Übergang zum Streugrund

Zu Anfang dieses, unsers IV. Heftes (Seite 3) sind die „Höhen und Täler im und am Tullifeld“ angekündigt und bedarf es nun keiner weitern Begründung, wenn wir nach den Gründen und Tälern, die a., zur Werra sich ausdehnen, nun auch die wenigen durchschreiten, die b., zur fränkischen Saale und mit dieser zum Main– wie schließlich zum Rheingebiet gehören. Da ist für unsern Plan der „Barin- und Elz- bezgl. Streugrund“ ins Auge zu fassen! – Vergl. dazu Heft I. 6, 11, 16, 18; II. S. 59; III. S. 63. –

Dr. J. Schneider schreibt: „Die fränkische Saale entspringt aus 2 Quellen in der Gegend von Königshofen im Grabfeld, fließt über Neustadt, Kissingen, Hammelburg und mündet bei Gemünden in den Main. Zuflüsse 1., die Streu, entspringt am Südfuße des Ellenbogen im Streuwald, zwischen dem Rhönköpfchen und Streifelsberg.“ Diese Angabe stimmt zu Spiess: „Die Streu (Streua) entspringt am Südfuße des Ellenbogens aus dem Streubrunnen (2245 Fuß üb. d. Nds.), im Weimarischen Gebiet.“ Unmittelbar nach ihrem Ursprunge verstärkt sie sich durch einige von der Linken aus Norden, vom „weimarischen Stellberg“ herkommende Quellen. Ein enges Waldwiesengründchen wird ihr erstes Bett, in welchem sie sich ausdehnt und bald darauf zur Melperser Mühle geht; in kaum ¾ Stunden ist sie im Dorfe Melpers, welches südlich vor dem Stellberg liegt und schönen Ausblick nach bayrisch Untersranken bietet. Der Ort gehört zum Weimar. Amtsbezirk Ostheim, Filial von Pfarrei Stetten; hat an 40 Wohnhäuser, eine evangel. Kirche und Schule. Spieß erzählt weiter, „daß bei trockener Jahreszeit der Streubach nicht selten versiecht und dann erst wieder nach 15 Minuten im Wiesengrund (über die Königlich bayrische Grenze hin), bei der Erl’s (vulgo Eselsmühle) als eine starke Streichquelle zum Vorschein kommt;“ ¼ Stunde von da ab, nordwestl. am Walde aus freier Anhöhe, kann man zu dem ehemals v. Boyneburgischen Schloßgut (jetzt nur noch Okonomiehof) bayrisch Huflar gelangen, das eine frische Brunnquelle hat. – Wenige Minuten nach der Erlsmühle westwärts gehts zu dem bayr. Dorfe Oberfladungen (mit kräftigem Brunnen). In 8 Minuten südöstl., aus der Poststraße, kommt man nach Stadt Fladungen, wozu die Leubach von dem ebenfalls bayrischen Dorfe Leubach (dialekt. „Löppich“) in die Streu hereinfließt; sie hat ihren Ursprung mitten auf dem Rücken der langen Rhön über dem Weimar. Pfarrdorfe Frankenheim auf der Rhön.[1] Dieses und das nahe Birx (III. S. 10) waren bis 1866 nur Filiale von der Parochie Oberweid; das Frankenheim (in einem muldigen Taleinschnitt der Leubach wenig geschützt) war vor 60 Jahren noch in sehr bescheidenen, geradezu ärmlichen Lebensverhältnissen, hatte in etwa 70 Wohnhäusern 440 Einwohner.

