Kriegsnöten am und im Tullifeld

Auf Seite 59 dieses Heftes stellten wir neben die Pest den Krieg als besonders starkes Volksleiden und wollen nun auch die kriegerischen Beweg- und Aufregungen im Grab- bez. Tullifeld, wie selbstverständlich nur in einzelnen Epochen und nicht in ausführlichen Schilderungen hervorheben. Weisen wir aber kurz voraus auf das hin, was in den 3 ersten Heften mehr oder weniger als kriegerische Momente bereits angegeben ist, z. B. I. S. 28, 33; I. S. 4; wozu wir nachträglich anfügen: ,,In der Schlacht bei Melderichs-Stadt fiel auf päpstl. Seite Bischof Werner von Magdeburg, der auf der Flucht von Landsleuten an einen Baum gehenkt wurde u. nackend nach Hause kam; auf Seiten des Kaisers fiel Eberhard mit dem Barte. Am 27. Jan. 1080 war noch ein blutiger Kampf bei Fladichheim, nördl. von Roßdorf“ (nach Dermbacher Chronik.) II. S. 11, 14, 22, 3235, 54, 81, 86, 105, 115; III. S. 4, 21, 29, 31, 35, 39, 50, 55. – Sei nun in Betracht gezogen:

 a., Der Bauernkrieg (1525).

»Die Aufrührer nötigten den Fürst Wilhelm von Henneberg, nach Meiningen zu kommen. Aller Wahrscheinlichkeit nach trat die Stadt aus Furcht in das Bündnis der Bauern. Diese hatten bereits die Schlösser Henneberg, Hutsberg, Osterburg (b. Themar), Bibra, Lichtenberg, Schwickershausen, Rastadt, u. a.[1], sogar die Sankt Wolfsgangs-Kapelle u. in Meiningen die Martinskirche zerstört. Von der Nordseite her kam ein anderes Heer den Werragrund herauf, welches die Klöster Herren- und Frauenbreitungen verwüstete und über Schmalkalden und Eisenach zurückmarschierite.[2] Endlich erschienen die churfürstl. sächsischen und hessischen Truppen. Churfürst Johann übergab dem Fürst Wilhelm die wieder gewonnene Stadt bis zur Ankunft des Bischofs von Würzburg; (n. Sprengseyssen’s Magazin). Dieser Chronist berichtet zugleich über

 b., den Schmalkalder Krieg (1545 begonnen.)

»Den 9. Juli rückten die sächsischen und hessischen Truppen ins Lager bei der Stadt Meiningen. – 1554 litt Stadt und Land viel von den Braunschweigern; 1555 wurde dem Herzogl. Haus Sachsen Erbhuldigung geleistet . . .“

c., der 30jährige Krieg, (v. 1618-48),

– die so folgenschwere ,,Landplage« – wird von Sprengseysen in Hinsicht auf Meiningen auch ziemlich speciell geschildert; doch wollen wir nach andern Chroniken erst die Vorstürme dieser Epochen andeuten. An ausführlichen Berichten über die jammervolIe Zeit Deutschlands (in der 1. Hälfte des 17. Jahrhdt.) bringen ja alle Schul- u. a. Geschichtsbücher massenhafte Beschreibungen.

Nach dem Augsburger Religionsfrieden (1555), in welchem der Grundsatz ,,Cujus regio, ejus religio“ d, h. es soll Jeder die Religion od. vielmehr Konfession seines Landesherrn annehmen, – oder auswandern -, hatte sich im Laufe der Jahrzehnte durch gegenseitige konfessionelle Erbitterung in allen deutschen Ländern ein Zündstoff angehäuft, der nur eines Funken bedurfte, um in hellen Flammen aufzulodern.“ (Binder.) Vor Beginn des 30jähr. Krieges schon rüsteten sich die Fürsten, um für kommende Fälle schlagfertig zu sein. Dazu benutzte man die seit Kais. Maxim. I. (1519) bekannt und beliebt gewordene Werbung deutscher „Landsknechte“ zu fürstl. Söldnern (Soldaten). Die ,,Feldwerber“ durchzogen dreist die einzelnen Gaue und wußten durch Tambour und Trompeter unter Vortritt eines Werbeoffiziers die oft besten jungen Manneskräfte gegen hohes Handgeld mit freiem Trunke massenhaft der elterlichen Heimat zu entziehen; und die nun verlassenen Angehörigen waren in Kriegsängsten u. Jammer. Daher die ständige Besorgnis bei unerwartet vorüberziehenden Kriegerhaufen.[3] Die Gemeinderechnung von Mittelsdorf besagt pro Petri 1590-91: – Rchtlr. 5 gr. 3 Pfg. an Micheln geben, so gen Fulda gangen, sich zu erkundigen, wie es um das fremde Kriegsvolk geschaffen“ . . . „Anno 1595-96. Als das fremde Kriegsvolk zu Elßbach gelegen und vorübergezogen; 1597-98 – Rchtlr. 17 gr. 9 Pf. zu Melpers verzehrt, wie das fremde Kriegsvolk bei Fladungen vorübergezogen. – 16 gr. etlichen Nachbarn allhie, wie sie mit Iren besten Wehren (Gewehren) zu Suntheim v. d. Rh. gewesen, wie das fremde Kriegsvolk daselbst „für über“ gezogen, – u. 2 Rchstl. gemelten Nachbarn, wie sie damals wiederumb anhero kommen.“ –

