Emmanuel Chabrier: Rhapsodie España F-Dur (transkribiert für Orgel)

Ich habe dieses Werk von Emmanuel Chabrier (* 18. Januar 1841; † 13. September 1894) mit Samples der Riegerorgel des Konzerthauses Wien (Vienna Konzerthaus Organ) eingespielt.

komponiert: 1882/83 in Paris
Uraufführung: 4. November 1883 in Paris

Das ursprünglich für Klavier komponierte Werk ist das Ergebnis einer Spanienreise, die Chabrier zusammen mit seiner Frau 1882 unternahm. Begeistert von den dort gehörten Melodien, war Chabrier vor allem von den rhythmischen Elementen fasziniert. Zurückgekehrt nach Paris komponierte er die Rhapsodie in und orchestrierte auf Anraten seines Freundes Lamoureux die Klavierfassung. Die orchestrierte Fassung dirigierte Lamoureux bei der Uraufführung mit so großem Erfolg, daß das Werk nicht nur unmittelbar wiederholt werden mußte, sondern auch eine Da-Capo-Aufführung für den darauffolgenden Sonntag erzwungen wurde.
Die Themen der Rhapsodie sind nicht getreu den gehörten Vorbildern, aber der Stil ist spanischer Musik nachempfunden, und die Rhythmen sind spanischen Tänzen entlehnt, z.B. der Jota, einem Tanz im 3/4-Takt, und der Malagueña. Durch arpeggierende Harfenklänge, Pizzicati in den Streichern, Holzbläserklänge und durch Tamburinschläge soll der Zuhörer in der Einleitung auf das spanische Milieu, eine bunte Klangwelt, eingestimmt werden. Im weiteren Verlauf bestimmen fünf charakteristische thematische Motive die Struktur des Allegro con fuoco. Die Motive sind entweder ausgesprochen rhythmisch, wie z.B. das 1. und 4. Motiv, wohingegen die anderen durch ihren melodischen Gang gekennzeichnet sind. Die verschiedenen Motive korrespondieren miteinander, genauso aber skandiert das eine das andere. So wird z.B. dem 1. von Fagott und Trompete eingeführten Rhythmusmotiv ein durch Triolen bestimmtes Gesangsmotiv gegenübergestellt. Mit dem Motiv 4, wiederum durch einen markanten Rhythmus charakterisiert, korrespondieren die Motive 3 – ein vom Fagott in extremer Lage vorgetragenes lineares Thema – und das fünfte – ein breitangelegtes melodisches Thema. Die gesamte motivische Arbeit dient Chabrier dazu, den Eindruck einer farbigen, fröhlichen und südländischen Welt zu vermitteln, auch ohne daß ein spezielles Programm beigegeben wurde. Durch den programmatischen Titel wird die dem Werk immanente Idee doch deutlich, und es erscheint wie eine Antizipation des Boleros von Maurice Ravel.

Barbara Delcker
[Konold Wulf (Hrsg.): Lexikon Orchestermusik Romantik: Chabrier, Alexis Emanuel.
Schott’s Führer durch die Musikwelt, S. 5450]

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