Georg Friedrich Händel: Ombra mai fu (Orgelfassung)

Die als „Das Largo“ bekannte Arie aus der Oper „Xerxes“ habe ich mit Samples der Riegerorgel im Großen Saal des Konzerthauses Wien (Vienna Konzerthaus Organ) eingespielt.

Händel schrieb seine Oratorien- und Opernarien in London zu einem nicht unwesentlichen Teil für hohe Männerstimmen, und zwar einerseits für italienische Kastraten (d. h. Sänger, die durch die Kastration im Kindesalter ihre Sopran- bzw. Altstimme behalten hatten), andererseits für englische Countertenöre, d. h. Baritonstimmen, die falsettierend die Lage eines Alts oder Mezzosoprans bewältigten. Die Kastraten beherrschten Händels Londoner Opernaufführungen, die Countertenöre fanden in seinen Oratorien ein eigenes Wirkungsfeld.
Der Schritt zum berühmten Largo aus der Oper Xerxes – 1738, im selben Jahr wie Saul, komponiert – war nur klein, führte für Händel aber über die Starallüren des Kastraten Cafarelli, der zu den berühmt-berüchtigten Exemplaren seiner Zunft gehörte.
Für Cafarelli war der eitle Perserkönig Xerxes sozusagen die perfekte Rolle: Zu Beginn der Oper gibt er sich noch selbstzufrieden der schattigen Schönheit der Natur hin, bevor er zur Jagd auf eine viel leiblichere Schöne – die Verlobte seines Bruders – ansetzt und damit die turbulente Handlung in Gang bringt. Den Moment der Ruhe vor den Liebesstürmen nutzte Händel, um seine berühmteste Melodie zu schreiben – nicht ohne ausgiebig Gebrauch von einer Arie zu machen, die der Italiener Bononcini 40 Jahre früher in Rom über denselben Text komponiert hatte.
Händel gab seiner Version übrigens die Tempovorschrift Larghetto, nicht Largo. Es ist eine Ironie der Geschichte, dass das Stück als “Largo” berühmt wurde. [Quelle)

Der Text der Arie erklärt, weshalb im Video Wanderer unter der alten Platane im Kloster Pforta entspannt abhängen:

Italienisch:

Ombra mai fu
Di vegetabile
Cara ed amabile
Soave più

 
Cara ed amabile
Ombra mai fu
Di vegetabile
Cara ed amabile
Soave più
Soave più
 
Ombra mai fu
Di vegetabile
Cara ed amabile
Soave più
 
Cara ed amabile
Ombra mai fu
Di vegetabile
Cara ed amabile
Soave più
Soave più

Deutsch:

Nie war der Schatten
einer Pflanze,
lieblicher und angenehmer,
süßer.

 
Schöne wachsende Smaragde,
Blätter zart und schön,
lästige Plagen
durch Wirbelwinde und Stürme
mögen euch nie den süßen Frieden trüben,
und auch der gierige Südwind möge euch niemals entweihen.
 
Nie soll mit grober Axt
ein schimpflicher Grobian
einen belaubten Zweig abhacken.
Und wenn er doch geschnitten würde,
soll doch einer bleiben, in einen Pfeil verwandelt
möge ihn Diana abschießen oder der blinde Gott.
 
Nie war der Schatten
einer Pflanze,
lieblicher und angenehmer,
süßer.
 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

drei × drei =