Graf Poppo I., der Starke

Von 1037 an nimmt der Henneberger Graf Poppo VII., auch der Dicke und Tapfere genannt, als „Dynast“ oder Machthaber unbehindert die Rechte, die Ehren und den Titel des ersten „unbeschränkten Grafen von Henneberg“ für sich in vollen Anspruch, und die Henneberger Chronik beginnt mit ihm eine neue Reihe von Tulli-Grabfelder Grafen. Er erscheint in einem Glanze, der umsomehr Verwunderung erregt, als seit fast hundert Jahren nichts Bedeutendes von den „Hennebergern“ im Grabfeld zu sehen und zu hören gewesen ist. Sein Gebiet umfaßte beinahe 36 Quadratmeilen, war demnach ziemlich so groß wie das jetzige Herzogtum Koburg-Gotha. Leicht begreiflich, daß die deutschen Könige eine solche Machterweiterung der Henneberger Grafen ungern sahen, aber auch nicht hindern konnten; in viele Kriege damaliger Zeit verwickelt, hatten sie notgedrungen ihre Aufmerksamkeit andern Angelegenheiten zuzuwenden. Es war dies ja die traurige Zeit Kaiser Heinrichs IV., die unserm deutschen Vaterlande nicht zum Ruhm gereicht. – Wie Vieles unterlag damals einem raschen, meist auch nur traurigen Wechsel! Der wetterwendische, an und für sich aber gutmütige Charakter des Kaisers, den die Erzieher verdorben hatten, forderte gleichsam die Launen des Schicksals heraus.

Poppo I. zog als Obrist des Kaisers mit gegen Rudolf von Schwaben, der zum Gegenkaiser erhoben worden war; doch in der Schlacht bei „Meller“- oder Mellrichstadt a. d. Streu (als der Südostgrenzstadt des Gesammttullifeldes) verlor der Graf von Henneberg am 7. August 1078 sein Leben. Sein Leichnam wurde in der Klosterkirche zu Reinhardsbrunnen beigesetzt. Seine Gemahlin Hildegard war eine Schwester des Thüringer Landgrafen Ludwig d. Springers. Die vier Söhne Poppo’s I. hießen: Poppo II., Gottwald, Wolfram und Crafft. . Nach ihnen, bis zum Jahre 1245, nennt die Henneberger Geschichte folgende Grafen: Godebert, Poppo III., Ludwig I., Gottwald II., Poppo IV., Gottwald III., Poppo V., Gebhard I., Günther I., Berthold I., Otto I., Poppo VI., Heinrich I., Heinrich II., Berthold II., Poppo VII., Otto II., Berthold III., Heinrich III., Hermann I., Berthold IV. bis 1245 scheinen die Grafen Von Henneberg meistens in Gemeinschaft regiert zu haben. Aus dem Leben der meisten hier genannten Grafen von Henneberg kennt man nur Bruchstücke.


aus
C. E. Bach
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