Konrad von Boyneburg

Zitiert aus Baier Bote 5(2007)01 vom 26. Januar 2007:

Konrad von Boyneburg (sh. auch Wikipedia)


In vergangenen Ausgaben zu berühmten und bekannten Persönlichkeiten unseres Heimatortes sind wir eingegangen auf Henriette Meyer geb. Grobe, deren Bruder Julius Grobe, den Schriftsteller Julius Löwenstein, den Kupferstecher Georg Nordheim und den Großvater von Jack Offenbach. Diese kleine Serie soll heute fortgesetzt werden, mit einem fast vergessenen Vertreter der Familie von Boineburg. Hierbei handelt es sich um den berühmten Landsknechtführer Konrad von Boyneburg (Bemelberg) aus Hessen im 16. Jahrh. Er selbst ist ein Vorfahre der weitverzweigten Adelsfamilie derer von Boineburg. Interessant ist dabei, dass sich bis zum Jahre 1945 ein Ölgemälde im Schloß zu Weilar über diese Person befunden hat. Leider ist es seit diesem Schicksalsjahr verschollen. Im Jahr 1967 gedachte man in Hessen des 400. Todestages des Landgrafen Phillip des Großmütigen. Dabei blieb unbeachtet der 400. Todestag des Konrad von Boyneburg, der mit Georg von Frundsberg und Sebastian Schärtzlin von Burtenbach zu den bedeutendsten Landknechtsführern seiner Zeit gehörte. Seine enge Verbindung zum Volk und die daraus entstandene Achtung ihm gegenüber dürfte in der Begegnung mit Dr. Martin Luther in Worms zurückzuführen sein. Konrad von Boyneburg selbst hat keine schriftlichen Aufzeichnungen hinterlassen. Dafür beschäftigte sich ein Cyriakus Spangenberg ausführlich mit ihm. Im 38. Kapitel seines „Adelsspiegels“ führt er eine Aufzählung seiner Kriegsdaten auf. Es beginnt mit der Schlacht von Pavia (1523), über Rom (1527), Neapel (1528), Florenz (1530), den ersten Türkenzug (1532), dem württembergischen Kriegszug (1534), den zweiten Türkenzug (1542) und den Schmalkaldischen Krieg (1547) und schließlich endend mit dem Feldzug gegen Frankreich (1557). Erste größere Lebensbeschreibungen werden in der Mitte des 19. Jahrh. veröffentlicht. Kurz danach greift man auch auf das Boineburgsche Archiv in Weilar zurück. Trotz allem bleibt vieles im Leben des Konrad von Boyneburg im „Dunkeln“. Beim Versuch einer Lebensgeschichte greift man erst sehr spät auf das hessische Staatsarchiv Marburg zurück. Es bleiben trotz vieler Bemühungen Fragen offen. So ist seine eigentliche Geburt, konkretes Datum, offen. Es schwankt zwischen 1487 und 1494. Auch das genaue Todesdatum ist nicht bekannt, weil dabei die genaue Altersangabe fehlt. Einen brauchbaren Hinweis gibt es u. a. auf eines der ältesten bildlichen Darstellungen des Konrad von Boyneburg. Hier schließt sich nun der Kreis mit dem seit 1945 verschollenen Ölgemälde aus dem Schloß zu Weilar. Dieses Gemälde wurde im Jahre 1562 gefertigt und trug in der rechten oberen Ecke die Inschrift: geb. 1494 gest. 1567. Auch über den Geburtsort gehen die Meinungen auseinander. Sein eigener Familienname verweist auf den hessischen Raum. Das Geschlecht derer von Boineburg teilte sich im 13. Jahrh. in mehrere Stämme, die sich später nach den Hauptplätzen ihrer Besitzungen nannten. Mitte des 15. Jahrh. begannen dann die Boineburgs auch ihre Stammburg zu verlassen und verzogen auf andere Besitzungen. Also dürfte Konrad von Boyneburg nicht mehr auf der alten Stammburg das Licht der Welt erblickt haben, sondern nach neuen Erkenntnissen in Bischhausen bei Eschwege. Sein Vater könnte Reinhard von Boyneburg sein, es deutet zumindest viel daraufhin, die Mutter eine Katharina von Brandenstein. Vergleicht man aber nun das angenommene Geburtsjahr des Konrad von Boyneburg mit dem Alter seines Vaters, dann wäre dieser ca. 56 – 61 Jahre bei der Geburt seines Sohnes gewesen. Biologisch ist dies natürlich möglich. Jetzt kommen wir wieder auf das Ölgemälde in Weilar zurück. Es enthielt in der oberen rechten Ecke über der bereits oben behandelten Beschriftung die Wappenschilde der Familie von Boyneburg und von Brandenstein. Es sind dies die Wappen der Eltern Konrads, Reinhard IV. von Boyneburg und Katharina von Brandenstein. Unter der Beschriftung befanden sich 4 Wappenschilde, von Lüder und von Boyneburg, von Brandenstein und von Schleinitz. Dies sind die Wappen der Großeltern des Konrad von Boyneburg. Es ist um es genau zu definieren Ermella von Lüder und Reinhard III. von Boyneburg (väterlicherseits) sowie Eglof von Brandenstein und Felicitas von Schleinitz (mütterlicherseits). Einen besseren Nachweis der Abstammung kann es kaum geben. Mit 12 Jahren kommt er dann an den württembergischen Hof. Ein exakter Lebenslauf ist nicht genau zu datieren. Es gibt Aufzeichnungen und Urkunden darüber, dies würde aber hier den Rahmen sprengen. Den Beinamen „kleiner Hesse“ wird urkundlich erstmalig 1526 belegt. In dieser Zeit beginnt auch seine militärische Laufbahn. Hier wollen wir nun noch mal auf das Bild zu Weilar eingehen. Das Gemälde zeigt ihn in voller Größe. Auf dem Kommandostab in seiner Hand steht: „Ist das endt guet, so ist Alles guet“. Zu seinen Füßen liegen auf diesem Bild Kommandostäbe, sie versinnbildlichen die Teilnahme an seinen Schlachten. Wir lesen Rom mit 38 Fähnlein 1527, Ungarn mit 23 Fähnlein 1532, Neuhesdin mit 10 Fähnlein 1537, Ungarn mit 84 Fähnlein 1542, St. Dizier mit 20 und Meaux mit 10 Fähnlein 1544, Metz mit 22 Fähnlein 1552 und St. Quentin mit 10 Fähnlein 1557. Ein weiterer Kommandostab lässt sich nicht einordnen. Er trägt lediglich die Inschrift Ungarn XLII Fendl. Besondere Ehre erwirbt er bei der Eroberung von Rom. Dies nicht nur auf militärischem Gebiet, sondern auch danach, wo er Maß halten lässt, was die Frage der Plünderungen betrifft. War dies ja zu dieser Zeit ein eisernes Gesetz (3 Tage unumgeschränkt plündern). Hier zeigte er große Weitsicht, was die Unterlegenen ihm hoch anrechneten. Wer mehr und ausführlich sich über Konrad von Boyneburg informieren möchte, kann sich gerne mit dem Heimatpflegeverein e. V. Gehaus in Verbindung setzen. Eine Herausgabe von Unterlagen ist aber nicht möglich.

