G. F. Händel: Orgelkonzerte, bearbeitet für Orgel solo

Eine YouTube-Playlist aller zwölf Orgelkonzerte op. 5 und op. 7:

Bearbeitet für Orgel solo und in zwei Ausgaben herausgegeben von Clément Loret:

  • 6 Concertos pour orgue et orchestre de G. F. Hændel, (Op. 4) für Orgel alleine arrangiert und mit Points d’Orgue (Kadenzen) ergänzt.
  • 6 Concertos pour orgue et orchestre de G. F. Hændel, (Op. 7) für Orgel alleine arrangiert und mit Points d’Orgue (Kadenzen) ergänzt.

Diese Orgelkonzerte, von G. F. Händel für Orgel und Orchester komponiert, habe ich mit Samples der Riegerorgel im Großen Saal des Konzerthauses Wien (Vienna Konzerthaus Organ) eingespielt.

Neben den Concerti grossi behaupten Händels Orgelkonzerte unter seinen Instrumentalwerken den höchsten Rang. Sie stehen einerseits dem Concerto grosso nahe, nämlich insofern, als man den Solopart der Orgelkonzerte dem Concertino in den Orchesterkonzerten durchaus gleichsetzen kann; denn auch der Orgelpart hat das Tutti des Gesamtorchesters zum musikalischen Gegenspieler. Andererseits knüpfen sich auch gewisse Verbindungsfäden zum Soloinstrumentalkonzert der Italiener; kann es doch keinem Zweifel unterliegen, daß Händel schon in jungen Jahren auf seiner Studienfahrt die Solo-Violinkonzerte, wie sie insbesondere durch Tommaso Albinoni und Giuseppe Torelli geschaffen worden waren, an der Quelle studierte und sich mit Begeisterung zu eigen machte (aus Händels Jugendzeit ist auch ein interessantes dreisätziges Violinkonzert in B-Dur erhalten). So ist denn die Ansicht wohlberechtigt, daß es für Händel als Orgelspieler nahegelegen habe, der Orgel als Soloinstrument ähnliche Aufgaben zu stellen, wie dies seitens der Meister Albinoni und Torelli für die Solo-Violine geschehen war. Händel schrieb seine Orgelkonzerte zumeist im Sinne von Zwischenaktmusiken für seine Oratorienaufführungen. Als Händel Orgelkonzerte zu komponieren begann (sein erstes Orgelkonzert erklang 1735), war die italienische Orgel — eine einmanualige Orgel, genauer gesagt, ein einmanualiges Positiv, dem ein selbständiges Pedal fehlte — sein Ideal geworden. Demgemäß ist Händels Orgelklang bar jeder polyphonen Verhäkelung; sein Orgelstil ist schlank und elegant, er vermeidet nahezu jede stärkere Kraftentfaltung. Durch Händel wurde dieser Orgelklang nach England übertragen.

Die wichtigsten Orgelkonzerte sind in zwei Sammlungen mit jeweils sechs Stücken überliefert: Opus 4 (HWV 289-294) und Opus 7 (HWV 306-311):

Alle 1735/36 entstandenen Concerti aus op. 4 sind dreisätzig. Am bekanntesten daraus sind Nr. 1 in g-moll, Nr. 2 in B-dur und Nr. 4 in F-dur, das am häufigsten gespielte Konzert, das für das große Orgelsolo des zweiten Satzes genaue Registriervorschriften enthält. Das sechste Konzert in B-dur war ursprünglich ein Harfenkonzert, komponiert als Zwischenaktmusik für das Alexanderfest (1736).
Die bedeutendste Sammlung ist Opus 7. Ihre Konzerte entstanden 1740 bis 1751, erschienen aber im Druck erst 1761, also nach Händels Tod. In ihnen zielt Händel auf größeres Format als in op. 4 und integriert gleichzeitig (ähnlich wie in den Concerti grossi op. 6) die Tanztypen der Suite. Das erste Konzert in B-dur mit einer pompösen Passacaglia als Einleitungssatz und einer Bourrée als letzten, fordert als einziges ein obligates Orgelpedal. Konzert Nr. 3, das ganz auf den konzertanten Wechsel der beiden Klangkörper konzipiert ist, glänzt mit einem mitreißenden Fugato im zweiten Satz. Der erste Satz des vierten Konzerts in d-moll scheint mit einem veritablen ‚Sturm-und-Drang‘-Melos die Grenzen barocker Affekte zu überschreiten. Das fünfte Konzert in g-moll enthält eine Passacaglia mit fünfzehn Veränderungen, ein später Bezug zur alten Variationssuite.

