Schloß Buttlar

In der Nähe von Geisa ist das ihm nördlich gelegene Pfarrdorf Buttlar unserer Beachtung auch wert, einmal, weil es ein politisch-historischer Ort geworden ist und dann, weil dort ein Ritter- bezw. späteres Kammergut bestand, das einem alten Adelsgeschlechte zugehört, auf welche Herrensitze wir doch unsere Umschau vornehmlich gern erstrecken. Buttlar, (das bereits in Heft Il. S. 31. 96. 107. 117. 118. und 120 in Rede kam), ist schon 811 n. Chr. urkundlich „Butelir“ genannt. Fuchs erzählt dazu: „das Gasthaus, das ein Bild eines in Buttlar verstorbenen Herrn von Buttlar bewahrt, ist das Schloß der Herren von Buttlar gewesen. Die letzten Nachkommen dieser Familie haben sich nach Böhmen gewandt und haben dorthin auch alle Urkunden über das Schloß, den Ort und die Familie mitgenommen. Das weitläufig gebaute Dorf mit seinen zwei schloßähnlichen Gebäuden“, (deren eins die vormals so allgemein berühmte Posthalterei enthielt[1]), macht von der Straße gesehen, den Eindruck, als ob es in Verwirrung, Eile und Hast aufgebauet worden wäre. In den Gärten erblickt man hie und da symbolische Figuren, die auf eine freudige Vergangenheit schließen lassen. – Welch gutes Verhältnis zwischen den Herren von Buttlar und den Aebten von Fulda bestand, erhellt daraus, daß die letzteren ihre Getreuen ,,von Buttlar« mit dem befestigten Diedorf im Feldathale belehnten. Zu Anfang des 19. Jahrhunderts tritt Buttlar in die Reihe der historisch-bedeutsamen Orte. Napoleon (I.) hatte bei seiner Flucht in Vacha eine unruhige Nacht verlebt. Als er sich gerade beim Frühstück befand überbrachte man ihm die Nachricht von dem Nahen der Kosaken unter Anführung des Hetmanns Graf von Platow. In aller Eile ward eingepackt und die Flucht vor der Garde misèrable fortgesetzt. Napoleon kam durch Buttlar (26. Okt. 1813) in Begleitung des Generals Berthier;[2] dieser saß im Schlitten, der Kaiser ging niedergeschlagen neben demselben, umgeben von einer Abteilung der Garde d’honneur.

Auf ihn paßt trefflich (aus „Bertrands Abschied“):

„Des Helden Name füllt’ die weite Erde,
Sollt’ meiner Treue ewig sich erfreu’n!
Ich war in Ruhm und Glück stets sein Gefährte,
Ich will es nun im Unglück auch ihm sein!

Viel Tausend sonnten sich in seinem Blicke
Und dankten seinem Scepter Ehr’ und Glück,[3]
Doch kaum verließ der Sieg des Helden Schritte,
So flohen treulos Tausende zurück;

Und doch schreckt nicht der Wechsel dieser Erde,
Ich bleib ihm treu und will mich ganz ihm weih’n:
Ich war in Ruhm und Glück stets sein Gefährte,
Ich will es nun im Unglück auch ihm sein! etc.“

Die Bewohner Buttlars, welche glaubten, mit dem Kaiser sei auch schon das französische Heer gänzlich vorüber, zumal sich Kosaken zeigten, suchten folgenden Tages für alle während des Kriegs erlittene Unbill sich zu entschädigen, indem sie die Goldfässer, die eine kleine Escorte führte, annektirten. Jedoch die Rechnung war ohne den Wirt gemacht: Unmittelbar darauf kam der Befehl Napoleons, das Dorf den Flammen preis zu geben und mit den Trümmern die Heerstraße zu sperren, damit die Verbündeten aufgehalten wiirden. Gleich danach stand ganz Buttlar in Flammen, während sich die heranrückende Artillerie der Kosaken auf dem Michaelisberge aufpflanzte und in die abziehenden Reihen der Franzosen und in das Dorf feuerte. Die zwei Schlösser blieben unversehrt. Im jetzigen Gasthofe sollen die Alliierten bei der Verfolgung übernachtet haben . . . . .“ – Aus Grau’s „Chronik der Stadt Vacha“ sei hier mitgemerkt: „Am 26. Okt. häufte sich die Menge des geordneten und ungeordneten Militärs sichtbar. Rechts über Hersfeld nach Alsfeld hin zogen die Preußen und links über Dermbach, Oechsen und Buttlar zu die Oesterreicher, in der Mitte drängten die Rassen. Die Nacht vom 27. zum 28. Okt. war ohne Zweifel die unruhigste und gefahrvollste. –„ Kronfeld berichtet unter Anderm: „Bei der Retirade der Franzosen, am 28. Oktb. 1813 brach durch Verwahrlosung ein Brand über Buttlar aus, der 50 Wohnhäuser und 98 Nebengebäude in Asche legte. Der Brandschaden wurde auf 228,414 Gulden taxiert, welche Entschädigung die einzelnen Regierungen tragen mußten, die aus der Zerstückelung des damaligen Großherzogtums Frankfurt Anteile bekommen hatten. (Zum Orte gehört ein Kammergut mit 70,1 ha Grundbesitz)[4] Wir gestatten uns, noch einige Urteile über Napoleon I. aus verschiedenen Geschichtswerken dem Abschnitte Buttlar anzuknüpfen:

