Die Hildenburg

 (650 m)

I. Historiker Schultes schreibt darüber (1804): „In der mittlern Geschichte der Grafschaft Henneberg wird zum öftern des Schlosses Hildeburg erwähnt, welches in dem würzburgischen Amte Fladungen liegt und gegen Süden zu nur eine Stunde von dem hennebergischen Schlosse Lichtenberg entfernt ist. Die Schicksale dieser alten Burg, die schon im 9. Jahrh. existirte, liegen im Dunkeln, verdienen aber umsomehr einer Erläuterung, weil sie im 12. Jahrh. der Stammsitz einer gleichbenannten gräflichen Familie war und mit ihrem Länderumfange eine kleine Grafschaft ausmachte. Der Name „Hilteburg“ kommt schon in einer fuldaischen Schenkungsurkunde vom Jahre 817 vor. Der Ursprung der Dynasten von Hildenburg, deren Voreltern wohl ursprünglich in der Provinz des großen Grabfeldes einheimisch waren, allwo das Kastrum Hildenburg das Andenken ihres Namens bis jetzo erhalten hat, fällt in den Zeitraum des elften bis zwölften Jahrhdts. Eine vornehme Dame mit Namen Hiltiburg schenkte 824 dem Stifte Fulda ihre Güter in Nordheim, Streu und in den drei Dörfern „Sundheim“, worunter die heutigen Orte Kaltensundheim, Sondheim vor der Rhön und Sondheim im Grabfeld zu verstehen sind. In einer spätern Urkunde kommt ein Cunemund de Hiltenberc vor, der eine hennebergische Schenkung unterschreibt und für den nähern Stammvater des hildenburgischen Geschlechts zu halten ist. 1139 bis 1161 erscheinen Gyso und Christian de Hiltenberg die man für Söhne Kunemunds halten kann. Man hat gute Gründe zu glauben, daß die Gemahlin des Gyso eine geborne Gräfin von Henneberg gewesen sein mag, weil Graf Poppo VI. (alter Linie XII.) in einer Urkunde von 1185 einen Albrechten von Hildenberg seinen Cognatum (d. h. Verwandten) nennt[1] Dieser Albrecht v. Hildenb. führte anfangs den Grafentitel eben so wenig wie sein Vater, aber seit 1170 bediente er sich abwechselnd desselben; er befand sich öfters im Gefolge Kaiser Friedrichs I., begleitete ihn 1188 aus dem Kreuzzug nach Palästina, zuletzt, 1206 ist er auf dem königlichen Hoflager zu Würzburg, und es ist nichts gewisser, als daß Albrecht die kurze Reihe vom Hildenburger Geschlecht beschlossen habe. Er hinterließ eine einzige Tochter, Adelheid, welche an Graf Otto von Bodenlaube[2] sich vermählte. Der Grafschaft Hildenburg gehörte damals an: Unterelpse, Altenfeld, Diezwind, Sachsen[3], Schwarzbach, Hausenrod, Nordheim, Berkach, Sondheim v. d. Rh., Holder, Obersfeld, Fladungen, Brüks, Lichtenau, Schalken- oder Saleckeberg („umliegende Ortschaften in den sämmtlichen Rhöngebürgen“), mithin ein benächtlicher Theil der Aemter Fladungen, Lichtenberg und Kaltennordheim. Verschiedene Dorfschaften kamen in der Folge an die Grafen von Henneberg. Das Schloß Hildenberg wurde der Sitz eines Würzburgischen Amtes, welches man nach der Sitte damaliger Zeit der Verwaltung eines Burgmanns anvertraute. Bischof Albrecht von Würzburg verlieh diese Stelle 1367 dem Ritter Siegfried von Stein. 1435 verkaufte Hochstift Würzburg das Schloß mit allen darzu geschlagenen Dörfern dem Grafen Georg von Henneberg-Römhild um 12990 Gulden mit Vorbehalt des Wiederkaufs, löste es aber bald mit Ausnahme verschiedener Orte wieder ab und verpfändete dasselbe mit den dazu gehörigen Rhönfeldern im Jahre 1455 dem Ritter Adolph Marschallen von Ostheim um 600 rheinische Gulden; Werner Marschall von Waldbach, ein Sohn des vorhergehenden, trat 1471 das Schloß und Gericht Hildenberg an Siegfried von Stein um die nemliche Summe ab, behielt jedoch dem Hochstifte Würzburg den Wiederkauf desselben vor. 1486 bestätigte Bischof Rudolf diese Pfandschaft nebst dem würzburgischen Zehend und Vorwerk zu Sundheim v. d. Rhön um 2400 Gld. als Mannlehen. Hans von Stein vererbte 1574 die Heufelder an die Ortschaften Stetten, Urspringen, Sondheim, Rod, Oberwaldbehrungen und Heufurth (als Afterlehn), wovon die Einwohner noch Erbzinsen zahlen u. a. m.“

