Camille Saint-Saëns: Danse macabre op. 40

Totentanz
(Sinfonische Dichtung, eigene Transkription für Orgel, Harfe und Schlaginstrumente)

Die bekannteste der sinfonischen Dichtungen von Camille Saint-Saëns ist dessen „Danse macabre“, zu Deutsch: Totentanz. Mit den Darstellungen unserer mittelalterlichen Maler, die den Tod als Lehnsherrn aller Stände, als Mittelpunkt eines Triumphzuges zeigen, dem Kaiser, Päpste und Könige so gut wie das arme Bäuerlein und der nackte Bettler folgen müssen, stimmt die Kantate überein, mit welcher J. G. Kastner eine seiner originellen „livres-partitions“ schliesst. Saint-Saëns hat den Vorwurf einfacher behandelt. Im Anschluss an ein Gedicht von H. Cazalis schildert er in seinem „Danse macabre“ den Tod als einen Fidelmann, welcher zur mitternächtlichen Stunde die klappernden Skelette aus den Gräbern und zu einem wirklichen Tänzchen lockt:

Zick und zick und zack, so klopft der Tod im Takt
mit seiner Ferse an einen Grabstein,
um Mitternacht spielt der Tod eine Tanzweise,
zick und zick und zack, auf seiner Geige.

Der Winterwind bläst, und die Nacht ist finster;
aus den Lindenbäumen ächzt es;
die weißen Skelette kreuzen den Schatten,
laufend und springend in ihren großen Leichentüchern.

Zick und zick und zack, jeder wiegt sich hin und her,
man hört die klappernden Knochen der Tanzenden.
Ein lüsternes Paar setzt sich ins Moos,
als wolle es vergangene Wonnen genießen.

Zick und zick und zack, ohne Unterlass
kratzt der Tod auf seinem kreischenden Instrument.
Doch still! plötzlich beendet man den Reigen,
man stößt sich, man flieht, der Hahn hat gekräht.

aus »Égalité, Fraternité…« von Henri Cazalis (1840-1909)

.

Mühsam und im engsten Kreise von Moll dreht sich die Melodie dieses Reigens:


und was der Tod als Violinspieler zur Belebung auf seiner verstimmten Geige (Kornett 8′ 3-5f) beisteuert (G d a ei), klingt mehr nach Requiem als nach Walzer:

Beide Themen werden in einer Reihe von Variationen weiter geführt. Die Fröhlichkeit bleibt armselig und kümmerlich; immer liegt ein Schatten von Trauer und Klage darüber, und in der Instrumentation melden sich die schauerlichsten Elemente. Mitten in einem krampfhaften Versuche, die Bewegung in Schwung zu bringen, bricht die Musik ab. Der Hahn kräht (in der Oboe 8′) und stückweise verschwindet das gespenstische Bild.

Ich habe dieses Orgelwerk mit Samples der Rieger-Orgel im Konzerthaus Wiens eingespielt.

Literatur (Links zu PDF’s) über das Werk und den Charakter von Camille Saint-Saëns:

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