Das ,,gemeinsame Pfarregister“ von Fischbach a. der Felda also inmitten des Tullifeld’s, giebt z. B. an: ,,1625 d. 4. Sept. sind 20 fähnlein und etliche Cornet Reuter, alles Kaiserliches Volck nach Heßen, auch denn nach Niderland gezogen. Zu Dittorff sind 10 fähnlein fuß-Volck einquartiert worden, haben gro ßen schaden gethan. Gott der Allmächtige wende solche nnd dergleichen plag Von uns gnädig ab, und erhalte uns beim wort und gnaden und lieben Frieden. Amen!“ Die Dermbacher Chronik (aus neuer Zeit) bemerkt: ,,1629 gingen viele Leute von Haus u. Hof, der Probst von Zella flüchtete mit kostbaren Dokumenten nach Köln. Nach der Schlacht bei Nördlingen begann das Elend unerträglich zu werden“ Die Chronik über Fulda (aus Vacha 1839) berichtet: ,,1606 wurde Johann Friedrich von Schwabach, Abt, und er mußte die verwüstenden Krieger mit seinen armen Buchoniern ruhig selbst das Heiligste vernichten sehen; starb 1622. Johann Bernhard, Schenk von Schweinsberg, wurde vom Unwillen des Königs Adolf von Schweden, dem sich der Landgraf von Hessen beigesellte, besonders betroffen; dieser Abt wurde bei Lützen (16. Nov. 1631) verwundet und starb.“

In der Gemeinderechnung von Kaltensnndhei1n, pro Petri 1631-32 steht: „So. aller Kriegskosten ins Ambt Kalten-Northeimb 223 Rchstl. 11 Gr. 5 Pf. und noch 8 Rchstl. 17 Gr. 11 Pf. dieß Jahr über vor Bulfer bezahlt. – 20 Rchstl.11 Gr. 6 Pf. als der Obrist Fugger vorüber gezogen, den Quartiermeistern und Croaten geben müssen, und 71 Gebund Heu nach Ostheim geschickt, den Coynischen Reutern gegeben; 11 Rchstlr. als der Obrist Schrank allhier vorüber gezogen, an dessen Hauptmann Peter Spetten zu Salva quartia erlegt.[4]

