Dem Apfeln von Aische

Lucas Cranach der Ältere: Adam und EvaAlso – die Geschichte in der Bibel über das Paradies, über Adam, Aische, die Schlange und den Apfel geht in scheißendeutsch so:

Die Schlange hatte weniger an, aber mehr drauf als alle anderen Tiere des Feldes, die Adonaj, also Gott, gemacht hatte. Sie sagte zu der Frau: »Also wirklich – hat Gott etwa gesagt: ›Ihr dürft von allen Bäumen des Gartens nichts essen‹«? Da sagte die Frau zur Schlange: »Von den Früchten der Bäume im Garten können wir essen. Nur von der Frucht des Baumes in der Mitte des Gartens hat Gott gesagt: ›Esst nicht von ihr und rührt sie nicht an, damit ihr nicht sterbt.‹« Die Schlange sagte zu der Frau: »Ganz bestimmt werdet ihr nicht sterben. Vielmehr weiß Gott genau, dass an dem Tag, an dem ihr davon esst, eure Augen geöffnet und ihr so wie Gott sein werdet, wissend um gut und böse.« Da sah die Frau, dass es gut wäre, von dem Baum zu essen, daß er eine Lust war für die Augen, begehrenswert war der Baum, weil er klug und erfolgreich machte. Sie nahm von seiner Frucht und aß. Und sie gab auch ihrem Mann neben ihr. Und er aß.
Und die Frau hieß Aische und war dem Tuss von Adam. Die ganze Geschichte und wie sie beide dann voll krass aus dem Paradies gefliegt, kannst du dir hier anhören:
 
aus
Was hängßu Kreuz, Alder? – Die Bibel für Integrationswillige“
auf Kanakisch! 😉

Evas Apfel“, so nennt Dietrich Dörner sein Kapitel, in dem er uns auseinander klamüsert, was nun seine Ψs für Vorteile davon hatten, daß sie nun sprechen konnten. Du warst zwar nicht dabei, bzw. hast nicht gelesen, wie er das hingekriegt hat, der Dörner, das ist aber eigentlich nur ein ingenieurtechnisches Problem, das muß man nicht wissen, wenn man erfahren will, was so eine Seele eigentlich ausmacht. Wer aber ganz genau wissen will, wie die Ψs sprechen lernen, der sollte die Doktorarbeit (2004) von Frau Johanna Künzall studieren: PSI lernt sprechen – Erste Schritte zur verbalen Interaktion mit dem Autonomen Künstlichen Agenten PSI. Da wird Sie geholfen. Hier eine grobe Übersicht des Inhaltes:

  1. Einleitung
  2. PSI – Eine Theorie und ihre Realisation
  3. Sprechen und verstehen
  4. Computer, Sprache und Menschen – Eine Übersicht
  5. PSI-Lingua
  6. Kritik und Ausblick, oder: „Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt“ (Wittgenstein)
  7. Mensch-Computer-Kooperation
  8. PSI und die Menschen
  9. Zusammenfassung und Ausblick

Was haben wir, bzw. unsere Modellmenschen die PSIs davon, wenn sie sprechen können?

Kaum ein Geschehnis, welches nicht sofort eine Warum-Frage auslöst (und die an der Warum-Frage hängenden Suchprozesse). Kaum ein Ereig­nis, welches nicht eine Wozu- oder Wohin-Frage und die entsprechenden Suchprozesse hervorruft. Kein Bedürfnis, welches nicht Wie-Fragen erzeu­gen könnte und die damit verbundenen Such- und Konstruktionsprozesse, Vorstellungsabläufe, Konkretisierungsversuche, Schema- und Komplexer­gänzungen, kurz: Aktionen zur Schaffung neuer Realitäten. Die Ψscl haben einen aktiven Geist. Ihr Gedächtnis, ihr Bild von der Welt ist nicht mehr nur ein Sediment ihrer Erfahrungen, sondern sie konstruieren dieses Bild selbst und erfinden Hypothesen.
Tritt ein unerwartetes Ereignis auf, werden die ΨssL erschrecken, fliehen und mit der Zeit vielleicht eine vorsichtige Erkundung wagen. Bei den ΨscL wird das gleiche passieren, aber zusätzlich werden sie sich fragen: «Warum?» – «Wozu?» – «Auf welche Weise kann man das vermeiden?» -«Was wird folgen?» Und nicht nur die zeitlichen Relationen werden sie zu ergründen versuchen, sondern auch die räumlichen: «Wo denn?» – «Was ist dahinter?» – «Was davor?» – «Was darin?» Unerwartete, neuartige Ereig­nisse, generell Lücken im Weltbild, werden für die ΨscL Anlässe sein, sich selbst oder Artgenossen über die Ursachen, Hintergründe und die Folgen wie auch über den räumlichen und zeitlichen Kontext zu befragen, um auf diese Weise Hypothesen über die Welt zu bekommen, «um zu erkennen, was die Welt im Innersten zusammenhält». All das hat vielerlei Folgen für die Weltmodelle derΨScl
.