Überblickt man die Sammlungen der Orgelkonzerte, so ist man zunächst überrascht von dem festlichen Glanz, der über diese Musik gebreitet ist. Bei näherem Zusehen wird man sogar gewahr, dass jenen Händelschen Schöpfungen eine kirchenmusikalische Tendenz, die man früher wohl in ihnen sah, völlig fernliegt. Denn diese durch harmonische Feinheiten, motivische Arbeit und Eleganz der Faktur ausgezeichneten Orgelkonzerte sind fast ausschließlich für den Festsaal bestimmt, darum auch (für den Solisten!) improvisierend angelegt, stilistisch von strenger Polyphonie ferngehalten. Rein musikalisch fallt an diesen Werken auf, dass von den 12 Orgelkonzerten die überwiegende Mehrzahl in B-Tonarten geschrieben ist; allein drei von diesen Werken stehen in g-Moll. In architektonischem Sinne sind besonders interessant jene gelegentlich vorkommenden, rezitativisch untermischten Adagio-Einleitungen, so vor allem in op. 4 Nr. 2 und op. 7 Nr. 4. Überhaupt offenbart sich zwischen den beiden Hauptsammlungen op. 4 und op. 7 ein gewichtiger musikalischer Unterschied. Die Orgelkonzerte op. 4 verraten bei blühender Melodieentfaltung und genialer Freizügigkeit in der Gestaltung des Ganzen einen mehr volkstümlichen Einschlag, während den »Alterswerken« op. 7 kunstvollerer Aufbau mit geistvolleren Verknüpfungen eigen ist.

Das erste Konzert von op. 7 in B-Dur zeigt Händel in der großen Tradition der einstmals von England ausgegangenen Variationskunst, die hier als improvisatorisch frei behandelte Passacaglia geboten wird. d.h. über einem gleichbleibenden (ostinaten) Bassthema immer neue Gebilde variationenartig erscheinen lässt, Auch im zweiten Satz wird diese Variationstechnik fortgesetzt. Das Finale ist ein volkstümlich-kräftiger von Humor belebter Tanzsatz.
Das in Ouvertürenform gehaltene, dreisätzige A-Dur Konzert (Op.7 Nr.2) mischt im Allegero freie Fantasie mit kontrapunktischer Gestaltung in Form eines Doppelfugatos. In dem fröhlichen letzten Satz bringen reizende Pastoralepisoden wirksamen Stimmungswechsel.
Ebenso dreisätzig ist das dritte Konzert in B-Dur, das in beweglicher Thematik und effektvoller Rhythmik einen leichten Ton anschlägt und sich bedeutsam dem vorklassichen Stilbereich nähert, ebenso wie das fünfte Konzert in g-moll schon auf Haydnsche Sinfoniethematik hinweist, es enthält eine Passacaglia mit fünfzehn Veränderungen, ein weiterer später Bezug zur alten Variationensuite. .
Die besondere Eigenart des vierten Konzerts in d-moll liegt in der erfindungsreichen, aus dunklem Klangkolorit allmählich in hellere Regionen sich erhebenden Einleitung, die im Keim bereits Beethovens Rezitationsmonologe andeutet. Das Finale dieses mit Improvisationen besonders reich ausgestatteten Konzerts hat Händel aus seiner d-moll-Cembalosuite herüber genommen.

unter Benutzung von Artikeln von:
Walter Serauky
und
Klaus Peter Richter

Spezielle Informationen über einige Orgelkonzerte Händels findest du unter den Links zu meinen Einspielungen dieser Konzert für Orgel und Orchester:

Eine dritte Sammlung (HWV 295-300) enthält nur Bearbeitungen teils eigener, teils fremder Werke. Auch diese Konzerte gehören in den Bereich des italienischen Concerto grosso. Allerdings wird hier das ‚Solo‘ des Concertino von der Orgel bestritten, die Violine also ganz durch das Tasteninstrument ersetzt, ähnlich wie in Bachs Cembalokonzerten. Das ist neu gegenüber Vivaldi, der zwar als erster die Orgel als Obligato-Instrument in seinen Konzerten verwendet, ihr aber nur die Rolle eines Dialogpartners mit der Solovioline im Concertino einräumt.

Das 1740 erschienene Orgelkonzert Nr. 13 F-Dur (HWV 295) trägt den Beinamen „Der Kuckuck und die Nachtigall“ – nach zwei prägnanten Motiven im zweiten Satz. Die Rahmensätze entstammen Händels eigener Sonate für 2 Violinen und Basso continuo, op. 5 Nr. 6, HWV 401.

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2 Kommentare

  • ich stimme ihnen in allem zu, und ich bin gespannt , wenn Sie opus 7,1 einspielen, das ist mein absolutes Lieblingskonzert, ich spiele e ssehr oft in meinen Konzerten

    • Mir ist die Bearbeitung der Orgelkonzerte von Händel für Orgel solo von Loret erst bekannt geworden, als ich nach einer Bearbeitung der Passacaglia von op. 7 Nr. 5 für Orgel solo suchte. Ich habe vor einiger Zeit die Fassung für Orgel und Orchester von op. 7 Nr. 1 eingespielt. Ich finde, dass dieses Orgelkonzert den Höhepunkt der Orgelkonzert Händels darstellt und bin selber gespannt auf die Bearbeitung von Loret für Orgel solo.

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