Camille Saint-Saëns: Cyprès op. 156 Nr. 1

Dreiundzwanzig Jahre nach der Komposition der sehr bekannten und erfolgreichen dritten Symphonie c-Moll, op. 78 für Orgel und Orchester schrieb Saint-Saëns im März 1919 in Algerien nochmals ein Werk für diese Besetzung. Das Ende des Ersten Weltkriegs war der Anlass dieses zweiteilige musikalischen Fresko zu komponieren, dessen erster Teil (Cyprès) Saint-Saëns für Orgel Solo bestimmte.
Die mediterrane Zypresse ist das traditionelle Symbol der Trauer, was den elegischen Charakter des ersten Teils dieser Programmmusik erklärt. Dagegen ist der zweite Satz, Lauriers (Lorbeeren), für Orgel und Orchester eine Ode an die Freiheit.
Dieses Werk hat Saint-Saëns Raymond Poincaré, dem damaligen Präsidenten  der République Française, gewidmet
Bei der Uraufführung im Juli 1919 im Casino des belgischen Nordseebades Ostende spielte der Komponist höchstpersönlich den Orgelpart; die zweite Aufführung fand unter Saint-Saens Leitung im großen Saal des Pariser Palais du Trocadéro mit Eugene Gigout an der Cavaillé-Coll-Orgel statt. Das einstmals überaus gefeierte Werk ist heute eher selten auf den Konzertspielplänen zu finden.. Saint-Saëns machte von diesem Werk ebenfalls eine Bearbeitung für zwei Klaviere.

Das düstere Cyprès (Poco adagio, d-Moll) hat eine dreiteilige formale Anlage und basiert auf zwei Themen, die in einer mitreißenden Entwicklung durchgeführt werden, wobei die Orgelbehandlung auffallend orchestral ist. Das erste Thema ist aus Motiven spannungsvoller Sept-Akkorden zusammengestellt. Ihm folgt ein ruhiges zweites Thema, das ebenfalls aus kurzen Motiven aufgebaut ist. Eine allmähliche Steigerung über tremolierenden Pedal-Sechzehnteln und Arpeggien führt zu einem Mittelteil mit einer fließenden Sechzehntel-Triolenbewegung, in der nacheinander beide Themen erscheinen. Nachdem sich die Musik zu einer dramatischen Klimax gesteigert hat, kehrt im folgenden Adagio-Abschnitt das zweite Thema wieder. Dieses mündet in ein wehmütiges Andantino, wonach das Stück mit einer letzten Reminiszens an die beiden Themen beschlossen wird.

Ich habe diese drei Orgelwerke mit Samples der Rieger-Orgel im Konzerthaus Wiens eingespielt.

Literatur (Links zu PDF’s) über das Werk und den Charakter von Camille Saint-Saëns:

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