  • a., 1632 ·Januar, wie der Obrist Wallenstein. allhiero gelegen; d. 30. 1. an Kriegskosten ins fürstl. Amt erlegt, sind 43 Rchstl; – u. 15 Mlt. 4 Maß Hafer der Salve quarti Vorgemessen.“
  • b., 1633-34. Außgabe an Kriegskostengelder Sa. 447 Rchstl. 12 Gr. 4 Pf., darunter 114 Rchstl. ,,an bahrem geldt erlegt. – 202 Rchstl. 18 Gr. 8 Pf. für Bier, unter Obrist Bau, Rittmeister Breda, B0hlung, Jott, Capitän Erffa. 44 Rchstl. 18 Gr. 6 Pf. f. 3½ Eimer Wein, 3 Rchstl. 13 Gr. 9 Pf. für Brandewein.
  • c., 1634-35. F. die Croaten-Kriegskosten 1611 Rchstl. 11 Gr. 9 Pf., darunter 49 Tl. 10 Pf. (= 40 Rchstl.) dem Herrn Obrist Bretha, so in Fladungen gelegen; 660 Tlr. dem ObristLeutnant, 14 Tlr. 8 Gr. demselben f. 12 Fuchsbelge nach Ostheimb gegeben, u. 150 Tl. dens. nach Ostheim; an ObristLeut. Rembsdorf 24 Tlr. n. KNortheim. geben. 132 Tl. dem Hanptm. nach Sondernau geben; also zn Contributi0n 1199 Tl. 3 Gr.; der Salva 296 Tl.  Gr. 7 Pf. u. allerhand Kriegsunkosten. 1634 d. 13. Okt. wurde unter General Isolani KNordh. zerstört.
  • d., 1636-37. 646 Tl. 12 Gr. 3 Pf. Steuersatz von den Nachbarn zur Contribution eingenommen u. an den Obristenleutnant Dörffling nach Ostheim in 4 Steuersätzen gezahlt; . . ferner in dem Jahre 48 Tl. an einen ObristWachtmeister den Nicolanischen, 132 Tl. dem Obristwchtmstr Franciscus Lerchenfeldt nach Ostheimb, Contribution; 220 Tl. dem HaubtMann Julio Wernedy uff 1 Mon. dorthin. 365  Tl. Leutenant Andreas uff 5 Wochen; 45 Tl. dems. nach Gerth- n. Sehaffhaußen als Contribution. 26 Tl. 2o Gr. 6 Pf. Einem Qnartierer mit etlichen ,,reudern“ von dem Obristen Vagern, so vor ein gantz Regiemendt Quartier machen wollen; darauf General Isolani mit s. Leibregiemendt hierher Kommen, mit übernacht Quartier hier gemacht, d. 16. Febr. 1636; u. 88 Tl. 4 Gr. 4 Pf. Einem Constapell Undt BuchßeMeister Corpiral uff 3½ Wochen geben; 18 Tl. (15 Rchstl.) einem Trop Reudern Vors Oberthor geben, so von Fulda hierher kommen, aber nach auspressung des geldtes nacher öpfershausen geritten , . .; Sa. an C0ntribution 1009 Tl. 7 Gr. 4½ Pf., An Salva quardt 343 Tl. 24 Pf., vor allerlei Kriegszehrung 138 Tl. 19 Gr. 1 Pf., und an vorigen hinterständigen Kriegsunkosten 565 Tl. 4 Gr. 5 Pf., also Sa. 2167 Tl. 20 Gr. 4½ Pf. (Die Leute waren von Ludewigs Regiment, von Obrist Dörffling, Obrist Beygott, Graff Brey, Wachtmst. Lerchenfeldt, auch dabei der ,,Schwartze Rittmeister“, Hessische reuder, Schwedische „Draugauner“ d. i. (Dragoner).[5]
  • e., Aus 1637-38. Summe aller Kriegskosten 985 Tlr. 18 Gr. 1 Pf. u. verschiedene Naturalien (wie immer); als Offiziere in diesem Jahr’ passierten Obrist Beygott, Obrist Boesenne, Rittmst. Leberwurst, Obrist Kricke-Bergk, Graf Wartenburgk, Lieutnant Kiesewetter; daneben sind genannt ,,Götzische reuter“, 2 Darmbstettische Rittmeister etc. etc.
  • f., Aus 1638-39. Zur Contribution kamen in Sa. 496 Tl. 18 Gr. 3. Pf; auf die Salva quart 22 Tl. 8 Gr. 5 Pf. Als Offiziere passierten Andr. Kiesewetter vom alten Schleunitzischen Regiment; Rittmeister Jacob mit Croaten[6] von Helmershausen herkommen, nach Mittelsdorf weiter; ein Rittmeister von Weyhers, (in Sa. versch. Naturalien 678 Thlr. 11 Gr. 2 Pf. NB. An Gemeindeabgaben waren 924 Thlr. 12 Gr. 3 Pf. in Rest geblieben.
  • g., Aus 1639-40. Holländische ,,Körissiers« kamen von Erbenhaußen, ließen sich aber durch Geschenke von Kltsundheim abweisen 27. 4. 39. – Thlr. 2 Gr. – an 2 Maß Bier für 3 schwed. Gefangene (vorm Thor). 7 Tl. 19 Gr. 3 Pf. in der Zeit, ,,alß Obristleutenandt“ Funken, Dietemann, Leutenandt Gerhart mit Reuters von Salzungen anhero kommen als Exekution; (den Mittelsdorffern und Wohlmutheußern wurde das Vieh genommen). Zu selbiger Zeit marschierten Obrist Brauel und Guntroth auch hierorts durch, nebst 1 schwedisch. Commissar (4 Thlr. 19 Gr. diesem vor’m Thor gegeben.) 7 Thlr. 6 Gr. 3 Pf. einem Rittmeister, von Obrist Kiegs dazu beordert, der in Fladungen gelegen d. 4. Septb. 1639 – und am 5. 