Um seinen Charakter zu definieren gibt es aus dem Jahre 1552 das sogenannte „Helfensteiner Lied“:

Conrat von Bemmelberg unser obrist war,
er ist auch gewest bei dieser gfar,
er sei gleich frü oder späte;
er stund selbst herzhaft bei dem gschütz,
gab manchen guten rathe.

Der obrist war ein tapfer man,
er war allzeit zuvorderst dran,
ist bei den Ulmern bestanden.
Gott woll ihn geben glück und heil
in teutsch und welschen landen.

Wir Ulmer wölln zum obristen halten
und wölln die sach gott lassen walten,
bei ihm wollen wir bleiben;
und sollt es kosten leib und gut,
den feind wölln wir vertreiben.

Quellen:

  • Konrad von Boyneburg (Bemelberg), ein Landsknechtführer aus Hessen im 16. Jahr von Waldemar Küther und Gerhard Seib 19/1969
  • Klaus von Boyneburgk
  • Dr. Eckart Frhr. von Uckermann
  • Heimatpflegeverein e. V. Gehaus
  • Lehfeldt/Voss 1911

Hier noch ein kleines Gedicht über die Boyneburg:

Boyneburg bei Eschwege in Kurfürstentum Hessen

In meinem lieben Hessenland
steht eine hohe Bergeswand,
dort ragt die Boyneburg;
Da flattern die Dohlen vom grauen Gestein,
Da wachsen die Bäume zum Fenster hinein,
Da stürmen die Winde hindurch.

Die Boyneburg steht lange schon leer,
kein Ritter wohnt dadroben mehr,
doch drunten liegt ihr Hort,
Denn jetzt noch, wenn trauernde Liebe dort weint,
steht schneeweiß am Schloßthor, die Jungfrau erscheint,
zeigt still himmelan, und schwebt fort.

