Der freie Wille

homunkulus_kSchau dir das Bild des meines Gehirns an, gell du siehst darin einen Homunkulus, tief in Gedanken versunken? 😉

Was er wohl denkt? Ist er es, der meine Gedanken steuert, sozusagen mein freier Wille? Fasst er unabhängig von den Bedürfnissen meines Körpers und überhaupt losgelöst von all meinen bisherigen Erfahrungen (meiner Biografie) und meiner Umwelt zufällige Entschlüsse zum Handeln? Hat also mein Wille keine Ursache in mir überhaupt etwas zu wollen, existiert er unabhängig von den Bedürfnissen meines Körpers? – So einleuchtend dieser Gedanke im ersten Moment auch erscheinen mag, im nächsten Moment wird er zum Alptraum werden, denn ich wäre Sklave meines freien Willens, sofern er unabhängig von meinem Körper agierte. Aber ist andernfalls mein ICH dann nicht auch nur Sklave meines Körpers?
Tun wir denn nichts aus freien Stücken? Was zwingt uns dazu, überhaupt etwas zu tun? – nun, von außen nichts und niemand. Aber ganz sicher ist ein ganz spezieller Mix der fünf Grundbedürfnisse des Menschen die Ursache all dessen, was wir empfinden und wollen. Erinnere dich daran, was Dietrich Dörner unter „Gefühle? Gefühle!“ ausgeführt hat, dann wirst du mich besser verstehen können.
Wir handeln frei, so jedenfalls fühlen wir es, wenn wir unsere fünf Grundbedürfnisse: Existenzerhaltung, Sexualität, Affiliation, Bestimmtheit und Kompetenz befriedigen. Handeln wir unseren Bedürfnissen zuwider, dann fühlen wir uns unfrei, durch Ursachen gezwungen, die nicht in unserem Selbst (d.h. nicht im Einklang mit unserer Seele, wie sie Dörner versuchte zu konstruieren) ihre Ursache haben.
Aber lies selbst:
Dort hat er im Abschnitt „Molveno“ im Detail auseinanderklamüsert, wie Entscheidungen zum Handeln beim Menschen zustande kommen.
In den Abschnitten „Die kognitive Explosion“ und „Achilles und Odysseus“ geht er noch einmal auf verursachende Rolle der Sprache für unser Bewusstseins ein.
Im letzten Abschnitt des Buches „Und wie ist das nun mit dem Ekel vor den Matjesfilets?“ zählt Dörner noch einmal auf, was seine Ψs alles können und kommt zu dem Schluss, dass sie sich wie Menschen verhalten und dass sie wahrscheinlich empört wären, würden wir sie als Maschinen, ähnlich einer Küchenmaschine, bezeichnen. Sie würden auf diesen Vorwurf so empört wie wir Menschen reagieren – was also unterscheidet sie noch von Menschen, wenn Mensch sich über das gleiche kognitive und emotionale Verhalten wie die Ψs definiert?
Er, also Ψ, dessen Seele der unseren gleicht, wird sich gegen unseren Vorwurf der Sinnlosigkeit seines Daseins auflehnen. Er, den wir nun auch „Mensch“ nennen können, wird von ständiger Unrast gequält, seinem Leben einen Sinn zu geben versuchen, der über die Tatsache seiner bloßen Existenz hinausgeht oder der in einer außermenschlichen Wahrheit, die man zu Recht auch eine unmenschliche nennen kann, zu finden sein müsse. Er wird zum Sinnsucher werden.


 
 

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