Schwedenreise (2)

Bereits am 11. Mai 2010 hatte uns – „uns“ ist der Heimatpflegeverein Gehaus e.V. – Siegfried Hessler die Buchung unserer Unterkunft auf der Insel Öland, auf dem Hof Kackelstugan bei Wirt Gunnar Aldestam, ausgerichtet. So machten wir uns in der sicheren Erwartung, ausreichend Betten für acht Personen zur Übernachtung zu finden, am 5. August auf die 1028 km lange Reise von Gehaus/Rhön nach Halltorp/Öland (Reisedauer elf Stunden und acht Minuten – berechnet von Google maps), naja… – die Reise dauerte ca. zwei Sunden länger. Meinen Ansprüchen wurde die sehr ruhig gelegene „Hühnerhütte“ (das heißt wohl „Kackelstugan“ auf Deutsch) – und das zu einem sehr zivilen Preis – vollkommen gerecht. Mit Bildern dieses rustikal-gemütlichen Hofes, aus dem Dachfenster meines Zimmers aufgenommen, beginnt die Bildergalerie weiter unten.

Unser erstes Ziel war der Südfriedhof von Kalmar, wir wollten einen Kranz auf dem Familiengrab der Familie Löfberg niederlegen. Siri Löfberg ist dort ohne Gedenkstein begraben – ob ihr schwedischer Massagesalon in Deutschland nicht dem gehobenen Status der Familie Löfberg in Kalmar gerecht wurde? Christer Löfberg, der Enkel von Siris Bruder, zeigte uns das Firmenschild ihres Geschäfts.

Wir fuhren also über die – aus Richtung Öland kommend speziell – beeindruckende Ölandbrücke nach Kalmar, um zunächst Christer abzuholen. Er führte uns erst einmal zu allen Wohnstätten Siris nach 1947 und danach auf den Südfriedhof zum Familiengrab der Löfbergs, wo Reinhold Lotz mit Christer den mitgebrachten Gedenkkranz niederlegte.

Nach dem Mittagessen präsentierte uns Siegfried Hessler die Altstadt (Gamla staden) und den Alten Kirchof von Kalmar. Anders Johansson schreibt in seinem Buch „Im Herzen von Kalmar“ von 1992 über die Altstadt:

Anderthalb Meter unter der heutigen Altstadt liegt die Stadt des Mittelalters. Alles, was beim Bau der Neustadt auf Kvarnholmen noch übrigblieb von den niedergelegten Wällen, wurde nämlich über der mittelalterlichen Stadt ausgebreitet, die buchstäblich unter den Schuttmassen verschwand. Nur unbedeutende Reste der Ringmauer, wie bei der Skansgatan, und der städtischen Befestigung vom Ende des 16. Jahrhunderts, der Bastion Skansen, sind heute noch von der mittelalterlichen Stadt über Tage geblieben. Teile dieses älteren Kalmars werden indes regelmäßig bei Straßenbauarbeiten ans Licht gebracht, wie z.B. im Herbst 1990 nahe beim Schloß ein schöner, gewölbt aufgeführter mittelalterlicher Keller mitten in der Kungsgatan. Wenn sich ein solcher Schacht auftut, ist es, als sähe man im Brunnen der Geschichte auf eine unerfaßliche Welt nieder; ein eigentümliches Gefühl, daß auch die Gegenwart Geschichte ist und daß es wohl nicht die Absicht war, daß die Überreste von Zeit und Menschen der Vergangenheit hier Zeugnis ablegen sollten. Unter der Erde liegen die verschiedenen Zeitschnitte der Entwicklungsgeschichte der Stadt. Bis zu drei verschiedene Schichten von Straßenpflasterung hat man manchmal bei archäologischen Ausgrabungen angetroffen. In vielen Kellern der heutigen Häuser befinden sich Teile mittelalterlichen Mauerwerks.
Kaum war die Stadt des Mittelalters unter die Erde gebracht, da wuchs schon neue Bebauung auf ihren Trümmern auf. Im 18. und 19. Jahrhundert führten Handwerker und Seeleute hier ihre Häuschen auf, aber das Gebiet zog auch die reiche Bürgerschaft der Stadt an. Es gebührte sich, daß die vermögenden Kalmarer Kaufleute außer ihrem Haus in Kvarnholmen auch ein „Gartenhaus“ in der Altstadt besaßen. Dorthin gingen die Familien in die Sommerfrische, weg von der baumlosen Festungsstadt, aber auch um dort anzubauen, was man im Laufe des Jahres brauchte.
Den Ort der mittelalterlichen Stadt erreicht man am leichtesten durch die Lindenallee des Slottsvägen, die im Juli eine summende Bienenorgel ist. Die Schloßallee streicht am Stadtpark vorbei und endet unter den hohen Bäumen des 1860 angelegten Südfriedhofes; mit den mächtigen Baumwipfeln, durch die das Licht hinunterschimmert, und dem Sund ganz dicht an der Friedhofmauer, wie Wellen an einem Schiff, ist er sicher einer der schönsten des Landes.