(Dörner)

Sie werden dadurch nicht glücklicher, sie werden nicht besser (im Sinne unseres Wertepaares „gut und böse“), sie werden ihrer Unbestimmtheit, der Beliebigkeit einer Antwort auf die Frage nach dem Sinn ihres Lebens erkennen, sich ihrer Angst bewußt werden. Sie werden sich, um sich aus ihrer Unbestimmtheit zu befreien, Götter erfinden, aber sie werden auch einen freien Willen bekommen:

Aufgrund der Fähigkeit zur Selbsterkenntnis werden die ΨscL zu Ψ-Psy­chologen werden und ihre eigenen Seelenregungen genau betrachten. Dies bietet neben der Irritation, die es möglicherweise hervorruft, auch Chan­cen, zum Beispiel die Aussicht, den Determinationen des eigenen Verhal­tens zu entfliehen. Wenn man weiß, warum man auf dieses Ereignis mit der einen emotionalen Reaktion antwortet und auf jenes mit einer anderen, dann kann man versuchen, solche Situationen zu vermeiden, ihre Ursachen zu beseitigen, herbeizuführen oder zu modifizieren. Man kann sich redeter­minieren; unsere Ψs bekommen einen freien Willen, der unabhängig ist von den Geschehnissen der Außenwelt. Und das ist eine so wichtige Errungen­schaft, daß ich ihr den nächsten Beitrag widmen will. (Dörner)

Und sie werden sich nach dem Sinn ihres Lebens fragen, so wie es Camus im Mythos von Sisyphos (siehe auch den Blogbeitrag Leben oder Das Spiel der zwanzig Fragen) tut und notwendigerweise auf die wunderbarsten und wundersamsten, je nach persönlicher Situation wechselnden,  willkürlich gestrickten Konstrukte für den „gesamtmenschlichen“ oder auch nur ihren individuellen „Sinn des Lebens“ verfallen.
Dem nächsten Kapitel über den „Freien Willen“ widme ich einen eigenen Beitrag in diesem Blog.

Zum Lesen oder zum Download:

Dietrich Dörner: Evas Apfel

 


Ein sehr aufschlußreiches Buch, das sich ebenfalls die Aufgabe gestellt hat, etwas Licht in das dunkle Geheimnis des menschlichen Bewußtseins zu bringen ist

António Damásio
Selbst ist der Mensch: Körper, Geist und die Entstehung des menschlichen Bewusstseins
Pantheon Verlag (2013)

Er beschreibt zu Beginn, was uns alles an Angenehmem als auch Unangenehmen fehlen würde, hätten wir kein Bewußtsein

Und doch ist kaum etwas anderes an unserem Dasein so bemerkenswert, grundlegend und scheinbar rätselhaft wie das Bewusstsein. Ohne Bewusstsein, das heißt ohne einen mit Subjektivität ausgestatteten Geist, könnten wir nicht wissen, dass es uns gibt, ganz zu schweigen von der Frage, wer wir sind und was wir denken. Hätte die Subjektivität nicht – anfangs vielleicht nur in bescheidenem Umfang – bei Lebewesen eingesetzt, die viel einfacher sind als wir, Gedächtnis und Vernunft hätten sich vermutlich nicht auf so üppige Weise entfalten können, und der Evolutionsweg zur Sprache sowie zu unserer raffinierten menschlichen Form des Bewusstseins hätte sich nicht eröffnet. Die Kreativität hätte nicht gedeihen können. Es gäbe keine Lieder, keine Malerei und keine Literatur. Liebe wäre nie Liebe gewesen, sondern immer nur Sex. Freundschaft wäre nur Kooperation um der Bequemlichkeit willen. Schmerzen wären nie zu Leid geworden, was vielleicht gar nicht so schlecht wäre, allerdings wäre Lust dann wohl auch nicht zum Glück geworden. Hätte die Subjektivität nicht ihren radikalen Auftritt gehabt, es gäbe kein Wissen, und niemand würde es bemerken; entsprechend gäbe es auch keine Geschichte (als Bewusstsein dessen, was die Lebewesen im Laufe der Zeitalter getan haben) und keinerlei Kultur. Bis hierher habe ich zwar noch keine tragfähige Definition für das Bewusstsein geliefert, aber ich habe hoffentlich schon jetzt keinen Zweifel daran gelassen, was es bedeutet, kein Bewusstsein zu haben. Ohne Bewusstsein ist die persönliche Sichtweise aufgehoben, wir wissen nichts von unserer Existenz, und wir wissen auch nicht, dass irgendetwas anderes existiert. Wenn sich das Bewusstsein nicht im Laufe der Evolution entwickelt und bis zu seiner menschlichen Version ausgeweitet hätte, dann hätte auch die Menschheit mit allen ihren Stärken und Schwächen, wie wir sie heute kennen, nicht entstehen können. Man schaudert bei dem Gedanken, dass eine einzige nicht vollzogene Wendung vielleicht den Verlust der biologischen Alternativen bedeutet hätte, die uns eigentlich erst zu Menschen machen. Aber wie hätten wir merken sollen, dass etwas fehlt?

