Über Eitelkeit, Altruismus und Nächstenliebe

eitelkeit „Ich bin mir und nur mir selbst die Welt, die gesamte Wirklichkeit und ihr Ursprung!“

Ist das nun Eitelkeit oder die Wahrheit [Was ist Wahrheit?] über die Welt?
Es gibt gute Gründe für die erstere Annahme, die sich aus der Begrenztheit meiner Wahrnehmungen und dem unwiderstehlichen Drang, aus diesen Artefakten eine widerspruchsfreie (in sich konsistente) Weltanschauung zu konstruieren, ergeben.
Denn wie sollte ich auch anders sinnerfüllt [Vom „Sinn des Lebens“] leben können?
Und doch beschleichen mich/uns bei dieser Argumentation Zweifel:

„Sollte das wahr sein können angesichts all der vertrauenswürdigen Erfahrungen über eine Welt da draußen (die ich externe Wirklichkeit nenne), die ich mit vielen anderen Menschen teile und abgleichen kann?“

Wie sonst wäre Naturwissenschaft möglich? Ja verlöre andererseits nicht selbst der Begriff Natur jeden mitteilbaren Sinn?
Es muss folglich eine wirkliche Welt geben, die auch ohne meine Wahrnehmungen existiert.
Was also ist die Ursache dieses Dilemmas?
Es ist wahrscheinlich die Sprache, die uns gelegentlich daran hindert, Dinge zu verstehen.
Wenn ich zum Beispiel sage:
Jeder allein ist die Welt und der Ursprung von allem“, dann entzweie ich uns (also ich mich von dir, der du dies liest) und widerspreche mir dabei auch noch selbst.
Wenn ich aber sage:
Ich allein bin die Welt und der Ursprung von allem“, dann bin ich einig mit mir. Und jeder, der diesen Satz spricht, mag ihn problemlos auch für sich geltend machen.
Verleugne ich damit nun die Wirklichkeit und die Nächstenliebe?
Nein!
Auch das liegt einzig an unserem Verständnis der Begriffe Wahrheit und Wirklichkeit. Es kann zwar nur eine (externe) Wirklichkeit geben, aber zugleich ganz viele Wahrheiten darüber. Und zwar so viele Wahrheiten, wie es wahre (widerspruchsfreie) Aussagen (Weltanschauungen, menschliche Modelle der Welt) geben kann, die man dann Tatsachen nennt. Denn wir konstruieren uns immer nur ein zweckmäßiges (unseren Zwecken dienendes) Bild von der Welt die wir erfahren haben, nie hat ein Mensch alles Wissen über die ganze Welt, sondern immer nur über einen Teil der Welt. Über Modellbildung schrieb ich bereits hier.
Ein Egoist spricht per definitionem wahr, wenn er sich für den Anfang und das Ende aller Dinge hält. Wir dürfen also nur Wahrheit und Wirklichkeit nicht miteinander verknüpfen. So wie wir Liebe und Egoismus nicht in einen Topf werfen dürfen.
Egoismus, das ist Wahrheit pur.
Man darf ihn aber nicht wirklich leben, ohne Zusammenleben mit anderen unmöglich zu machen. Egoismus ist in der Realität nicht durchzuhalten. Pragmatismus und Altruismus dagegen können ewig dauern.
Aber ist Liebe nur wahr, dann hält auch sie nicht lange. Der Liebe reicht es nicht, wahr zu sein.
Liebe müssen wir wirklich tun, wenn wir sie nicht auf einer Ebene mit dem Egoismus belassen wollen. Liebe bedarf der Rückkopplung unseres Tun durch den Geliebten, sie lebt durch unsere tätigen Wechselwirkungen untereinander und mit der Welt! Sie ist ein zwar stabiles, aber doch immer ein Ungleichgewicht. Dinge, die sich im Gleichgewicht befinden, sind vielleicht wahr, aber sie leben nicht!
Ohne die tatsächliche Öffnung gegenüber den anderen Lebewesen, vielmehr noch gegenüber der Welt an sich, bleibt sogar Liebe zu sich selbst sonst ein Traum, eine reine Wunschvorstellung.
Und nein, es ist nicht Liebe, was mich altruistisch handeln lässt, es ist mein Egoismus, die pure Sorge um mich selbst, mein Wohlergehen in der Gemeinschaft, die mich altruistisch handeln lässt.
Und ja, es geht dem Altruisten nur um eines: Eitel zu sein, sein Prestige, seine Anerkennung in der Gemeinschaft zu steigern, dazu muss er seine Handlungen offen der Gemeinschaft zur Schau stellen.
Kann er sich sicher sein, dass sein Handeln wider die Interessen der Gemeinschaft ihm nutzen und es niemand bemerken könnte, er wird es tun – es sei denn, er hat die moralischen Prinzipien seiner Gemeinschaft so sehr verinnerlicht, dass ihm sein schlechtes Gewissen wider alle rationale (berechnende) Vernunft den Genuss an dem so gewonnenen Vorteil vergällt.
Zur evolutionären Vertiefung füge ich eine PDF-Datei an:
Amotz und Avishag ZahaviAltruismus und moralisches Verhalten
aus „Amotz und Avishag Zahavi: „Signale der Verständigung. Das Handicap-Prinzip“, Kapitel 18 „Verhaltensweisen des Menschen“, letzter Absatz Seite 377ff.
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