François Couperin: Les Fastes de la Grande et Ancienne Mxnxstrxndxsx

Les Fastes de la Grande und Ancienne Ménestrandise
(zu deutsch: Die Annalen der großen und ehrwürdigen Zunft der Minnesänger)

Das Cembalo: English Harpsichord – Edition Beurmann

Dass Couperin die eigentliche Bezeichnung Ménestrandise im Titel seiner musikalischen Satire dieser Zunft durch „Mxnxstrxndxsx“ ersetzt, soll ausdrücken, dass er den Namen der Pariser Zunft der Minnesänger, der „Confrérie de St. Julien-des-Ménétriers“ (kurz „Ménestrandise“), für unaussprechlich und unschreibbar hält. Zu Couperins Zeit gab es eine Kontroverse über die Autorität der Ménestrandise über die Musiker des königlichen Hofes und der Kirchen. Couperin schildert seine Ansichten über diese Zunft in einer entzückenden kleinen Suite, einem Drama in fünf Akten. Seine Titel und die Bemerkungen in der Partitur erzählen die Geschichte:

Beginn bei
min:sec
Titel, Beschreibung sowie Maler und Titel des von mir ausgewählten Bildes
00:09 Premier Acte.
Les Notables und Jurés-Ménéstrandeurs, Marche, Sans Lenteur
(erster Akt: die Notabeln und die Jury der Zunft, Marsch, nicht langsam).


Georges de La Tour: Die Schlägerei der Musiker

01:38 Second Acte.
Les Viéleux, et les Gueux, Premier Air de Viéle with Bourdon, Second Air de Viéle
(zweiter Akt: die Drehleierspieler und die Bettler, erster Vers für Drehleier mit Bourdonsaiten, zweiter Vers für Drehleier)


1. Jan Miense Molenaer: Jugendliche Musikanten; 2. Anonym: Straßenmusikanten, Drehleierspieler und Trommler 17Jh; 3. Georges de La Tour: Drehleierspieler

03:07 Troisième Acte.
Les Jongleurs, Sauteurs, et Saltinbanques, avec les Ours et les Singes
(dritter Akt: Jongleure, Springer und Seiltänzer, mit Bären und Affen) 


Friedrich Preller der Ältere: Bärenführer

04:04 Quatrième Acte.
Les Invalides, ou gens Estropés au service de la grande Ménéstrandise; Les Disloqués, Les Boiteux
(vierter Akt: Die Invaliden, oder die im Dienst der großen Ménéstrandise verkrüppelten; Schlangenmenschen [rechte Hand]; die Lahmen [linke Hand]) 


Pieter Bruegel der Ältere: Der Blindensturz

06:10 Cinquième Acte.
Désordre et déroute de la troupe, causés de les Yvrognes, les Singes, et les Ours, tres vîte; les béquilles
(fünfter Akt: Verwirrung und Niederlage der ganzen Truppe, verursacht durch die Trunkenbolde, die Affen und die Bären, sehr schnell; die Krücken [linke Hand, gegen Ende] )


„Die Musikantenhölle“, Ausschnitt aus dem Tryptichon „Der Garten der Lüste“, rechter Flügel, von Hieronymus Bosch

Der historische Hintergrund:

Die Ménestrandise war Französische Zunft bzw. Bruderschaft von Musikern, Narren und Minnesängern. Sie wurde am 14. September 1321 in Paris gegründet, 1407 und 1659 durch Statuten bestätigt und bestand bis 1776. Sie beanspruchte die Kontrolle über die gesamte öffentliche Instrumentalmusik, insbesondere „tanzende Meister und Spieler der hohen und niedrigen Instrumente und der Oboen“ von Paris. 1660 erklärten die Tanzmeister ihre Unabhängigkeit von der Confrérie und gründeten 1661 ihre eigene Académie Royale de Danse. Ende des 17. Jahrhunderts versuchte die Confrérie „Komponisten, Organisten und Meister des Cembalos“ in ihre Zunft einzubinden. Aber die fraglichen Komponisten, Organisten und Cembalomeister (von denen viele gleichzeitig in alle drei Kategorien fallen) hatten bereits eine erfolgreiche musikalische Laufbahn in den Kirchen und am Königshof beschritten. Sie hatten keine Lust mit Straßenmusikern in Verbindung gebracht zu werden. Die Angelegenheit wurde schließlich gelöst, als die Komponisten, Organisten und Cembalomeister Lebègue, Nivers, Buterne und François Couperin am 25. Juni 1707 mit königlicher Genehmigung ein Patent erhielten, das die Zuständigkeit der Confrérie aufhob. Wir können uns vorstellen, dass Couperin sein kleines Musikdrama komponiert haben könnte, um den Sieg zu feiern. [Quelle:  „Les Fastes de la Grande et Ancienne Mxnxstrxndxsx“, Autor: John W. McCoy]

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