Das Gebiet der Ulster

Es erstreckt sich als Längstal nördlich von der ,,hohen“ Rhön aus; Spieß u. Schneider’s ,,Rhönführer“ bezeichnen die Ulster als Gegenfluß der Fulda; beide sind aber von Geburt aus freundliche Nachbarn, wennschon letztere außerhalb und erstere innerhalb des Tullifeldes sich befindet, wie auch der Ursprung der Els (Elzbach), ½ Stündchen östl. von der Ulster.

Von Wüstensachsen (neupreuß. Marktflecken, 600 m) ab ist man nach Süden hin in gut ½ Std. an der Ulsterquelle (850 m), nach Westen in 1 Stdch. an der FuldaquelIe (855 m); von dieser gelangt man südwärts in etwa 1 Std. nach dem neupreuß. Städtchen Gersfeld (500 m) s. I. S. 73.

,,Hohes Polster“ nordöstlich, ,,Schwabenhimmel« südl., das ,,rote Moor“, westl., umschließen die Wiege der Ulster; die eigentliche Wassermutter von Fulda, Ulstra und Els ist die von ihnen nordwestl. auf 950 m sich reckende Wasserknppe, der Gipfel ,,über alle Wipfel aller Rhön“, südl. vor sich den ,,Pferdekopf“.

An dem ,,Kesselrain im Höllental“, am Nordabhang des Schwabenhimmels, fließt die Ulster aus dem Goldbrunnen ab nach Wüstensachsen.[1] Wenn auch kürzeren Laufes als die Fulda ist sie doch regern Triebes als die Felda. Das sind die beiden Grenznachbarn der U.; jene im Westen, diese im Osten. Auf 12 Wegstunden etwa ergiebt sich für die Ulster bis zur Werra an 580 m Gefäll’. –

Von Wüstensachsen läuft die U., rechts und links schon von kleinern Quellen (sogenannten „Heerwasser“) vielfältig begrüßt, in ½ Stde. nach dem Dörfchen Melperts[2], am Ostfuß des Ehrenbergs; in ¼ St. tritt bei Seiferts das vom schwarzen Moor kommende ,,Pirxwasser“ (vom jetzigen Birx) zur Ulster. Im 9. Jahrh. schon kommt das weim. Dörfchen Birx als Percuhis vor. –

Nun können wir bequem in 1 starken Stunde über Dorf Thaiden (wo der Brandbach einmündet) und über Batten nach Hilders, [s. I. S. 72] einem schönen neupreuß. Marktflecken (mit Amtsgericht und einem alten Gefängnis aus 1565, der Pfarrkirche gegenüber) – gelangen. Am ,,Brandbach“, links der Ulster, trifft man stromaufwärts die Ortschaften Wickers, Brand, Dietges (vulgo ,,Dittes“ in Bechsteins Sagen) und verschiedene Weiler südlich unter der Milseburg. In alten Zeiten soll bei Dietges auch Schloß ,,Blittersdorf“ gestanden haben. Westlich von Hilders, ¼ St. unterhalb, geht das Eckweißbacher Wasser mit der Hauptquelle, dem Scheppenbach, von links zur Ulster. Ein anmutiger ,,Grund« zieht sich so von der Milseburg nach Liebhards, wo der Rauschenbach zutritt, bis zur Oberulster; „der Urgrund“ (vergl. III. S. 18).

Die Ulster (,,Olster“) die, wie schon angedeutet, an und für sich unruhigen Lauf hat, zeigte 1834 d. 26. Juli ganz schauerlich ihre Wut, da sie durch einen starken Wolkenbruch (vor dem schwarzen und roten Moor) so überfiillt wurde, daß von Birx bis Hilders und in dem Brand’ner Grund schreckliche Verwüstungen auf den Feldern und in den Ortschaften an den Gebäuden (in Hilders Brückensturz) geschah. Auch nach Osten hinab zum Streutal (in Leubach, Hausen, Fladungen) und nordwärts im Feldagrund, bis zur Ausmündung in die Werra, tobten die Schauerwogen; mehrere Menschenleben und viele Haustiere fanden in den Wellen schnellen Tod! (Als 10jähriger Bube ging ich einige Wochen später mit meinen Eltern auf die Rhön, – von Birx bis Thaiden und vom schwarzen Moor über Hausen nach Fladungen; mir schauderte es lange, die Zerstörungen gesehen zu haben!!) – Vergl. Heft III. 17 bis 19. – Eine halbe Stunde nördl. von Hilders bespült die Ulster den westl. Fuß der Ruine Auersberg.[3] Durch das Simmershäuserwasser, – zw. Auers- u. Staufelsberg -, das sich unterhalb Hilders von der Ulster ab und, nach Vereinigung mit der Weid und der Hundsbach bei Dippach-Herdaturm, in Wendershausen der U. wieder zuwendet, bekommt diese keine wesentl. Verstärkung; von Westen her hat sie inzwischen bei Lahrbach durch den ,,Habelgraben“ kleinen Zugang, und nun zieht sie stolz vor die Stadt und Schlösser Tann; – vergl. Heft I. S. 72 u. Heft III. 9 bis 13.) – Der Quellenzugang von Knotten- und Theobaldshof geschieht bei der „Hasenmühle“ in die Ulster.

