Burg Hutsberg

Aus den Namen der drei Burgen Henneberg, Hüts– und Landsberg hat die Sage und das Sprichwort sich gebildet:

„Henne hüt’s Land!“

Die Ruine der erstgenannten Veste, auf die wir bereits in diesem Hefte, S. 40, hinwiesen, fassen wir bald näher ins Auge, an Stelle der dritten hat sich anfangs des nun endenden Jahrhunderts ein neues prächtiges Bergschloß dieses Namens erhoben, welches die Herzöge von Meiningen Georg I. und Bernhard-Erich-Freund am Ausgang der Herpf zur Werra erbauten. Die zweite in der Mitte des Sprichworts gemeinte ehemalige Burg zeigt als Ruine ein hohes leeres Steinhaus in Form eines Rechtecks mit innern Schiedmauern; der Basalt, das Burggestein, giebt dem Ganzen ein düsteres, unheimliches Aussehen. Die Burg war aber auch wohl schon in der Gaugrafenzeit erbaut, denn der Name und die Mark Hoitin (Hüten, Hut), wozu das so nahe Helmers- und selbst Wohlmuthhausen und Gerthausen gehörte, kommt urkundlich 795 n. Chr. vor, wo ein sehr begüterter Edler Egilolf, und 857, wo ein Edler Zazo hier Besitzungen hatte – und an Stift Fulda Güter schenkte. (n. Brückner). Nach der Veß’rischen Chronika von den „München daselbst gestellt“ -, wie Spangenberg meldet, – lebten um das Jahr 748 zwei Hennebergische Brüder, deren einer auf Hutsberg gefürstet worden und zu der Hennen den halben schwartzen Adler, über den roten und weissen vermengten Schachtspänen, zum Wappen bekommen.[1] Binder giebt ausführlichere Mitteilungen über das Hoitino marcu und die darin bestandene Burg: Nach dem Aufhören der Gauverfassung wurde Hutsberg von den Grafen von Henneberg in damals üblicher Weise Burg- und Amtsleuten zum Schutze und zur Verwaltung übertragen, wogegen ihnen Burggüter geliehen wurden, z. B. die Höfe zu Helmershausen, Weimarschmieden, Schmerbach u. a.

In der kaiserlosen schrecklichen Zeit legten sich aber die Hutsberger Vögte auf Straßenraub (s. S. 22). Als Rudolf von Habsburg auf dem Reichstage zu Würzburg anno 1275 den Reichsständen anbefahl, die Straßen rein zu halten, hat Graf Berthold V. von Henneberg mit Hilfe etlicher Städte (als Erfurt, Würzburg und Nürnberg) den alten Hutsberg, darinnen sich ihrer „fünf von Adel mit etlichen räuberischen Buben mit Gewalt biß anhero enthalten“, nachdem er es 2 Monate belagert und verschanzt, durch die „herbeygebrachte Nürnberger Schraubenböck eröffnet, und zweiunddreißig Räuber, so er darinnen gefunden, hinrichten lassen. Auch sollen die Nürnberger sobald etliche große Gewichtssteine, darinnen sie vor dieser Zeit in ihrem Kauf-Handel verborgen Geld verlöthet und weggeschickt haben, so ihnen aber, neben andern Waaren, waren geraubet worden, des Orts mit ihren eigenen Markzeichen noch unversehrt gefunden, und also ihre ihnen entwandte, von den Räubern aber nicht erkannte Schätze, über Hoffnung wieder bekommen haben. (n. Caroli).“