Und über den Alten Kirchhof schreibt Anderssson im gleichen Buch:

Man sagt, wer in einer alten Stadt wohnt, werde selber ein Teil der tiefen Erinnerung der Stadt an Geschichte, Kultur und Überlieferung. Auch die Stadt selber ist ein Teil ihrer Vergangenheit. Als man 1678 die Hauptkirche (Storkyrkan) der Altstadt gesprengt hatte, wurden Steinblöcke nach Kvarnholmen transportiert, um in das Mauerwerk des Rathauses und des Doms einzugehen. Die Kanzel und ein Teil der Grabplatten waren schon weggebracht. Im Anfang des 19. Jahrhunderts wurden außerdem eine Anzahl Grabplatten vom Alten Kirchhof zum Dom transportiert und dort im Fußboden eingelegt.
Die Reste der Hauptkirche liegen seit mehr als 300 Jahren verborgen unter dem Rasen des alten Kirchhofes; eine Gedenkplatte kennzeichnet den Platz. Aber auch wenn die Kirche gesprengt und die Stadt dem Erdboden gleichgemacht wurde, benutzte man den Kirchhof noch 200 Jahre weiter. Heute ist er ein ungewöhnlich stimmungsvoller Park; unter niedrigen Grabsteinen mit dem Stundenglas des Barocks oder Totenschädeln in abgewetztem Relief ruhen viele der Bewohner vom Kalmar des 17 .Jahrhunderts.
Unter den Grabsteinen seien hier zwei zu erwähnen: Der eine Grabstein stellt einen Ritter und eine Jungfrau dar. Bei dem Stein ist aber etwas Sonderbares; bei genauerem Betrachten sieht man, daß er abgehauen ist in gleicher Höhe mit den Hälsen der beiden Abgebildeten. Mit der Grabplatte verhält es sich so: 1599 nahm Herzog Karl Kalmar im Sturm. Nach einiger Zeit ergab sich auch das Schloß. Die Befehlshaber des Schlosses wurden wegen ihrer Treue gegen König Sigismund hingerichtet, darunter der alte Christoffer Andersson Grip. Nach dem Altertumsforscher und Reisenden Rhezelius, der 1634 den schon da gestutzten Stein abzeichnete, wurde der Kopf des Hingerichteten auf dem Westtor der Stadt aufgesteckt. Die Hinrichtungen wurden später Herzog Karls Schlachtbank genannt. Aus guten Gründen steht zu vermuten, daß Herzog Karl seine Rache auch an dem Grabstein ausgelassen hat, unter dem schon Grips Ehefrau ruhte, daher die Verstümmelung.
Das zweite zu erwähnende Grab sticht etwas prunkhaft von den anderen Grüften ab. Es ist ein Grabmal, aufgeführt von dem Kalmarer Gymnasiallehrer Johan Stagnel, einem Großonkel des Dichters Stagnelius. Er scheint eine streitsüchtige Person gewesen zu sein, die in vielen Gerichtsprotokollen figurierte, ein Freidenker und Rabulist, der vielen ins Gehege kam, Feinde machte, aber auch von der Jugend für etwas von einem Freiheitshelden gehalten wurde.
Stagnel wird mit einer Passionsgeschichte verknüpft, die die Kalmarer Kleinstadt bewegte. Er ging nämlich ein Verhältnis mit einer verheirateten Frau ein. Der Versuch des Bischofs, einzugreifen und die Ordnung wiederherzustellen, mißlang. Als der betrogene Mann starb, zog die Frau mit Stagnel zusammen; sie etablierten sich kurzerhand als Partner, ehe sie heirateten. Im 18. Jahrhundert war das zweifelsohne ein prächtiger Skandal. Einige Jahre nach der Heirat verstarb die Frau, und da ließ Stagnel die Gruft bauen, in der er sich 1795 mit ihr vereinte. Die Inschrift über der Tür bezeigt, daß er sich von Feinden umgeben fühlte und das Bedürfnis hatte, die Polemik auch dem Tode fortzusetzen. Über die erste Heirat der Frau liest man auf der Kalksteinplatte, daß sie „zu einer schweren Ehe gezwungen“ war. Er ermahnt seine Widersacher, mit dem Neid aufzuhören – „wenn Du kannst“ – damit seine Asche und die seiner Frau die „Ruhe genießen“ können. Ein friedliches Gemüt traute er ihnen aber offenbar doch nicht zu, denn gleich verschärft er den Ton: „So magst Du wissen, daß wir mit Gleichmut, hier in diesen Steinen, /in unserm düstern Haus Dein Gift verachten/ und süß in Frieden schlafen, bis zu dem großen Jüngsten Tag,/..“