20 Thlr. 9 Gr. 8 Pf. Als Obrist Gunntroth und Hessischer Commissar, auch ein Schwedischer Commissar Gregor, Major Ent. u. a. mit Reutern da waren (bekamen auch Bier u. Wein im ,,freyhoff u. vor’m Thor. 18 Thlr. dreyen Fuhrleuten, Welche dem Obrist Königsmark[7] Wein von Mellerstadt nach Schmalekalten“ führen müssen, d. 17. Sept. 39. Außer denen sind zu der Zeit noch die Obristen Pirckenfelt, Blattenbergk Diettemann u. Leutenanndt Vette passiert. Summa der Kriegs-Unkosten in dies. Jahresrechnung: 755 Rchsthlr. 13 Gr. 5 Pf. 1 Heller baar, dazu 740 Pfund Brotte, nach Salzungen geliefert, 745 Pfund Brotte nach Meiningen geliefert, 500 Pfund Brotte als Obrist Gunthroth (u. hess. schwed. Commissar) mit 200 Pferdte allhiero gewesen; – (4110½ Pfund Brott von den Nachbarn erhoben, v. Juny bis 1. Dzb. 1639 u. 3 Mlt. 8 Mß. Korn, 101 Mlt. 7 Mß. 2 Mtz. Hafer; viele Acker sind wüste gelegen.)
  • h., Aus Petri 1640-41. „Auf Salvaquardt der Schwedischen wurden gewendet 175 Rchsthlr. 1 Gr. 9½ Pf. Contribution und 458 Rtlr. 1 Gr. 5 Pf. Verschiedenes, Sa. = 633 Rtlr. 3 Gr. 2½ Pf. teils an Rittmeister Francisco Venio, Alex. Vetten, Obrist Antonio u. Reckelwitz – als die Kaiserlichen hier vorüber in Hessen gangen, teils an Rittmstr. Hengstmann, General-Wachtmstr. ,,Schildehasen“ (oder Chilti’de Hassi od. Hahsi); Daneben 20 Tlr. 9 Gr. 5 Pf. f. Hafer nach Ostheim geliefert, 262 Thlr. und Korn und Hafer. Die Armee ist vorüber in Hessen gegangen, da hat ein Kaiserl. Leutenandt mit 50 Musketier Salvaquardt hier gehalten und wurde dafür 12 Waldthaler (,,Wildemansthaler) = 14 Rchsthlr. 8 Gr. 6 Pf. baar gezahlt) aber auch 57 Rchsthlr. 12 Gr. 7 Pf. dem Rittmeister Alexander an Salvaquardt v. 19. Apr. bis ,,uff 26 May.“ – Im April 1640 plünderten die ,,Schildehasischen“ den Ort Helmershausen.[8] – 24 Rchsthlr. (vor 1 pferdt) einem Leutenandt gegeben von den Kaiserl. ,,Völckern“, als sie mit etlichen Hunderten pferdten hier ins Dorfs gefallen Undt den ,,Kirchhoff“ plündern wollten, und desweg akkordirt und 100 Sack Frucht gegeben. – 84 Rchsthl. = 70 Wildmannskr. einein Corporall von den Kaiserlichen vor die abgenommenen pferdte geben müßen; (damals Obrist Reckelwitz und Obristleutenandt Baltzer hier).
  • i., Aus 1641-42: Ausgabe an Geldt zur Contribition 357 Rchstl. 12 Gr. 3 Pf. Sa. darunter 249 Rchsthlr. 4 Gr. 8 Pf. auf 44½ Woche ins Ambt gegeben, so den Schildehasischen Völkern nacher Meiningen geliefert werden; 123 Thlr. 4 Gr. ½ Pf. Ausgabe auf Salve puardia, zusammen 510 Rchsthlr. 10 Gr. 9 Pf. Die Schwedischen kamen von Burckhardtrode u. ritten nacher Fulda. – Ein Extrablatt besagt: 10½, Rchsthl. dem Regiment Sporcker zur recompens (Belohnung), daß er mit beysichhabenden Völckern mit guter ordre wieder vortgezogen. (Die Beyerische Armee lag damals in Eisenach.)
  • k., Aus Petri 1642-43. 31 Thlr. Einer  S. puard. von dem Chur-Beyerischen Volke in Geldt gegeben, d. 30. März 42 -; vom 7.-12 Mai 66 Thlr. vor Zehrung der Salv. qu. und 12 Thlr. dem Obristen Saltza, als Mirco-Mercowitz mit etlichen Regimentern zu Geis’ (Geifa) gelegen. 68 Thlr. 8 Gr. 6 Pf. Einem Leutenandt beneben 8 ,,reuddern“ von den Rosischen Völckern an Salvaquardt, als die Armee vorübergegangen, d. 10. bis 20. Okt. 1642, und 120 Thlr. (100 Wildemanns.) den beyden »Sporkischen“ Rittmeistern d. S. q., so unterwegs von Helmershausen aus hierher von den Schwedischen gefangen worden sind; u. a. m., also Sa. auf Salvaquardt 413 Thlr. 10 Gr. 8 Pf.; dazu 170 Thlr. 19 Gr. 1 Pf. allerhand andere Kriegsunkosten, zusammen an Geld 585 Thlr. 2 Gr. 6 Pf., und 4 Mlt.  5 Ms. 3 Mtz. Korn, 116 Mlt. Hafer; die Hatzfeldschen lagen in Schmalkalden: im Dzbr. ist die französische Armee vorübergangen.
  • l., Aus Petri 1643-44. Zur Kriegs-Contribution: pro März bis Dezb. nach Erfurrt (ins Amt geliefert) 129 Thlr. 18 Gr. 6 Pf.; auf die Salvaquardt 137 Thlr. 17 Gr. 7½ Pf., darunter z. B. 48 Thlr. 6 Gr. 6 Pf. vor Zehrung, als General-Major Königs-Marck (v. 11.-23. Mai hier); 18 Thlr. 3 Gr. 11 Pfg. dergl. von den Hessischen, als Obrist Crock in ,,Geis“ gelegen; 17 Thlr. 17 Gr. 9 Pf. vor Zehrung zweier ,,Muschquetierer“ mit Weibern u. Kindern vom Obristen Mandelsloh a. d. »Wird“; 14 Thlr. 15 Gr. dem Ambtm. v. KNordheimb vor ,,1 rindt“, so dem Rittmeister Westphalen nach Ostheimb in die Küche verehrt worden; Sa.  433 Rchsthlr. 17 Gr. 2½ Pf. Geld; dazu geliefert: 1817 Pfund Brodt, meist im Januar 1644, des Obristen Mandelsloh seinen Völkern nacher Ostheimb.

