friedhofs, der neue, unser heutiger Friedhof, etwa zur gleichen Zeit, also um 1800, entstanden ist.
1911 erhält der neue Friedhof seinen Wasseranschluss. Der nach seiner Erweiterung hinzugekommene obere Friedhofsteil wird 1952 erstmals belegt. Weil es an Geld und Material fehlt, muss die Gemeinde noch bis 1955 auf ihre Leichenhalle warten.
Von alters her unterhält die Kirchgemeinde ihre Pfarrstelle in Form von Geld- und Naturalabgaben (Getreide, Federvieh usf.) selbst. Sie vereinnahmt Gebühren für Leichenpredigten und erhält bei Kindtaufen die obligatorischen „zwei Kuchenteile und das Maß Wein“. Die Boineburgs liefern das Brennholz kostenlos und mit 5 Maß Korn ist auch die Reismühle am Haushaltsplan der Pfarrstelle beteiligt.
Zur Pfarrei gehört seit eh und je landwirtschaftlicher Grundbesitz, der von Bauern des Dorfes für den Pfarrhof, später von Pächtern bewirtschaftet wird. Dass der Pfarrer sich gelegentlich mit geschulterter Mistgabel und langen Stiefeln im Dorf sehen lässt, ist nichts Ungewöhnliches. Das im Pfarrhof vorhandene kleine Scheunengebäude ist heute noch ein Zeuge aus dieser Vergangenheit.
Grundeigentümer ist die Pfarrei bis heute geblieben. 1930 verkauft sie ihre Hutrechte, 1934 gegen eine Ablösesumme von 200 Mark ihr Eigentumsrecht am „Hopfengarten“ an die Gemeinde. Was an landwirtschaftlichem Grundbesitz zurückbleibt, wird heute, mit dem Rat des Kreises als Pächter, von der LPG Pflanzenproduktion Dermbach bewirtschaftet.
Ihre Vermögensangelegenheiten verwaltet die Kirchgemeinde von Anfang an selbst. Noch bis 1920 ist dafür der s. g. Heiligenmeister verantwortlich. Aus der langen Reihe der Inhaber dieses Kirchenamtes seien aus dem Jahr 1818 Johann Dietrich Baumbach und aus dem Jahr 1822 Simon Hehl genannt.
Kirche und Pfarrhof zählen zusammen mit dem Schafhof und seinen z. T. bis in unsere Tage erhalten gebliebenen Gebäuderesten (Gewölbekeller H. Borchardt) sowie dem Ensemble seiner aus Sandstein gehauenen Tür und Torpfosten, Gehwegplatten, Mauerquadern und Treppen zum ältesten Ortsteil von Gehaus.
Im alten Friedhof unseres Dorfes, zum Schloss hin in die alte Kirchhofsmauer eingelassen, weist der Kopfstein einer kleinen, schießschartenähnlichen Maueröffnung auf das Jahr 1682 hin, der vermutlichen Bauzeit der Kirchhofsmauer. Die Jahreszahl könnte aber auch etwas mit der an gleicher Stelle errichteten alten Gutsscheune zu tun haben.
Zerbrochenes Mauerwerk, zurückgeblieben vom Abbruch des alten Scheunengebäudes, von Efeu überwucherte Mauerpforten, Reste alter Begrenzungsmauern, das vom Alter gezeichnete Antlitz des alten Gutshofes mit dem Schloss als ehemaligem Herrensitz vervollständigen das Bild der historischen Kulisse unseres Dorfes.
Vieles daraus ist längst verschwunden, so wie die Sanduhr auf der Kanzel in der Kirche, die den Kirchgängern einmal die Zeit des Gottesdienstes anzeigte. Was heute übrig geblieben ist, sollte es wert sein, als letztes Stück altes Gehaus in unsere Obhut genommen zu werden.
1902 erhalten Pfarrhof und Kirchenvorplatz ihre schmiedeeisernen Tore. Wir verschließen sie hinter uns, verabschieden uns gleichzeitig aus einem Kapitel Dorfgeschichte, nicht jedoch, ohne noch seine letzte Seite aufzuschlagen.
Vom Gebirgsschlag des 13. März 1989 betroffen, kommt es insbesondere am Kirchturm (an der rückwärtigen Kirchenwand in geringerem Umfang) zu Rissen im Mauerwerk.
Weil die Schäden nicht gerade ernsthafter Natur sind, will man mit einer Verankerung des Mauerwerks als Instandsetzungsmaßnahme zunächst einmal auskommen.
Ausgedient und zum Veteranen geworden, wird im gleichen Jahr der über 200 Jahre alte Glockenstuhl ausgewechselt und durch einen neuen ersetzt.


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– nach Themen sortiert –


 

3 Kommentare

  • Die Liste der Gehauser Pfarrer wurde Dank eines mir von Dr. Jürgen Coch aus Halle zugesandten Zitats aus dem „Thüringer Pfarrerbuch“ korrigiert und erweitert, somit ist nun die Liste der Gehauser Pfarrer ab 1602 endlich vollständig.
    H. Hehl

  • Finkenstein, Silke

    Sehr geehrter Herr Hehl,

    mit großem Interesse habe ich Ihren Blog/Homepage durchstöbert auf der Suche nach meinen Ahnen, von denen einige in Gehaus geboren und gelebt haben.
    U.a. Meiss, Christian Landwirt geb. 02.02.1829 und seine Ehefrau Henriette geb. Schlotzhauer 17.12.1827 und der Sohn der Beiden Just Heinrich Meiß geb. 23.11.1858. (= mein Urgroßvater).

    Vielleicht können Sie mir bzgl. der genannten Personen weiterhelfen?
    Sehr interessant fand ich auch die Heimatglocken von Gehaus. Leider erst beginnend im Jahr 1914.

    Viele Grüße aus dem Schwabenländle sendet Ihnen

    Silke Finkenstein

    • Leider kann ich Ihnen nur den Rat geben, sich an das Landeskirchenarchiv Eisenach zu wenden. Dort sind alle Kirchenbücher des des Kirchenkreises Eisenach, zu dem auch Geahus gehört, verfilmt worden. Auf der Website steht: „Eine detaillierte Kirchenbuchliste gibt Auskunft über alle bisher verfilmten Kirchenbücher in unserem Bereich und steht Ihnen für Recherchen und zur Vorbestellung von Filmen im Lesesaal zur Verfügung.“ Dort finden Sie ganz sicherlich die gewünschten Informationen über Ihre Vorfahren aus Thüringen.

      Mit freundlichen Grüßen
      Helmut Hehl

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