Hexenverfolgung

Zitiert aus Baier Bote 4(2006)13 vom 22. Dezember 2006:

Hexenverfolgung

Beleuchten wir heute einmal ein finsteres Kapitel der Geschichte und gehen wir kurz auf den Hexenwahn im Mittelalter ein. Wie bekannt, soll es bisherigen Forschungen zur Folge in Gehaus keine Hexenverbrennungen gegeben haben. In den Archiven deutet zumindest nichts darauf hin. Lediglich ein Fall, der unter der Rubrik Hexenprozesse im Staatsarchiv Marburg geführt wird, ist uns bisher heute bekannt. Seltsamerweise handelte es sich dabei bei dem Angeklagten um einen Mann. Dabei geht es nicht alleine um „Hexerei“, sondern um einen Totschlag bei einer Wirtshausschlägerei vom 24. Juni 1696. Man kann es sich aber nicht vorstellen, dass es dies hier nicht gegeben haben soll. Man kann nur vermuten, dass es auch in Gehaus zu derartigen Anschuldigungen gekommen ist, aber die Verfahren und spätere Verurteilungen in andere Orte, wie Stadtlengsfeld, gelegt wurden. Wir sind aber über Gehauser bisher nicht fündig geworden. Auch Flurbezeichnungen deuten nicht darauf hin, wie z. B. in anderen Orten (Hexenlinde, Hexenplatz usw.). Es liegen im Staatsarchiv Marburg für die nähere Umgebung unter den Akten derer von Boineburg folgende Prozessprotokolle vor:

  • 1665 – gegen Wilhelm Fischer
  • 1673 – gegen Anna Schmidt
  • 1674 – gegen Eitel Kirstings Sohn und Elsa Glinzing
  • 1675 – gegen Hans Walter Schmidt
  • 1696 gegen Hans Kothen aus Gehaus
  • 1700 – gegen Anna Martha Hutigin.

Hier ist schon ersichtlich, dass es nicht nur Frauen betraf. Wie wurde man „Hexe oder Hexenmeister“, woher stammt der Begriff „Hexe“? Dieser Begriff setzte sich erst in der zweiten Hälfte des 17. Jahrh. durch. Das Wort oder die Bezeichnung lei­tet sich vom althochdeutschen Wort „Hagzissa“ ab. Dies bedeutet ein Wesen, was seht naturverbunden war. Es leitet sich ab von Hag (Hecke) und Tysja (Elfe). Dämonisch durch eben die Natur, Wissen über Kräuter, damit wieder verbunden Naturheilkunde usw. Es entsteht, ob man will oder nicht ein gewisser Stand, den man brauchte, vielleicht auch bewunderte aber auch hasste. Wenn man nun zur Überzeugung gekommen ist, dass man bestimmte Dinge nicht erklären kann, wurde es mystisch umgeben und man suchte nach Schuldigen, besonders bei Misserfolgen. Beginnen tut alles mit dem Gerede. Vereinfacht steht an erster Stelle das Gerücht, an zweiter Stelle das Ritual, an dritter Stelle die Besagung. Dies bedeutet öffentliche Beschuldigung der Verdächtigen. Nun beginnen die gesetzlichen Mühlen entsprechend der damaligen Rechtssprechung zu mahlen. Im vorchristlichen Europa gehörten gute und böse Geister noch zum normalen Leben. Hier gab es Holden oder Hulden, die als gute Geister zu betrachten sind. Vergleichen kann man hier das Märchen „Frau Holle“, welches im Grunde genommen hier seinen Ursprung hat. Im Vergleich dagegen stehen die „Trutten“, darunter versteht man alte Menschen, besonders Frauen, die anderen Menschen die Lebenskraft aussaugen. Und so ist das „Böse“ geboren. Der Spruch „Alte Trutte“ geht auf derartige Ereignisse zurück. Durch all diese Unregelmäßigkeiten, der verschiedenen Lehren, Meinungen, dem Nichterklärbaren, entwickelte sich immer mehr der Hexenkult. Das Bild der Hexe änderte sich, auch hinsichtlich der geographischen Besonderheiten. Es entstand immer mehr aus dem Verfassen und Lesen der Hexentraktate und den Angeklagten. Wie gesagt, regional vollkommen unterschiedlich. So gab es z. B. im Rheinland besonders viele Wasserhexen, die den gekelterten Wein positiv, aber auch negativ in seiner Qualität beeinflussen konnten. Im Gebirge waren es andere Dämonen (Erzmännchen, Zwerge usw.). Es liegt eine Prozessakte für unser Gebiet vor, in der sich ein Caspar Schleicher rühmte, am so genannten Baier Edelerz gefunden zu haben. Dies war der 31. Juli 1674. Nach der Reformation erreicht die Hexenverfolgung einen ihrer Höhepunkte. Insgesamt wurden in Europa ca. 100.000 Hexenprozesse durchgeführt. 80 % davon betrafen Frauen. An erster Stelle bei den Prozessen der damaligen Zeit stand Kindsmord und an zweiter die Hexerei. Man muss aber auch sagen, dass trotzalledem im Vergleich zu anderen Prozessen, diese gering waren. Es wurden It. Statistik mehr Räuber, Mörder und Diebe hingerichtet als Hexen. Wenn man Folterungsprotokolle liest, dann kann man erahnen, wie durch solche Tortur Unschuldige zu Schuldigen gemacht wurden. Das Werk von Anton Praetorius und anderen Gegnern der Hexenverfolgung leitete dann die „Cautio Criminals“ das Ende der Hexenverfolgung ein. Jetzt beginnt das Zeitalter der Aufklärung. Nur ein Satz aus der „Cautio Crrminalis“: „Man darf mit Menschenblut nicht spielen, und unsere Köpfe sind keine Bälle, die man nur so hin- und herwirft. Wenn vor dem Gericht der Ewigkeit Rechenschaft für jedes müßige Wort abgelegt werden muss, wie steht’s dann mit der Verantwortung für das vergossene Menschenblut.“

Quellen:

  • Staatsarchiv Marburg, Archiv derer von Boineburg
  • Karfunkel Nr. 1/2006 Sonderausgabe
  • HPV e. V. Gehaus Archiv in Verbindung mit Rolf Leimbach

Reinholz Lotz
im Auftrag des HPV e. V. Gehaus


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