F. Couperin: Le Carillon de Cythère

Die Glocken von Kythira

Warum Couperin gerade die Glocken dieser von Frankreich ziemlich abgelegen Insel Kythira mit diesem Stück seiner  „Livre de Pièces de clavecin“ in Tönen malt, fragst du? Der Grund war sicherlich nicht, dass Kythira von 1797 bis 1798 und von 1807 bis 1808 zu dem französischen Département Mer-Égée gehörte, da war dieses Musikstück schon fast vergessen. Es war wohl auch nicht die dominante Position der Glockentürme von Kythiras Hauptstadt, die ihren Klang weithin hörbar machten und Couperin zu dieser Komposition anregten.

„Kommt zu der Insel Kythere,
Der Pilgerfahrt schließt euch an.
Ein Mädchen kommt zurück schwere,
Sei’s ohne Freund oder Mann;
Man macht dort die größte Affäre
Aus zärtlichstem Amusement.“

Diese Verse aus dem im Jahr 1700 in Paris uraufgeführten Lustspiel „Die drei Cousinen“ von Florence Dancourt inspirierten den Maler Jean-Antoine Watteau zu seinen drei Gemälden „Einschiffung nach Kythira“ im französischen Original: „Pèlerinage à l’île de Cythère“. Eine Version hängt im Pariser Louvre, eine andere im Schloß Charlottenburg in Berlin und eine dritte im Frankfurter Städel.
1722 veröffentlichte Francois Couperin dieses „Livre de Pièces de Clavecin“, also nur wenige Jahre nachdem Jean-Antoine Watteau seine drei Bilder über die Einschiffung nach Kythera gemalt hatte, die zwischen 1710 und 1718 entstanden waren. Es ist also anzunehmen, dass Couperin dieses Gemälde über den Aufbruch zur Insel der Aphrodite anregte, dieses Stück zu komponieren.

Das Cembalo von Jacob Kirckman bietet mit seinen sechs Registerzügen die großartige Möglichkeit, dieses Musikstück abwechslungsreich zu gestalten, das nach der dritten Variation und ohne die beim Cembalo nicht vorhandene Möglichkeit anschlagsdynamisch zu spielen, doch bald den Zuhörer ermüdet.

Die MP3-Datei:

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