Altruismus

Wir halten uns für »egoistisch« und werden von anderen so gesehen, wenn wir unsere eigenen Interessen zu verfolgen scheinen. Andererseits glauben wir daran, daß ein Handeln zum Wohl anderer, das anscheinend nicht selbstdienlich ist, von »guter Moral« zeugt; wir fühlen uns gedrängt, dem Weg des »Altruismus« zu folgen, und wir respektieren andere, die ihm folgen. Weil wir uns der Kosten, Risiken und Gefahren, die darin stecken — des Handicaps —, wohl bewußt sind, beeindruckt uns Uneigennutz. Trotzdem halten wir es für unanständig, zu berechnen, welchen Nutzen uns der Uneigennutz bringen kann.

Die Scham aber, die wir fühlen, wenn wir eine Gunst nicht mit einer ebenso großen Gunst erwidern können, zeigt, daß wir uns des Prestigegewinns wohl bewußt sind, den der Altruismus bringt, und daß wir wissen, welche Auswirkung das Prestige auf unsere Stellung in der Gesellschaft hat. Die Weisheit von Generationen erkennt an, daß Uneigennützigkeit in der Tat belohnt wird — man tut sich selbst Gutes, wenn man Gutes tut, oder wie unsere Großmutter zu sagen pflegte: »Wenn du Gutes tust, tust du gut.«

Amotz und Avishag Zahavi : „Signale der Verständigung: Das Handicap-Prinzip

Klappentext:
Warum schlägt der Pfau sein Rad, warum trägt der Hahn einen auffälligen roten Kamm, warum zieren leuchtende >Augen< die Flügel der Schmetterlinge? Das haben wir schon immer gewußt — oder zu wissen geglaubt — und erklärt mit: Imponiergehabe, Balzverhalten, Mimikry, Anpassung an die natürliche Umgebung. Doch das sind unzureichende Erklärungen, wenn sie überhaupt zutreffen. Amotz und Avishag Zahavi, die Verhaltensforscher aus Israel, gehen weiter, sie nehmen uns mit auf eine atemberaubende Entdeckungsreise, an deren Ende eine neue Theorie über die Formen und Signale des Zusammenlebens steht, eine Theorie, die unser Verständnis der Biologie wesentlich erweitert. Die traditionelle Verhaltensbiologie hat in der besonderen biologischen Ausprägung von Lebewesen Reaktionen auf die Umwelt, auf das Milieu gesehen, Zeichen der Anpassung, die das Uberleben der Gattung ermöglichen. Erst die Forschungen der Zahavis zeigen, daß die angeborenen Eigenschaften und Verhaltensweisen eines Lebewesens (auch) ganz anders zu verstehen sind: als Signale der Verständigung, der Kommunikation, die nicht, wie in der Evolution sonst üblich, dem Prinzip des geringsten Widerstandes folgen, sondern im Gegenteil: Die entscheidenden Signale, die Lebewesen einander geben, erfordern einen besonders hohen Aufwand, eine besondere Anstrengung, höhere biologische >Kosten<, um erfolgreich zu sein. Und erfolgreich ist ein Signal dann, wenn es eindeutig ist, wenn es nicht gefälscht werden kann. Nur dann, wenn es genau und verläßlich ist und damit notwendigerweise auch >kostspielig ist<, ja scheinbar sogar ein Handicap darstellt, wird es auch beachtet. Ein solches Handicap stellt sich evolutionsbiologisch geradezu als Vorteil heraus. Inzwischen ist die Theorie, die Amotz und Avishag Zahavi in zwanzig Jahre langer intensiver Feldforschung in den unterschiedlichsten biologischen Populationen (Südafrika, Amerika, Israel) entwickelt haben, weltweit anerkannt. Die vielen in diesem Buch angeführten Beispiele zeigen, wie tief das Handicap-Prinzip auch ins menschliche Leben eingebettet ist; es erweitert unser Verständnis biologischer, psychologischer und auch ethischer Verhaltensmuster, von Sprache und nichtverbaler Kommunikation. Das Handicap-Prinzip trägt dazu bei, die Verhaltensweisen bei Mensch und Tier besser zu verstehen.

Amotz Zahavi, geboren 1928, ist Professor emeritus für Zoologie am Institute for Nature Conservation Research der Universität Tel-Aviv.
Avishag Zahavi war von 1969 bis 1988 Professorin für Pflanzenpysiologie am Volcani Center for Agricultural Research, Bet-Daran, Israel.


 


 

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