Ein hübscher Spaziergang im Tale ist es, der uns links der U. n. Günthers und rechts, ziemlich ansteigend von Tann bald nach Schlitzenhausen (von 350 zu 450 m) führt; – Zugang von Quellen in diesem Gelände ist, selbst vorher vom Weiler ,,Meerschwinden“ fast ganz verschwindend. Nur erst zwischen Günthers und dem ¾ Stdch. abgelegenen Motzlar (links an der U.) tritt die bescheidene Apfelbach, von dem gleichnamigen Dörfchen (bei Neußwarts) kommend, zur U.; westl. von Motzlar, durch Dorf Geismar zieht in 30 Min. die Geisa mit dem kl. Mittelbach links, am „Rockenstuhl“ und Mühlberg vorüber, nach Dorf Wiesenfeld und in ½ St. nach Stadt Geisa. (III S. 26 – 29). Geis-, Bach-, Adams- u. Papiermühle nahe bei einander beklappern hier die sonst ländliche Flur. Die U. ist so innerhalb 1 voll. Wegstunde abwärts ihre schöne Talstraße gezogen, wobei sie in dem Dorfe Schleid die von der Roßbergsebene aus der Hochrainer Kohlenschicht herab durch Zitters u. Kranlucken gekommene ziemlich starke ,,Kohlbach“ aufnahm.

Breiten üppigen Wiesensgrund zwischen getreidereichen Fluren bewässert nun die muntere Ulster, – die wie vor- und nachher an Mühlen ihre volle Tätigkeit ausübt, rechts die Bremer Quellen dem reichen Bauerndorfe Borsch zuleitet und ihren Marsch nach Buttlar nimmt, wo von rechts her die Bermbach mit der kleinen Mies und von links dann die ,,Grüssel“ oder Goldbach einlaufen. Vom ,,Treischfeld“ her tritt kräftig die Tafte links bei Wenigentaft und dann die Mannsbach, wie rechts von Mühlwärts eine Quelle zur U.; auch hier herum liegen hübsche Mühlen an den Bächen mit guten Fischen. Das ,,Lindig“ rechts streifend krümmelt sich die U.; hinunter nach Pferdsdorf, westl. nahe am Ulsterberg; (reicher Hechtfang an der Mühle); links den „Kornberg“ kaum berührend rauscht nun die auch breiter gewordene U. durch Unterbreitzbach, nachdem sie vom „Stöckig“ herab zwischen ,,Winter- und Sommerliede“ von der Papiermühle Glaam einen kl. Zufluß erhielt. Nun macht die U. wieder bedeutende Krümmungen. Mühle folgt auf Mühle in diesem Winkel und bieten idyllische Ruhepunkte für den Touristen. – Zwischen dem schönen Philippsthal rechts a. d. Werra und Dorf Heimboldshausen, links der Werra, bei den Röhrigshöfen ohnweit des Nippezippelbergs, 345 m, u. östl. v. d. ,,Nippe“ ergießt sich die U. in die Werra, 220 m.

Zusatz. Wie bereits angedeutet, ist auch die ,,Weida“ (Weyd) ein dem Gebiet der Ulster zugehöriger Bach; er entspringt an der nördlichen Abdachung des Rhönwaldes, ½ St. nordwestl. vom 813 m hohen ,,Ellenbogen“ aus 2 QuelIen[4] bei der Ziegelei Anzenhof, ¼ Stdch. von Oberweid, fließt durch’s nahe Unterweid (Veitaha), das selbst noch 3 kl. Quellen (v. Weidberg u. Huflarwald) in der Flur hat, und nimmt bei der ,,Hintermühle“ die kleine Fischbach auf. Diese, südöstl. vom Fuße des ,,Engelbergs“ (700 m), – der die Wasserscheide zwischen der Weid und Lotte angiebt -, rieselt leise durch den versteckten Waldweiler Kleinfischbach, prß. (Spieß schreibt: „In einer Viertelstunde erreicht die Weyd in tiefem Grunde zwischen dem Staufelsberg und der ,,Feis“ das Pfarrdorf Oberweid (weim., evangelisch). – In Unterweid baut man gutes Korn, Weizen und Futter. Die Weida hat gute Forellen, Aale und Krebse! Einst stand in Ober- und Unterweid die Barchentmanufaktur in hoher Blüte. Unterweid gehörte früher zur würzburgischen Diözese Mellrichstadt, erhielt im 15. Jahrh. eine eigene Kirche. 1488 wurde der Ort durch Wilhelm von Herbilstadt und seine Schildknappen in Brand gesteckt und eingeäschert. . . . . Der ,,Storchsbrunnen“ ist eine in Unterweid gefaßte frische Quelle u. gilt den Bewohnern als Wetterprophet. (Wenn nämlich bei hellem Wetter das Wasser seine reine Farbe verliert, so wird binnen 24 Std. es regnen, und wenn bei Regenwetter es wieder klar wird, dann hat man bald gute Witterung zu erwarten“) –


aus
C. E. Bach
„Im Tullifeld“
Eine historisch-landschaftliche Umschau in engerer Heimat
– der Vorderrhön –


[1] Karl d. Gr. soll den wüsten Sachsen, die er besiegte, diesen damals wüsten Ort oder Rhönstrich als Wohnsitz angewiesen haben; 1200 schon war Wüstensachsen ein Bestandteil der Dynastie Hiltenberg mit der ,,Hildeburg“.

[2] Dorf Melpers, weim. unter dem Stellberg, südl. von der »Altmark“, darf mit diesem Orte, und dieser ,,Stellberg“ mit dem nahe an der Ulsterquelle, nördl., nicht verwechselt werden; ebenso leicht könnten die beiden Ortschaften: M-perts und Melpers collidieren mit Melkers, meiningisch. am Ausgang des Herpfflusses.

[3] Spieß schreibt: »An den Schadenhöfen, am Fuße des Auerbergs, über der Rothenmühle, befand sich im Jahre 1673 ein Silberbergwerk, von welchem aber keine Spur mehr vorhanden ist«

[4] Vergl. I. S. 43 »Landgrafenbrünnchen«.


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