Das Gebiet der Oechse

Hätten wir es auch leichter erreichen können, wenn unsere Schritte von der Einmündung der Ulster (s. S. 10) sich sofort südöstl. nach Stadt Vacha wendeten, wollen wir doch die Quellensuche auch für das Oechseflüßchen systematisch mit seiner ersten Entwindung beginnen, zumal ja der desfallsige hydrographische Umgang ein sehr bescheidener sein wird. Wir wissen bereits aus dem „Tullifeld“ (Heft I. S. 42 u. 48 wie Heft III. S. 46) einige Andeutungen. – Spieß giebt an: »Den nördlichen Teil des Rhöngebirges, zwischen Ulster und Felda, den die Oechse in fast 2 gleiche Hälften teilt, entspringt diese in 2 Quellen am ,,Schorn“ bei Lendershof[1], und am Bilstein aus dem „Bilstenborn“ und dem ,,Martinsborn“. Westlich von Lenders, der Gemeinde Oechsen zustehend, ist ein Tufsteinbruch. An dem Vereinigungspunkte beider Quellen, nordwestl. unter dem Schorn am Wege von Dermbach nach Vacha liegt das Dorf Oechsen;“ (n. Weimar. Staatshandb. Uchsimo, Ubsena 1214, – Usino -, mit Niederöchsen, Kirche, Pfarre, Schule, 114 Häusern, 632 EinW. i. Jahre 1846; mit eingepfarrten und eingeschulten Lenders, Mariengart (in Ansehung der Reformierten), mit den Masbacher Höfen und dem „Zollhofe“; auch sind dahin alle im Amtsbezirk Geisa wohnende Reformierte eingepfarrt) Die Reismühle, der Hof Mariengart (Ingemaristat 1256)[2] und die Häuser der ,,Huth“ bei Wölferbütt wie der alte „Zollhof“ bei Geblar hielten sich auch zur ref. Pfarrei und Schule. Spieß schreibt noch: Im frischen Wiesgründchen der vom Geisaerwald, Arzberg, Dietrichsberg, Oechsenberg und Baier (mit Riemen) umgebenen und überragten weiten Hochmulde des Oechsesystems – ist die Gegend um Oechsen eine schöne, von frischem Hauch durchwehte, eine mit fruchtbaren Feldern bedeckte und von fetten Wiesgründchen durchschnittene Gebirgslandschaft.[3] – Ehedem hessisch, dann bis 1815 zum Königr. Westfalen gehörig. –

Betreffs der Oechse-Quellen füge ich noch hinzu: die Hauptquelle, welche auf die ,,Dorfmühle“ ihr Wasser führt, liegt unterm schwarzen ,,Bielstein“, als Bilstenborn, in der Flur Oechsen, am Wege nach Lenders; dazu rinseln noch eine kleine Quelle vom südl. Walde (von der sogenannten Birke) am jetzigen Chausseeweg auf Bremen-Geisa und eine schwächere Quelle westl. vom ,,Schornabhang“. Der Bach fließt nun zwischen Wiesen und Artland als Mühlgraben, abseits des Mühlau-Riedfeldes, zum Dorfe. Das Zollhof-Geblarer Brunnen- und Sickerwasser fließt durch die sogenannte ,,Klingewiese“ aus dem ,,Mühlansbach“ nach dem tiefer gelegenen Niederöchsen, bezügl. auf die ,,Thal- und westlichere Edelsmühle“.[4] Östlich vom Dorfe Oechsen, wo jetzt das Hochdruck-Wasserwerk – über der ,,Hohle“ am Schloß’hauk angelegt ist, befand sich die eigentliche, starke „Vornmutter“ für den Ort, die 3 kräftige Springbrunnen speiste.

Am östlichen Abhange des ,,Schorn“ und der westl. Sohle des Beyers, am Fußwege von Oberalba nach Oechsen und Gehaus entquillt der Sauer- vulgo Sauborn aus Kies; am waldigen Martinsbrandgraben und über der ,,Kirchau“ wie durch dieselbe sammeln sich noch verschiedene kleine Quellen, die an der ,,Schliff“-Pfarrwiese hinab das ,,Dorfwasser“ bilden, zu dem auch der Abfluß der 2 schönen Karpfenteiche geht. So empfindet Dorf Oechsen neben dem nie stockenden Mühlgraben selten nur Wassermangel.