II. Beckert’s Nachrichten (aus 1821) über die Hildenbnrg lauten: „Hilteburg, welches nun die dortigen Landleute „Hilleberg, Hilleberger Hof, auch Hellwerk“ nennen, liegt in Trümmern auf einem kegelförmigen Vorberge der Rhön; (südlich unterhalb des schwarzen Moors, 756 m, nördlich vom Aussichtsturm der „Rother Kuppe“ 823 m). „Stattliche Buchen umfangen den Hilleberg, zu dem man auf einem mit Wackensteinen übersäeten Weg gelangt. – Die Erbauung der Burg fällt in die kraftvolle Ritterzeit des 8. u. 9. Jahrhunderts. Hiltiburg und ihr Gemahl Vuilleperaht schenkten 824 n. Chr. einen großen Theil ihrer Güter dem Kloster Fulda, und ein gewisser Graf Hahho vermachte im Einverständnis mit seiner Gemahlin Adalpraht ihre Güter zu Nordheim im Baringau, welche von der Frau Hiltiburg herrührten, dem Konvent zu Fulda. – Bis zum 12. Jahrh. schweigt nun die Geschichte von diesem Geschlechte. 1116 erscheint ein Cunemund von Hildenburg. Nach Erlöschung des Stammes Hildenburgs blieb die Burg selbst noch lange Sitz eines Amtes. 1455, da Hildenburg und Fladungen an den Grafen Georg von Henneberg gekommen, wurde dort Adolph Marschall von Ostheim Amtmann; 1547 war Valentin Vatt „Keller“ (Verwalter) zu Hildenburg und noch 1577 war diese Burg von einem Amtskeller bewohnt, wenigstens wurde Amtstag allda gehalten. 1525 hat bereits der Bauernaufruhr das alte Schloß zertrümmert. Im ehemaligen Burghofe stehen noch 6 Wohnungen, (teils auf und an Ueberreste der Burg erbauet), worin 32 Seelen leben, die nach Fladungen eingepfarrt sind«. — Benkert rühmt den Ausblick von der Hildenburg nach der östlich um 2 Std. entfernten „Königsburg“, zur Lichtenburg und bis zu den südöstlich weitern Gleichbergen bei Hildburghausen, und ruft dann mit dem Dichter aus:

Blickt auf! der Vorwelt Trümmer ruh’n!
Kein Ritter haust umher;
Es wallt getrost der Wandersmann
Durch Au’ und Thal auf stiller Bahn,
Kein Zwingherr schreckt ihn mehr!

 


aus
C. E. Bach
„Im Tullifeld“
Eine historisch-landschaftliche Umschau in engerer Heimat
– der Vorderrhön –


[1] Poppo’s I. vierter Sohn Crafft hat wahrscheinlich auf Schloß Hildenburg gewohnt und stammen wohl die „Herren von Hiltenburg“, als auch die „von Nithardishusen“ von ihm ab. (Vergl. Heft II. S. 4. u. 29).

[2] Bodenlaube („Botenleube“), Sitz des Minnesängers Otto, war ein Schloß bei Kissingen, wovon die Rudera noch zu sehen sind. – Otto der ältere von Bodenlaube und seine Gemahlin Adelheid blieben nicht im Besitze von Hildenberg, sondern verkauften Schloß Hildenberg und Lichtenberg 1230 an das Hochstift Würzburg um 4300 Gld. (n. Heim).

[3] Vergl. Heft I. S. 74. Der Ort, ehedem würzburgisch, dann bayerisch bis 1866, jetzt neupreußisch. Es steht noch das alte Amthaus mit Würzburger und Mainzer Wappen.


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