Über das Schloss von Kalmar hat Anders Johansson ein sehr philosophisch-poetisches Buch „Das Schloss am Kalmarsund“ geschrieben. Es wurde uns von Christer Löfberg geschenkt und erst damit wurde ich auf Anders Andersson aufmerksam und süchtig auf all das, was er schrieb. 😉 . Ich werde aus diesem Buch allerdings nicht zitieren, die Mitreisenden besitzen es, die anderen Leser können sich vielleicht mit dem Link zu Wikipedia begnügen oder sich das Buch über den schwedischen „Barometern förlag“ (ISBN 91 9724 429 5) besorgen – ehrlich Interessierte, scheut die Mühen nicht, sie werden reich belohnt! Ich hoffe, meine Bilder machen Lust auf seine Bücher oder auf einen Besuch in Kalmar. Mich haben die Verknüpfung des Schlosses, es ist eigentlich eine gewaltige Festung – mit herausragenden Ereignissen der europäischen Geschichte, welche Anders Johansson so eindrücklich beschrieb, und auch dessen monumentaler Baustil sehr fasziniert.

Am Samstag dann sollte der, dank Petrus – wohl weil nicht Mitglied unseres Heimatpflegevereins! – leider regnerische „Öland-Deutschland-Tag“ in Torlunden der Höhepunkt des Tages werden. Hatte schon die schwedische Lokalpresse diesen Tag vorher groß angekündigt, so wurde danach unser Besuch, z.B. auch in der Zeitung Runsten öland durch Siegfried Hessler, gebührend gewürdigt. Wir Gehauser besuchten an diesem Tag noch das Geburtshaus von Erik Johan Stagnelius, ein ehemaliges Pfarrhaus in Gärdslösa, das heute als Stagnelius-Museum von einem sehr engagierten Schwesternpaar geleitet wird. Eine der Schwestern trug uns – unter mehrfacher Bitte um Entschuldigung für ihr angeblich schlechtes Deutsch – absolut hinreißend dessen Gedicht „Necken“ (Der Nöck) vor

 

Goldumwolkte Himmelsfeste.
Auf der Wiese Elfenreigen,
Und der laubbekrönte Necken
rührt im Silberbach die Geige.

Unterm Weidenbaum ein Knabe
Weilt in blauem Veilchenduft,
Hört die Quelle klingend klagen,
In die stille Nacht er ruft:

„Armer Alter! Warum immer?
Kann das dir die Schmerzen lindern
Wald und Feld magst du erfreuen,
‚hörst doch nie zu Gottes Kindern.

Paradiesisch‘ Mondscheinsnächte,
Edens blumenreiche Auen,
’s Licht der Engel in der Höhe –
Wird dein Auge nimmer schauen.“

Tränen fließen aus den Augen,
In die Wellen taucht er nieder.
Geige schweigt. Und der Necken
Spielt im Silberbach nie wieder.

