The Rolling Stones – Paint It, Black

Paint It, Black habe ich das erste Mal während einer Hochzeitfeier in der Türkei gehört. Ein Alleinunterhalter spielte es auf seinem Keyboard, ich dachte, es sei Türkenpop, halt so ein Zwischending zwischen türkischer Folklore und westlichem Allerweltsmusikstil, auch unter nichtssagenden Namen „World“ oder „World Music“ bekannt.

Ein Junge, der schon den ganzen Abend abseits der Hochzeitsgesellschaft einsam in der Ecke saß, stand auf, ging alleine auf die Tanzfläche und tanzte, ganz in sich versunken – ein Sufi etwa? Nein, so erzählte er mir später: er liebte die Braut, aber sie wurde heute Abend mit einem anderen, dem sie schon als Kind versprochen war, verheiratet. Von ihm erfuhr ich die ganze Geschichte, des Liedes und die seine, nebenbei, wir wurden Freunde, aber nicht etwa weil er mir leid tat, das war vorher. Dies nun ist sein Lied – das Original von The Rolling Stones komponiert und gesungen:

I see a red door and I want it painted black
No colors anymore I want them to turn black
I see the girls walk by dressed in their summer clothes
I have to turn my head until my darkness goes

I see a line of cars and they’re all painted black
With flowers and my love, both never to come back
I see people turn their heads and quickly look away
Like a newborn baby it just happens ev’ryday

I look inside myself and see my heart is black
I see my red door and it has been painted black
Maybe then I’ll fade away and not have to face the facts
It’s not easy facing up when your whole world is black

No more will my green sea go turn a deeper blue
I could not forsee this thing happening to you
If I look hard enough into the setting sun
My love will laugh with me before the morning comes

I see a red door and I want it painted black
No colors anymore I want them to turn black
I see the girls walk by dressed in their summer clothes
I have to turn my head until my darkness goes

Hmm, hmm, hmm…

I wanna see it painted black, painted black
Black as night, black as coal
I wanna see the sun, blotted out from the sky
I wanna see it painted, painted, painted, painted black
Yeah

Hmm, hmm, hmm…

 

Meine Übersetzung:

 

Ich seh‘ ’ne rote Tür und ich wollt‘ sie wäre schwarz
Mag keine Farben mehr, ich wollt‘ sie würden schwarz
Die Mädchen gehen vorbei in leichtem Sommertüll
doch wende ich mich ab, bis Klarheit in mei’m Kopf.

Ich seh ’nen Autocorso und alle sind sie schwarz
mit Blumen und „My Love“, doch beide sind nun fort
Seh‘: Leute geh’n vorbei und dreh’n die Köpfe weg
Als wär’n sie neugebor’n. Und das geht täglich so.

Schau ich in mich hinein, so sehe ich nur schwarz
Ich seh‘ ’ne rote Tür und doch ist sie nur schwarz
Kann sein ich will nur weg um nicht zu seh’n was Fakt
Nach vorn zu seh’n ist schwer, wenn alle Welt ist schwarz.

Ich seh‘ ’ne rote Tür und ich wollt‘ sie wäre schwarz
Mag keine Farben mehr, ich wollt‘ sie würden schwarz
Die Mädchen gehen vorbei in leichtem Sommertüll
doch wende ich mich ab, bis Klarheit in mei’m Kopf.

 Hmm, hmm, hmm …

 Will seh’n nun alles schwarz, nur noch im tiefsten Schwarz
Schwarz wie die Nacht, so schwarz wie’n Brikett
Ich will, dass die Sonne endlich voll vom Himmel abhaut
Damit ich alles für immer nur noch schwarz seh’n kann.

Yeah

Hmm, hmm, hmm …

Passt das im Grundgestus nicht auch wie die Faust aufs Auge zur Verzweiflung von  „Black Earth“ von Fazil Say? Die Leiden des jungen Werthers scheinen wohl überall wie Unkraut dem Boden der Liebe zu entspringen, das süße Leid der Liebe ist nicht nur unausrottbar, es übt ganz offensichtlich auch eine große Anziehungskraft auf kreative Gemüter aus. Es ist ja nicht so, dass uns solches Leid nur nieder drückt, untätig werden lässt – ganz im Gegenteil, es kann unsere schöpferischen Kräfte aufrütteln, wie der amerikanischen Philosoph Raph Waldo Emerson schreibt:

