Johann Pachelbel: Alle Menschen müssen sterben

Plötzlich müssen die Leute sterben und zu Mitternacht erschrecken und vergehen; die Mächtigen werden weggenommen nicht durch Menschenhand [Hiob 34,20].

Ein beeindruckendes Werk – verblüffend modern, ja hoffnungslos klingt die siebte Variation, man könnte gar nicht glauben, dass das Stück bereits  im 17. Jahrhundert von Pachelbel komponiert wurde, wüsste man es anhand der Quellenlage nicht besser, eine solche Häufung von Querständen findet man selbst bei Bach in seinem Pedal-Exercitium BWV 598 nicht. In der letzten Variation hören wir dann das große Zittern vor dem Unausweichlichen …

Ich habe diese Komposition mit Samples der Rieger-Orgel im Konzerthaus Wien eingespielt. Ausführliche Informationen zum Leben von Johann Pachelbel findet der Interessierte in meinem Beitrag „Johann Pachelbel: Allein Gott in der Höh‘ sei Ehr“.

Man sollte das Stück bei maximaler Lautstärke (mit guten Kopfhörern) aber nicht bei Zimmerlautstärke mit schwachbrüstigen Lautsprecherboxen anhören – eben analog der Lautstärke, in der man es auch in der Kirche zu hören bekommen würde.

Der Notensatz als PDF

Der Text des Chorals:

Choral
Alle Menschen müssen sterben,
alles Fleisch ist gleich wie Heu;
was da lebet, muß verderben,
soll es anders werden neu.
Dieser Leib, der muß verwesen,
wenn er anders soll genesen
zu der großen Herrlichkeit,
die den Frommen ist bereit‘.

Partita 1
Drum so will ich dieses Leben,
weil es meinem Gott beliebt,
auch ganz willig von mir geben,
bin darüber nicht betrübt;
denn in meines Jesu Wunden
hab ich nun Erlösung funden,
und mein Trost in Todesnot
ist des Herren Jesu Tod.

Partita 2
Jesus ist für mich gestorben,
und sein Tod ist mein Gewinn.
Er hat mir das Heil erworben;
drum fahr ich mit Freuden hin,
hin aus diesem Weltgetümmel
in des großen Gottes Himmel,
da ich werde allezeit
schauen die Dreifaltigkeit.

Partita 3
Da wird sein das Freudenleben,
da viel tausend Seelen schon
sind mit Himmelsglanz umgeben,
dienen Gott vor seinem Thron;
da die Seraphinen prangen
und das hohe Lied anfangen:
„Heilig, heilig, heilig heißt
Gott der Vater, Sohn und Geist.“

Partita 4
Da die Patriarchen wohnen,
die Propheten allzumal,
wo auf ihren Ehrenthronen
sitzet der zwölf Boten Zahl,
wo in so viel tausend Jahren
alle Frommen hingefahren,
da wir unserm Gott zu Ehrn
ewig Halleluja hörn.

Partita 5
O Jerusalem, du schöne,
ach wie helle glänzest du!
Ach wie lieblich Lobgetöne
hört man da in sanfter Ruh!
O der großen Freud und Wonne:
jetzo gehet auf die Sonne,
jetzo gehet an der Tag,
der kein Ende nehmen mag!

Partita 6
Ach ich habe schon erblicket
alle diese Herrlichkeit;
jetzo werd ich schön geschmücket
mit dem weißen Himmelskleid
und der güldnen Ehrenkrone,
stehe da vor Gottes Throne,
schaue solche Freude an,
die ich nicht beschreiben kann.

Partita 7 und Partita 8 haben keine Entsprechung im Text des Chorales.

(Ewigkeitslied, Autor: Johann Rosenmüller (1620 – 1684))

 

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