Übertragung von Erich Schwandt

 

Nun aber muss ich auch noch das mir klangvoller und melodiöser erscheinende schwedische Original vorstellen – man kann es auf dem Fundament des gleichen Versmaßes in der deutschen Übersetzung sicher ganz passabel zum Klingen bringen, auch wenn man nicht schwedisch spricht:

 

Quällens gullmoln fästet kransa.
Älfvorna på ängen dansa,
Och den bladbekrönta Necken
Gigan rör i silfverbäcken.

Liten pilt bland strandens pilar
I violens ånga hvilar,
Klangen hör från källans vatten,
Ropar i den stilla natten:

”Arma Gubbe! hvarför spela?
Kan det smärtorna fördela?
Fritt du skog och mark må lifva,
Skall Guds barn dock aldrig blifva!

Paradisets månskensnätter,
Edens blomsterkrönta slätter,
Ljusets Änglar i det höga –
Aldrig skådar dem ditt öga.”

Tårar Gubbens anlet skölja,
Ned han dykar i sin bölja.
Gigan tystnar. Aldrig Necken
Spelar mer i silfverbäcken.

Die zu diesem Pfarrhaus gehörige Kirche von Gärdslösa lernten wir unter kundiger Führung von Siegried Hessler dann am Sonntag kennen. Ich kann mir wegen des ausführlichen Artikels bei Wikipedia nähere Ausführungen sparen. Was mich besonders beeindruckte, das war die Offenheit der schwedisch geprägten evangelischen Religion: neben einer Madonna aus dem 15. Jahrhundert, die ich eher in einer katholischen Kirche erwarte, stand in einem der Fenster auch eine Menora, die man als Deutscher nur einer Synagoge zugehörig vermuten würde. Die Kirche ist auf Öland wegen ihres Alters gegenüber den anderen Kirchen auf der Insel etwas Besonderes. Im 19. Jahrhundert wurden nämlich fast alle der dortigen alten Kirchen wegen Platzmangels, infolge der deutlich gewachsenen Bevölkerung, abgerissen und dann in einem von Bischoff Esaias Tegnér vorgeschriebenen Einheitsstil größere Kirchen, die im Volksmund als „Tegnérlador“ (Tegnérscheunen) verspottet wurden, neu errichtet.

Der Solliden-Park, in der Nähe Borgholms, der zum Schloss Solliden, dem Sommerschloss der königlichen Familie, gehört, war unser nächstes Ziel. Er ist in mehrere Stilbereiche aufgeteilt: einen italienischen Garten, direkt vor dem Schloss, dahinter ein englischer Park, ein holländischer Garten – mit verschiedenen antikisierenden Statuen, wie z.B. dem Dornauszieher, Amor und Psyche, einer Nachbildung des Sitzenden Hermes aus Herkulaneum – aber auch moderne Kunst findet man hier.

Es war ein trüber Tag, dieser Sonntag, unsere Stimmung konnte uns das Wetter jedoch nicht vermiesen. Wann gelingen denn schon sonst solche verzauberten Stimmungsbilder von solchen magischen Ruinen wie Schloss Borgholm, das in der umgebenden, rauen Landschaft zu verschwimmen scheint!

Von der Kalksteinsteppe, dem Großen Öländischen Alvar, lasse ich wieder Anders Johansson aus seinem Buch „Öland – Himmel und Erde“ erzählen:

