Gehaus nach 1945

Paul Gerstung schrieb in seiner Dorfchronik von Gehaus als einem sozialistischen Dorf, doch waren wir wirklich ein „sozialistisches Dorf“? Ich denke, das waren wir so wenig, wie wir als Menschen jemals einem Grafen ganz und gar gehörten, nur fromm betende Christen oder jemals gewissenlose Faschisten waren.

Sozialistisch waren wir Gehauser nur in dem Sinne, dass uns im Gefolge des von den Faschisten angezettelten Krieges eine sowjetische Besatzung in Absprache mit den westlichen Siegermächten diktiert wurde, die uns dann am 7. Oktober 1949 den sozialistischen sein wollenden Staat DDR verordnete,

  • nachdem sich die drei westlichen Siegermächte auf der Londoner Außenministerkonferenz 1947 mit der Sowjetunion unüberwindbar zerstritten hatten;
  • nachdem 1948 die Londoner Sechsmächtekonferenz mit den USA, Großbritannien, Frankreich, den Niederlanden, Belgien und Luxemburg stattfand, die über die Bildung eines westdeutschen Staates und den Brüsseler Pakt, ein Bündnis zur Wahrung westlicher Interessen gegen das Machtstreben der UdSSR, diskutierte;
  • nachdem aus Protest gegen diese Beschlüsse der sowjetische Gesandte am 20. März den Alliierten Kontrollrat verließ;
  • nachdem im März 1948 die Bank deutscher Länder, Vorgängerin der Bundesbank, gegründet wurde;
  • nach der Währungsreform vom 20. Juni 1948, an der auch West-Berlin, aber nicht die SBZ teilnehmen durfte;
  • nachdem sich das „Wirtschaftswunder“ abzeichnete, das parallel zur Einführung der D-Mark den Schwarzmarkt allmählich austrocknete;
  • nachdem der Sowjetunion das am 24. Juni 1948 willkommenen Anlass war, die Berlinblockade zu verhängen;
  • nachdem die Bundesrepublik am 24. April 1949 – mit der Verkündigung des Grundgesetzes durch die deutschen Länder der Trizone am 23. April 1949 – entstand.

Das geschah, ohne dass wir als zufällige Bewohner der SBZ je gefragt wurden, wir mussten damit leben lernen.

Wir waren verkauft worden, die drei westdeutschen Besatzungszonen erhielten Hilfe aus dem Marshallplan, SBZ und danach die DDR wurden von den Sowjets als Selbstbedienungsladen betrachtet. Die wichtigsten Industrieanlagen wurden demontiert und in die Sowjetunion geschafft, viele Wissenschaftler mussten dem technischen Fortschritt in der Sowjetunion dienen. Ostdeutschland war nützlich für das imperialistische Machtstreben der Sowjetunion, gleichberechtigter Partner war sie nie. Als Gorbatschow die Perestroika verkündete, waren die DDR finanziell fast pleite, Klotz am Bein der großen SU geworden. In den Verhandlungen über die Einheit Deutschlands von 1990 spielten wir noch einmal eine bescheidene Rolle als politisches Faustpfand zum maximal erzielbaren Gewinn für den zerfallenden Koloss auf tönernen Füßen, Sowjetunion genannt – mehr nicht.

Unsere wirtschaftlichen Erfolge waren ungleich härter erarbeitet als die der BRD. Für diese waren wir der ausgeplünderte Bruder, der das durch den Marshallplan angekurbelte Wirtschaftswunder nur gefährden konnte. Eine Chronik der (bewusst?) hintertriebenen Vereinigung aller vier Besatzungszonen kann man der Dorfchronik entnehmen

Was wir in Gehaus unter diesen Bedingungen geschaffen haben, darüber berichte ich in der Datei „Gehaus/Rhön nach dem 2. Weltkrieg“ (nächste Karteikarte) die downloadbar ist oder auch online im Browser gelesen werden kann.

In welchem Maße wir uns mit einer dogmatischen Ideologie zu arrangieren hatten, wollten wir nicht alles aufgeben, was wir besaßen kann der Interessierte in der Datei „Die Agrarpolitik der DDR“ (ebenfalls als PDF-Datei in der dritten Karteikarte verfügbar) nachlesen. Der an Hintergründen Interessierte findet auf der Seite „Die Dorfschule“ Tatsachen zur sozialistischen Erziehung in der DDR und auf der Seite „Die Dorfkirche“ Wissenswertes zur Kirchenpolitik der DDR.


Das Dorfgeschehen ab 1945 in der Gemeinde Gehaus habe ich in einer PDF-Datei zusammengefasst:

Gehaus nach dem 2. Weltkrieg

Gehaus nach dem 2. Weltkrieg


Der folgende Text stammt aus: DDR-Handbuch: Agrarpolitik. Enzyklopädie der DDR, S. 616 ff. und kann las PDF-Datie nach Anklicken mit der Maus online gelesen oder auf den heimischen Computer heruntergeladen werden:

Die Agrarpolitik der DDR

Die Agrarpolitik der DDR


Bücher und DVD über Geschichte, Landschaft und Kultur der Rhön und Thüringens
– nach Themen sortiert –


 

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