Wie ersichtlich, hat uns der Auszug aus dem Gemeinde-Archiv von Kaltensundheim betreffs des 30jähr. Krieges viele ganz besonders interessante Angaben gebracht; daß die Gemeinde-Aufzeichnungen von Mittelsdorf manche Ergänzung dazu, aber vor allem über die Lasten des 7jähr. Kriegs specielle Nachweise bieten, wollen wir ausdrücklich hier bemerken.

Kaltennordheim’s Chronik bis Ende 1635 ging durch des Flecken Zerstörung verloren. Dabei kommt uns die Ansicht, daß Kaltensundheim es nur seiner Wacht und Bereitwilligkeit zu Contributionen u. a. Opfern zu danken gehabt, daß es vor Plünderung und Verwüstung verschont geblieben ist (vergl. Heft II. S. 54-58).

Helmershausen hat, wie versichert wurde, auch eine Ortschronik; sie ist mir aber noch nicht zugängig gewesen; aus anderen Orten Tullifelds wird bis zum Schluß des 30jähr. Krieges wenig Urkundliches zu finden sein.

Binder’s ,,Sondheim u. Lichtenberg“ macht eine rühmliche Ausnahme. (Am 9. Okt. 1634 überfiel Isolani die Stadt Ostheim u. brandschatzte sie um etliche Tausend Thaler, mehr als 400 Bürger wurden niedergehauen, was nachträglich hier bemerkt sei.)