Über das Große Öländische Alvar gehen die Ansichten auseinander. Als der Naturforscher Carl von Linnäus an einigen Sommertagen 1741 über „den Allwarden“ blickte, fand er an dem, was er sah, keinen Gefallen. Der Auffassung von dem vierzig Kilometer langen und bis zu zehn Kilometer breiten Kalkfelsboden schließen sich spätere Reisende wie Linnerhielm und Horace Marryat an: Meile nach Meile zu nichts nütze.
Besiedlung ist auf dem Alvar seit Vorzeiten vorgekommen; alle, die hier versuchten, ansässig zu werden, haben es aber früher oder später aufgeben müssen. Ausnahmen sind eine Handvoll Alvardörfer, deren Felder auf einer etwas dickeren Erdschicht ruhen.
Folgende Aussage mag die Einschätzung des Alvars unter Öländern älterer Zeiten zusammenfassen: ,,Ehe die Städter kamen, haben wir nie an die Schönheit des Alvars gedacht. Das Alvar war so, wie es war, und ging nicht zu ändern.“
So erzählt der Schäfersohn Einar Eklöf aus dem Sprengel Sandby von seiner Kindheit am Alvar um die Jahrhundertwende herum: „Wer damals alt war, war mehr oder weniger arbeitsunfähig und lag zu Bett, denn die Katen waren elend und Brennholz war immer knapp. Wie man die Winter, die immer schrecklich kalt und windig waren, überleben konnte, kann ein Gegenwartsmensch, der behaglich warme Häuser gewohnt ist, nicht fassen. Für viele war das einzige, was sie zum Heizen hatten, Fladen, das heißt trockener Kuhdreck, und Reisig. Draußen bei den Tieren im Stall war’s wärmer als drinnen.“
Die heutige hohe Einschätzung des Alvars gehört zu späterer Zeit. Die Vorstellung wurde von Dichtern und Malern, und von den ersten Touristen, verbreitet. Im Sommer 1902 dichtete die Stockholmer Lehrerin Anna Kruse nach ein paar Wochen am Alvar:

„Ich liebe die schweigenden Weiten am meisten,
Wenn sie im vollen Mondschein träumen,
Wenn sie im Glanze der Mondstrahlen schlummern,
Schwindet auf Erden all Unruh‘ und Kummer.“

Der Öländer und die Touristin aus der Großstadt hatten natürlich beiderseits recht. Auf dem Alvar war der Horizont dem des Meeres ähnlich. Klima, Bodenbeschaffenheit, der Mensch und seine Haustiere hatten im Laufe der Jahrhunderte eine der ärmsten und extremsten Landschaften Schwedens hervorgeschliffen. Hier sind ein paar Zahlen nötig! Im Jahre 1805 wohnten 20.000 Menschen auf Oland. 1880 war die Einwohnerzahl auf 38.000 gestiegen – in weniger als einem Jahrhundert nahezu eine Verdopplung. Es enststand eine viel tausendköpfige Klasse von Eigentumslosen außerhalb der Grundwirtschaft des Bauernwesens. Die Häusler – die vor dem Dorf wohnten — wurden Schneider und Schreiner, Schuster und Seeleute, vielgewandte Meister im Überleben.
Genau wie die Armen Indiens und die Bewohner afrikanischer Oasen es heute noch tun, sammelten sie auf dem Alvar Reisig und Kuhmist. Das Alvar ist nicht im geringsten unberührte Natur. Das um die Jahrhundertwende völlig kahle Alvar gehört zu einer Energiekrise. Es entstand unter hartem Druck durch Menschen und Tausende von Schafen, Pferden und anderen Haustieren. Zuletzt wurde die Lage auf Öland unhaltbar. Im Rahmen der alten Gesellschaft fanden alle ganz einfach nicht mehr Platz. Die Rettung von der Katastrophe war die Auswanderung nach Amerika. Die Einwohnerzahl sank im Laufe von 30 Jahren mit 13.000 Menschen ab.
Die Stadt entdeckte das Land – diese in Schweden allgemein anwendbare These trifft besonders auf das Alvar zu. Und da der Mythos stärker als die Wirklichkeit ist, hat sich ein romantisches Bild von dem Alvar verbreitet und durchgesetzt.
Das Große Öländische Alvar ist eine der häßlichsten Landschaften Schwedens und eine der schönsten. Da könnten wir den ganzen Tag im Freien laufen ohne andere Begleitung als klingenden Lerchengesang und sehen, wie der bodenlos blaue Himmel sich rund um die Erde senkt.

Die letzte Zacke Ölands, Ölands södra udde, das Südkap, war auch unser letztes Ziel an diesem Tag und auf dieser Reise. Der „Långe Jan“ verschmolz fast mit dem trüben Himmel im Nebel. Ein melancholischer Abschied von einer bemerkenswert vielgestaltigen Insel…



 

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