Acht kleine Präludien und Fugen (BWV 553–560)

Die Acht kleinen Präludien und Fugen (BWV 553–560) sind zwar in Bachs Werkverzeichnis (das nicht von Johann Sebastian Bach, sondern viel später erstellt wurde) aufgeführt, werden heute von der Musikforschung einem von Bachs Schülern zugeschrieben, etwa Johann Tobias Krebs oder dessen Sohn Johann Ludwig Krebs. Die Stücke dauern nicht länger als zwei bis vier Minuten und sind musikalisch recht anspruchslos einfach konstruiert, ganz im Gegensatz zu Präludium und Fuge Es-Dur BWV 552 oder Fantasie und Fuge a-moll BWV 561, die im Werkverzeichnis unmittelbar vorher oder nachher eingereiht wurden. Trotzdem sind die Acht kleinen Präludien und Fugen angenehm anzuhören und wegen ihrer Kürze recht beliebt.

Die einzelnen Musik-Videos:

Die Playlist bei YouTube: Acht kleine Präludien und Fugen (BWV 553–560)

In

EDITION BACHAKADEMIE – DIE GESAMTEINSPIELUNG ALLER WERKE JOHANN SEBASTIAN BACHS AUF INSGESAMT 171 CDS
Internationale Bachakademie Stuttgart KMD Prof. D Dr. h.c. Helmuth Rilling, Prof. Dr. Ulrich Prinz, Wissenschaftlicher Leiter Andreas Keller,
Intendant Dr. Andreas Bomba, Projektkoordination, Bookletredakteur

findet man über die Acht Kleinen Präludien und Fugen folgende allgemeine Beschreibung:

Die acht Praeludien und Fugen BWV 553 bis 560 wurden zwar in das Bach-Werke-Verzeichnis aufgenommen, stehen dort (BWV2a) aber mittlerweile im Anhang, weil es aus stilistischen Gründen wie auch der wenig typischen Überlieferung wegen (Alfred Dürr) schon seit langem Zweifel an der Autorschaft Bachs gibt. Manches spricht dafür, daß Johann Tobias
Krebs, der in Weimar wirkte, oder sein Sohn Johann Ludwig (Bachs Lieblingsschüler in Leipzig) die als »Acht kleine Praeludien und Fugen« überlieferten Stücke komponierte. Für letzteren ist charakteristisch, daß er seinen Lehrer meist sehr getreu nachahmte, ohne jemals dessen Genialität zu erreichen, so daß manches gekünstelt wirkt. Sollten die vorliegenden Stücke jedoch aus seiner Feder stammen, würden sie zu seinen reizvolleren Werken zählen.

Auf die Nähe zu Bach weist die zyklische Anlage der acht Werkpaare hin. Die Tonarten rücken – ähnlich wie in den Inventionen oder den Praeludien und Fugen des Wohltemperierten Claviers – von C-Dur bis B-Dur stufenweise höher (allerdings nicht so konsequent wie in jenen Zyklen, denn es sind nicht alle zwölf chromatischen Halbtöne einer Oktave vertreten). Christoph Wolff hält die Stücke für »ziemlich eindeutig« von Johann Sebastian Bach und datiert sie vor 1710. Es können andererseits auch Argumente angeführt werden für einen süd- oder mitteldeutschen Komponisten, der nicht zum Schülerkreis Bachs zählte. Und einige Züge der Stücke weisen bereits auf den galanten Stil hin. Selbst wenn also Johann Sebastian Bach die Stücke nicht geschrieben hat, bieten sie doch einen guten Einstieg in sein Orgelschaffen, sowohl für den Hörer als auch für den
Orgelspieler.

Die Thematik der Praeludien ist meist für die Orgeltoccata typisch, die eine kompositorische Nachbildung der Improvisation ist: Von »toccare« = »schlagen « abgeleitet, ist die Toccata für Tasteninstrumente ursprünglich das Ergebnis des ersten, improvisierten Erkundens eines Instruments durch einen Spieler: Er greift in die Tasten, spielt einige Läufe, Akkorde und Arpeggien und wird häufig auch das Pedal für sich allein, also in einem Pedalsolo erproben (ein solches findet sich zum Beispiel in BWV 557 und 560). 

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