Johann Sebastian Bach: Zweistimmige Inventionen für Tasteninstrumente BWV 572 bis 586

Nr, 1 und Nr. 15 werden jeweils sowohl auf der  Orgel als auch auf dem Cembalo, die anderen Inventionen auf Orgel als auch Konzertflügel eingespielt.

Der Begriff Invention (lat. inventio, ital. invenzione = Erfindung). bezeichnet sowohl einen neuartigen Stil zu komponieren, als auch einen bestimmten Kompositionseinfall in Richtung Fantasie.
Er erscheint in Musikdrucken erstmals in den »Livres des inventions musicales« von Clément Janequin 1555. Im italienischen Barock überwiegt die Verwendung des Begriffs für die neuartige Komposition. Noch Antonio Vivaldi nennt die Sammlung von Konzerten, die die berühmten »Vier Jahreszeiten« enthält, „Il cimento dell’ armonia e dell’invenzione“. Johann Sebastian Bachs 15 Inventionen für Tasteninstrument BWV 772 ff. erscheinen erstmals im Clavier-Büchlein für Wilhelm Friedemann Bach; hier heißen sie noch „Praeambulum“ und sind nach aufsteigender technischer Schwierigkeit angeordnet.
Bach betrachtet sie als Lehrstücke, wie er im Vorwort des Autographs von 1723 schreibt:

„Auffrichtige Anleitung, wormit denen Liebhabern des Clavires, besonders aber denen Lehrbegierigen, eine deütliche Art gezeiget wird, nicht alleine mit 2 Stimmen reine spielen zu lernen, sondern auch bey weiteren progreßen, mit dreyen obligaten Partien richtig und wohl zu verfahren, anbey auch zugleich gute inventiones nicht alleine zu bekommen, sondern auch selbige wohl durchzuführen…“

Aber man kann diese Inventionen auch als ein Kompendium der Kunst, zu zwei Stimmen zu komponieren, verstehen, denn sie umfassen Kanons, Fugen, mehr oder weniger komplizierte Durchführungen eines oder mehrerer Themen sowie sonatenähnliche Stücke. Auch im Wohltemperierten Klavier finden sich Präludien im Stil zweistimmiger Inventionen.
Die Inventionen entspringen jeweils einem knappen Motiv. Dieses wird zu Beginn der Stücke vorgestellt und entwickeln sich in allen Inventionen immer wieder aus unterschiedlichen musikalischen Gedanken: einer melodischen Wendung etwa, einem speziellen Rhythmus, der Eigenart einer Tonart oder auch einer das kompositorische Problem erst schaffenden Kombination solcher Elemente. In jedem Fall aber ist die „Inventio“ für den Spieler und den Hörer leicht zu erkennen. Phantasie bedeutet hier, Satztechnik, Gliederung, Form und Aussage in übersichtlicher Weise zu einem harmonischen Ganzen zu bringen. Gleichwohl können die Stücke ihre kühnen Bauprinzipien auch unter heiteren und schwerelosen Charakteren wie dem eines Capriccio oder eines Intermezzo verbergen.

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