Quelle:

  • Die drei Fräulein von Boyneburg, Balladen von Otto Freiherrn von der Malsburg

Im Auftrag des Heimatpflegeverein e. V.
Reinhold Lotz
Vorsitzender

Weitere Links zur Boyneburg im Werra-Meißner-Kreis:

und zu Konrad von Boyneburg:


FRÄULEIN VON BOYNEBURG

Auf eine Zeit lebten auf der Boyneburg drei Fräulein zusammen. Der jüngsten träumte in einer Nacht, es sei in Gottes Rat beschlossen, daß eine von ihnen im Wetter sollte erschlagen werden. Morgens sagte sie ihren Schwestern den Traum, und als es Mittag war, stiegen schon Wolken auf, die immer größer und schwärzer wurden, also daß abends ein schweres Gewitter am Himmel hinzog und um bald ganz zudeckte und der Donner immer näher herbeikam. Als nun das Feuer von allen Seiten herabfiel, sagte die älteste: „Ich will Gottes Willen gehorchen, denn mir ist der Tod bestimmt“, ließ sich einen Stuhl hinaustragen, saß draußen einen Tag und eine Nacht und erwartete, daß der Blitz sie träfe. Aber es traf sie keiner; da stieg am zweiten Tage die zweite herab und sprach: „Ich will Gottes Willen gehorchen, denn mir ist der Tod bestimmt“ und saß den zweiten Tag und die zweite Nacht, die Blitze Versehrten sie auch nicht, aber das Wetter wollte nicht fortziehen. Da sprach die dritte am dritten Tage: „Nun seh ich Gottes Willen daß ich sterben soll“, da ließ sie den Pfarrer holen, der ihr das Abendmahl reichen mußte, dann machte sie auch ihr Testament und stiftete, daß an ihrem Todestage die ganze Gemeinde gespeist und beschenkt werden sollte. Nachdem das geschehen war, ging sie getrost hinunter und setzte sich nieder, und nach wenigen Augenblicken fuhr auch ein Blitz auf sie herab und tötete sie.

Hernach, als das Schloß nicht mehr bewohnt war, ist sie oft als ein guter Geist gesehen worden. Ein armer Schäfer, der all sein Hab und Gut verloren hatte und dem am ändern Tage sein Letztes sollte ausgepfändet werden, weidete an der Boyneburg, da sah er im Sonnenschein an der Schloßtüre eine schneeweiße Jungfrau sitzen. Sie hatte ein weißes Tuch ausgebreitet, darauf lagen Knoten die sollten in der Sonne aufklinken. Der Schäfer verwunderte sich, an dem einsamen Ort eine Jungfrau zu finden, trat zu ihr hin und sprach: „Ei, was schöne Knotten!“, nahm ein paar in die Hand, besah sie und legte sie wieder hin. Sie sah ihn freundlich und doch traurig an, antwortete aber nichts, da ward dem Schäfer angst, daß er fortging, ohne sich umzusehen, und die Herde nach Haus trieb. Es waren ihm aber ein paar Knotten, als er darin gestanden, neben in die Schuhe gefallen, die drückten ihn auf dem Heimweg, da setzte er sich, zog den Schuh ab und wollte sie herauswerfen; wie er hineingriff, so fielen ihm fünf oder sechs Goldkörner in die Hand. Der Schäfer eilte zur Boyneburg zurück, aber die weiße Jungfrau war samt den Knotten verschwunden; doch konnte er sich mit dem Golde schuldenfrei machen und seinen Haushalt wieder einrichten.

Viele Schätze sollen in der Burg noch verborgen liegen. Ein Mann war glücklich und sah in der Mauer ein Schubfach; als er es auf zog, war es ganz voll Gold. Eine Witwe hatte nur eine Kuh und Ziege, und weil an der Boyneburg schöne Heiternesseln wachsen, wollte sie davon zum Futter abschneiden, wie sie aber eben nach einem Strauch packte, glitt sie aus und fiel tief hinab. Sie schrie und rief nach Hilfe, es war aber niemand mehr in der einsamen Gegend, bis abends ihre Kinder, denen angst geworden war, herbeikamen und ihre Stimme hörten. Sie zogen sie an Stricken herauf, und nun erzählte sie ihnen, tief da unten sei sie vor ein Gitter gefallen, dahinter habe sie einen Tisch gesehen, der mit Reichtümern und Silberzeug ganz beladen gewesen.

Kommentar: Mündlich in Hessen
Quelle: Deutsche Sagen, Jacob Grimm, Wilhelm Grimm (Brüder Grimm), Kassel 1816/18, Nr. 10

 

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