Burg Auersberg

Im südwestlichsten Gebirgszuge der Rhön, zwischen Gersfeld und Brückenau erheben sich rechts vom Sinnthale der große und kleine Auersberg, ersterer nur zu 805 und der andere zu 809 m angegeben, beide kaum ¾ Stunden von einander. An dem letztern liegen die Auerbergshöfe, über die man nach der kleinen Sinn, zu dem Flecken Kothen gelangt; an jenem liegt östlich der Auerhof, von dem man über die große Sinn allgemach zum „Heiligen Kreuzberg“ aufsteigen kann. Burg Auersberg ist aber keineswegs in dieser Bergegegend, nicht über die Grenze Tullifelds hinaus, sondern im Gebiet der Oberulster (wo in diese der Scheppenbach bei Aura mündet), zwischen dem Marktflecken Hilders (I. S. 72.) und der Stadt Tann. –

„Nördlich ¾ Std. von Hilders erhebt sich der bewaldete Auersberg (758 m), dessen Gipfel die alte Platte heißt. In Folge der Abholzung bietet er herrliche Aussicht: von der Wasserkuppe, südlich, bis zum Ulsterberg, nördlich; östlich nach der Geba und dem Dolmar. Auf südwestlich vorspringender 588 m hoher Terrasse ruht die Ruine Auersberg, das alte Schloß genannt; hohes Mauerwerk im Sechsecke mit Auslugöffnungen, von O. gegen S., mit Resten eines Turmes und Wallgrabens. Durch fiskalische Mittel wurde das dem gänzlichen Verfall nahe Mauerwerk reparirt und auf der Westseite eine Altane hergestellt. Prächtiger Blick ins Ulster- und Eckweißbacher Thal (12 Dörfer und viele Höfe) und auf die Rhönberge.“ „Der Auersberg ist ein höchst imposanter, stolzer, dicht in Buchenwald gehülter Basaltkegel, der sich dem Urgrund östl. gegenüber aus dem Thale der Ulster erhebt. Die oberste mit Rasen bedeckte Spitze heißt die Platte; auf derselben finden sich Spuren von einer Schanze und – ein 7 faches Echo. Der Berg ist Fundort vieler schöner Rhönpflanzen. Auf einem Vorsprunge des Berges, in den Ulstergrund hinein schauend, liegen die rötlich schimmernden Ruinen des aus Sandstein, in Form eines unregelmäßigen Achtecks erbauten Schlosses Auersberg, welches allem Anscheine nach nicht zum ,,Rauben“ eingerichtet war. Wenig ist von ihm zu berichten.“ (n. Schneider u. Spieß.) Betreff des Namens sei Folgendes beigezogen: Der anmutige Grund von der Milseburg ab zur Ulster hieß früher der Urgrund; nach der Rhönbeschreibung von Jäger ist der Name von den vielen Auerhähnen abgeleitet, die sich in dieser Waldgegend aufgehalten hatten, wie es auch wilde Pferde da gegeben habe.[1] Wilde Eber und wilde Stiere (Ur-Auerochsen) sind aber zu jenen wilden Bestien zu zählen, die den Rhön-Urwald wohl so unheimlich machten wie Wölfe nnd Luchse, deren vorzeitliches Dasein im Tullifeld auch durch die Namen ,,Wolfsburg« (Heft II. S. 107—109), Wölferbütt (am Dietrichsberg) und Wolfmuntereshuson (I. S. 15.) wie „Luchsensee“ (bei der ehemal. Königsburg, nördl. v. Nordh. v. d. Rhön) und durch Sagen vermutlich geworden ist. – Und von was anderm hätten die uralten Rittergeschlechter von Ebersburg, von Auerochs und Wolffe, (s. Heft I. S. 45) sich ihre „wilden“ Namen entliehen, als aus dem Kraftbewußtsein, den betreffenden Ungeheuern Trotz geboten zu haben?

