Sergej Rachmaninow: Prelude cis-Moll op. 3 Nr. 2

Das Prelude cis-Moll op. 3 Nr. 2 (Lento, 4/4) von 1892 aus den 5 Fantasiestücken op. 3 von Sergej Rachmaninow hat den Komponisten populärer gemacht als sein gesamtes »übriges« Schaffen; auf einer New-Yorker Wohltätigkeitsveranstaltung erzielte die Life-Aufnahme mit Rachmaninow eine Million Dollar. Ebensosehr hat es ihn — allerdings unverdientermaßen — belastet. Es ist nicht seine Schuld, daß die auf so engen Raum komprimierte Dramatik des Stückes von Salonorchestern und Stummfilmmusikern als willkommene Klangkulisse missbraucht wurde. Bei näherer Betrachtung wird man vielmehr fasziniert sein von dem untrüglichen Gespür, mit dem der junge Rachmaninow hier auf originelle, neuartige Weise Wirkungen erzielt. Urrussisches Glockentimbre und das gebieterische Pochen eines schicksalsträchtigen Motivs (Reminiszenzen an Beethovens Fünfte) bestimmen die Außenteile. Jener Dreitonkeim fungiert als dynamisch isoliertes Motto:

Nach einem erregten Triolenabschnitt, der mit einer toccatenartig niederbrechenden Kaskade schließt, kehrt das ursprünglich tastende Anfangsmotiv mit ungeheurer Wucht (pesante, Steigerung bis sffffl, Verdoppelung beider Handpartien — 4 Systeme!, durchklingendes Pedal) unter machtvollen Glockenschlägen zurück, um dann allmählich in jene beklemmende Ermattung abzufallen, die dem Initialruf des Verhängnisses gefolgt war. [Christof Rüger, 1979]

Ausführliche Entstehungsgeschichte des Werks, mit zeitgenössischer Fotografie des Ortes der Uraufführung.

Das Hintergrundbild des Musikvideos ist von Lew Lwowitsch Kamenew.

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