Jaques Offenbach

Zitiert aus Baier Bote 4(2006)10 vom 29. September 2006:

Jaques Offenbachs Wurzeln in Gehaus

Im Voraus möchte ich hiermit Herrn Rolf Leimbach aus Stadtlengsfeld danken, der uns auf einen der berühmtesten Männer der Musikgeschichte aufmerksam machte. Wie wir alle wissen haben auch in unserer kleinen Gemeinde berühmte Persönlichkeiten gelebt, wurden hier geboren oder stehen in anderen Beziehungen zu unserem Heimatort. Auf die bisher bekannten Bürgerinnen und Bürger sind wir ja bereits eingegangen, ohne dabei zu vergessen, dass auch wir hier erst am Anfang einer konkreten Aufarbeitung stehen, um Licht in das vergessene Leben dieser ehemaligen Mitbürger zu bringen. Nun kommt durch Zufall ein weiterer hinzu, der zumindest durch großväterliche Bande mit der Ortschaft Gehaus verbunden ist. Es handelt sich hierbei um Jaques Offenbach geb. am 20.06.1819 in Köln und gest. am 04.10.1880 in Paris.

Was hat aber J. Offenbach nun mit Gehaus zu tun? Wie bereits erwähnt wurde er in Köln geboren und war der Sohn von Isaac Juda Eberst, vom Beruf Buchbinder, Musiklehrer und Komponist. Dessen Vater nun wieder war ein Juda Eberst, der um 1745, andere Quellen sprechen von 1750, in Gehaus geboren wurde und eine bestimmte Zeit in Gehaus sesshaft war. Dies beweist ein Leumundszeugnis aus dem Jahre 1785 für einen Feist Schwarzschild aus Offenbach, ausgefertigt von der dortigen Judenschaft und beglaubigt vom Rat der Stadt. Dieses Leumundszeugnis beweist auch, dass die Boineburgs den Zuzug fremder Juden und besonders ihren wachsenden Anteil an der Bevölkerung doch Schranken setzten. Später verzog dann dieser Judas Ebert nach Offenbach. Hier liegen nun die Wurzeln der Familie Offenbach, mit Ausgang in Gehaus. Offenbach selbst war ein begabter Cellist. Diese Begabung brachte ihm die Aufnahme 1833 am Pariser Conservatoire ein. Damals außergewöhnlich, war doch dies zu jener Zeit Ausländern in Paris untersagt. Danach spielte er im Orchester Opera Comique. 1840 heiratete er Hermine d’Alcain und trat zum katholischen Glauben über. 1850 wurde er Leiter der Schauspielmusik an der Comedia Française, wo er musikalische Einlagen für Theaterstücke komponierte. 1855 mietete er dann ein kleines Theater an dem Champs Elysees. Besonders eigene Einakter führte er hier auf. Im Jahre 1858 entstand „Orphée aux enfers“ (Orpheus in der Unterwelt), opéra-bouffe in zwei Akten, was gleichzeitig die Geburtsstunde der Operette war. Schon die Übertragung ins Deutsche nimmt Offenbachs Werke aber den sozialkritischen Witz und verblasst im Allgemeinen. Da wir aber keine Musikkritiker sind, wollen wir es hierbei belassen. Eine Kritik zu seinen Werken steht uns nicht zu. So waren es vor allem die Werke, die Offenbach in seinem eigenen Theater uraufführte, die seinen Ruhm begründeten. Langsam beginnt sein Stern zu sinken, was auch mit dem Deutsch/Franz. Krieg 1870/71 und dem Zusammenbruch Frankreichs zu tun hatte. Seine wichtigsten Freunde wandten sich nun von ihm ab, ebenso seine Lieblingsinterpretin Hortense Schneider. 1874 war Of­fenbach bankrott und musste sein Theater verkaufen. Seine neuen Werke waren vom Niveau her sehr gut, ließen aber die geistige Schärfe von einst vermissen. Er suchte nun neue Wege in Form von „Märchenopern“ sowie als letztes großes Werk „Les Contes d‘ Hoffmann“, welches seinen Ruf als einer der bedeutensten Komponisten des 19. Jahrh. festigte. Die Premiere 1881 konnte er nicht mehr erleben, da er wie bereits erwähnt am 04.10.1880 in Paris verstarb. Am bekanntesten seiner Werke ist „Can Can“ („Galop infernal“) aus „Orpheus in der Unterwelt“,

aber auch: „La Belle Hélène“ (Die schöne Helena), opéra-bouffe in drei Akten (1864) „Barbe Bleue“ (Ritter Blaubart), opéra-bouffe in drei Akten (1866), „La Vie parisienne“ (Pariser Leben), opéra-bouffe in fünf Akten (1866), „La Grande-Duchesse de Gérolstein“ (Die Großherzogin von Gerolstein), opéra-bouffe in drei Akten (1867). „Les Contes d’Hoffmann“ (Hoffmanns Erzählungen ), opéra fantastique (1881, postum)

Quellen:

Im Auftrag des HPV e. V.
Reinhold Lotz
Vorsitzender

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