Camille Saint-Saëns: Le rouet d’Omphale op. 31

Das Spinnrad der Omphale  
(Sinfonische Dichtung, Transkription für Orgel)

Eine altgriechische Sage, von Apollodoros erzählt, berichtet, dass Herakles nach Vollendung der ihm auferlegten zwölf Arbeiten, bei der lydischen Königin Omphale drei Jahre dient, und dort, in ihren Diensten, weibisch geworden, in Frauenkleidern widerwillig Wolle spann, während die Königin sich der Löwenhaut und der Keule, der Beute des Helden, bediente. Diesen Mythos erwählte sich der französische Musiker als Vorlage, er spricht seine künstlerischen Absichten in folgendem Vorwort zur Partitur aus:

Der Gegenstand dieses sinfonischen Gedichtes ist die weibliche Verführungskunst, der triumphierende Kampf der Schwachheit gegen die Kraft. Das Spinnrad ist nur ein Vorwand, gewählt alleine unter dem  Gesichtspunkte des Rhythmus und der allgemeinen Haltung des Stückes.

Durch das gesamte Tonbild schnurrt beständig, in rhythmischer Modifikation, das Spinnrad, während auf dieser Situationsgrundlage die seelischen Empfindungen des in schmachvollen Dienste sich demütigenden Helden tonlich ausgedrückt werden. Leichte, graziös gleitende Achtelfiguren deuten auf die Tätigkeit des Spinnens, ein chromatisch aufwärts drängendes Bassmotiv auf den Unmut des Helden. Sehrsinnfällig klingt aus den Flöten-Motiven der kichernde Spott der zuschauenden Mägde, und das innere Leiden des durch den Frauenwillen gebändigten, schwächlich Starken, lassen die klagend aufstrebenden, ausdrucksvoll gedehnten Melodieführungen der Bassstimmen zum Motiv  des sich drehenden Rades hindurch fühlen. Einmal scheint es, als ob der Held von seiner Schmach erlöst werde, da spannt ihn das übermütig spottende, helle Lachen der Königin von neuem in unmännliche Dienste. Und das Motiv des schnurrenden Rades behauptet sich, schwächer werdend, ungeachtet der immer eindringlicheren Klage des leidenden Herakles, bis es, zum Schluss des auf alle Fälle geistvollen sinfonischen Phantasiebildes, in nichts zerfließt.

Ich habe dieses Orgelwerk mit Samples der Rieger-Orgel im Konzerthaus Wiens eingespielt.

Literatur (Links zu PDF’s) über das Werk und den Charakter von Camille Saint-Saëns:

 

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