Die Königsburg (Nordheim)

 (533 m)

Nördlich von Nordheim v. d. Rhön, ¾ Std., findet man die Ruine der „Königsburg“ nur noch in Resten eines Wallgrabens; der Rhönclub-Zweigverein „Rother-Kuppe“ hat auch da einen Aussichtsturm erbaut, der auf die hohe Rhön und in das Grabfeld einen schönen Ausblick erschlossen hat. (n. Schneider). „Auf einem waldigen Berge war eine Ruine (schreibt Benkert), welche die Königsburg in gemeiner Mundart „Künsbergk“ genannt wird. Wahrscheinlich hat Kaiser Otto I., der Große, öfter der Jagd halben sich dort aufgehalten.[1] Wann diese Burg eingegangen, darüber schweigt die Geschichte. Bis zu Anfang des vorigen Jahrhunderts stand ein Wartthurm noch ziemlich hoch empor, der nun auch der Erde bald gleich sein wird. Einige, kaum noch bemerkbare Laufgräben gehen von der ehemaligen Königsburg theils gegen den naheliegenden „Luchsensee,“ (nordöstlich von der Königsburg, westlich nahe bei Neustädles,[2] theils gegen das sogenannte Männerhölzchen, wo eine frische Quelle hervorsprudelt. In den ältesten Flurbüchern und in einer Waldbeschreibung von 1500 wird, wie auch in dem Fladunger „Saalbuche“, die dortige Waldgegend die Königsburg genannt. – Die Aussicht von dieser Rnine ist reizend schön: westlich hin die Hildenburg, nördlich die „Disburg“ (Heft II. 76.) und nordöstlich die Hutsberg-Ruine (Heft II. S. 80.); gegen Morgen stellt sich der kegelförmige Hügel dar, woraus die Ueberbleibsel des merkwürdigen Stammschlosses Henneberg (Heft II. S. 85.) noch sichtbar sind; gegen Südost stehen noch, verödet, die Reste der jüngern Schwesterburg Lichtenburg. Kein einziger Geschichtsschreiber älterer oder neuerer Zeit hat Kunde gehabt von der Ruine der Königsburg«. Da diese Burg in der Tullifeld-Grabfelder bezgl. Henneberger Grenze ziemlich hoch, 200 m über dem Streugrund gelegen war und die alte Kaltensundheim – Schafhausen – Weimarschmieden – Filke – Willmar – Ostheimer Bergstraße („Hohe Straße“) links vorüberzog, die besonders dem Verkehr zwischen Felda – Herpf – und Streugrunde diente -, konnte sie in alter Zeit recht leicht auch manchen Ritterleuten noch zu andern als nur Jagdzwecken passen. Uebrigens war die „Königsburg“ nach ihrer Lage für eines „Königs“ Um- und Ueberschau, den Gaugrafen zu einer Ueberwachung der in ihrem Umkreise so nahen acht Burgen (Lichten-, Hilden-, Hutsburg, des Henne- und Stellbergs, der Burgen zu Nordheim und Völkershausen, wie der Altmark) und der verschiedenen Schlösser in Stadt und Dorfschaften wie von Natur dazu bestimmt.

„Ein König frei und hoch muß stehen
Für seines Volkes Augen;
Und kann Er auch nicht Jeden sehen
Und Jeder nicht zu Ihm aufgehen:
Das, was dem Volk wird taugen,
Erfährt Er doch, und in Gefahren
Weiß Seine Wacht das Reich zu wahren!“


aus
C. E. Bach
„Im Tullifeld“
Eine historisch-landschaftliche Umschau in engerer Heimat
– der Vorderrhön –


 

[1] Das wäre in der Zeit von 936 bis 962, da Otto als deutscher König hier an fränkischer Nordgrenze herrschte, von 973 ab ward er römischer Kaiser.

[2] s. Heft III. S. 11. Südwestlich von Tann liegt ein Weiler Neustädtches.


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