Georg Friedrich Händel: Auszüge aus „Der Messias“, HWV 56 (Bearbeitung für Orgel)

Ausgewählte Nummern aus dem Oratorium „Der Messias“, HWV 56 von Georg Friedrich Händel habe ich für Orgel bearbeitet, mit Samples der Rieger-Orgel des Großen Saals im Konzerthaus Wien (Vienna Konzerthaus Organ), den Samples eines historischen französischen Cembalos und Barockpauken aus THE CONSERVATOIRE COLLECTION auf meinem PC und mit meinem MIDI-Instrumentarium eingespielt.

Eine Auflistung aller Stücke aus dem Messias, die ich für Orgel bearbeitet habe, und deren Velinkung zu YouTube findest du auf meiner Händel-Seite.

Ich habe mich weitgehend an die von Händel instrumentierte Version gehalten und diese auf die Registriermöglichkeiten der Orgel umgesetzt, das begleitende Basso-Continuo-Cembalo und die Pauken (im Halleluja-Chor und den Schlusschören „Worthy is the Lamb“  und „Amen”) habe ich beibehalten, da  deren speziellen Klangaspekte nicht auf  der Orgel zu realisieren sind .  

Über den „Messias“

Händel unternahm es, das große, wunderbare Geheimnis unserer Religion in Tönen zu verkünden, und so entstand das Oratorium aller Oratorien, der „Messias“. Wie das Innere des Meisters so ganz von der überirdischen Größe des Gegenstandes erfüllt war, zeigt schon der Umstand, daß er jeden anderen Text, der vielleicht so wie viele andere, die später komponiert wurden, recht eigentlich ins Dramatische gefallen wäre, verschmähte und sich streng an die kräftigen Sprüche der Bibel hielt, die das Werk der Erlösung von der Verkündigung des Heilandes durch die Propheten bis zur Vollendung in erhabenen Worten aussprechen. So unterschied sich der „Messias“ schon in Hinsicht des Textes von den übrigen Oratorien desselben Meisters. Es gibt darin keine bestimmten Personen, die, in dramatischer Handlung zusammentretend, sprechen, und ebensowenig werden die Begebenheiten, die das große Werk in sich schließt, auf frostige Weise erzählt; alles geht lebendig bei der Seele des Zuhörers vorüber, daß er mitten in den Erscheinungen jener Zeit wandelt und sich selbst unter dem Volke befindet, das alle Empfindungen, die die sichtbarlichen Wunden in ihm erregen, laut ausspricht. Wie so ganz aus dem Werke selbst nach dieser Einrichtung, da die Begebenheiten nach den Worten der Bibel angedeutet und zugleich ihre Wirkungen im Volke hervorgerufen werden, die Rezitative, Solos, Arien und Chöre entstehen, leuchtet ein, und Rezensent ist überzeugt, daß nur auf diese Weise das Heiligste würdig gesungen werden kann, alles Dramatisieren dagegen, wenn nicht ganz wider die religiöse Tiefe des Gegenstandes ist, doch sehr leicht auf Abwege leitet, in welche sich das Heilige bis zum Gemeinen und Alltäglichen verirrt.

E. T. A. Hoffmann (Aus: Musikalische Aufsätze)


Am 27. März 1742 schreibt „Faulkner’s Journal“: … „Zur Unterstützung der Gefangenen in den verschiedenen Gefängnissen, zum Besten von Mercer’s Hospital und der Charitable Infirmary, wird am Montag, dem 12. April, Herrn Händels neues Oratorium, genannt „Der Messias“, aufgeführt, unter Mitwirkung der Herren Chorsänger beider Kathedralen – der katholischen und der evangelischen nämlich – nebst einigen Konzerten, auf der Orgel von Herrn Händel selbst begleitet.“
Am 11. April traf Charles Jennens mit Gefolge in Dublin ein, und endlich am 13. April fand die Aufführung statt.
„Faulkner’s Journal“ sprach die Bitte aus, die Damen möchten zu diesem feierlichen Anlaß ohne Reifröcke erscheinen, damit für den wohltätigen Zweck um so mehr Plätze zur Verfügung ständen.
Und der Erfolg? … „Worte fehlen“, schreibt „Faulkner’s Journal“, „all das Erhabene, das Großartige und das Zarte zu schildern, welches die Herzen und Ohren zu begeistern vermochte …“
Chöre als Träger der Entscheidung, der Erhöhung und der Erlösung! Chöre des Volkes zum Lobe Gottes! Das war neu und unerhört! Und jeder, der an diesem 13. April 1742 in Neal’s Music Hall zu Dublin Händels „Halleluja“ erlebte, fühlte sich im Innersten erschüttert … „Nach dem ‚Halleluja‘ setzte sich ein dicker Mann, groß und bärenschwer, an die Orgel und spielte. Aber bald schien die so irdische Gestalt selbst wie entrückt in höhere Sphären ..
Georg Friedrich Händel begann den dritten Teil seines Werkes, „Die Erlösung der Welt“, mit einer Improvisation auf der Orgel.
Der „Messias“, einem Tempel zu vergleichen, einem Tempel mit drei Räumen. Feierlich öffnet sich das Portal mit einem
Grave der Streicher und Bläser, bis fern aus der Höhe der Tenor erschallt: „Tröste dich, mein Volk!“ Es folgt die Stimme des Predigers am Altar, und der Chor folgt mit dem „Gloria“.
Aus den Stimmen formen sich die Szenen, aus den Szenen Räume, aus den Räumen Sphären.
Triumph des auserwählten, des gottgefälligen Volkes. Es steigen Chöre empor in „Esther“, in „Debora“, in „Israel in Ägypten“. Der „Messias“ aber wird zur Offenbarung einer sieghaften, freien und glaubensstarken Menschheit. Ein strahlend kämpferisches D-Dur trägt die Grundharmonie, auf der sich vierstimmig die Massen der Chöre erheben.
Im Umkreis liegt die Welt. Alle Kontinente sind geöffnet, alle Kulte der Völker sind bekannt, die Antike ist verlebendigt, die Erde schwebt frei als Stern unter Sternen. Und diese Welt ist Gottes Schöpfung und Gottes eigenes Reich! Doch Gott der Herr ruft sein Volk, das neue Reich aufzurichten durch seinen Sohn, den Messias.
So ist Händels „Messias“ ein Selbstbekenntnis der ganzen Christenheit in einem universalen und aufgeklärten Jahrhundert, der Ruf der Sehnsucht nach einer kommenden, einer christlichen Weltharmonie, im Namen Gottes, des Erlösers.

Eugen Ortner (Aus: Georg Friedrich Händel, Roman)

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