Mehrere dieser Wohnungen hatten eine Dachung von Stroh mit Rasenfirst und wurden vom Winter oft so mit Schneewehen verbarrikadiert, daß diese bisweilen den Aus- und Eingang nur nach äußerst mühsamem Wegschaufeln gestatteten. Dabei fühlte sich eine Anzahl armer Familien genötigt, die Kinder zum Bettelgange anzuhalten. Daß das Schulhalten unter solchen Umständen sehr erschwert und die „geistliche“ Seelsorge wegen der öfter unmöglichen Filialgänge unzureichend blieb, war selbverständlich. Die Rhönführer Spiess und Schneider schildern die Zustände Frankenheims noch etwas schärfer, was der Voksmund und oft liebloser Wiss, desselben gern anekdotisch zu. machen suchte. Es ist nunmehr viel anders, besser und schöner geworden!! Besonders die unausgesetzte Fürsorge des (im Januar 1901) verstorbenen Großherzogs Carl Alexander von Weimar und seiner ebenso hochherzigen Gemahlin Sophie († 23. März 1897) haben in größtem Maße dem Dorfe Frankenheim das seit 2 Jahren mit Birx in den Amtsgerichts- und Ephoriebez. Ostheim gehört, aufgehoIfen, wovon auch der kleinere südliche Nachbarort nicht ohne Anteil geblieben ist. Anstatt der vorher einstöckigen Schule hat Fr. jetzt 2 Schulhäuser, statt des alten hölzernen Kirchleins ist in schönem Styl ein massives, geräumiges, das Dorf prächtig überragendes Gotteshaus erbauet worden; und nachdem wurde neuerdings ein Gemeinde-Pflegehaus (Carolinenheim) auch durch die Gunst des Landesherrn gegründet. Der früher äußerst dürftige Ackerbau (fast nur Kartoffeln und Hafer liefernd), gedeiht jetzt mehr, Fohlen- u. andere Viehweide bestand von jeher. Peitschenstielfabrikation wirft größern Gewinn ab. F. ist 5 Std. vom Marktflecken Dermbach entfernt, von Kaltennordheim 2½ Std., von Ostheim ebensoweit) Für Frühjahr bis in die Herbstferien hinein wird dieser Rhönstrich von Touristen gern aufgesucht; die Forstverwaltung tut auch viel, um Pfade und Wege bequem zu machen, und die Postverbindung ist ganz ausreichend. – Spieß schreibt: Im 30jähr. Krieg’ wurden die Frankenheimer arg drangsalirt, glichen einer Heerde, die eines Hirten entbehrte.

Fladungen (786 Einw., an der Streu, bayer. Städtchen, mit einer Mauer u. alten Türmen; 799 von Frichero dem Kloster Fulda geschenkt; nach 1218 kam es an Würzburg, 1468 war es an Otto lV. von Henneberg verpfändet, 1474 wieder eingelöst. 1514 starben die Freiherrn von Fladungen aus. 1637 großer Brand; 1826 wurde das ehemal. Landgericht aufgehoben. Über dem Orte südöstl. steht die Gangolfskapelle. Von diesem Punkte schöne Aussicht; ½ Std. südwestl. entfernt liegt das Dorf Hausen mit dem Aschelbach, der bei jenseitigem Dorfe Heufurt zur Streu geht; westl. von Hausen, südöstl. vom schwarzen Moor ist der „Eisgraben“, aus welchem der Aschelbach herab fließt. Vom bayer. und kathol. Dorfe Hausen nordwestl. 20 Min. auf dem Rhönabhange, ist Rüdenschwinden, mit einer Seitenquelle z. Leubach; südl. ½ St. von Hausen liegt Dorf Roth am Fuß der „Rother Kuppe“; auf derselben ein 4eckiger Turm mit Zimmer und Plattform, vom Rhönklub erbauet. Die Aussicht erstreckt siech hier von N. nach O. herum auf Stellberg, Altmark, Thüringerwald, Steigerwald, Salzburg, Veste Coburg u. a. m. – Unter der Rother Kuppe entfpringt die „Roth“, verschwindet aber am Ende des Orts, und tritt im weim. Dorfe Stetten in mehreren Quellen strudelnd wieder hervor als Stättebach. Der Volkswitz singt: „in Stetten hängt der Br.-Löffel an der Ketten“; das nette Dorf liegt östl. am Fuße des Weilers Hillenberg (Ruine Hildenburg, 675 m); vergl. Heft III S. 59-62). Stetten, urkundlich 838 Stetihaha, 1030 Thetton juxta fluvium Streva); 1846 berichtet das weim. Staatshandbuch: Unweit davon ein guter Sandsteinbruch und ein in Ansehung des Wuchses seltener Eichenwald. (I. 18). – ¾ Stdch. südl. davon führt der Feldweg durch fruchtbare Obst- und Getreide-Gewende nach dem weim. evangel. Urspringen (820 Urespringen) am Ursprung des Flüßchens Bahre, dessen reine kräftige Brunnquelle aus dem felsigen Pfarrhaushügel herausfließt, nach 6 Minuten schon die Dorfmühle und weiter unten zwei andere in Trieb setzt. Das Dorf hat ergiebige Huth- und Stall-Viehwirtschaft, 1 freundl. gelegenes Schulhaus, seit mehreren Jahren daneben gelegenen Lehrsaal und eine neue im germanischen Styl erbaute vom Friedhof umringte, nordöstl. weit hinaus sichtbare Kirche; (1842 fiel die alte in Asche). – Von Urspringen nordöstl. in ¼ Std. treten wir frisch in das größere, auch weim. evangel. Sondheim (vor der Rhön) mit dem zu alter Zeit der Gauverfassung wichtig gewesenem Centberge oder Osterberg; ehedem Suntheim im Gau „Baringe“, 814. (vergl. Heft I. S. 6, 8, III. 59), früher Marktflecken an der Bahre, die aus Urspringen kommt und unter Sondheim den Stättebach aufnimmt; der Ort Sondheim hatte 7 Jahr-, Roß- und Viehmärkte; besitzt geräumige, ältere Kirche, Pfarr’- und Schulhaus; hat 1846 nur 421 Einw. in 95 Häusern besessen, dabei 2 Mahl-, 1 Loh-, Schneide- und Walkmühle. Hierzu bestand a. das Freiherrlich’ v. Gebsattelsche Rappengut, b. der Würzburgische Frohnhof, c. das Gebsattel’sche Rittergut (welches 1840 bei dem großen Brande mit einer starken Anzahl bürgerlicher Häuser zu rasch in Asche fiel. – (1512 ist die alte Kirche durch Oelgart erbauet worden.)