Und auch ihm ist es, wie auch Dörner, klar, daß es für die Entstehung des menschlichen Bewußtsein natürliche, wenn auch höchst komplexe Wechselwirkungen im geschichtlichen Prozeß unserer Evolution als Spezies finden lassen müssen, die  nicht auf Mystik und Fremdbestimmung zurück geführt werden müssen:

Betrachtet man den bewussten Geist unter dem Gesichtspunkt der Evolution von einfachen Lebensformen zu komplexen Organismen wie uns selbst, so fällt es leichter, in ihm etwas Natürliches zu sehen: Man erkennt, dass er das Ergebnis einer stufenweise zunehmenden Komplexität innerhalb des biologischen Rahmens ist. Das menschliche Bewusstsein und die Funktionen, die es ermöglichte (Sprache, erweitertes Gedächtnis, Vernunft, Kreativität, das ganze Gebäude der Kultur) können wir als Sachwalter des Wertes in unserem modernen, sehr geistbegabten, sehr sozialen Wesen betrachten. Und wir können uns eine lange Nabelschnur vorstellen, die den kaum von der Mutter entwöhnten, stets abhängigen bewussten Geist mit den Tiefen ganz elementarer, völlig unbewusster Regulatoren des Wertprinzips verbindet. Die Geschichte des Bewusstseins kann man nicht auf konventionelle Weise erzählen. Das Bewusstsein entstand wegen seines biologischen Wertes als Beitrag zu einer effizienteren Werteverwaltung. Aber das Bewusstsein hat weder den biologischen Wert noch den Prozess der Bewertung erfunden. Erst im Geist des Menschen hat das Bewusstsein den biologischen Wert aufgedeckt und die Entwicklung neuer Mittel und Wege zum Umgang damit ermöglicht.

Warum aber ist es so wichtig die Funktionsweise unseres Bewußtseins plausibel zu erklären? Dazu schreibt Damásio:

Die Motivation hinter den meisten Errungenschaften der menschlichen Kulturen und Zivilisationen gründet sich genau auf diese Frage und auf die Notwendigkeit, das Verhalten der Menschen, die sich mit dem Thema beschäftigen, zu lenken. Lebenssteuerung steht hinter vielen Dingen, die in der Biologie im Allgemeinen und beim Menschen im Besonderen einer Erklärung bedürfen: die Existenz eines Gehirns, die Existenz von Schmerzen, Freude, Emotionen und Gefühlen, soziale Verhaltensweisen, Religionen, Wirtschaftssysteme mit ihren Märkten und Finanzinstitutionen, moralisches Verhalten, Gesetze und Justiz, Politik, Kunst, Technologie und Naturwissenschaft – wie man leicht erkennt, eine sehr bescheidene Liste. Man kann es auch etwas anders ausdrücken: Leben und die untrennbar mit ihm verbundenen Bedingungen – der ununterdrückbare Überlebenstrieb und das komplizierte Geschäft, das Überleben in einem Organismus aus einer Zelle oder Billionen Zellen zu managen – waren letztlich der ausschlaggebende Grund für das Auftauchen und die Evolution der Gehirne, jener höchst raffinierten Managementapparate, die von der Evolution entwickelt wurden. Damit waren sie auch die Ursache von allem anderen, was auf die Entwicklung immer raffinierterer Gehirne folgte, die sich in immer raffinierteren Körpern befanden, die in einer immer komplexeren Umwelt lebten. Betrachtet man so gut wie alle Aspekte der Gehirnfunktionen unter dem Gesichtspunkt dieser Idee – dass Gehirne dazu da sind, das Leben in einem Körper zu managen –, erscheinen die Merkwürdigkeiten und Rätsel mancher traditionellen psychologischen Kategorien (Gefühl, Wahrnehmung, Gedächtnis, Sprache, Intelligenz und Bewusstsein) weniger seltsam und weit weniger rätselhaft. Stattdessen entwickeln sie eine durchschaubare Vernünftigkeit, eine unausweichliche, liebenswerte Logik. Wie, so scheinen diese Funktionen zu fragen, könnten wir angesichts der Aufgaben, die wir zu erfüllen haben, anders sein?

 

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