J. S. Bach: Sechs Triosonaten für Orgel

Die Videos der Neufassungen:

  1. Triosonate Nr. 1 Es-Dur BWV 525
  2. Triosonate Nr. 2 c-moll BWV 526
  3. Triosonate Nr. 3 d-moll BWV 527
  4. Triosonate Nr. 4 e-moll BWV 528
  5. Triosonate Nr. 5 C-Dur BWV 529
  6. Triosonate Nr. 6 G-Dur BWV 530

Auf die Idee mich an diesen sechs Triosonaten zu versuchen, brachten mich Maarten t’Hart und sein Buch „Bach und ich„. Dort schreibt er über diese Orgelsonaten:

Für denjenigen, dem die ganze Orgelgewalt mit einem Plenum, natürlich samt Mixturen, des Guten zuviel ist, seien die sechs hochgelobten Triosonaten BWV 525—530 empfohlen. Drei zarte Stimmen, die mit Oberwerk, Hauptwerk und Pedal eine zauberhaft leichte, tänzerische Welt heraufbeschwören. Was sind das doch für unfaßbar prächtige Stücke! Das schönste ist vielleicht die fünfte Triosonate mit dem ersten Satz, in dem Bach einfach nicht mehr aufhören will, und dem herrlichen zweiten Satz, in dem er so verblüffend viele Noten untergebracht hat. Doch auch die erste Triosonate ist immer ein Fest, sowohl für den Zuhörer (es war das erste Stück, das ich bei meinem ersten Orgelkonzert zu hören bekam; ich war davon so beeindruckt, daß ich die anderen Stücke kaum wahrgenommen habe) als auch für den, der sie spielt – schade nur, daß die Sonaten so tierisch schwer sind. Ich habe sie übrigens oft mit meiner Frau Hanneke gespielt. Sie übernahm mit ihrer Querflöte die Oberstimme, so daß es mir nicht mehr so schwer fiel, die beiden Unterstimmen zu spielen. Auch wenn Bach nur diese sechs Triosonaten geschaffen hätte, würde man ihn zu den größten Orgelkomponisten zählen. Einmal machte ich Urlaub in London, lief ziellos, von Heimweh geplagt, herum und betrat deprimiert eine Kirche. Dort übte ein mittelmäßiger Organist den langsamen Satz aus der zweiten Triosonate. Bach beginnt darin mit einer wunderschönen, von Tonwiederholungen durchsetzten Melodie, die im weiteren Verlauf sonderbarerweise nicht wiederkehrt. Doch wenn jemand ein solches Stück längere Zeit hindurch übt, wiederholt sich die Melodie zwangsläufig. Eine Stunde lang habe ich atemlos, mit meinen Tränen kämpfend, zugehört. Als hätte Bach gewußt, daß ich ihn in diesem Augenblick dringend brauchte.

Ich habe bei der Einspielung in der ersten Fassung zwar die Registrierung von Sonate zu Sonate geändert, sie dem Charakter der Sonate – und jede dieser Sonaten hat ihren unverwechselbare eigenen Charakter – angepasst, aber innerhalb der Sonate nie gewechselt. Auch habe ich bevorzugt nur ein Register pro Stimme, doch falls es der von mir gefühlte Charakter der Sonate erforderte, nie mehr als zwei verwendet. Die drei Moll-Sonaten habe ich allerdings nicht als zauberhaft leichte und tänzerische Welt empfunden, obwohl Bach immer rhythmisch betont komponiert. Die e-moll Sonate hat einen spröden ersten Satz, aber ein feenhaft verzaubernden zweiten Satz, insgesamt ein ziemlich mystisches Stück und was Maarten ‚t Hart über den zweiten Satz der c-moll-Sonate schreibt, empfinde ich ebenso bei den zweiten Sätzen der e-moll-Sonate BWV 528 und der G-Dur-Sonate BWV 530. Die spieltechnischen Schwierigkeiten der Sonaten sind allerdings – auch für den Laien – mit Hilfe der MIDI-Technik keine Hürde, eher schon eine dem Charakter der jeweiligen Sonate angemessene und  ihren Sätze angepasste Registrierung. Die Tempobezeichnung „Lento“ des zweiten Satzes von BWV 530 wird von Orgelspielern sehr unterschiedlich interpretiert. Das Wort lento bedeutet im Italienischen langsam bzw. locker, aber keineswegs schleppend, so wie dieser Satz oft gespielt wird. Sich über acht Minuten dahinschleppend erscheint mir für die kompositorisch einfache Strickweise dieses Satzes deutlich daneben gegriffen, und erinnert mich an das übersüßliche Choralgeplärre der alten Weiber in der Kirche . Ich verstehe diese Tempobezeichnung hier ähnlich einem Andante: langsam aber doch locker und unverkrampft gehend, schreitend.

Dass aber die fünfte Sonate auch feierlich, festlich klingen kann kann sicherlich auch die Neufassung  für Trompette- und Clarion – sowohl im Manual als auch im Pedalregister – dem Hörer als plausible Registrierung dieser Sonate klingen.

Wer wesentlich gründlicher in die musikalische Struktur dieser Sonaten einsteigen will, dem kann mit der Analyse aller sechs Sonaten durch Joachim Winkler geholfen werden:

Joachim Winkler: Johann Sebastian Bach (1685-1750) – Die sechs Triosonaten/ BWV 525-530

Diese erste Fassung der sechs Triosonaten für Orgel habe ich nur mit Samples der historischen Orgel in Forcalquier eingespielt, für die Neufassung habe ich auch Samples der Garritan Classic Organ Collection genutzt. Ich empfehle zum Anhören gute Kopfhörer mit hohem Dynamikumfang.



 

 

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