Sondheim, d. i. Südheim (wie p. Kronfeld angiebt) kommt seit 789 als „villa“ in alten Urkunden oft vor (s. Heft I. S. 76). Sondheim war Sitz eines Zentgerichts und gehörte zu den Besitzungen der Grafen von Henneberg. Kloster Fulda und Bistum Würzburg bekamen viele Schenkungen, letzteres besaß die Herrschaft darüber 1230 bis 1435, kam dann »aber wieder an Henneberg. Ein größeres Gut besaßen da bis 1372 die Herren von Waltershausen (im „Grabfeld“) – lt. „Sprengseyssen“ -, nun kaufte es Chiso v. Stein für 360 Pfd. Heller; dann kam die Besitzung an die Herrn v. Schafhausen, dann an die von Vasant; das sogenannte Rappengut besaß ein Caspar Rapp, der aber Sondheim verließ, weil er von seinem Fenster aus 1582 einen Ortseinwohner erschossen hatte etc. – Bis zum großen Brande war S. mit einer Mauer umgeben, durch welche 2 Thore führten, die wie anderwärts abend 10 abgeschlossen und am Bußtage gar nicht geöffnet wurden, Sonn- und Festtags blieben sie bis nach dem Gottesdienst geschlossen. – 1851 kaufte ein Jude die von Gebsattel’schen Besitzungen, der dann Äcker und Gebäude einzeln verstrich; den Frohnhof kaufte 1867 die Gemeinde. Es gab früher in S. an 30 Gerbereien; (n. Kronfeld).[2] 1635 litt S. sehr durch eine Pest!

Über Sondheim vor der Rhön hat Pfr. Binder eine sehr ausführliche Chronik geschrieben, gedruckt in Wien bei Braumüller 1884, die, wie uns versichert wurde, in den Händen verschiedener Nachbarn von Sondheim noch aufbewahrt und somit von Andern zu lesen ist, was wir hierdurch empfehlen.

Zwischen Sondheim und Nordheim v. d. Rh., südwestl. vor diesem geht der Stättebach zur Streu. Bevor wir aber das letztere marktberechtigte katholische Pfarrdorf etwas mehr besprechen, müssen wir die von links der Oberstreu zu derselben sich sammelnden Quellen aufsuchen, also die Gewässer ans den Fluren Brüchs, Weimarschmieden, Sands, Filken, Willmars, Völkershausen, Eussenhausen und Mühlfeld, welche alle südwärts zur Spreu gehen.

