Orlando di Lasso/Jacob Paix: Jerusalem plantabis vineam

Nach der Motette (fünfstimmiges Responsorium) für den 2. Adventssonntag von Orlando di Lasso durch Jacob Paix auf die Orgel übertragen und mit Koloraturen versehen; eingespielt mit Samples der Riegerorgel im Großen Saal des Konzerthauses Wien (Vienna Konzerthaus Organ). Veröffentlicht wurde die Orgeltabulatur von L. Paix in Ein schön Nvtz- und Gebreüchlich OrgelTabulaturbuch, Lauingen, 1583

Der Text der Motette:

Prima Pars:

Ierusalem, plantabis vineam in montibus tuis
et exsultabis quia dies Domini veniet.
Surge, Sion, convertere ad Deum tuum.

Erster Teil:

Jerusalem, du wirst einen Weinberg pflanzen auf deinen Bergen,
und jubeln wirst du, denn der Tag des Herrn kommt.
Steh auf, Zion, wende dich zum Herrn, deinem Gott!

Secunda Pars:

Gaude et laetare Iacob
quia de medio gentium
salvator tuus veniet.

Zweiter Teil:

Freue dich und frohlocke, Jakob,
denn aus der Mitte der Völker
wird dein Heiland kommen.

Lassus [la’sy], Orlande de, ital. Orlando di Lasso, auch Roland de Lassus [de las’su = de lâ-haut »Von da oben«, den Bergen (Mons)], * um 1532 Mons (Hennegau), † 14.6.1594 München; franko-flämischer Komponist, war zunächst Chorknabe an St-Nicolas in Mons. Der Vizekönig von Sizilien, Ferdinand Gonzaga, nahm ihn mit sich nach Sizilien und später nach Mailand. 1553 wurde er als Kapellmeister am Lateran angestellt. Offenbar schon im folgenden Jahr gab Lassus die Stellung auf. Ab 1560 bezog er eine Pension des Königs von Frankreich. In die Jahre 1555/1556, die er in Antwerpen verbrachte, fallen seine ersten Veröffentlichungen. 1556 berief ihn Herzog Albrecht V. von Bayern nach München in die Hofkapelle, deren Leitung er spätestens 1564 übernahm und bis zu seinem Tode behielt. Zu seinen Schülern gehören L. Lechner, J. Eccard, Gr. Aichinger und G. Gabrieli. – Lassus‘ Gesamtwerk umfaßt über 70 Messen, 4 Passionen, über 500 Motetten, über 200 italienische Madrigale, 146 französische Chansons, 93 deutsche Lieder, 100 Magnificat, 32 Hymnen, 12 Nunc dimittis sowie Litaneien. – Während Lassus sich mit seinen 4-6stimmigen Cantus-firmus-Motetten an die niederländisch-deutsche Überlieferung der Choralmotette anschließt, liegt seine besondere Bedeutung auf dem Gebiet der Motette ohne Cantus firmus oder mit gelockerter Bindung an einen Cantus firmus. In dieser sogenannten Liedmotette hat er entscheidend auf das deutsche Motettenschaffen (Lechner, Eccard) eingewirkt. Lussus bevorzugte im Vergleich zu Palestrina ein dichteres Satzgefüge, energische Wortdeklamation und größere Sparsamkeit in der Anwendung von Melismen.

[Brockhaus-Riemann Musiklexikon: Lassus. Brockhaus Riemann Musiklexikon, S. 5845 ]

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