Julius Grobe

Zitiert aus Baier Bote 3(2005)12 vom 23. Dezember 2005:

Über Julius Grobe und seine Schwester Hermine, verheiratete Meyer

Auch Gehaus hat in seiner wechselvollen Vergangenheit berühmte Persönlichkeiten hervorgebracht. So unter anderem den Sohn des Pfarrers Salomon Grobe, Julius Grobe. Salomon Grobe war in den Jahren 1801 – 1807 in Gehaus als Pfarrer tätig. Am 18. Oktober 1807 erblickte Julius Grobe in Gehaus das Licht der Welt. Zu seiner Zeit war er ein berühmter Musikwissenschaftler besonders mit seinen Gemischten- und Männerchören. Eines seiner bisher bekannten Werke entstand 1840, da war Grobe wahrscheinlich schon Musikkantor in Nürnberg. Hier nun der folgende Text:

Mit dem Herrn fang alles an!
Melodie: Karl Julius Hermann Grobe (1807-1877)
Text: Christoph Christian Hohlfeldt (1776-1849)

Diesen Choral habe ich für Orgel solo gesetzt und mit Samples der Riegerorgel des Großen Saals im Konzerthaus Wien (Vienna Konzerthaus Organ) eingespielt.

Mit dem Herrn fang alles an!
Kindlich musst du ihm vertrauen,
darfst auf eig’ne Kraft nicht bauen;
hüte dich vor stolzem Wahn!
Mit dem Herrn fang alles an,
mit dem Herrn fang alles an.

Mit dem Herrn fang alles an!
Die sich ihm zum Führer wählen,
können nie das Ziel verfehlen;
sie nur geh’n auf sich’rer Bahn.
Mit dem Herrn fang alles an,
mit dem Herrn fang alles an.

Mit dem Herrn fang alles an!
Mut wird dir der Helfer senden,
froh wirst du dein Werk vollenden,
denn es ist in Gott getan.
Mit dem Herrn fang alles an,
mit dem Herrn fang alles an!

Text: Christoph Christian Hohlfeldt, 1776 – 1849

Im Jahr 1877 verstirbt Julius Grobe dann in Nürnberg. Wenig bekannt dürfte die ältere Schwester Julius Grobes, Hermine,  sein. Sie wurde am 08. Oktober 1804 in Gehaus geboren. Ihr späterer Lebensweg ist deshalb von Interesse, da sie den Mitbegründer von Meyers Lexikon Joseph Meyer kennenlernt und seine Ehefrau wird. Ein klein wenig wollen wir nun bei ihr verweilen.

Wie bereits erwähnt stand ihre Wiege in Gehaus. Der Vater Johann Salomon Grobe stammt aus Stotternheim bei Erfurt, war Sohn eines Lehrers. Dieser besuchte 1783 – 1787 das Gymnasium in Erfurt. Danach studierte er in Erfurt und Jena, wird anschließend Prediger an der dortigen Mädchenschule. 1797 wird er dann Vikar und kommt 1801 als Pfarrer nach Gehaus/Rhön. Infolge der Napoleonischen Zeit wird er im Jahre 1807 von Gehaus nach Weilar versetzt und eröffnet dort eine Privatschule.

1807 – 1809 verweilt Joseph Meyer zum ersten Mal in Weilar und nimmt am Unterricht in der genannten Privatschule teil. Es kommt in der Folgezeit zu mehreren Aufenthalten, s. u. a. auch 1820, wo er sich in die 16jährige Tochter Hermine Grobe unsterblich verliebt. Noch im gleichen Jahr findet die Verlobung statt. Hier beginnt auch die Verbindung zu Emil Freiherr von Boyneburg, der entscheidend in den nächsten Jahren beiträgt, die Ideen des Joseph Meyer zu verwirklichen (Meyers Universallexikon). Hermine Grobe hielt seit ihrer Verlobung fest zu den zukünftigen Gatten. Von der finanziellen Seite aus gesehen war sie die wichtigste Person bei der Gründung des späteren Verlages. Was für eine starke Persönlichkeit sie war zeigt der 01. August 1828, wo sie die alleinige Eigentümerin des gegründeten Bibliographischen Instituts wird. Zur damaligen Zeit kaum vorstellbar.

Die fruchtbare Partnerschaft erlebte ihren ersten Höhepunkt am 23. Mai 1825 in der evangelischen Kirche zu Maßbach in Unterfranken, wo die Hochzeit des Paares stattfand. Wie stark die Liebe dieser Frau zu ihrem Mann war zeigen die Jahre 1851/1852 als Joseph Meyer wegen Majestätsbeleidigung im Gefängnis saß. Wir Gehauser können auf solche Bürger stolz sein, zeigt sich doch auch hier, dass in solchen kleinen abgeschiedenen Gemeinden auch derartige Persönlichkeiten heran­wachsen können.

Am 16. November 1874 verstirbt Hermine Henriette Friederike Meyer geb. Grobe in Hildburghausen. Von ihr und ihrem Ehemann liegen Fotoaufnahmen vor. Auch das Siegel der Familie Grobe ist uns heute bekannt.

Wer mehr über diese Frau in Erfahrung bringen möchte kann sich gerne mit dem HPV e. V. Gehaus in Verbindung setzen. Der Heimatpflegeverein e. V. Gehaus dankt allen, die dazu beigetragen haben, solche kleinen Exkurse in die Geschichte dieser Persönlichkeiten zu unternehmen.

Quellen:

  • Aufzeichnungen des Mitglieds unseres HPV e. V. Gehaus, Herrn Klaus von Boyneburgk
  • Autor Karl-Heinz May „Der feurige Geist Joseph Meyer“ Verlag Frankenschwelle Hildburghausen 1996
  • Dietmar Andreas Groß Ossnig
  • Chronik von Frau Erika Jacob Weilar

Im Namen des Heimatpflegeverein e. V. Gehaus
Reinhold Lotz
Vors.

Literatur-Ergänzung:
Peter Kaiser: Der Pläneschmied. Das außergewöhnliche Leben des Verlegers Joseph Meyer. Eine Biografie


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Ein Kommentar

  • Den Choral von Julius Grobe „Mit dem Herrn fang alles an“ habe ich heute für die Orgel des Konzerthauses in Wien neu gesetzt und eingespielt.

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