Joh. Seb. Bach: Fantasie und Fuge D-Dur BWV 912

bearbeitet für Orgel von Max Reger und von mir (mit Samples der Riegerorgel des Großen Saals im Konzerthaus Wien (Vienna Konzerthaus Organ) eingespielt.

Die vielleicht bekannteste der Toccaten (und die einzige der sieben, die von der polnischen Virtuosin Wanda Landowska aufgenommen wurde, deren Repertoireauswahl zu weiten Teilen bestimmte, welche Musik unter den Cembalo-Anhängern in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts bekannt werden sollte), die extrovertierte Toccata in D-Dur (so der Name der ursprünglichen Fassung für Cembalo) also besteht aus sieben klar getrennten Abschnitten. Der erste umfaßt Tonleitern und Tremoli (ein übliches Merkmal des deutschen »phantastischen« Stils des 17. und frühen 18. Jahrhunderts), die bald einem unkomplizierten Allegro in der Tonika weichen. Darauf folgt eine Fuge in fis-Moll, eingerahmt von kurzen Adagio-Abschnitten, die ebenfalls in tremolandi als auch französischen style brisé-Passagen komponiert sind. Ein kurzes Presto leitet zur abschließenden Gigue-Fuge über, deren rudimentäres Thema aus mehreren kleinen Einheiten besteht, die auf einem Paar sich abwechselnder, ansteigender Terzen aufbauen. Der darauf folgende Satz im moto perpetuo allegro löst sich in Passagen temperamentvoll schillernder Zweiunddreißigstelnoten auf, deren Schwung kaum von einer kurzen Rückkehr zu einer vierstimmigen Struktur in den abschließenden Takten gebremst wird. Wie auch BWV 913 ist die Toccata in einer eindeutig frühen Version in der wichtigen Möllerschen Handschrift erhalten (BWV 912a), die bereits zwischen 1704 und 1707 von Bachs älterem Bruder Johann Christoph aufgezeichnet wurde.

zitiert aus dem Booklet
Einführung in das Gesamtwerk von Johann Sebastian Bach
der Internationalen Bachakademie Stuttgart

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

sechzehn − zehn =