Johannes Brahms: „O Welt, ich muss dich lassen“, Choralvorspiel op. post. 122, Nr. 11

Dieses Orgelwerk von Johannes Brahms habe ich mit Samples der Riegerorgel im Großen Saal des Konzerthauses Wien (Vienna Konzerthaus Organ) eingespielt. Es ist die letzte Musik – und die zweite Fassung eines Choralvorspiels zu „O Welt, ich muss dich lassen“ – welche Brahms geschrieben hat, sie ist sein eigentlicher Schwanengesang.

Die  vier Vorspiele des Opus post. 122, Nr. 8 – 11, sind vermutlich sämtlich im Juni 1896 entstanden (die hier eingespielte Nr. 11 ist in einem separaten, nicht datierten Autograph überliefert). Im Mai 1896, versammelte er sieben Choralvorspiele, die Nr. 1 bis 7 von op. 122, (die biblische Zahl sieben steht für Vollständigkeit und Perfektion) in einem Band, in dem zwei längere Stücke am Anfang und am Schluss die kürzeren umrahmen. Es ist nicht bekannt, ob Brahms die Komposition einer zweiten Sammlung von sieben Vorspielen beabsichtigte oder die vier vorhandenen Vorspiele als Einzelstücke verfasste.

Besonders ergreifend,  in der Nummer 11 ist, wie Brahms die Schlusszeile in ersterbenden Rhythmen im Nichts verwehen und verklingen lässt – nicht ohne Hoffnung auf Gottes Gnade aufleuchten zu lassen, besonders ergreifend auch angesichts der Tatsache, dass er sich zu dieser Zeit erstmalig gewahr wurde, dass seine Tage gezählt waren. Gegenüber seinen Freunden spielte er seine gelbliche Gesichtsfarbe als Folge eines Gelbsuchtsanfalls herunter; zweifellos erkannte er jedoch die alarmierenden Symptome von Leberkrebs – der Krankheit, an der bereits sein Vater gestorben war. Alle Behandlungsversuche blieben ohne Erfolg, und am 3. April 1897 verstarb der Komponist, ohne seine letzten Orgelwerke veröffentlicht zu haben.

O Welt, ich muss dich lassen,
ich fahr dahin mein Straßen
ins ewig Vaterland.
Mein‘ Geist will ich aufgeben,
dazu mein‘ Leib und Leben
befehl’n in Gottes gnäd’ge Hand.

eingespielt in Gedenken an meinen Bruder Horst,
der uns Lebenden zu Karfreitag, dem 19. April 1919,
in den Tod vorangegangen ist.

 

Huineng

In diesem Moment ist nichts was kommt.
In diesem Moment ist nichts was geht.
Es gibt also keine Geburt und keinen Tod,
die zu Ende gebracht werden müssen.
Daher die absolute Ruhe in diesem Moment.
Alles liegt in diesem einen Moment und es gibt
kein Ende dieses Moments und darin liegt die ewige Wonne.

 

 

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