Darauf soll Hutsberg 106 Jahre lang wüste gelegen haben. Graf Heinrich (XI.) von Henneberg ließ es durch Hans von der Kere (von Oberkatza) wieder aufbauen; er gabs ihm 1383 zu Lehen. Es ist eine lange, altdeutsch gefaßte Urkunde, wonach Graf Heinrich unterm 27. Mai 1383 dem Ritter Johann von der Kere das Hütsberg mit Zubehör bedingungsweise verleiht. In derselben heißt es z. B.: ,,daz wir durch sünderlicher (sonderlicher) günst und willen . . . . hern Johanne von der Kere, demselbin hern Johanne Laurentien und Ebirhard sinen sünen (seinen Söhnen) geantwürt und besolin habin unsir sloz (Schloß) Hutisberg mit dem Voigthabern zu Helnbershusin und die güte (Güter) geleigin in dem Richildehusin (Reichenhausen), ein geholtz genant daz Lindech und daz waszir, genannt die Herfp, und sullin noch wollin der egenanntin (vorgenannten) drier (dreien) . . . . nichts entsetzin nach ablosin als hernach beschriben stet . . . . die wile (so lange) sie lebin . . . Die genannten drei sollen vorbüwen (verbauen) an dem Schloß 600 Gulden und machen lassen auf dem Schlosse czwü Kemenatin (2 Kemnaten) mit allime büwe (mit all’ ihren Gebäuden) und die rechtin müren (Mauern) um daz hüz (um das Haus), die sal hoch sin czweier gertin (Gerten, Ruthen) . . . und vier türm daran, der sal iglicher (jeglicher) hoch sin andirhalbir (1½) gertin . . . Gesche des nicht, so wer die losünge uf daz iar (Jahr) und der nütz irin (ihren) erbin gentzlichin vorfallin (gänzlich verfallen) . . . Sie sullin auch schurin(schützen) unsirs stiftis arme lüthe czü Helnbershusin so beste sie mügin und davor sin wa sie mugin (was für und wo sie sein mögen), daz sie nicht vor unrecht werdin . . . Das selbe sloz sal unsir und unser erbin offin hüz (Haus) sin, wan und wie dicke wir des begern (wann und wie sehr wir begehren), uzgenümen (ausgenommen) und wanne (wenn) wir daran krigin (kämpfen, verschanzen) wollin, und wir addir (oder) die unsirn (Unsrigen) da obin weren (aus demselben wären), so sullen wir daz bewarin und bewachin mit tormluthen (Turmleuten), torwarthin und wechtern an iren schadin . . . Wurde (würde) daz selbe sloz vorlorn (verloren), diwile wir daruz krigitin und da leigin (und da liegen) von unsir weigin (unserwegen), so sullin wir in andir unsir gute (ein anderes unserer Güter) dafur alzuiel (alsbald) inantwortin (überantworten) und gebin, daz sie von irs (ihrem) geldis weigin des egenantin habinde weren und gnüg hettin an geuerde . . . Wurde abir daz sloz vorlorn, wanne wir darüz nicht krigitin und nicht da obin legin, so sullen wir in (ihnen) rathin und helfin (raten und helfen) so ferrist (sehr) wir ummer (immer) mügin, daz in und uns daz widdir (wieder) würde an geruerde (angewährte oder angerechnet oder vergelten würde.) . . . . Sie sullin sich auch behaltz (Holz) zu vorbrünnen (zum Verbrennen) uf dem huze umb daz sloz, wa sie danne buwhalczis (des Bauholzes) bedurffin (bedürfen) uf daz hüs, daz wollin wir in lasze gebin uz (aus) dem haue (Schlag) Hennenbergk. Und ab (Wenn aber) sie daz da nicht fundin (fanden), so wollin wir in (ihnen) es gebin uz (aus) der Eichart (Eichenwaldung) und uz dem Walde umb (um) Slüsungin (Schleusingen).[2] u. s. w.

Es muß, weil sich neben dem Wappen derer „von Kere“ auch das Würzburger Wappen auf der Burg noch findet, dieselbe erst nach 1411 ausgebauet worden sein. Der Bischof von Würzburg widersetzte sich nämlich anfangs dem Bau, gab aber später nach, da Henneberg das Schloß dem Stifte zu Lehen auftrug. Aber schon sieben Jahre darauf war eine Fehde zwischen beiden Teilen, worin das Schloß genommen und wieder genommen wurde. – 1449 eroberte es der unruhige Graf Heinrich (XIV.) von Henneberg zu Kaltennordheim; (s. S. 50). Spangenberg erzählt: „Fürst Heinrich schickte seine Diener aus Kaltennordheim, seiner Vettern Schloß Hutsberg bei nächtlicher Weile zu ersteigen, welches sie auch thäten, und den Amtmann darauf, Georgen von Bisa-,[3] mit aller Haabe, die sie darauff fanden, mit sich nach Kaltennordheim führeten und allda in Verwahrung hielten. . . Den jungen Herren (Grafen von Henneberg) that dieser thätliche Einfall, dessen sie sich im allergeringsten nicht versehen, trefflich wehe, säumten sich derohalben auch nicht lange, rüsteten sich bald und ruckten mit bewehrter Hand für Kaltennordheim, und eroberten dasselbige Schloß.“[4]