Es scheint mir eine passende Vervollständigung zu dem geschilderten, auch im und am Tullifeld über 3 Jahrzehnte hindurch so tragisch, d. h. schauerig-trauerig gewesenen Kriegs-VolksIeiden noch die Schilderung des Sachsen-Koburg-Meiningischen Obermarschkommissars und Obristlieutenaut C. F. Keßler von Sprengseyssen auszugsweise wie Schlagschatten zum Bilde hier anzubringen über:

das Geschick der Stadt Meiningen 1634-1646.

,,1634 d. 7. Sept. waren die beyden Herzöge von Weimar, Wilhelm u. Bernhard hier. Einer der traurigsten aller Tage für Meiningen war in diesem Jahre der 16. Oktober; denn es kam der Kaiserl. Generalmajor Isolani mit Croaten anhero, diese hieben die Thore ein, plünderten die Stadt, erpreßten 3000 Rthlr., brachten 9 Personen ums Leben u. blieben 20 Wochen in Winterquartier in Meiningen liegen und die Theuerung war unerträglich! – 1635 den 31. August mußte die Stadt, die vom 16. Februar bis 25. Mai auch noch 8 Compagnien Fußvolk zu verpflegen hatte, 500 Rthlr. an General Sperreuter zahlen; dazu kam die Pest. – 1636 den 15. Dezb. mußte die Stadt wieder an den Obrist Pfuel, der bis  Januar 1637 auf Execution da lag, 18.000 Thlr. an die Schweden zahlen. (10. Jan. 1666 hatten die Kaiserlichen die Stadt räumen müssen.) 1638 vom 3. Januar bis 18. Mai lag wieder ein Corps Croaten da, darauf kam der Chursächsische Obrist von Schleunitz mit seinem Reuterregiment bis 15. Spt. – 1699 den 2. Jan. ist das ruienirte Isolanische Regiment wieder in hiesige Gegend eingerückt, bei seinem Abzug mußte die Stadt noch 500 Rthlr. geben; den 23. Mai kam ein schwedisches Exekutions-Commando, welches wegen der noch rückständigen 2000 Thaler (v. 3. Jan. 1637 her) Geisseln abholte u. dabei plünderte. – Den 26. Juni 1639 kam der schwedische General Königsmark mit einem ansehnlichen Corps anher u. blieb bis 2. July, wobei er durch starke Commandos aus Franken große Contributionen eintreiben ließ und auf seinem Rückzuge Schmalkalden ausplünderte u. 6000 Rthlr. erpreßte! – Vom 9. Aug. bis 5. Septb. 1639 blieb wieder ein schwedisches Dragonerregiment hier einquartiert; vom 16. bis 24. Okt. lag ein Obrister mit Kaiserlichen Völkern hier. Im Novbr. kam Königsmark wieder mit 1 Corps, blieb bis Weihnachten, hinterließ aber seine Artillerie, Bagage u. 2 Comp. Fußvolk zur Bedeckung. -. 1640 d. 17. Jan. wurden die Schweden von einem Kaiserl. Corps überfallen; die Schweden zogen sich nun in die Veste Massfeld zurück, und die Kaiserlichen nahmen die Stadt in Besitz und blieben bis 6. Juni, wo sie endlich die ganze Gegend verließen; doch am 8. war wieder 1 schwed. Corps da und mit dem 11. die ganze kombinierte (vereinigte) Armee. (Für 1 Duk. bekam man 1 Laib Brot, aber auch für 1 Dukaten 1 Pferd oder 1 Kuh.) Den 15. Juni brachen die Schweden nach Salzungen auf, u. den 16. kam schon wieder ein Kaiserl. Hasisches Corps nach Meiningen und blieb bis 28. Jan. 1642; selbigen Tags rückte ein Hasischer Lieutenant mit s. Corps ein und blieb bis 3. August 1642. Die Stadt bekam dann schwedische Besatzung; den 12. Okt. berennte Obrist Spork die Stadt mit 500 Reutern nnd schloß sie ein; den 13. folgte ihm das Lavoix’sche Regiment mit einigen Karthaunen (große dicke Kanonen, die 44pfundige Kugeln schossen.) Die ArtilIerie feuerte; am 14. ,,beschenkte“ der Feind die Stadt abermalen mit 99 Bomben; mit 305 Schüssen wollte er ,,Breche“ (Bresche = Oeffnungen) in die Mauer schießen, die Kugeln gingen aber zu hoch. – Den 14. Dezember war das Hauptquartier der aus Sachsen nach Franken gehenden französischen Armee hier. 1644 d. 20. Jan. rückte der Kaiserl. General Zaradek vor die Stadt, die am 21. beschossen wurde – von früh 5 bis abends 4 mit 450 Schüssen in die Stadt. Dreimal stürmten 1200 Mann heran; die Kaiserlichen besetzten das Thor, wadeten durch den Mühlgraben; in der Nacht kapitulierten (verglichen sich aus Not) die Schweden; die Kaiserlichen blieben bis 30. Mai 1646. Das Haus Sachsen erhielt dann nach einem Zeitraum von 12 Jahren den ,,freyen Besitz hiesiger Lande“ wieder.“