Solcherart also ist die Naturgeschichte der Trübsal. Die Veränderungen, die in kurzen Zwischenräumen das Wohlergehen der Menschen aufbrechen, sind Ermahnungen einer Natur, deren Gesetz das Fortschreiten ist. Jede Seele verläßt durch diese eigentliche, innere Notwendigkeit ihr ganzes System von Dingen, ihre Freunde und Heimat und Gesetze und den Glauben, wie das Schalentier aus seiner schönen, aber steinernen Hülle kriecht, weil sie kein weiteres Wachstum zuläßt, so bildet es sich allmählich ein neues Haus. Im Verhältnis zur Kraft des Individuums sind diese Revolutionen häufig, bis sie in einem glücklichen Geiste unaufhörlich sind und alle weltlichen Beziehungen nur lose an ihm hängen und gleichsam zu einer durchsichtigen flüssigen Membrane werden, durch die die lebendige Form gesehen wird, und nicht wie bei den meisten Menschen zu einem verhärteten vielartigen Gewebe von Daten und einem nicht bestimmten Charakter, worin der Mensch eingeschlossen ist. Dann ist Erweiterung möglich, und der Mensch von heute erkennt kaum den Menschen von gestern wieder. Und derart sollte die äußere Biographie des Menschen in der Zeit sein, ein alltägliches Abwerfen von toten Umständen, so wie er seine Kleidung Tag für Tag erneuert. Aber uns, in unserem gesunkenen Zustand, die wir verharren und nicht fortschreiten, der göttlichen Ausdehnung widerstehen und nicht mitwirken, kommt dieser Fortschritt durch Schicksalsschläge.
Wir können uns nicht von unseren Freunden trennen. Wir können unsere Engel nicht gehen lassen. Wir sehen nicht, daß sie nur gehen, damit Erzengel kommen mögen. Wir sind Götzendiener des Alten. Wir glauben nicht an die Reichtümer der Seele, an ihre Ewigkeit und Allgegenwart. Wir glauben nicht, daß im Heute eine Kraft liegt, die mit dem schönen Gestern wetteifern und es neu schaffen könnte. Wir verweilen in den Trümmern des alten Zeltes, wo wir dereinst Brot, Schutz und Organe hatten; noch glauben wir, daß der Geist uns wieder nähren, schützen und beleben kann. Wir können nicht wieder etwas so Teures, Edles und Anmutiges finden. Aber wir sitzen da und weinen vergebens. Die Stimme des Allmächtigen sagt: >Auf und immer stetig fort!< Wir können nicht zwischen den Trümmern verweilen. Wir wollen aber auch nicht dem Neuen vertrauen; und so wandern wir immer mit zurückgewandten Blicken, jenen Ungeheuern gleich, die nach hinten schauen.
Und dennoch werden, nach langen Zeiträumen, die Kompensationen für die Trübsal auch dem Verstande ersichtlich. Ein Fieber, eine Verstümmelung, eine grausame Enttäuschung, ein Verlust von Reichtum, ein Verlust von Freunden scheint im Moment ein unbezahlter, ein unbezahlbarer Verlust. Aber die sicheren Jahre offenbaren die tiefe, heilende Kraft, welche allen Tatsachen zu Grunde liegt. Der Tod eines teuren Freundes, der Ehefrau, des Bruders, der Geliebten, der nichts als Beraubung zu sein schien, nimmt etwas später das Ansehen eines Führers oder Genius an; denn er bewirkt gewöhnlich Umwälzungen in unserer Lebensweise, beendet eine Epoche der Kindheit oder der Jugend, die auf einen Abschluß wartete, bricht eine gewohnte Beschäftigung ab, oder löst einen Haushalt auf, oder beendet einen Lebensstil und gestaltet das Werden neuer, die dem Fortschritt des Charakters günstiger sind. Es erlaubt oder erzwingt das Anknüpfen neuer Bekanntschaften und das Empfangen neuer Einflüße, die sich in den nächsten Jahren als höchst wichtig erweisen; und der Mann oder die Frau, die eine sonnige Gartenblume, ohne Raum für ihre Wurzeln und zu viel Sonnenschein für ihr Haupt geblieben wären, durch das Fallen der Mauern und die Vernachlässigung des Gärtners, werden sie zum heiligen Feigenbaum des Waldes, der den Menschen im weiten Umkreis Schatten und Frucht gewährt.

Es gibt auch eine noch rockigere Instrumentalversion dieses Titels von Deep Purple, in der sich der Schlagzeuger so richtig austoben darf und die ich deshalb dem werten Leser nicht vorenthalten möchte und da „Deep Purple“ außerdem verdammt gute Musik macht. 😉

Deep Purple „Paint It, Black“:


 


 

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