Unterhalb Niederöchsen und der ,,Heiligenmühle“, zwischen dem Artland ,,Steinstrauch“ und der grasreichen ,,Hopsenau“ streicht von Dorf Otzbach her „die Marbach“ und geht mit den Brunnen aus den Masbacherhöfen, wie mit dem ans Mariengarten bei der ,,Reismühle“ und von dieser mit dem Oechsewasser, vor der Oechsen-Vachaer Straße so zusammen, daß der gewachsene Bach nun erst den rechtlichen Namen ,,die Oechse“ trägt. Von Osten, unter der Brücke her, erlaubt sich das Gehauserwasser, das durch den Schloßpark spazierte, sich als die ,,schwarze Oechse“ der ersten schwesterlich anzuschließen.“

Gehaus (nicht ,,geh’ – aus“) ist ein freundlich gelegener Ort, ehemals ritterschaftlich von Boyneburg-Lengsfeld; hatte 1845 an 1141 Einwohner in 154 Wohnhäusern; die Bevölkerung war früher sehr gemischt, jetzt ist sie zum größtenteil evangelisch; hat eine Simultanschule in 2 Schulhäusern, kleine Synagoge, große Kirche mit Pfarrei, ein renoviertes ,,gräflich v. Boyneburg’sches“ Oberschloß und ein bescheidenes Unterschloß mit Pächterei; zu ersterem gehört ,,Hohenwart“ (ein Weiler) als Rittergutsvorwerk. – Der ,,Lenzes- oder Linzensborn“ war ehedem das beliebte Trinkwasser (wennschon nur in gemauerter Schöpfe); ein guter Springbrunnen fehlte, aber an Wasser gebrachs doch selten, indem nördl. vor’m Dorfe ein Teich (mit Zufluß von der Altenfischbach, von Hohenwart und aus einer Senkung des Gehauser ,,Schorn’s“), wie westl. aus der ,,Beyer-Kambach“ (mit Kornishölzchen) durch den östl. Ortsteil ,,Eisfeld“ noch kl. Quellen abfließen.

Von dem Wendepunkt der Gehaus-Vachaerstraße ab gehts nordwestl. schroff auf nach Wölferbütt, einem kl. Dorfe (s. Heft III. S. 43) ¾ Stdch. von Oechsen; in 8 Min. kommt man am Basaltgelände zum Kohlgraben, ehem. ein Hof der Frau von Wurmb. Indessen der Oechsegrund mit sandiger Fahrstraße am Westhange des Gehauser Schorn’s sich dehnt, hat man nur zum Dietrichsberg einen erhebenden Blick, bis uns der Weiler Willmanns eine kurze Einkehr gestattet. Nun stehen wir in dem „alten Patrimonialgericht Völkershausen; vergl. Heft III. S. 41. – Der Oechsen (III. S. 42 beschrieben) wie das anmutige Westgelände des „Riemen“ mit dem auf seinem Plateau sichtbaren Dorfe Martinrode bieten eine gefällige, besonders nördl. und nordöstl. weit reichende Aussicht. Die westl. Seite des Dietrichs- und Öchsenbergs müssen wir noch zu einer Quellensuche als Nebengebiet des Baches Oechse ins Auge fassen: Von den 4 Masbacher Höfen über die „Scharte“ gehts auf Deicheroda, (17 Häuser) – kirchloses Dorf mit der Wüstung Iberts; es wurde im vor. Jahrhdt. viel aufgesucht wegen des  Natur-Wunderdoktor Hollenbach -. Da zieht nördl. eine stärkere Quelle in ½ Std. vorbei an Mosa (Mosaha; 9 Häuser) u. an Hüttenroda, 9 Häuser), die östlich vom Ulsterberge mit der vom Rodenberg herab fließenden „Sünna“ im schönen Bauerndorfe dieses Namens (Sinna 1062) sich einigt. Dann, die »Kleyen-, Krug- und Pfannenmühle passierend, fügt sie an der Vachaer Papiermühle dem Oechseflüßchen sich ein, das durch eine Windung nach Nordwest die Ruine Sankt-Annenberg halb umgürtet und endlich, nach einem letzten Oechsemühlwerk (250 m), seine Einmündung durch eine Nebengasse der Stadt Vaoha vollbringt. –


aus
C. E. Bach
„Im Tullifeld“
Eine historisch-landschaftliche Umschau in engerer Heimat
– der Vorderrhön –



[1] Der Lendershof liegt zwar hoch und nördl. vorm Geisaerwald, aber nicht am ,,Schorn“. – Hoßfelds Karte stimmt besser.

[2] Ehemals ein Kloster, dann ein Kammergut, jetzt an die Gemeinde Wöferbütt zerteilt.

[3] Hier sind noch Spuren alter origineller Tracht und Kinder mit blauen Augen und Flachshaar.

[4] Vergl. Heft III. S. 47.


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– nach Themen sortiert –


 

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