Von Brüchs, in dessen Nähe noch Spuren einer „Schwedenschanze“ sich finden lassen, gehts ziemlich steil herab nach Stadtfladungen. Aus der Umgebung des rhönartigen Dörfchens B. tritt eine schwache Quelle, die Linz zutage, die zu dem kleinen Walddorfe Sands fließt und dann unterhalb dessen ¾ Std. von Norden her den Reinhardsbach aufnimmt, der aus 2 Quellchen in der Flur Weimarschmieden sich gebildet hat und nahe beim Oekonomiegut Reinhardshof – schön von Laubwald umsäumt -, vorüberrieselt. Dorf Sands hat gegen 35 Häuser, ein neues Schulhaus und ein einfaches aber genügendes Kirchlein; ist Filial von Unter-Filken![3]

Weimarschmieden (Wibrechts-Wymarsmyden), herkömmlich in Vorder- und Hinterweimarschmieden geschieden, – zum Hintergerichte des Amtes Lichtenberg („im Tullifeld“) gehörig gewesen, jetzt bayrisch an der Sachs. Weimarer Landesgrenze, soll ehedem ein Dieb’s- und Hehlernest – von Pächtern, Jägern, Wirten und Juden bewohnt – gewesen sein. Die Weimarschmieder mußten vormals der Cent Kaltensundheim den Huldigungseid leisten. – (vergl. II. S. 83). 1800 kaufte der Ostheimer Amtmann Thon das Herrschaftsgut für 36500 Gulden. 1840 wurde ganz Weimarschmieden bayrisch. (s. S. 31, 32.) (u. v. Schultes, Spieß u. Binder) – Von Weimarschmieden bis „in die Filke“ d. h. Dorf Ober- und Unter-Filken, sinds ¾ Stund; vom letzteren Dörfchen ½ Std. westlich ab vereinigt sich der Reinhardsbach, oder auch Schlürpf genannt, mit der Linz und bekommt nun das Doppelgewässer den eigentlichen Bachnamen die Sulz; (nicht Solz, vergl. II. S. 103, und auch nicht Sulz od. Sülzbach bei Henneberg u. Sülzfeld). – Von der Weimarischen Landesgrenze ½ Std. südöstl. entfernt hebt sich (498 m) der Büchelberg; nordöstlich an ihm entquillt der Schmerbach – bei dem Weiler gleiches Namens (die Schmerbach, „Schmerwich“); meiningisch mit 6 Häusern, ohne Schule u. Kirche; nach Hutsberg (Heftenhof) eingeschult, nach Bettenhausen eingepfarrt; waldeinsam und eben gelegen, war 1600 noch Wüstung; jetzt ergiebiger Oekonomiehof und altbekannte Ziegelei. Der Schmerbach schlängelt südlich an Ober- und Unter-Filken hinab, zwischen diesen kleinen Ortschaften an einem Teiche („alten See“) vorüber; ziemlich still, aber romantisch erscheint „die Filke“. Bayrisch sind diese Dörfchen, evangelisch, haben anmutige Häuser, eine gemeinsame Kirche und Schule, in Unterfilke ist die Pfarrei; zur Parochie gehören Sands, Weimarschmieden und Reinhardshof. Südöstl. von Oberfilken ist die Ruine „Mauerschädel“ und (wie Spieß meldet) die Ruine „Bischofs“. – Von Unterfilken siidwestl., oberhalb der Grundmühle kommt von rechts auch ein Zuflüßchen (mit Teich) in die Sulz, und bei der Birksmühle geht der Schmerbach in dieselbe; östlich, jenseits des Schmerbachs steht eine große Ziegelei, und südlich dabei an der stärker gewordenen Sulz gelangt man zu dem bedeutenderen Dorfe Willmars, westlich vom 470 m hohen Lappberg, aber tief im Grunde. Der Ort ist bayrisch, evangelisch Pfarrdorf, Amts Mellrichstadt (2 Std.), hat gegen 130 Häuser, 1 Rittergut und starke israelitische Gemeinde; war früher Meiningisch. Bei Willmars empfängt die Sulz noch ein kleines Wasser, das (vou der Rhön aus westsüdwestl. – sagt p. Spieß) von Neustädtles (s. III. S. 62) kommt. Dieser Ort ist bayrisch, evangelisch, hat 61 Häuser und ein gräflich von Soden’sches Rittergut. – Nachdem die Sulz, welche mit ihren Nebenbächen gar liebliche waldeinsame Vorgebirgsgründchen bildet, den ganzen Ostfuß des Schloßbergs umgeht, führt sie nach 2½ stündigem Laufe – zur Streu.