Heim sagt im 25. Kap. s. Henneb. Chronik: Auersberg hat denen von Nithardishusen zugehöret, von denen ist es an die Grafen von Henneberg kommen. Spieß meldet: 1325 kaufte Graf Berthold VII. von Henneberg diese Burg von Würzburg. Unter Bischof Albrecht v. Würzburg kam sie wieder an das Stift. Sie verfiel. 1554 ließ das Stift sie neu aufbauen und zum Wohnsitz des Amtmanns einrichten, (Unter Andern war Konrad v. d. Tann, der 1550 starb, Amtmann zu Fladungen und Auersberg). Nach einem im Amtsarchiv zu Kaltennordheim noch aufbewahrten Aktenstück wurde eine Grenzbereitung“ im Juli 1619 verrichtet, bei welcher speciell angegeben ist, daß „vom Rehgeheck her an den 2 Marcksteinen an der Meuß das Amt Fladungen sich endet und hingegen sich das Ambt Auersbergk (Hilders) anfehet.“ (s. Heft II. S. 54) Aus Bechstein’s „Sagen des Rhöngebirges“ bringen wir Folgendes: Auf einem Basalthügel zwischen Tann und Hilders, doch dem letztern Orte näher, stehen noch die Ruinen der Burg Auersberg. Ein reiches Geschlecht soll sie in Vorzeiten bewohnt und die Gegend beherrscht haben, das in vielfache Fehden verwickelt gewesen, aber nunmehr gänzlich verschollen ist. Das waren die Herren von Nithardishusen. 1554 erbaute Bischof Albrecht von Würzburg hier ein neues Schloß, worauf Herren von der Tann später als Amtleute wohnten. – Im Schwedenkriege nahm der letzte katholische Besitzer eine Abtheilung der Truppen in das Schloß, welche gegen die Schweden kämpften. Darüber aufgebracht, berannten die Schweden Auersberg und nahmen die Burg ein. Die Gemahlin des Ritters entfloh, fand aber in den Fluthen der angeschwollenen Ulster den Tod, wo noch ein Steinkreuz den Ort bezeichnet, an welchem sie mit ihrem Wagen versank. Der Ritter aber, der sein Schloß tapfer vertheidigt, ließ ein Fenster im Schloß ausheben und sprengte, auf seinem Schimmel sitzend, durch die Oeffnung hinab in die Tiefe, wobei er jählings umkam. – Bechstein fügt eine „Variante der vorstehenden Sage“ hinzu, deren katholischer Ursprung nicht zu verkennen ist. Der Letzte von den Besitzern der Auersburg, der diese jetzt zertrümmerte Feste bewohnte, gehörte der evangelischen Kirche an. Eines Tages fuhr er mit seinem Kutscher, welcher katholisch war, über Feld; da überraschte Beide ein furchtbares Gewitter, und es ergoß sich eine unendliche Wasserfluth, so daß bald weder Weg noch Steg zu erblicken war. Der Kutscher kreuzte und segnete sich und betete, der Herr aber – fluchte und rief zornig aus: Der Teufel wird Dich nicht gleich holen! Fahr’ zu in des Teufels Namen!« Der Kutscher seufzete und sprach: So will ich denn hinfahren, doch nicht in des Teufels, sondern in Gottes Namen. – Bald kam die Kutsche in einen Wasserstrom, daß sie schwannn, die Pferde häkelten sich im Wasser ab, und der Kutscher entkam auf einem derselben. Der gottlose Herr aber mußte elendiglich ertrinken.“


aus
C. E. Bach
„Im Tullifeld“
Eine historisch-landschaftliche Umschau in engerer Heimat
– der Vorderrhön –


[1] Wir wollen Beides nicht abstreiten, hierbei aber zugleich auch auf das hinweisen, was Spieß selbst über den „Streuwald“ der Rhön, von Villa Strew (Heft l. S. 18 u. II. S. 59), nicht verwirft, indem er sagt: „Der Ort wie die ganze Umgegend soll in den frühesten Zeiten der Sammelplatz von wilden Bestien aller Art – ein wahres Eldorado (fabelhaftes Glücksland) für die Nimrode (Jäger) gewesen sein. Die Edlen von Ebersberg besaßen die eine Hälfte der Wüstung Streu als Lehngut, die andere die Herren von der Tanne.“


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