Das Land der armen Leute 5

Auf der Rhön kreuzen sich die Überlieferungen uralter Armut mit denen früherer Gewerbsblüte. Die historische Armut haftet dort mehr an einzelnen Tälern und Hochlagen als am ganzen Gebirg.
Schon eine Menge Ortsnamen bezeugen dann als epigrammatische Geschichtsurkunden aus grauer Vorzelt, daß von Anbeginn Armut, Öde und Düsterheit das Grundwesen solcher Striche gewesen sei: Sparbrod, Wüstensachsen, Kaltennordheim, Wildflecken, Schmalenau, Dürrhof, Dürrfeld, Todtemann, Rabenstein, Rabennest, Teufelsberg, Mordgraben usw. Im Geiste der Etymologie des 18. Jahrhunderts leitete man den Namen der Rhön selbst frischweg von „rauh“ ab.
Bei andern deutschen Gebirgen kommt ähnliches vor, aber schwerlich sind irgendwo auf so kleinem Raum so viele schauerlich deutsame Namen zusammengedrängt. Unter den Würzburger Bischöfen findet sich auch ein Mann von der hohen Rhön: Heinrich von der Osterburg. Er soll aber seinen Hofhalt so kümmerlich ausgestattet haben, daß man ihm den Beinamen ,,Käs und Brot“ gegeben. Wenn man heutzutage durch die hohe Rhön wandert und tagelang in den elenden Dorfschenken in der Tat noch immer keine andere Kost als Käse und Brot nebst widerlichem Kartoffelfusel auftreiben kann, dann bleibt einem dieser Bischof fortwährend in lebhaftem Andenken, und man wird versucht, ihn als das echteste Rhöner Kind zum Schutzpatron des ganzen Gebirges zu erklären.



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