Von dem vorhin genannten ehemal. „Rittergut“ Neustädtles eine Stunde lang über Berge und durch Waldung nordwestl. schreitend, halten wir am Ostgelände der Streupartie Fladungen-Heufurt eine Ausschau in den Ober-Baringau, die wirklich reizend ist; das bayr. kathol. Dorf Heufurt selbst, (300 E.) hebt sich mit seiner freundlich gelegenen Kirche und Schule, den Ort überragend, von üppigem Laubwald im Rücken geschützt, über Chaussee und Eisenbahn; 10 Min. später ist der Aschelbach mit 2 später von Westen eintretenden Flurquellen in die Streu gemündet. Nachdem man links dieses Flusses, kaum 30 Min. v. Heufurt, den nach Nordheim hin sich dehnenden Calvarienberg (Golgathaweg) – Kapelle mit Stationen – still vorübergezogeu und rechts eine „Streumühle“ passiert ist, sind wir wieder in Nordheim; (vergl. III. S. 5-8, 62 u. 65.).

Völkershausen[4] bei Henneberg gehört ja nicht zum Tullifeld, (wie überhaupt auch der Baringau doch nur teilweise davon eingeschlossen ist), aber ein ziemlich starker Bach mündet von dort in südwestl. Richtung links zur Streu, von 400 m zu 300 m fallend. Östlich von Stadt Ostheim, etwa ¾ Wegstunde liegt „im Streutale der alte bayrische Ort Stockheim; vor dem Orte (mit über 800 E.) ist ein großes Holzsägewerk in Betrieb; links steht eine kleine Kapelle, im Dorfe eine restaurierte romantische Kirche; 779 zum Stifte Fulda gehörig“ (n. Dr. Schneider.).

Aus der Flur Eussenhausen (½ St. nordöstl. v. Stockheim) ist kein wesentlicher Zufluß zur Streu bemerkbar; hingegen in gleicher Entfernung südöstl. von da kommt vom Dorfe Mühlfeld zw. dem „Galgen“ und Reinhardsberg (v. 843 m) der bedeutendere Mühlbach in das Weichbild der (von uns schon Heft I. S. 9. 11. Heft II. S. 4. 15. Heft III. S. 64 erwähnten) „Stadt Mellrichstadt, urspr. Madalrichstreva, mit über 2000 Einwohner, alte bayr. Stadt, Bezirksamt, ehem. Centgericht; große kath. Kirche, Stadtmauer mit alten Türmen. Im Bauernkriege 1525 ließ Bischof Konrad von Würzburg die Anführer der Bauern (darunter den Stadtpfarrer von Kissingen) hinrichten.“ – Von Ostheim bis Mellrichstadt südöstl. in gerader Distanz kann man die Strecke zu Fuß in 1½ Std. zurücklegen. Das Gefälle der Streu von der Hauptquelle (740 m bis ab zu 300 m) ist auf den Lauf derselben von 5 Std. bis Mellrichstadt ziemlich stark, und hier bildet sich nun ein Hauptbecken derselben durch den nordwestl. herkommenden Eintritt des Elzbachs, südl. vom „Hochpolster“ (880 m) bis Dorf Unsleben an der Oberstreu, (250 m). So leicht auch der Abstieg demnach fiir uns wäre, so anmutig die Flurgelände und die Wiesengründche Waldbehrungen, Bastheim, Frickenhausen und Kloster Wechterswinkel in diesem bayr. Unterfranken sind, gehen wir nun doch etwas rascher zu dem Abschluß unserer Quellensuche, aus dem berechtigten Grunde, weil einesteils das Elzbachsgebiet der östlichen Vorrhön angehört und zugleich das eigentliche Tullifeld weniger einschließt. – Aus 2 Hauptquellen fließt der Elzbach zunächst von der Rhön mit kleinern Zugängen nach den schönen Dörfern Ober- u. Unterelzbach und dann, die vorgenannten Ortschaften mehr und weniger berührend, westl. am Dachs-, Grassel- und Spielberg herab in etwa 4 Wegstunden. –

