Händel verbrahmst

Variationen und Fuge über ein Thema von Händel, op. 24 sind ein im Jahr 1861 entstandener und im Juli 1862 publizierter Variationen-Zyklus von Johannes Brahms über die Aria con Variazioni der ersten Suite in B-Dur (HWV 434) aus der zweiten Gruppe von Georg Friedrich Händels Werk Suites de Pièces pour le Clavecin (HWV 434 bis 442). Er besteht aus 25 Variationen und einer abschließenden Fuge.

Video 1 (Variationen 1 bis 12

Video 2 (Variationen 13 bis 25 und Fuge )

Das erste Bild im Video 1 zeigt das Brahms-Denkmal in Meiningen (Adolf von Hildebrand) und das zweite Bild Brahms selbst auf einem Gemälde von Carl Jagemann (nach einer Fotografie).
Das Eingangsbild des Videos 2 zeigt – passend zu Variation 14 – Schüler der Palucca-Ballettschule Dresden während der Soireè 2012 „Brahms: Die Händel-Variationen“ (Foto: Bettina Stöß).
Video (Notenbild) und Musik laufen bei Bildschirmaufnahmen auf dem alten XP-Rechner nicht exakt synchron, insbesondere wenn der Cursor über Notencluster rasen muss. Ich bitte untertänigst um verzeihendes Verständnis.
Zur Wiedergabe der Variationen habe ich das virtuelle Klavier von Steinberg „The Grand 2“ mit dem MIDI-Sequenzer „Sonar“ benutzt. Die Videos zeigen in einer Bildschirmaufnahme den jeweils aktuellen Ausschnitt der Sequenzersoftware während des Renderns der wav-Audiodatei.
Die folgenden MP3-Datei habe ich auf meinem neuen Rechner (Betriebssystem auf SSD, Intel Core i7, 16 GB RAM, Windows 8.1 64bit ) neu aufgenommen. Der Softwareflügel „The Grand“ von Steinberg konnte nun erst so richtig seine Stärken beweisen, da ich die volle Anschlagsdynamik bei maximaler Qualität des Sounds einstellen durfte, ohne dass der Rechner abschmiert oder einfriert. 😉

Variationen und Fuge über ein Thema von Händel op. 24 (Samplitude Music Studio 2013)

Wer’s lieber liest, was er wie hören und verstehen soll, der möge sich hoffnungsvoll an das folgende Zitat klammern:
Aus dem Konzertbuch „Klaviermusik“ des VEB Deutscher Verlag für Musik (1979):
Brahms entnahm das Thema für seinen wohl bedeutendsten Variations­zyklus Händels »Lessons for the harpsichord«. Die von Brahms etablierte Praxis, Themen bereits klassischer Autoren abzuwandeln, wird dann im weiteren 19. Jahrhundert zur Tradition, gipfelnd bei Reger. Siegmund- Schultze wies darauf hin, daß um die Entstehungszeit von op. 24 auch andere Händel-Variationen erschienen; man hat das Werk zu sehen mit einer bewußten Rückbesinnung auf die alten Meister. Ziemlich genau hält sich Brahms an die Vorgabe; der Takt wird nie verlassen, lediglich in 3 Wandlungen zum 12/8-Takt modifiziert, die Tonart nur viermal ge­wechselt — dreimal es-, einmal g-Moll. Das B-Dur-Thema (Aria, 4/4) ist regelmäßig aufgebaut, besondere Kennzeichen sind gleichartige Verzie­rungen und kolorierte Auftaktgruppen für jede Periode. Die 25 Varia­tionen fügen sich gelegentlich zu Paaren zusammen (Nrn. 7/8, 14/15, 17/18, 23/24). Oft arbeitet Brahms mit knappen Elementarmotiven, so den Dreitonzellen der 1. Variation (NB a), der 3. und 7. (NB b), den Zweitonzellen der 8. und 17. (NB c) sowie einer solchen mit Binnenpausc in Nrn. 23—25 (NB d), den Auftaktmotiven der 4.-6. Variation (NB e), mit Tonwiederholungen und orgelpunktartigen Achsen (7.-9. und 22. Variation); zusätzliche Farben bringen Triolen (Nrn. 2, 10, 21 und faktisch auch 23), Hornklänge (17 und 18), wiegender Sicilianotakt (19), chromatik (9 und – Akkordrückungen: 20) (NB a bis e).
In Variation 12 taucht der originale Baß wieder auf, Kanontechniken bestimmen die Variationen 6 und 16. Der Reichtum der gebotenen Stim­mungen und Kolorite erinnert an die von Beethoven entwickelten Charaktervariationen: Schellengeklingel (14), Jagdrhythmen (15), Spieluhrmusik (Variation 22 mit dreischichtiger Begleitung unter der «raziös punktierten Melodie — alles im Violinschlüssel). Die 13. Variation (Largamente, b-Moll) mit ihren obligaten Sextparallelen bildet den dunklen Ruhepunkt an zentraler Stelle; die letzten 3 Wandlungen sind untereinander durch jene hüpfende Rhythmuszelle (NB d) verbunden, steigern sich allmählich bis zum ff und leiten hin zur großangelegten, brillanten Fuge a 4. Deren freie Gestaltung knüpft allenfalls an die 16tel- Gruppe des Themas an. »Händelisch ist aber durchaus der Geist«, immer wieder »schimmern in den Mittelstimmen die einfachen Konturen des Originalthemas hindurch, und nach mächtiger Steigerung in den hohen Lagen … ertönt das Fugenthema im Marcatissimo-Baß in Vergrößerung, nun prachtvoll gekoppelt mit der ursprünglichen Form. Ein Abschluß wie der folgende mit seiner triumphalen Steigerung war vorher in der Ge­schichte der Musik nur im Finale der Beethovenschen Hammerklaviersonate op. 106 anzutreffen, mit der sich, nach dem bedeutenden ersten Versuch in op. 1, der reife Brahms nunmehr messen kann.« (Siegmund- Schultze)


 

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