Nach noch nicht anderthalbhundertjährigem Wiederbestehen, am 14. Mai 1525 wurde Schloß Hutsberg abermals zerstört. Davon erzählt Weinrich: „Unter Sültzfeld Abendwärts führet der Weg nach dem alten und berühmten Schloß „Huitsberg“, welches auf der Spitze eines Berges Helmershausen gegenüber lieget und im 14. Seculo von Fürst Heinrich von Henneberg wieder neu aufgeführet und verbessert worden. An dieses machten sich die unersättlichen „Bauren“ gleichfalls, plünderten und verbrannten es, daß noch jetzo nichts davon übrig ist, als ein tiefer Graben, ein länglich aufgeführtes „Mauerwerk“ mit einem mittelmäßig Thor, über welchem noch ein runder Stein mit Wappen und Schrift zu sehen.“

Der letzte Rest des ehemaligen „Aemtleins“ Hutsberg, das nach Zerstörung der gleichnamigen Burg aufgelöst worden war, bestand im Gericht Helmershausen. Nach Vernichtung der Burg wurde der Henneberg-Schleusingische Hof Hutsberg („Heftin, Hof zum Heftin, Heftenhof – wie er jetzt als Weiler heißt) als Forst- und Grenzhaus des Amtes Maßfeld verwendet und hatte ein Kammergut. Nachdem er 1634 durch würzburgische Bauern verwüstet und die Dörfer Stettlingen, Bettenhausen und Seba, welche die Fronen auf dem Hofe zu leisten hatten, durch den Krieg entvölkert worden waren, wurde er von der altenburgischen Regierung veräußert,[5] nach und nach vereinzelt. 1853 hatte er eine eigene Schule, 5 Wohnhäuser, 50 Seelen in 12 Familien. (Binder).


aus
C. E. Bach
„Im Tullifeld“
Eine historisch-landschaftliche Umschau in engerer Heimat
– der Vorderrhön –


 

[1] Poppo des Ersten (alter Reihe) Sohn Adalbrath hielt sich, wie Heim schreibt, im obern Teil der Herrschaft Henneberg auf und wohnte zeitweil zu Hutsberg († 895).

[2] Bis zur Zerstörung des Schlosses Hutsberg (1275) war auch Weimarschmieden ein hutsbergisches Burggut und bis 1317 noch trug der Ritter Dittmar Markard die zwischen Fladungen und Helmershausen gelegene Wüstung Wibrechtsschmiede (Weimarschmiede?) vom Hause Henneberg zu Lehn. 1376 kaufte aber Gyso von Steinau von Herrn Markert „Wymar-smyden.“

[3] Schloß und Burggut Hutsberg hatte 1383 Hans von der Kere, 1401 Friedrich von der Tann, 1419 Georg von Bose, 1435 Hans Schrimpf von Berg, 1449 „Lutzen“ von Bia (wie Heim angiebt), 1458 einen Würzburger Vogt, 1552 Sittich Marschalk zu Marisfeld als Amtmann -, deren Geschlechter auf Lebenszeit damit beliehen wurden. (n. Brückner.)

[4] Von der dabei bewiesenen Gegenwehr der Westheimer Frauen schweigt Spangenberg.

[5] Herzog Wilhelm Friedrich II. von Altenburg gab das Kammergut als Kanzlei-Erblehn an die Familie Oelginghausen, 1717 kam es an die Freifrau von Radmannsburg (geborne Gräfin von Giech), später an die Familie von Biechlingen.· (Brückner.)
Der Hutsberg (630 m) mit Heftenhof, wie der südlich mit dieser waldigen Höhe durch einen Sattel zusammenhängende Neuberg (637 in) auch mit Basaltgipfel, beide unter meiningischer Hoheit, gehören zu dem System der Herpf, (zum Wesergebiet), indessen am südwestlichen Fuße des Neubergs die kleine „Schmerbach, zur Sulz“ gehend, dem Streu- bezüglich fränkischen Saal-Gebiet sich schon zuwendet. (Heft I. S. 21 ist der Neuberg auch schon erwähnt).


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