Beendigt sei die Tull’felds-Wasserreise!

Freundliche Meinung!

Was ich nach Höh’n und Gründen suchte
Und für die Heimat gern hier buchte,
Das, – möge es recht viel geschehen –
Such du nun in Natur zu sehen!!
»Der Herr des Himmels,und der Erden«
Ließ gleich bei Bergen Täler werden,
Und’s Wasser, durch Luft klar geworden,
Drang durch der Berge Felsenpforten. –

Indeß so ruhig Berg mit Berg die bunten Täler fest umschließen,
Sich ruhlos doch hell Quell’ mit Quell’ zu Bach, zu Fluß und See ergießen.
Nun steige Du aufwärts mit Lust,
Abwärts viel ruh’ger in der Brust!

Behütet Gott die Heimat Dir
Und deutsches Vaterland,
Dann hüt’ Dich vor der Habsucht Gier,
Sei treu in deinem Stand!!

Hatten wir uns nicht bereits fast übergenug über die im Tullifeld vorkommenden Ortschaften – nach topographischer Richtung ausgesprochen, dürfte es nicht uninteressant sein, eine „Kreuz- und Querreise“ durch diesen Teil der Rhöngegend z. B. eine Wanderung von „Bach- zu Bachs-„ und eine von „Hausen- zu Hausen“-Orten, d. h. zu solchen, deren Namensendsilben gleich sind, anzustellen. Sei aber doch kurz angegeben, daß man an der Hand von Speciallandkarten im Tullifeld leicht a. 49 Ortschaften mit der Endsilbe „hausen“, b. 34 Ortschaften mit der Endsilbe „bach“, auffinden« kann (vergl. Heft III. S. 67 Fußnote 2**); so giebts auch c. im „Tullifeld“ 12 Ortschaftsnamen mit der Endung „feld“, d. 19 mit „heim“, e. 10 mit „ers“ f. 9 mit „roda“, g. nur 6 mit „born“, h. 6 mit „dorf“, i. 6 mit „ungen“, k. 6 mit „ar“, I. 5 mit „roth“, m. 2 mit „ritz“, n. 1 mit „leben“ und 11 mit nur einsilbigen Namen.

Seltsam ist’s aber auch, daß der Gau in seinen Grenzen wie in sich selbst besonders von Feldern eingeschlossen ist z. B. vom Grabfeld, Dammersfeld, Fohlefeld, Gersfeld, Hünfeld, Hersfeld, Treischfeld u. a.

[1] Das größere Frankenheim vor oder in der Rhön liegt bei Stadt Bischofsheim, nicht weit von Ruine Osterburg.

[2] Die große Wüstung Altefeld auf der Rhön teilten die Gemeinden Sondh. u. Urspg.; 1435 bestand dieses alte Dorf noch.

[3] Zwischen Brüchs, Weimarschmieden, Sands und Stadtfladungen zog sich vor Zeiten die vielbenutzte, zu 496 m üb. S. gelegene „Hohe-Landstraße“ bis Ostheim; 1¼ Std. ostw. vonBrüchs, durch Wald u. Feld an dem Weiler Schmerbach nach Willmars ist (n. preuß. Karte von 1881) die „Dreckstraße“.

[4] Vergl. Heft III. S. 63-65. – Es liegt ein anderes Völkershausen, wie Heft III. S. 41-42 bem., im Norden der Rhön u. ein drittes (wie v. Schultes angiebt) im würzburgischen Gebiete zwischen Münnerstadt u. Schweinfurt, im Südosten der Rhön.


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