Charles Ives: The Unanswered Question (1906), Adaptation für Orgel

bearbeitet von mir für Orgel und mit Samples der Riegerorgel des Großen Saals im Konzerthaus Wien (Vienna Konzerthaus Organ) eingespielt.

Im Pianissimo murmelt die Orgel geheimnisvolle Sprüche der  „Stille der Druiden – die nichts wissen, sehen und hören„. Eine Stimme (Clarinophon und Hohlflöte) schmettert in diese geheimnisvolle Sinnlosigkeit  „Die immerwährende Existenzfrage“ und äußert sie jedes Mal im gleichen Tonfall. Zu den beruhigenden Sprüchen der Druiden setzen Groß-Cornett, Oboe, Clarinette und Krummhorn ein und scheinen eine kämpferische Antwort auf die   „Die immerwährende Existenzfrage“ zu versuchen. Sechsmal wird die „Die immerwährenden Existenzfrage“ wiederholt. Die „Kämpferischen Antworten“ darauf scheinen jedoch im Laufe der Zeit und nach einer „geheimen Konferenz“ ihre Vergeblichkeit zu erkennen und beginnen, „Die immerwährende Existenzfrage“ zu verspotten – der Streit ist für den Moment vorbei.  Die siebte Wiederholung „Der immerwährenden Existenzfrage“ bleibt schließlich ohne Resonanz und die „Die Stille der Druiden – die nichts wissen, sehen und hören“ verklingt im Nichts.

Im Vorwort zur Werkausgabe für Trompete, 4 Flöten und Steicher (1906)  schreibt Charles Edward Ives (von mir ins Deutsche übersetzt):

Die Stimmen des Flötenquartetts können von zwei Flöten (Oberstimme), Oboe und Klarinette (Unterstimme), übernommen werden. Der Trompetenpart kann von einem Englischhorn, einer Oboe oder Klarinette gespielt werden, wenn sie nicht in „The Answers“ mitspielen. Das Streichquartett oder Streichorchester (con sordini) sollte nach Möglichkeit „off stage“, also abseits von Trompete und Flöten, stehen. Die Trompete sollte einen Dämpfer verwenden, es sei denn, sie spielt in einem sehr großen Raum oder mit einem größeren Streichorchester. Bei mehr als vier Streichern kann ein Basso mit den „Cellos“ (8va Basso) gespielt werden. Die Streicher spielen durchgehend ppp ohne Tempowechsel. Sie sollen „Die Stille der Druiden – die nichts wissen, sehen und hören“ darstellen. Die Trompete intoniert „Die immerwährende Existenzfrage“ und äußert sie jedes Mal im gleichen Tonfall. Aber die Jagd nach der „Unsichtbaren Antwort“, die von den Flöten und anderen menschlichen Wesen unternommen wird, wird durch ein Animando zu einem con fuoco allmählich aktiver, schneller und lauter. Diese Rolle muss nicht in der genau angegebenen Zeitposition gespielt werden. Sie wird etwas improvisiert gespielt; wenn es keinen Dirigenten gibt, kann einer der Flötenspieler ihr Spiel leiten. Die „Kämpferischen Antworten“ scheinen im Laufe der Zeit und nach einer „geheimen Konferenz“ ihre Vergeblichkeit zu erkennen und beginnen, „Die Frage“ zu verspotten – der Streit ist für den Moment vorbei. Nachdem sie verschwunden sind, wird „Die Frage“ zum letzten Mal gestellt, und „Die Stille“ wird darüber hinaus zur „Ungestörten Einsamkeit“.
Die Flöten werden ihren Part ungefähr in der Nähe der in der Streicherpartitur angegebenen Position beenden; aber in jedem Fall sollte „Die letzte Frage“ von der Trompete erst dann gespielt werden, wenn „Die Stille“ der Streicher in der Ferne ein oder zwei Takte lang gehört wurde. Die Streicher setzen ihren letzten Akkord etwa zwei Takte lang fort, nachdem die Trompete aufgehört hat. Wenn die Streicher ihren letzten Akkord erreicht haben sollten, bevor die Trompete „Die letzte Frage“ spielt, sollen sie ihn durchhalten und danach weiterspielen, wie oben vorgeschlagen. Bei einigen der lauteren Passagen der Flöten sind die Streicher möglicherweise nicht zu hören, aber das ist auch nicht wichtig, dass sie zu hören sind. „Die Antworten“ können etwas früher nach jeder „Frage“ gespielt werden, als in der Partitur angegeben, aber „Die Frage“ sollte aus diesem Grund nicht früher gespielt werden. Wenn ein grosses Streichorchester spielt, kann nach dem Ermessen des Dirigenten der volle Diskantchor der Holzbläser eingesetzt werden, aber in jedem Fall spielt nur eine Trompete.

Das englische Original:

The parts of the flute quartet may be taken by two flutes, upper staff, oboe and clarinet, lower staff. The trumpet part may be played by an English horn, an oboe or clarinet, if not playing in „The Answers”. The string quartet or string orchestra (con sordini), if possible, should be „off stage”, or away from the trumpet and flutes. The trumpet should use a mute unless playing in a very large room, or with a larger string orchestra. If more than four strings, a basso may play with the ’cellos (8va basso). The strings play ppp throughout with no change in tempo. They are to represent „The Silences of the Druids — Who Know, See and Hear Nothing.” The trumpet intones „The Perennial Question of Existence”, and states it in the same tone of voice each time. But the hunt for „The Invisible Answer” undertaken by the flutes and other human beings, becomes gradually more active, faster and louder through an animando to a con fuoco. This part need not be played in the exact time position indicated. It is played in somewhat of an impromptu way; if there be no conductor, one of the flute players may direct their playing. „The Fighting Answerers”, as the time goes on, and after a „secret conference”, seem to realize a futility, and begin to mock „The Question” — the strife is over for the moment. After they disappear, „The Question” is asked for the last time, and „The Silences” are heard beyond in „Undisturbed Solitude.”
The flutes will end their part approximately near the position indicated in the string score; but in any case, „The Last Question” should not be played by the trumpet until „The Silences” of the strings in the distance have been heard for a measure or two. The strings will continue their last chord for two measures or so after the trumpet stops. If the strings shall have reached their last chord before the trumpet plays „The Last Question”, they will hold it through and continue after, as suggested above. During some of the louder passages of the flutes, the strings may not be heard, and it is not important that they should be. „The Answers” may be played somewhat sooner after each „Question” than indicated in the score, but „The Question” should be played no sooner for that reason. If a large string orchestra is playing, the full treble woodwind choir may be used at the discretion of the conductor, but in any case, only one trumpet plays.

Charles Edward Ives

Interessant ist auch die Interpretation dieses Musikstückes in Die unbeantwortete Frage. Predigt zum 5. Sonntag im Jahreskreis (Ijob 7,1-4.6-7)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

vier + zwölf =