Unglücklich Land, darüber hin
Der Krieg geht, schwer mit erznem Schritt!
Er schlägt den Wald, versengt die Saat,
Frißt’s Korn auf und die Scheunen mit.

Er kommt in’s Dorf, das Dorf ist leer,
Entflohen sind, die dort gewohnt;
Er geht und wirft zur Stadt hinein
Die Fackeln – und nichts bleibt verschont! –

Des Friedhofs Ernst hält ihn nicht ab,
Er wühlt ihn auf mit grimm’ger Wut,
Aus Gräbern tobt der wilde Kampf,
Statt Wehmutsthränen fließt jetzt Blut.

Zieht weg der Feind, zieht hinter ihm
Der Landmann keuchend durch die Flur;
Wie schwarzer Rab’ dem Pflug nachgeht,
so folgt das Elend seiner Spur! –

 (n. J. Trojan.)


aus
C. E. Bach
„Im Tullifeld“
Eine historisch-landschaftliche Umschau in engerer Heimat
– der Vorderrhön –



[1] Das Bergschloß Landsberg u. die Maienluft sind (n. Bechstein) damals zerstört worden. Burg Frankenberg auch (n. II. 115).

[2] Auch Kloster Sinnershausen, Georgenzell; Kloster Allendorf, jenseits Salzungen, aber damals nicht; Wallenstein logierte 1625 auf Burg Frankenstein. Die Schnepfenburg (in Salzungen) hatten 933 die Hunnen zerstört, wurde 942 wieder gebauet. 1266 war der Frankenstein von Fulda, 1295 v. Kaiser Adolf zerstört, aber nachdem wieder erbauet; nach 1330 ist er nicht wieder bewohnt worden.

[3] So giebt die Chronik V. Vacha (Grau, 1891) einen in churfürstl, hessischen Diensten gestandenen, 1592 als Proviant- u. Quartiermeister, 1599 als landgräflicher Hauptmann, nach 1611 als Befehlshaber eines deutschen für Frankr. geworbenen Hilfskorps (4000 Mann Fußvolk u. 1000 Reiter) an; der drängte mit Hilfe des Grafen von Mansfeld die Spanier aus Savoyen zurück. Es war Caspar von Widmarkter, 1621 in Vacha gestorben.

[4] der Ausdruck ist wohl zusammengesetzt aus Salve = retten und quartarius : Quartier, oder nach anderer Schreibweise aus sauver — retten und garde = Wache, also Schutz- u. Rettungswache.

[5] Ein Corporall mit 3Pferden u. 2. Knechten Z Tage vom ObristWachtmeister Lerchenfeldt f. 15 Tl. 6 Gr. 6 Pf. Bier getrunken, Mahlzeit gehalten u. (mi März) hier im Brunnenkasten gebadet)

[6] 1638 lagen einmal acht Kompauieen Kroaten von der Hatzfeld’schen Armee mit 1000 Pferden in Sondhem v. d. Rh., 4 Tage lang.

[7] Oberst Graf Königsmark lag den Sommer 1639 in Mellrichstadt und unternahm von da aus seine Verheerungszüge; war von Haus aus arm u. hinterließ seinen Erben doch 130.000 Thaler; so viel hatte er zus. geraubt.

[8] Im Mai 1640 kam eine starke Abteilung Kaiserlicher von Bischofsheim, die in Stetten u. Umgegend fürchterlich hauste; 94 Häuser brannten sie in St. nieder (Binder.)


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– nach Themen sortiert –


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