Juan Cabanilles: Tiento I.4 partida de mano derecha sobre „Ave Maris Stella“

Tiento IV, partida de mano derecha sobre „Ave Maris Stella“

Opera omnia des JOAN BAUTISTA JOSÉ CABANILLES Y BARBERÀ (1644-1712) Band I, Nr. 4
herausgegeben 1929 durch Institut d’Estudis Catalans: Biblioteca de Catalunya, Barcelona
in der Reihe: Publicacions del Departament de Música VIII

Arsenio Garcia-Ferreras schriebt in „Juan Batista Cabanilles. Sein Leben und sein Werk. Die Tientos“ [ (Dissertation). Bosse, Regensburg 1973, ISBN 3-7649-2086-6.] über dieses Tiento auf Seite 130/131:

Besondere Erwähnung verdient noch das Tiento Nr. 4 sobre „Ave maris stella“, in dem Cabanilles diese gregorianische Melodie als Thema für seine Komposition zugrunde legt. Die Zeilen der Hymne bestimmen die Gliederung des ersten Teiles in vier Abschnitten; trotzdem ist diese Bearbeitung weder im Cantus firmus Stil noch als Choralmotette angelegt. Vielmehr versucht Cabanilles, die Struktur der „partidos de mano derecha“ beizubehalten.
Er gliedert das 181 Takte lange Stück in 2 Teile, die – wie üblich -verschiedene Taktarten aufweisen. Der erste (im 4/4-Takt) besteht -den Zeilen der Hymne entsprechend – aus vier Abschnitten, die genauso wie in anderen Tientos der Gruppe gestaltet und behandelt werden. Der erste Abschnitt entspricht der oben dargestellten doppelten Exposition des Themas. Die Melodie der Hymne (1. Zeile) wird von der Solostimme zweimal vorgetragen: Tonika und Dominante; beiden Darstellungen geht eine Vorimitation der Baßstimmen voraus und beiden folgt eine figurative Partie im Diskant mit ausgedehnter Kadenz nach. Im zweiten, dritten und vierten Abschnitt werden die entsprechenden Zeilen – immer von den Unterstimmen eingeführt –  einige Takte lang imitativ behandelt und teilweise mit figurierten Gegenstimmen kontrapunktiert. Nahtlos geht die Solostimme in phantasievolle Figurationen und Modulationspassagen über, um mit einer reichlich verzierten Kadenz (im dritten Abschnitt mit einem in Zweiunddreißigsteln und Vierundsechzigsteln ausgeschriebenen Triller) abzuschließen.
Der Schlußteil in 12/8-Takt beginnt wiederum mit einer imitativen, kurierten Einleitung in Achtel-Bewegung (T. 134). Davon abgesehen besteht das Ganze ausschließlich aus folgenden vier Modulationspassagen (T. 140 bis 174), die fünfmal jeweils wiederholt werden …

Das Stück steht jedenfalls ganz in Bahnen des concertanten Stils der „partidos de mano derecha“ und kann wohl als eine echte Choral-Fantasie bezeichnet werden.

Infos über Juan Cabanilles, seine Musik und seine Zeit,  habe ich in meinem Beitrag Orgelwerke von Juan Cabanilles (1644-1712) zusammen getragen.

Ich habe dieses Orgelwerk mit Samples der Rieger-Orgel im Konzerthaus Wien eingespielt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

19 + 7 =