a. Kulenkamp in seinem Kommentar zum Conversations-Lexikon, Erfurt und Gotha, 1831: „Gigantischer noch als Friedrich der Einzige von Preußen, aber größer nicht, erscheint Napoleon, denn seine, alle Völkerrechte hintenan setzenden und allen Menschenwert verachtenden Riesenpläne, bei welchen ein einseitiger Zweck die strafbarsten Mittel rechtfertigen sollte, wo die Heere als Maschinen betrachtet wurden, lagen weithinaus über des Menschen Wirkungskreis und Horizont. b., – Die schon mehrmals citierte „Chronik von Fulda“ (1839) ergeht sich auch in einer Kritik über Napoleon Bonaparte und schließt mit den Worten: »Wir brauchen ein Urteil über ihn keiner Nachwelt zu überlassen; denn genug erfuhren wir, um ihm den Obelisk (Denksäule) zu setzen: Nach Allen Politischen Operationen Liegt Er Ohnmächtig Nieder! – c., Dr. F. Haupt’s Weltgeschichte (1841, Hildburghausen): „Napoleon war auf keinem Thron geboren; er stammte aus einer armen adeligen Familie in Ajaccio, der Hauptstadt der Insel Corsika, 1769 geboren, – starb 5. Mai 1821 auf der Felseninsel St. Helena, wo er 6 Jahre lang als Verbannter still verlebte. Mit seinen Kriegsheeren brauste er zuvor durch die Länder hin und warf Throne um, Hütten wie Paläste erbebten vor seinem Donnerworte, Europa empfing von ihm Gesetze. Er war ein Despot. Aber in der That, erst mit und seit dem Sturz Napoleons erhielten die meisten Völker von ihren Regierungen die bestimmte Zusicherung, daß das Wohl ihrer Völker ihre erste und heiligste Sorge sein müsse, und daß deshalb die Völker selbst zur Führung des Staates durch Stellvertreter mitzuwirken berechtigt sein sollten etc.“ –


aus
C. E. Bach
„Im Tullifeld“
Eine historisch-landschaftliche Umschau in engerer Heimat
– der Vorderrhön –


[1] So lange der Verkehr auf der Frankfurt-Leipziger Straße noch in flotter Weise ging, wurde Buttlar sehr stark frequentirt, denn es war einer der beliebtesten Anhaltepunkte für fürstliche wie für gewöhnliche Fuß- und Gespann-Reisende, für Militär- wie Handelszüge.

[2] Alexander Berthier geb. 1753, von Napoleon treu erfunden, talentvoll, war der beständige Adjutant Bonaparts, nach dessen Thronbesteigung wurde er sofort Reichsmarschall von Frankreich bez. Kriegsminister, erhielt den Titel Herzog von Wagram, war auch Brautwerber Napoleous bei der Erzherzogin Marie Luise von Oesterreich! –

[3] Bekaunt ist dem Leser wohl, daß es von Nap. I. hieß: ,,Er fürstete auch Bürstenbinder und – bürstete die Fürstenkinder, bei ihm trug auch der Corporal im Tornister den Stab zum General!“

[4] Zwischen Geisa und Buttler, ein Viertelstündchen von letzterm, aber rechts der Ulster, liegt an der Einmündnng des Bremebachs das Pfarrdorf Borsch, von dem Spieß angiebt, „daß die Landesherrschaft 1804 das dort befindliche „Kalenberger Gut“ an die Nachbarn frei zerschlagen habe.“ (Borsaha wird schon 816, später als Borse, Bursa urkundlich erwähnt, s. Heft I. S. 30). Auch Pfarrdorf Kranlucken (südöstl. 1 Stdch. von Geisa, Cralug s. Heft I S. 14) wird in einer Verkaufsurkunde Graf Heinrichs v. Henneb. mit Gerlach und Berthold v. Kraluck, – nicht unwahrscheinlich auch Ritter -, 1324 genannt.


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