Juan Cabanilles: Opera omnia, Band II

In Band II der Opera omnia des JOAN BAUTISTA JOSÉ CABANILLES Y BARBERÀ (1644-1712), herausgegeben 1933 durch Institut d’Estudis Catalans: Biblioteca de Catalunya, Barcelona in der Reihe Publicacions del Departament de Música VIII findet man fast alle freien und Variationsformen, die nicht, wie die Tientos, an die Liturgie der katholischen Kirche gebunden sind und zu Beginn noch vier Tientos.

Ich werde im folgenden Beitrag diese Orgelstücke geordnet nach Typ auflisten und sie nach und nach mit den YouTube-Videos meiner Interpretationen dieser Stücke verlinken.

Die vier Tientos

II.1 Tiento I lleno de primer tono
II.2 Tiento II lleno de primer tono
II.3 Tiento III lleno de tercer tono
II.4 Tiento IV de dos baixos de séptimo tono. De dos baixos wird auch als De dos bajos bezeichnet und bedeutet, dass das musikalischen Geschehen in 2 Baßstimmen abläuft.

In II.1 und II.2 findet man Elemente der Canzone, der Tokkate oder der englischen Fantasie zusammen mit einheimischen Gegebenheiten dicht nebeneinander stehen. Was daraus entsteht, ist ein buntes Wechselspiel zwischen imitativen und figurierten Abschnitten, in dem sich das bei Cabanilles so wichtige Prinzip des Kontrastes ankündigt.

II.3 ist von der Thematik her besonders interessant. Der erste Abschnitt behandelt vom Anfang an zwei verschiedene Themen, die abwechselnd oder gleichzeitig in Engführungen auftreten. Das erste ist außerdem ein zweiteiliges Thema, dessen zweite Hälfte auch gesondert bearbeitet wird, in Verbindung mit einem Gegenmotiv, das aus dem Themenschluß abgeleitet ist.

Mit dem Begriff “Tiento“, der Geschichte dieser spanischen musikalischen Gattung und der formalen Einteilung der Tientos hat sich  Arsenio Garcia-Ferreras in der verlinkten PDF „Die Tientos des J. B. Cabanilles in der spanischen und europäischen Orgelmusik des 17. Jh.“ ausführlich beschäftigt.  

2. Variationsformen

Es sind Orgelkompositionen, die mehr weltlichen Charakter tragen und auf Gattungen der Tanzmusik zurückgehen. Cabanilles bezeichnet sie, der spanischen Tradition folgend, mit dem Name „Diferencias“ nur in einem einzigen Fall; trotzdem sind alle als Variationswerke anzusehen, da sie überwiegend diese Technik der Komposition anwenden. Ihr konzertanter, weltlicher Charakter besagt nicht, dass diese Stücke niemals im kirchlichen Raum, im Gottesdienst Platz gefunden hätten.
Die bisher aufgefundenen Cabanilles‘ Variationen stellen nur einen kleinen Teil seines gesamten Schaffens dar, sie gehören aber zu den interessantesten und kunstvollsten seiner Kompositionen, wahrscheinlich zu den letzten auch, die der Meister aus Valencia schrieb.

Dies Variationen gehören alle etwa dem kontinuierlichen Typus der Chaconne an. Die Pasacalles und Paseos beruhen auf einem viertaktigen Harmonieschema des Typus I-I-IV-V, das oft in überraschend lebendiger Weise mit stets wechselndem Inhalt erfüllt und von ihm überdeckt wird. Die Gallardas beruhen auf ausgedehnteren Themen individueller Bildung. Sie stehen alle im 4/4-Takt und zeigen keine Beziehung zu den italienischen Galliarden des 16. Jahrhunderts.

II.5 Pasacalles I de primer tono
II.6 Pasacalles II de primer tono
II.7 Pasacalles III de tercer tono
II.8 Pasacalles IV de cuarto tono
II.9 Pasacalles V de octavo tono

II.10 Gallardas I de primer tono
II.11 Gallardas II de tercer tono
II.12 Gallardas III de cuarto tono
II.13 Gallardas IV de quinto tono
II.14 Gallardas V de octavo tono

II.17 Paseos I
II.18 Paseos II
II.19 Paseos III de sexto tono
II.20 Paseos IV

II.21 Diferencias de Folia de primer tono – mehr zur  Folia in diesem Beitrag.
II.22 Pedazo de Música de quinto tono – Gedackt 8′ & Woodpipe 2
II.22 Pedazo de Música de quinto tono – Principal 8′ & Superoctave 2′
II.23 Gaitilla de quinto tono
II.24 Xacara (wird auch als Jácara bezeichnet)

Eine Correnta italiana (Courante), ein am nächsten mit der Tanzmusik verwandtes Stück, sowohl in der Form wie auch im melodischen und rhythmischen Inhalt, ist in die vor kurzem herausgegebenen „Antologia de Organistas españoles del siglo XVII“, 2. Band, S. 68, aufgenommen worden. Verlinkt habe ich meine Fassung für Cembalo.

3. Freie Formen

Kompositionen, die sowohl im Gottesdienst wie auch bei anderen Gelegenheiten aufgeführt wurden, die aber nicht unbedingt für den kirchlichen Gebrauch, jedenfalls nicht für einen bestimmten Zeitpunkt des Gottesdienstes gedacht und geschrieben waren. Darunter zählen die Gattungen „Tocata“ und „Batalla“. Von Cabanilles sind uns 6 Tocatas und 2 Batallas überliefert.

II.15 Batalla I, imperial, de quinto tono
II.16 Batalla II de quinto tono

II.25 Tocata I de primer tono
II.26 Tocata II de mano izquierda de quinto tono
II.27 Tocata III de quinto tono
II.28 Tocata IV de quinto tono
II.29 Tocata V de quinto tono
II.30 Tocata VI de sexto tono

Ich habe diese Orgelwerke mit Samples der Rieger-Orgel im Konzerthaus Wien eingespielt.

Infos über Juan Cabanilles habe ich in meinem Beitrag Orgelwerke von Juan Cabanilles (1644-1712) zusammen getragen.

 

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